Anforderung Seuchenfreiheitsbescheinigung

  • Moin,


    ich bin stinksauer! Erstens sind inzwischen die Landkreise hier riesig und zweitens haben sie alle andere Anforderungen an die Seuchenüberwachung und die Ausstellung der Freiheitsbescheinigung. Ich habe Vereins-Mitglieder in der Stadt Leipzig, Leipziger Land, Nordsachsen und Mittelsachsen. Alle Kreise liegen an, um und ineinander.


    Die LUA ruft für eine Negativbeprobung 5,11€ auf. Sie ist für alle diese Kreise zuständig. Für eine Positivbeprobung sind es 7,67€. Poolen im Labor ist möglich. 5 zu 1 kann bei Negativbeprobung auch schon draußen gepoolt werden. Nach Bundesleitlinie müssen/dürfen/können bei Völkerzahlen unter 10 alle Völker untersucht werden. Darüber bleibt es bei den 10. Ab 50 werden es dann 25.
    Wörtlich heißt es: Bei weniger als 10 Völkern sind alle, bei 10 bis 50 Völkern sind mindestens 10
    Völker bis maximal 50% und bei mehr als 50 Völkern sind mindestens 25 Völker bis
    maximal 20% zu untersuchen.
    Es heiß nicht, mindestens 50% oder mindestens 20% sondern nein, die Maximalzahl ist begrenzt. Mehr dürfen dann nicht untersucht werden, oder wie?:eek:


    Und weiter geht es:
    Bienenvölker gelten als frei von AFB, wenn keine klinischen Symptome oder keine
    Sporen des Erregers der AFB festgestellt wurden.

    In der Verlinkung von Nordsachsen steht direkt dahinter der in der Bundesleitlinie fehlende Satz: Futterkranzproben sind für die
    Erteilung eines Gesundheitszeugnisses nicht erforderlich.


    In Nordsachsen wurden nun nach Ausbruch doch Futterkranzproben verlangt. Genaues kann vielleicht Steffen beitragen.
     
    Im Leipziger Land ist mein letzter Stand der, daß sowohl Begutachtung aller Völker als auch zusätzlich Futterkränze aller Völker verlangt werden. Und zwar komplett auf Kosten desjenigen, der eine Genehmigung zum dauerhaften Verbringen überhaupt oder Wandern über die Kreisgrenze hinaus erhalten will. Ob diese Proben als Pools zu 5 gezogen werden dürfen oder ob die einzeln gezogen im Pool untersucht werden dürfen will keiner entscheiden. Über die Standorte hinaus darf jedenfalls nicht gepoolt werden.


    Für Mittelsachsen und die Stadt Leipzig waren keine exakten Aussagen am Telefon zu erfahren. Es war schlicht niemand erreichbar, der halbwegs Ahnung gehabt und die Problematik erkannt hätte.


    Ja um himmelswillen, das ist doch Verwaltung! Die müssen doch wissen was sie wollen. Mir ist ja völlig egal, ob nun jeder Landkreis da was Eigenes macht, aber wissen was sie wollen, müssen sie doch. Es ist doch ein riesen Unterschied, ob ich nun mit 25 Völkern an 5 Standorten 25 Einzelproben zu 5,11€ plus den anreisenden BSV und die ungefähr (so genau weiß mans nicht) 25€ Gebühr für die Ausstellung der Urkunde zahlen muß oder ob das eben nur 10 Durchsichten mit 2 gepoolten Proben kostet. 127,75€ kostet alleine das Labor im ersten Fall 10,22€ im zweiten.


    Wie ist denn die Anforderung in Eurem Landkreis? Was genau und zu welchen Kosten will das Amt und was kriegt Ihr dafür? Was kostet Euch der BSV?

    Mit vielen freundlichen Grüßen
    Henry Seifert (Honig-Bienen-Kurse-Gutachten)
    Faulbrutsanierer, Königinnenverschicker, Schwarmfänger, Bienenretter, Streitschlichter, Kunstschwarmkehrer, Belegstellenwirt, Imkerpate, Probennehmer, Schadenschätzer, Ablegerbilder

  • Bei mir am alten Landkreis (Bayern):


    Amtvet kommt zum Stand und guckt 7 von 7 Völker an (Streichholzgiekeln), findet keine Anzeichen. Stellt die Bescheinigung dann per Post zu, mit der Bitte, +-50€ für Zeit/Fahrtkosten zu überweisen.


    Für Verbringungen innerhalb Bayern gäbe es dann wohl noch die light-variante: ein Zettel, der besagt, dass die Bienen nicht im Sperrbezirk stehen (für+-10€). Jedenfalls wenn ich die Darlegung des Veterinärs richtig verstanden habe.


    Stefan
    P.S: witzig, dass man bei euch vorher schon festlegen kann, ob nu das Ergebnus nu positiv oder negativ ausfallen soll (nicht Ernst nehmen)


  • Wie ist denn die Anforderung in Eurem Landkreis? Was genau und zu welchen Kosten will das Amt und was kriegt Ihr dafür? Was kostet Euch der BSV?


    Zufällig habe ich die Rechnung noch vor mir liegen.


    Alle Völker bzw. Brutwaben an einem Stand werden begutachtet.
    Seidem im letzten Jahr im Landkreis in einem Gebiet AFB festgestellt wurde, werden nun auch Futterkranzproben gezogen.
    Davor gab´s das Gesundheitszeugnis ohne Futterkranzprobe. Hauptsache die Brut sah hübsch gesund aus.


    Dieses Jahr habe ich 6 Völker untersuchen lassen.
    Kosten:
    Ziffer 2212 §9 Abs.1 Ziff. 1 HVwKostG = 10,00€
    - Zeitaufwand- je angef.1/4 Std 2,50 € (4x2,50) = 10,00€
    - Fahrtkosten-je km 0,35€ (73km) = 25,55 €
    Gesamt: 45,55 €


    Ist halt wie im echten Leben.
    Das Drumherum kostet mehr, als das, worauf´s ankommt.


    sonnige Grüße
    Regina, die gerne einen BSV in ihrer direkten Nachbarschaft hätte.

    Was der Bauer nicht kennt, das frisst er nicht. Würde der Städter kennen, was er frisst, er würde umgehend Bauer werden.(Oliver Hassencamp)

  • In Berlin momentan hirnrissig hoch da keine BSV vorhanden resp. (noch) nicht zur Probeentnahme amtlich zugelassen.
    Also kommt der Vet selbst und schickt ein, natürlich auch nicht an das vom Land geförderte Länderinstitut für Bienenkunde in Hohen Neuendorf, sondern zu dem weitaus teurer berechnenden Landeslabor Berlin nach Frankfurt/Oder.
    Kostet damit aktuell bei einem Stand mit einer Sammelprobe runde 80 Glocken...mindestens!
    Und das vor dem Hintergrund, dass ich die Bescheinigung schon brauche wenn ich meine Immen von einem Stadtbezirk in den nächsten bringe, was manchmal eben gleich um die Ecke ist...die Bezirke sind nun kaum mit echten "Landkreisen" zu vergleichen in Sachen Fläche!


    Melanei

  • Du rufst den BSV an, der kommt und guckt. Ausgiebigkeit nach Einschätzung. Fahrtkosten nach Sympathie.
    Mailt das ans Vetamt, eine Woche später hast Du ein Gesundheitszeugnis. Kostet 15€


    Futterkranzproben werden jährlich reihum kostenlos genommen. Jeder aus dem Kreis ist mal dran, wird gelost. Nichtvereinsimker werden natürlich leider nicht erfasst.


    In meinem neuen Gebiet in der Pfalz hab ich noch keine Erfahrung.


    Gruß Jule

    Begeisterung ist der Schlüssel zum Tor der ungeahnten Möglichkeiten.

  • Bei uns aktuell:
    Liste der freiwilligen Teilnehmer an der AFB-Beprobung an den BSV.
    Der kommt, beprobt jeweils 6 Völker als Sammelprobe und schickt es nach Mayen.
    Ich glaube so um die 22.-€/pro Sammelprobe.
    Kosten für BSV-Besuch: 0.-€ für den Imker. (Aber ein kleines Present oder "Spritgeld" ist gerne gesehen.)
    Seine Auslagen werden aber vom Landesverband ersetzt.


    Landeszuschuß für den Imker: Die Hälfte.
    Zeugnis ist extra zu zahlen (ich glaube 10.-€).

    Mit freundlichen Grüßen - Hardy


    Wende Dich zur Sonne, dann bleiben die Schatten hinter Dir.

  • Als wir Sachsen am Samstag den 29.03 in Chemnitz den Tag mit 6 Vorträgen zur amtlichen Strategie der Gesundheitsämter im Rahmen der alljährlichen BSS Schulung teilnahmen, hätten doch solche Fragen wie Henry aufzeigt geklärt werden können. Warum kommt im Vorfeld niemand auf die Idee solche wichtigen Fragen anzusprechen. Es waren mehrere Dr. da, die hätten wir zu Aussagen drängen müssen. Nur so wird ein Konsenz erreicht.
    Und das das alles wieder viel kostet, stößt mich gleich wieder auf.
    Gruß Peter

  • Als es um AFB ging, nach der Pause, hatten sich Tegierungspräsidium und TSK bereits verabschiedet. Und zu Hause konnten Peter und ich noch was tun. An Bienen. Es waren leider auch keine anderen Verantwortlichen anwesend.



    Es wurde bereits angekündigt, daß 2015 die Kosten für die Laboruntersuchung für Privat auf 26 Euro steigen werden.

    Mit vielen freundlichen Grüßen
    Henry Seifert (Honig-Bienen-Kurse-Gutachten)
    Faulbrutsanierer, Königinnenverschicker, Schwarmfänger, Bienenretter, Streitschlichter, Kunstschwarmkehrer, Belegstellenwirt, Imkerpate, Probennehmer, Schadenschätzer, Ablegerbilder

  • Hallo Henry


    Bei uns Sammelproben aller Völker nehmen nach Ständen getrennt und beim Amtsvet. abgeben. Die Kosten kennst du ja.Wenn du eine Tel. Nr. und Ansprechpartner brauchst kannste ein PN bekommen.


    MfG Frank

  • Es wurde bereits angekündigt, daß 2015 die Kosten für die Laboruntersuchung für Privat auf 26 Euro steigen werden.


    Dumme Zwischenfrage meinerseits: Warum schickt ihr die Futterkranzproben nicht nach Hohen Neuendorf. Da kostet eine Sammelprobe 15.-€. Oder dürft ihr das nicht?


    In Halle/Saale war es so, dass der Veterinär prinzipiell eine Futterkranzprobe verlangt hat. Ob das irgendwo nieder geschrieben steht, weiß ich nicht. Jedenfalls hat er es so verlangt und da macht man das so. Von jeweils 6 Völkern eine Sammelprobe und die kostet wie gesagt 15.-€.
    Mit dem Ergebnis ging man zum Amt und bekam die Seuchenfreiheitsbescheinigung per Post zugeschickt. Und das kostet 9.-€.
    [Preise alle vom letzten Jahr].


    Und natürlich hat man die Futterkranzproben nicht allein gezogen, sondern da war immer jemand dabei. BSSV gibt's nun seit vorigem Jahr auch offiziell wieder im Vereinsgebiet.
    Die Völker angeschaut hat der Veterinär in 15 Jahren zwei mal.

    "Moral ohne Sachverstand ist naiv und manchmal sogar gefährlich"

  • Aktuell kostet die LUA 5,11 €. Da wär das wohl Quatsch die für 15 € nach da oben zu schicken. In Sachsen kann ich die auch noch bei jedem Vet-Amt abgeben und bei allen Außenstellen - ohne Porto. Wenn es mal 26 € werden, dann ist ein anderes Labor womöglich günstiger.

    Mit vielen freundlichen Grüßen
    Henry Seifert (Honig-Bienen-Kurse-Gutachten)
    Faulbrutsanierer, Königinnenverschicker, Schwarmfänger, Bienenretter, Streitschlichter, Kunstschwarmkehrer, Belegstellenwirt, Imkerpate, Probennehmer, Schadenschätzer, Ablegerbilder

  • Guten Morgen Henry,


    genau dieser Satz brachte mich vor einigen Wochen zum Diskutieren:
    "Futterkranzproben sind für die Erteilung eines Gesundheitszeugnisses nicht erforderlich"


    Bei uns hier liegt es im Ermessen des BSV, ob er eine Futterkranzprobe nimmt
    Bei keinem klinischen Befund ist die Untersuchung derselbigen in Kirchhain kostenlos. Lediglich der BSV und das Veterinäramt bekommen Geld.
    BSV 2,50 pro Viertelstunde plus Kilometergeld, Veterinäramt 10 Euro
    Bei klinischem Befund wird die verdächtige Wabe komplett eingesendet nach Gießen, dies ist dann allerdings kostenpflichtig, ca 38 Euro, wenn ich recht erinnere.

    Man muß keinen Wind machen, aber man muß segeln können.

  • Hallo zusammen,
    Henry hat in seinem Eingangsbeitrag ja anschaulich berichtet, wie chaotisch der Umgang mit AFB seitens der Veterinärverwaltung sein kann.


    Man kann es aber auch anders - positiver - sehen: Der Amtsveterinär hat große Freiheiten, wie er die seuchenrechtlichen Verfahren (Seuchenfreiheitsbescheinigung, Diagnose, Sanierung) gestaltet.

    • Die Bienenseuchenverordnung bietet einen weitgesteckten Rahmen für das Verwaltungshandeln,
    • die verkorkste Bundesrichtlinie ist halt wirklich nicht mehr als eine unverbindliche Richtlinie und
    • selbst die Durchführungsverordnungen der Länder lassen noch viel Spielraum.


    Da der Veterinär zudem nur selten über Spezialwissen zur Bienenhaltung verfügt, ist er (meistens) dankbar für fachmännische Beratung und tatkräftige Unterstützung.
    Das ist doch unsere Chance! Werdet BSV, schlagt dem Veterinär vernünftige und praktikable Lösungen vor und ihr werdet erleben, dass man auf Euch hört. Das sind keine Flausen in meinem Koppe, das ist gelebte Erfahrung.


    Bei uns im Landkreis läuft es so:

    • Der BSV besichtigt die Völker standweise. Er untersucht bei kleineren Ständen alle und bei größeren Ständen eine repräsentative Anzahl der Völker (Gute Regel: wenn 6 untersucht werden sollen, die 3 Schwächsten und die 3 Stärksten).
    • Zusätzlich kann er Futterkranzproben ziehen (Sammelproben von bis zu 6 Völkern). Die werden dann im Landeslabor untersucht (nicht im Bieneninstitut, s.u.).
      Ich mach die FKP immer, ein Kollege macht sie nie. So frei sind die BSV! :) 
    • Die Bescheinigung wird auf Grundlage der BSV-Besichtigung ausgestellt. Das geht schnell, hat sich über viele Jahre bewährt und ist deshalb vernünftig so.
    • Kosten (hessenweit verbindlich): So wie von Regina in #3 beschrieben.
      Den Kollegen, die sich für die Imkergemeinschaft engagieren, berechne ich nur die Kilometer.
    • Die Futterkranzprobe (Mindestdauer 14 Tage, völlig unpraktikabel für die Bescheinigung) dient der Absicherung des Besichtigungsergebnisses, ist also ein AFB-Monitoring der Veterinärverwaltung und ist deshalb auch kostenfrei für den Imker.


    Was in Hessen gerne verwechselt wird:


    • Es gibt ein tolles und sehr wirksames AFB-Monitoring des LV Hessischer Imker. In diesem - aus EU-Mitteln finanzierten - Programm werden jährlich Futterkranzproben in Form von Stichproben aus dem ganzen Land gezogen. Diese FKP werden im Bieneninstitut untersucht (nicht im Landeslabor der Verwaltung!).
    • Dieses AFB-Monitoring hat absolut nichts mit der Veterinärverwaltung zu tun und wenn ich für dieses Programm Proben ziehe, dann bin ich nicht als BSV unterwegs und das kostet deshalb auch niemand was (...na ja, stimmt nicht ganz: Mich kostet es meine Zeit und den Sprit, manchmal auch etwas Nerven...).
    • Im Umkehrschluss hat dieses Monitoring auch nichts mit der Seuchenfreiheitsbescheinigung des Vetrinäramtes zu tun. Die läuft wie oben beschrieben und kostet den Imker Bares.
      Schilda ist überall: Die Vetrerinärverwaltung darf das Untersuchungsergebnis des Bieneninstituts noch nicht mal anerkennen und muss bei Bedarf amtliche Proben im Landeslabor erstellen lassen.


     

    helianthus schrieb:

    Regina, die gerne einen BSV in ihrer direkten Nachbarschaft hätte.

    Das kannst Du besser haben: Den BSV im eigenen Haus! :)
    Du hast das nötige Wissen, die nötige Erfahrung, bist selbstbewusst und charakterstark. Beste Voraussetzungen!
    Und im Imkerverein musst Du dafür gar nicht sein, hat nix miteinander zu tun. Geh einfach zu Deinem Veterinär und sage "Ich will." Meistens fehlen welche.


    Viele Grüße aus dem diesigen Taunus,
    Rudi

  • ... anschaulich berichtet, wie chaotisch der Umgang mit AFB seitens der Veterinärverwaltung sein kann.

    Nordsachsen: "Die Bedinungen für das Seuchenfreiheitsattest werden in jedem Einzelfall von der Amtstierärztin festgelegt" :eek: Toll! Tollhouse!


    Mittelsachsen: Es können vom Imker selbst Proben genommen werden. Dabei können bis 15 Völker Einzelproben oder 5er Sammelproben abgegeben werden. Einzelproben werden im Labor als Pool untersucht. Ein BSV ist nicht nötig. Und es werden Wanderzeugnisse verlangt, wenn die Bienen den Ort (Gemeinde, Gemarkung) verlassen. Das Schreibtischattest kostet dann 9 Euro. es wird erst bei negativem Probeergebnis ausgestellt.

    Mit vielen freundlichen Grüßen
    Henry Seifert (Honig-Bienen-Kurse-Gutachten)
    Faulbrutsanierer, Königinnenverschicker, Schwarmfänger, Bienenretter, Streitschlichter, Kunstschwarmkehrer, Belegstellenwirt, Imkerpate, Probennehmer, Schadenschätzer, Ablegerbilder