Schwarmdruck

  • Hallo Imker/innen,


    ich hab mal eine Frage zur Qualifizierung des Schwarmdruckes und wäre Euch sehr dankbar über Eure Meinungen dazu. Ich suche sowas wie eine Prio-Liste für den Schwarmdruck: Also welche Kriterien gibt es und wie sind sie zueinander gewichtet. Daraus könnte man einen "Schwarmfaktor" entwickeln, der dann im Vergleich zu einer Referenz die Wahrscheinlichkeit eines Schwarmes halbwegs objektiv vorhersagt. Z.B. werden alle Kriterien ihrer Signifikanz nach von 1-3 eingestuft und dann mit einen Faktor von 1-5 gewichtet.


    Kriterium, Signifikant, Wichtung
    Genetik, 1, 3 (schwarmträges Volk, aber wichtiges Kriterium)
    Platzmangel, 3, 2
    Pollenangebot, 3, 1
    volle Honigkappe, 3 3
    ????, ?,


    Gibt es soetwas schon, ist diese Matrix hilfreich/sinnvoll, sollte man das entwickeln?


    schönen Tag und viele Grüße
    Gerhard

    Das ist der ganze Jammer: Die Dummen sind sich so sicher und die Klugen zweifeln so sehr.

  • Ich sehe den Sinn einer solchen Matrix nicht - was willst Du damit bezwecken?

  • Also Hintergrund ist, dass ich Vorgestern bei einem starken/gesunden Volk so viele WZ fand, dass ich einen Königinnenableger machen musste, um das Schwärmen sicher zu verhindern. Den HR habe ich schon vor 3 Wochen aufgesetzt, er war noch kaum befüllt. Volle Honigkappe scheint also nicht das Hauptkriterium für einen Schwarm zu sein.


    Für den Königinnenableger ist es meiner Meinung nach auch noch zu früh, es gibt ja noch kaum "gschdandene" Drohnen, das sind jetzt erst noch diese Milchbuam. Also zur erfolgreichen Reproduktion ist es noch etwas früh und bei den Bienen stellt sich ja diese moralische Frage: Sex aus reiner Lust, nicht.


    Aber mir stellt sich die Frage: Was treibt denn gerade dieses Volk zum Schwärmen?


    viele Grüße
    Gerhard

    Das ist der ganze Jammer: Die Dummen sind sich so sicher und die Klugen zweifeln so sehr.

  • Hallo,


    mit dieser Matrix könnte man das Schwarmverhalten doch viel besser einschätzen. Ich bräuchte dann nur die gefährdeten Völker auseinanderreissen, die Eingriffe also reduzieren und teilweise sogar "Schreibtisch-Diagnosen" vornehmen.


    viele Grüße
    Gerhard

    Das ist der ganze Jammer: Die Dummen sind sich so sicher und die Klugen zweifeln so sehr.

  • ...HR habe ich schon vor 3 Wochen aufgesetzt, er war noch kaum befüllt. Volle Honigkappe scheint also nicht das Hauptkriterium für einen Schwarm zu sein.
    ...


    Hallo Gerd,


    wenn das so simpel wäre, dann wäre zumindest ich sofort dabei.


    Bist Du Dir bei Deinen erwähnten Gegenargumenten wirklich sicher, daß sie schwarmdämpfend sein müssten?


    Vor 3 Wochen habe ich hier im recht kühlen Brandenburg auch die HR aufgesetzt.
    Meine HR wurden angenommen, teilweise sind schon 2 halbe HR drauf, der 1. ist gut angetragen.
    Die Honigkappe muss nicht im HR sein, kann natürlich auch im Brutnest liegen. Vielleicht sind Deine Brutnester schon verhonigt (müssten sie eigentlich...)?


    Gruß Jörg

  • dass ich Vorgestern bei einem starken/gesunden Volk so viele WZ fand, dass ich einen Königinnenableger machen musste, um das Schwärmen sicher zu verhindern.


    Ist die Zahl der WZ tatsächlich ein ungefähr lineares Art Barometer für den Schwarmdruck des Volkes?
    Kann man daran also ablesen, dass der Schwarmtrieb bei vielen WZ höher ist / länger anhalten wird als bei einem Volk mit wenigen WZ?


    Gruß
    hornet

  • Hallo Hornet,


    ich glaube ja. Zumindest meiner bisherigen Erfahrung nach war es so, dass die gebrochenen WZ in Kürze wieder nachgebaut wurden.


    Aber Deine Frage bestätigt mich in meinem Anliegen einer Schwarm-Matrix. Vieles in der Imkerei folgt auch irgendie einer Fuzzy Logic. Natürlich haben erfahrene Imker sich über viele Jahre viel Wissen angeeignet. Es ist aber nicht immer einfach dieses Wissen zu beschreiben, weil es zu den konkret erfassten Fakten auch - so erkenne ich das zunehmend bei mir selber - etwas gibt, das als "Feeling" bezeichnet wird. Feeling ist aber im Grunde auch nur eine Kopf-Bewertung einer größeren Anzahl von komplexen Daten.


    Ob nun über eine konkrete Matrix, mit empirischen Methoden, oder mit den Methoden der Fuzzy Logic, ich kann mir einfach nicht recht vorstellen, dass dieses "Feeling" nicht mehr zu konkretisieren wäre. Liege ich denn wirklich so falsch, wenn ich behaupte, dass erfahrene Imker den Schwarmdruck aus einer Vielzahl von Kriterien erfassen und im Kopf bewerten und dass es durchaus Methoden geben müsste, diesen Vorgang auch konkret zu beschreiben?


    viele Grüße
    Gerhard

    Das ist der ganze Jammer: Die Dummen sind sich so sicher und die Klugen zweifeln so sehr.

  • Schwarmmindernde Maßnahmen:


    0. Schwarmträge Genetik.


    1. Junge Königin vom Vorjahr. Reduziert das Schwarmverlangen massiv. Meistens schwärmen die eher und schneller mal, wenn sie eine alte Königin haben.


    2. Viel frische Brut. Junge Brut wirkt schwarmdämpfend. Nach Adam kannst Du eine offene Brutwabe von kleineren Völkern mit einer verdeckelten Brutwabe aus einem stärkeren Volk tauschen. Das fördert die Kleinen und dämpft die Starken etwas.


    3. Rechtzeitig den Honigraum mit ausgebauten Waben geben.


    4. Rechtzeitig den Brutraum anpassen. Knallen sie Dir alles voll mit Pollen, hast Du verloren.


    5. Keine großartigen Spielereien im Brutnest. Mittelwand dazwischenhängen, ausgebaute Waben hier oder da hinhängen - alles Mist. Die Königin legt spiralförmig ihre Eier, von innen nach außen. Das System funktioniert so: schlüpfen die jungen Bienen im Inneren des Brutnestes werden die Zellen frei und können bestiftet werden. Und zwar werden die Zellen in dem Maße frei, wie die Königin Eier legen kann! Das heißt aber auch, daß sie die Chance und Gelegenheit hat, schneller als die Sammlerinnen zu sein, die reinkommen und ihr Zeug in die nächste freie Zelle abladen. (Und wieder rausfliegen, um mehr zu holen.)


    Des Weiteren putzen die geschlüpften Jungbienen die freigewordenen Zellen und diese Zellen stinken dann nach: bestifte mich! Solche Zellen machen die Königin an. Außerdem liegen sie in der spiralförmigen Bahn, die die Königin zieht. Egal was Du in diese Bahn stellst, es stört den sogenannten Legegang.


    Deswegen läßt man das Brutnest schön so wie es ist. Im frühen Frühjahr ist am Brutnest nichts anderes zu tun, als die überflüssigen leeren Zellen und nicht bienenbesetzten Waben zu entfernen. Sonst kloppen die da gnadenlos ihr Zeug rein. Wenn Du da Mittelwände oder sowas reinhängst, verpollt das Nest oder wird mit Nektar zugeknallt und dann hast Du den Schwarmsalat sehr schnell angerichtet.


    Davon ausgenommen sind Drohnenwaben, weil diese im zeitigen Frühjahr sehr gern mit Drohnenbrut belegt werden. Außerdem ist so ein Drohnenrahmen ein Königinnenmagnet. Wissenschaftler würden wahrscheinlich den Eigennutz der Königin suchen, die mit den Drohnen ihre eigene Genetik weitergeben will. Wie auch immer. Wenn Du den Legegang, die Kreise der Königin erweitern willst, und Du willst ja möglichst viele Bienen haben, dann kannst Du die Königin mit dem Drohnenrahmen an die eine Seite des Brutnestes ziehen.


    Zum Bauen sollen die Bienen möglichst in den Honigraum gehen. Die Jungbienen sind es, die bauen. Und die Jungbienen sind es, die den Nektar entgegennehmen. Ein Haufen Sammlerinnen nutzt nicht viel ohne Jungbienen, die ihnen das Sammelgut abnehmen. Mit den Baugelegenheiten, sprich: Mittelwänden bestimmst Du also, wo der Nektar hingelenkt wird. Auch hier ist ein angepaßter Brutraum von Vorteil. Da gibt es keinen Platz, sprich: leere Zellen für (übermäßigen) Pollen und Nektar. Pollen wird dann weniger heftig gesammelt, umso mehr Nektar, der dann nach oben gepumpt wird. Die Pumpe = das sind die Jungbienen.


    Dabei muß man wissen, daß nur ständig mit Bienen besetzte Waben zur Honigablagerung genutzt werden. Unbesetzte Waben werden nicht so gerne zur Honigablagerung benutzt. Wenn Du unten alle leeren und unbesetzten Waben wegnimmst, dann bleibt den vielen vielen schlüpfenden Bienen nur die Leerwaben des Honigsraum, um herumzulaufen und sich dort aufzuhalten. Deswegen funktioniert der Trick mit dem Hochhängen von Brutwaben so gut, die Bienen halten sich dort auf, um die Brut zu pflegen, die wollen sie nicht im Stich lassen. Gleichzeitig ist das Hochhängen von Brut grober Unfug. Denn Du störst den Legegang der Königin massiv und nimmst ihr zwei Waben mit Eilegemöglichkeiten weg. Deswegen empfiehlt es sich, den Brutraum anzupassen und das Volk einfach mal wachsen zu lassen. Bis es von selbst die Leerwaben im Honigraum beläuft. Oder Du wartest darauf, daß die Waben des angepaßten Brutraumes vollständig verdeckelt sind und es einfach sehr viele bald schlüpfende Waben = leere Zellen zur Eiablage gibt. Dann hängst Du zwei verdeckelte und kurz vor dem Schlupf stehende Waben nach oben. Diese Brut braucht auch die Wärme des Brutnestes nicht so. Unten schachtelst Du zwei Mittelwände rein, die von den vielen Jungbienen (rechne mal die Zellenzahl von 5.000 Zellen und mehr pro Wabe mal Wabenzahl!) im Nu ausgebaut wird. Die Königin wird dann die nach und nach ausgebauten Zellen sofort bestiften, noch bevor sie überhaupt fertig ausgezogen wurden. Das Brutnest und der Legegang bleiben gut erhalten.


    Die allermeisten Schwärme sind hausgemacht durch Spielereien im Brutnest und falsches Erweitern. Wenn man das mal rechnerisch betrachtet, braucht die Königin von März bis Mitte Mai ein und dieselbe Brutnestgröße. Erst dann - ab der Schwarmzeit! - wird der Brutumfang zu groß für den Frühjahrsraum. Erst dann sollte man den Brutraum mit Mittelwänden oder Leerwaben erweitern.


    6. Nicht bei der ersten Schwarmzelle in Panik verfallen. Einmal alle Zellen brechen. Falls notwendig, noch ein weiteres Mal alle Zellen brechen. Erst beim dritten Mal würde ich einen kleinen Ableger mit der alten Königin machen. Bis dahin hat sie noch weitere Brutbretter angelegt. Und wenn z. B. 11 Waben DNM voll mit Brut sitzt, und die Bienen daraus schlüpfen, wird das ein Hammervolk. Erst das Volk sich voll entwickeln lassen und dann erst die letzte Karte ziehen.


    7. Flügel der Königin schneiden. Das kauft Dir Zeit. Denn die alte Königin kann zwar verloren gehen, aber nicht das Volk. Die Arbeiterbienen kehren zurück und die Volksstärke bleibt erhalten. Und Du hast bis zum Schlupf noch acht Tage Zeit. Die alte Königin schwärmt, wenn die erste Schwarmzelle verdeckelt wird. 3 Tage Ei, 5 Tage Larve, 8 Tage Verdeckelung. Bis zum nächsten Schwarmversuch bleiben Dir noch eine Woche Zeit. Auf diese Weise brauchst Du nicht alle 7 Tage, sondern nur alle 14 Tage kontrollieren. (Wenn es gerade eine schwarmfiebrige Phase ist, wöchentlich.) Du störst mit deinem Gefummel im Brutnest nicht so und auch das wirkt sich schwarmmindernd aus: Ruhe!



    Soviel auf die Schnelle zum Thema Schwarmdruck und wie man damit umgeht.

  • Hallo Bernhard,


    erst mal sehr vielen Dank, das ist wirklich eine sehr hilfreiche Beschreibung der Vorgänge.
    Denke dass ich zuviel mit den MW's und zusätzlichen ausgebauten Waben rumggespielt habe. Dein Beitrag ist wirklich konkretes Wissen und Hilfe.


    danke nochmal, schönen Nachmittag und viele Grüße
    Gerhard

    Das ist der ganze Jammer: Die Dummen sind sich so sicher und die Klugen zweifeln so sehr.

  • Hallo Bernhard,


    ich habe zu deiner sehr guten Hilfestellung mal eine Frage. Ein Volk von mir zieht gerade von Zander (untere Brutraumzarge - noch bis Sonntag mit Brut) nach Dadant (obere Zarge - Königin mit Absperrgitter fest gesetzt) um. Aktuell habe ich mit dem Baurahmen 7 Waben im Dadantformat eingehängt. Die unteren Zanderrähmchen sind am auslaufen und am Sonntag war es das dann. Dann kommt unten der Brutraum samt alter Waben komplett weg.


    Im Dadantbrutraum sind aktuell rund 3 Waben mit Brut (plus dem Baurahmen - also Summe 4) voll. Können auch vier Arbeiterinnen plus Drohnenrahmen sein. Auf jeden Fall sind viele Zellen mit Pollen und Nektar voll. Dazu noch eine dicke geschlossene Honigkappe. Der Honigraum, den ich einfach mal oben aufgestellt hatte, wird gar nicht angenommen - schon klar - zu viel Platz. Was mache ich am Sonntag mit dem ganzen kram? Einfach unteren Raum wegnehmen und gut ist oder doch noch eine MW ins Brutnest geben, damit der Honigraum angenommen wird oder eine Wabe mit Pollen raus und durch MW ersetzen? Bin mir echt unsicher, ob ich nicht durch das einengen direkt die Schwarmlust entfache?!?


    Ach ja zur Honigkappe. Die ist, wie gesagt geschlossen und belegt bestimmt 1/3tel der Dadantwabe. Die alte Brut verteilt sich im Zanderraum übrigens noch über 5 Brutwaben.

  • Hallo Bernhard,


    das ist eine gute Beschreibung. Dennoch gibt es ein wichtiges Detail, das meines Erachtens nicht ganz richtig dargestellt ist. Wenn man im März schon den für Mai gedachten angepassten Brutraum gibt (bei Dadant oder 1,5DNM), werden die Bienen einerseits ihr Brutnest ausdehnen und andererseits aber an den Rändern des Brutnests Honig und Pollen eintragen und so die Ausdehnung des Brutnests behindern. Deshalb muss das Schied im März eng gesetzt werden, z.B. auf 4 Waben 1,5DNM. Hinter dem Schied sollten sich entweder voll gefüllte Futterwaben oder Mittelwände/Leerrahmen, keinesfalls Leerwaben befinden. So wird von Anfang an die Ablage von Honig im Brutraum verhindert. Mit Beginn der ersten Tracht (Weide) ist in dieser Betriebsweise das Aufsetzen des Honigraums sinnvoll, damit die Bienen eingebrachten Nektar außerhalb des Brutraums lagern können. In der Segeberger Beute ist das wegen der guten Warmhaltigkeit problemlos möglich, zu der Dadantbeute müssen sich die Dadant-Imker äußern.
    Wenn sich der Raum hinter dem Schied füllt und Bautrauben sich dort sammeln, dann muss der Raum vor dem Schied erweitert werden mit Mittelwänden/Leerrahmen. Ich gebe pro Woche maximal einen Leerrahmen direkt ins Brutnest. In diesem neuen Rahmen wird nur Brut angelegt und praktisch kein Futter eingelagert. Die Brutwaben werden dazu nicht gezogen, sondern durch Auseinanderrücken wird eine Baulücke geschaffen, die die Bienen schnell schließen wollen. Eine Durchsicht ist in dieser Zeit nur für die Randwaben sinnvoll. Randwaben, die statt mit Brut nur mit Pollen und Futter gefüllt sind, werden entfernt. Im April, also jetzt, setze ich vereinzelt auch Waben an eine andere Position. Wenn die Bienen sich z.B. entschlossen haben, einen Rahmen komplett mit Drohnenbau zu füllen, setze ich so eine Wabe auch schon mal an den Rand oder entferne sie. Dasselbe mache ich mit Waben die ich weghaben will. Nachteilige Wirkungen habe ich nicht festgestellt. Übertreiben sollte man so etwas aber nicht, da hast du schon Recht.
    Zusammengefasst: Ich passe den Brutraum von anfangs klein bis auf die erforderliche Endgröße nach Bedarf dynamisch an, um die Einlagerung von Pollen und Futter in der Aufbauphase zu vermeiden. Der Honigraum wird mit der ersten Tracht gegeben, um Lagermöglichkeit für eingetragenen Nektar zu schaffen. Das Einfügen von Leerrahmen in das Brutnest steigert nach meiner Beobachtung nicht das Schwarmrisiko, sondern wirkt schwarmtriebdämpfend, wie auch bei Michael Bush zu lesen ist.


    Gruß Ralph

  • Hallo Frank,


    ich würde alle Waben, die keine Brut enthalten, entfernen und durch Leerrahmen/Mittelwände ersetzen. Ein Schied zu setzen, würde sich nicht anbieten, solange sich darunter die Zanderzarge befindet. Falls du am Sonntag aber die Zanderzarge entfernen kannst, würde ich an deiner Stelle das Brutnest an den Rand rücken, zusätzlich eine Mittelwand/Leerrahmen geben, das Brutnest mit einem Schied abschließen und dahinter nur Leerrahmen geben. Dann sollte der Honigraum auch relativ schnell angenommen werden.


    Gruß Ralph