Drohnen und Schwarmtrieb

  • Hallo zusammen,


    schon seit ein paar Tagen geistert eine Idee in meinem Kopf herum: könnte es theoretisch sein, dass der Schwarmtrieb (neben den anderen Faktoren wie Futterkranz, Bienen-Brut-Verhältnis usw.) auch durch die Anwesenheit fremder Drohnen im Volk ausgelöst wird?
    Vielleicht geht es nur mir so, aber irgendwie denke ich immer die Drohnenbrut mit den Weiselzellen eines Volkes zusammen - das macht ja aber überhaupt keinen Sinn, da die eigenen Drohnen ja eh nicht zum Zuge kommen werden. Aber einfach so junge Königinnen anziehen, ohne zu wissen, ob die Männers der Nachbarvölker schon bereit stehen, wäre ja auch verschwenderisch und würde so gar nicht zu den Bienen passen.


    Daher der Gedanke, dass die jungen Drohnen vielleicht erst einmal die Gegend scannen, den Völkern "ihre Aufwartung" machen und diese dann in 3-5-8 Tagen entsprechend reagieren.
    Ich meine, die Überlegung, dass Drohnen auch Informationen zwischen den Völkern einer Gegend transportieren, die hatten wir doch schon mal hier (bzw. Drohn und Sabiene, glaube ich).


    Viele Grüße
    Henrike

    Das Ganze ist mehr als das Summen seiner Teile.

  • Hallo Henrike,

    Zitat


    Daher der Gedanke, dass die jungen Drohnen vielleicht erst einmal die Gegend scannen, den Völkern "ihre Aufwartung" machen


    na, wie sieht s den aus bei Euch, schon Weiselzellen angeblasen ?
    vielleicht unter dem Motto, schön das Ihr einmal vorbei kommt, schaut Euch um, oder schon Hunger ? wir füttern euch gerne, USW.
    Nein Henrike, für mich ist dieser Gedankengang von Dir nicht nachvollziehbar,
    Auch die Drohnen aus den eigenen Stock kommen zum Zuge, wie sollte wohl sonst Inzucht bzw. Inzestzucht zu Stande kommen.
    Drohnen sind eigentlich nur Fresser, sie werden nur für die Begattung benötigt, müssen sogar von den Bienen gefüttert werden, und nun überlege einmal deine Theorie.
    Ich denke da kann nur die Wissenschaft eine genaue Auskunft geben.


    Gruß Jürgen
    Übrigens ich wünsche Dir ein Frohes und Gesundes Osterfest :p_flower01:

  • Hallo Henrike,


    kann es sein, dass Du die Bienen zu sehr vermenschlichst? Bienen "denken" nicht, Bienen "wissen" nicht bewusst, und Bienen handeln nicht nach logisch-menschlichen Maßstäben. Bienen sind großenteils instinktgesteuert, reagieren im weitesten Sinne auf Einflüsse gemäß ihrer genetischen Festlegung. Dazu gehört auch der Vermehrungstrieb.


    Gruß
    KME

  • Wer sagt außerdem das Drohnen nur Fresser sind ? In div. Literatur ist zu lesen ( weiß nich mehr wo..) das Drohnen auch Heizer sind bzw. waren. Kann ich mir gut vorstellen...


    Ganz so abwegig finde ich den Gedanken garnicht... müsste man mal bei benachbarten Ständen Testen man n ganzen A... voll Drohnen zeichnen und Testen ob an anderen Ständen welche davon auftauchen. Erst dann würde ich sagen ja oder nein.... Es passiert in den Völkern so viel von dem wir keiiinen blassen Schimmer haben, warum soll nicht auch das Mögluch sein....

    Carnica und Buckfast in Segeberger Styro DN u. DN 1,5

  • :lol: DER Versuch wurde schon vielfach unfreiwillig gemacht - z.B. wenn man frisch geschlüpfte Drohnen zeichnet für spätere Besamungszwecke - und Tage später tauchen an den umliegenden Ständen dann diese Drohnen auf.
    Im Schnitt wandern die 30-35km/Woche in alle Richtungen - also auch bei enger Inzucht auf dem eigenen Stand/der ganzen Gegend werden IMMER auch noch zugewanderte Fremddrohnen zum Einsatz kommen.
    So sie nicht vorher schon als Brut ausgeschnitten wurden....:roll:

    "Meet me in a land of hope and dreams"
    Bruce Springsteen

  • Hallo,


    so abwegig finde ich den Gedanken von Henrike mal gar nicht!
    Und eine Vermenschlichung sehe ich auch nicht.
    Es geht sehr weit verbreitet in der Natur darum, die Möglichkeit zur Inzucht bei der Fortpflanzung so gering wie möglich zu halten: Je höher der Anteil der eigenen Drohnen am Drohnensammelplatz ist, desto höher ist das Risiko der Inzucht. Dabei sind die Verwandschaftsgrade nicht vergleichbar mit Geschwisterlinien bei Säugetieren aber genetisch ähnlich sind sie trotzdem.
    Es ist also - ob mit Kenntnisnahme oder ohne - von Vorteil, wenn möglichst viele, genetisch unverwandte Drohnen draußen unterwegs sind, wenn die Nachwuchskönigin ausfliegt zur Begattung.


    Drohnen werden in der Fortpflanzungszeit überall eingelassen, wie man weiß. Und man weiß außerdem auch, dass die Wächterbienen sehr genau unterscheiden können, ob es nestfremde oder eigene Drohnen sind, die da am Flugloch reinspazieren!
    Genau das ist ja eben biologisch auch sehr sinnvoll, s. oben, weshalb die Natur dieses Verhalten sowohl bei den Völkern als auch bei den Drohnen sich hat so etablieren lassen. Das ist kein Zufallsprodukt nach wieviel Jahrmillionen Existenz.


    Zusätzlich ist auch noch Tatsache, dass die Drohnen zwar gefüttert werden müssen, einen kurzen Rüssel haben und kleine Mandibeln aber dafür eben prima Flugmaschinen sind! Riesenthoraces mit Flugmuskelmasse, (die isolieren gut die dicken Jungs...) Und wirklich regelrechte "Drohnen": doppelt so viele Einzelaugen und zehnmal soviele Sinnesplatten auf den Antennen wie eine Arbeiterin!


    Sind die wirklich nicht ein klitzekleines bisschen neben dem Auffinden der Prinzessin auch dazu da, dass ein Drohn, wenn er mit diesen Hochempfindlichkeitsgeräten bei seinen Erkundungsflügen mitbekommen sollte, dass seine Brüder sehr hoch konzentriert in der Umgebung vertreten sind, er sich entscheidet, noch ein paar Kilometer ranzuhängen? Und findet er eine Herberge, dann wissen die Wächter dort: er kommt von weit her, die Marke kennen wir nicht.
    Wonach duftet er noch, was gibt es außerdem an Infos an ihm?
    Wissen wir doch alles gar nicht!
    Wozu Pollenbürstchen? Wozu Futtersaftdrüsen? Die Transportieren die Genetik des Volkes hinaus in die Umgebung und noch viel weiter. Und das ist auch Arbeit.
    Dieser Ausdruck "nur Fresser" wird den Jungs nicht gerecht.
    Sie sind ein bißchen Luxus, Ausdruck von Lebenskraft, Potenz, Saisonarbeiter, ja. Aber nicht "nur".


    Ich mag Drohnen :cool:


    Grüße


    Marion

    "Wer die Leidenschaft als Jugendsünde abtut, degradiert die Vernunft zur Alterserscheinung".
    Hans Kasper

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  • Guten Abend allerseits,


    da ich mir aller 2 Jahre ne Buckfast F1 ins "stechwütige" Carnica-Land hole, weiß ich hierüber gut Bescheid. Eine Drohnenvermischung/-wanderung scheint es meiner Beobachtung nach NICHT zu geben. Für mich gehört das in die Kategorie: Eine(r) denkt sich das aus und der Rest plappert's so lange nach bis es zur "Wahrheit" wird.

  • Hallo,


    dazu haben sich bereits einige Gedanken gemacht und auch Ergebnisse veröffentlicht, u.a. Ruttner (mit Prof. Pirchner), H. Pechhacker, veröffentlicht in Apidiologie:


    Es kommt in nicht unerheblichem Maß auch auf die Gestaltung der Umgebung an.
    Drohnen machen wohl erst einmal Orientierungsflüge und finden dann einen attraktiven Drohnensammelplatz, den sie weiterhin ansteuern.
    In den durchgeführten Versuchen flogen 10% der Drohnen weiter als 5 km, dabei auch erhebliche Höhenunterschiede. Die Flugweite hängt wohl außer vom Gelände noch stark ab vom Drohnenangebot des Sammelplatzes in der Nähe, herrscht dort nicht genug Besuch (Sammelplatz gilt als stabil mit mind. 11.000 Drohnen, festgestellt wurden Drohnen aus bis zu 240 Völkern...), so suchen sie einen weiteren auf; auch mehrere können bei einem Paarungsflug aufgesucht werden.
    In engen Gebirgstälern sind die Distanzen deutlich kleiner (weshalb Gebirgsbelegstellen mit entsprechenden Radien und Randgürtel gute Reinzuchtmöglichkeiten ausgesprochen werden).


    Und Königinnen fliegen auf dem Hochzeitsflug durchschnittlich > 2 km und maximal wurden 12 km festgestellt.


    Ich denke, mit Reinholen von F1-Königinnen kann man da nicht unbedingt selbst etwas beobachten, wenn man die Drohnensammelplätze nicht kennt und markiert hat, an Einzelmerkmalen ist das nicht rauszufinden.
    In den Versuchen wurden deshalb Cordovan-Königinnen eingesetzt, da geht`s eindeutig auf einen Blick.


    Grüße


    Marion

    "Wer die Leidenschaft als Jugendsünde abtut, degradiert die Vernunft zur Alterserscheinung".
    Hans Kasper

  • Hallo zusammen, (ich probier's noch mal mit sehr lausiger Internetverbindung)


    es liegt mir fern, die Bienen zu vermenschlichen, vielleicht habe ich meinen Gedanken etwas zu bildlich beschrieben. Es ging mir genau um den Vorteil bei der Begattung, den Marion :daumen: beschreibt. Dass die Drohnen wandern bzw. in andere Völker einkehren halte ich für erwiesene Tatsache, das wurde doch vielfach nachgewiesen.
    Wie steht es denn mit der Begattung der Königinnen durch eigene Söhne, gibt es da Zahlen, ob die wirklich und wenn ja, überhaupt signifikant zum Zuge kommen? Ich dachte bisher, dass das nicht der Fall wäre und Inzucht über nahe Verwandtschaftverhältnisse im Umfeld entsteht...?


    Man könnte ganz provokant sogar noch weiter mutmaßen, ob die Anzahl angesetzter Weiselzellen auch mit der Menge und "Diversität" des vorhandenen Drohnenpools zusammenhängt...:cool:


    Viele Grüße
    Henrike

    Das Ganze ist mehr als das Summen seiner Teile.

  • Moin Henrike,


    das würde aber voraussetzen, dass die Völker erst Zellen ansetzen, wenn sie bereits flugfähige Drohnen wahrgenommen haben bzw. sogar welche mit fremden Genmaterial.
    Die verplemperte Zeit für so was wäre jedoch meiner Meinung nach biologisch unsinnig.
    Man sieht doch in einem Schwarmtriebigen Volk, dass die Drohnenbrut erst ansetzen, diese dann verdeckelt wird. Dann kann man davon ausgehen, dass es bis zur Geschlechtsreife nochmal dauert. Und zum Zeitpunkt der Reife ist die Königin ungefähr brünstig.
    Das haut auch ca. so hin.
    Die Entscheidung zum Schwärmen wird vermutlich viel, viel früher gefällt. Und sie gehen einfach davon aus, dass andere Umgebungsvölker dies ebenso tun in der zeitlichen Entwicklung. Manche früher uns andere später.
    Beim Schwarmbarometer sieht man das auch ganz gut.
    Es wäre anders dargestellt vermutlich eine Gauss´sche Kurve. Das Risiko für unzureichende Begattungen aus Drohnenmangel ganz links besonders erhöht und ganz rechts dann auch wieder.


    Grüße


    Marion

    "Wer die Leidenschaft als Jugendsünde abtut, degradiert die Vernunft zur Alterserscheinung".
    Hans Kasper

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  • ...
    das würde aber doch voraussetzen, dass die Völker erst Zellen ansetzen, wenn sie bereits flugfähige Drohnen wahrgenommen haben bzw. sogar welche mit fremden Genmaterial.
    Die verplemperte Zeit für so was wäre jedoch meiner Meinung nach biologisch unsinnig.


    Das war aber eigentlich genau mein Gedanke. Für so biologisch unsinnig halte ich das nicht, und würde die zeitliche Entwicklung bis zur Begattungsfähigkeit der Drohnen nicht auch passen?
    Im Grunde ist der Bienen doch um diese Zeit zwittrig, ähnlich einer Blüte. Hier die Narbe, dort die Staubbeutel, eines soll begattet werden, das andere dient der Weitergabe der Gene. Natürlich gehört beides zusammen, aber es sind doch zwei getrennte Vorgänge.
    Natürlich wird die Entscheidung zum Schwarm schon früher getroffen (kann aber auch wieder abgeblasen werden) und ist von zahlreichen weiteren Faktoren abhängig, keine Frage.
    Es ist auch mehr so ein unausgereifter Gedanke, ich grüble noch drüber :-D, trotzdem vielen Dank fürs sehr anregende Mitdenken :liebe002:


    Viele Grüße
    Henrike

    Das Ganze ist mehr als das Summen seiner Teile.

  • Hi Henrike,


    es ging ja um den frühest-sinnvollen Zeitpunkt und Timing. Also eigentlich um die Frage, setzen sie ganz unbeeinflusst sowieso Schwarmzellen an oder gibt es eine Beeinflussung durch Wahrnehmung der Versorgung mit begattungsfähigen Drohnen im Umfeld.


    Der Vorschwarm dient der Arterhaltung und die Nachschwärme sozusagen der Vermehrung.
    Alt-Königinnen sind dabei die noch funktionierenden Ovarien des Volkes mit der aktuell vorhandenen Genetik, an einen anderen Ort verbracht (Vorschwarm). Und zum anderen gibt es eine neue Genetik mit den Prinzessinnen als andersartige und frische Ovarien und dann auch nochmal je nach Begattung eine wieder neu gemischte/kombinierte Genetik. Neuvolk-Keimlinge sozusagen. Entweder verbleibend oder ab in die Welt.
    Drohnen des Volkes sind die ausgesandten Kopien der aktuellen Königin in die Welt hinaus gesandt.


    Über den Beginn der Drohnenerkundungsflüge in der Altersstruktur der Drohnen habe ich nichts finden können - also wann ab Schlupfdatum sie damit beginnen. Erst dann wären sie "registrierungsfähig", wenn sie mal in Fremdvölkern auftauchen.


    Eine erst dann dadurch beeinfluste Schwarmzellenanlage würde 16 Tage plus ein paar Tage bis zur Brunft dauern. Also bei Abwarten von bereits geschlechtsreifen Drohnen (auch fremde) würde das locker 2 Wochen Wartezeit ausmachen. Daran glaube ich nun nicht.


    Andersherum gesehen und gefragt:
    Wozu dieser Luxus, Drohnenbrut in diesen Mengen anzusetzen, wenn zu diesem Zeitpunkt noch nicht bekannt ist, ob es in der Gegend überhaupt Nachbarschaften gibt, die auch Prinzessinen in die Lüfte lassen werden?
    Risikoinvestition und Luxus. Zockerei? Wieviele dieser vielen Drohnen werden überhaupt nur ihre angestammte Bestimmung erfüllen?


    Und Prinzessinnen sind auch Risiko: Verlust, Verflug, Überschuss nach bereits gelungenem Schlupf einer Prinzessin gnadenlos abgestochen.


    Fortpflanzung scheint ohne Vollinvestitionen und Überschusswirtschaft nicht zu gehen.
    Wozu lässt der Hirsch sich eigentlich schon so früh im Jahr mit solch einem Aufwand ein Geweih sprießen, wo er doch noch gar nicht weiß, ob im Herbst genugend Weibsvolk um ihn herum da ist und ob es überhaupt reichen wird mit dem Geprotze? :wink:


    Soweit nochmal weiter gesponnen


    Marion


    Edit: und sooo viel scheinen die Jungs auch nicht mal eben schnell zu vagabundieren bzw. nicht grundsätzlich: Sie müssen schließlich auch immer wieder zur Versorgung heim oder zumindest sicher in ein Volk einkehren, selbst auftanken am Blümchen zwischendurch geht nicht! Da ist es einfacher, heim zu finden als eine neue Bleibe aufzutreiben. Vielleicht fliegen sie aber auch vom Drohnensammelplatz, wo große Versammlung ist, in Trupps heim und verteilen sich dort neu, weil sie einfach zu einem Teil sich anderen Heimkehrtrüppchen anschließen?


    ...da kommen immer neue Fragen auf!

    "Wer die Leidenschaft als Jugendsünde abtut, degradiert die Vernunft zur Alterserscheinung".
    Hans Kasper

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