Plötzliche Aggression eines Bienenvolks-Hilfe..?

  • Hallo!


    Ich bin weder Neu-Imker noch Bienenspezialist-aber aus aktuellem Anlass habe ich eine dringende Frage an euch Bienenkundige.


    Ich habe als Pferdebesitzerin vor 3 Jahren eine in den Feldern/am Waldrand liegende Koppel gepachtet,die einem Bienenstock gegenüberliegt. Ich konnte mich von Anfang an direkt hinterm Stock aufhalten,ohne dass es je zu Problemen kam.Sie haben weder mich noch die Pferde je gestört.Sie nutzten anfangs das Tränkbecken meiner Pferde als Wasserquelle,sodass meine Pferde sich nicht mehr dran trauten-ich traf den Imker zufällig und sprach mich mit ihm ab.Durch das Aufstellen einer Wasserschüssel direkt am Stock war das Problem ganz schnell behoben.


    Nun habe ich die Wiese vor ein paar Tagen gegen Abend wieder für die Weidesaison aufgerüstet.Unser Auto parkten wir (wie sonst immer) in unmittelbarer Nähe des Bienenstocks.Mein Freund stieg aus-und wurde sofort von einer Biene gestochen.
    Das habe ich noch nicht ernst genommen,in den folgenden 1-2 Stunden geschah nichts mehr. Nun stehen meine Pferde jedoch seit vorgestern auf der Koppel.Abends war alles in Ordnung.Als ich gestern dort war (gegen 12),kam eine Biene angeflogen-mein Pferd raste sofort weg,ich blieb einfach stehen...und wurde gestochen! 20 Minuten später näherte sich eine weitere Biene,ich rannte (zum ersten Mal im Leben,sonst habe ich dazu noch nie einen Grund gesehen und weiß ja auch eigentlich,dass das völlig unnötig ist...) los-wurde verfolgt und ein zweites Mal gestochen,innerhalb einer halben Stunde.Es haben mich noch mehrere Bienen "anvisiert" und verfolgt,ich konnte mich rechtzeitig ins Auto retten...


    Bin nun extrem beunruhigt.Ich bekomme den Namen des Imkers nicht raus und weiß nicht,wie ich mich verhalten soll.Was könnte diese plötzliche Aggression erklären? Kann es sein,dass sich das in den nächsten Tagen wieder legt? Gibt es irgendeine Möglichkeit (für Tiere wie z.B. Bremsen gibt es ja Spray),sich etwas zu schützen?


    Ich würde es ja verstehen,wenn es jedes Jahr so gewesen wäre.Die Bienen leben dort oben sehr einsam,ich weiß auch nicht,wie oft der Imker überhaupt kommt,jedenfalls handelt es sich bei dem Feldweg,an dessen Rand sie stehen,um eine Sackgasse,die von Fußgängern nie genutzt wird,sodass sie dort in absoluter Ruhe leben.Sprich,ich könnte es verstehen,wenn sie sich durch den plötzlichen "wirbel" durch mich und meine Pferde beunruhigt fühlten.Aber das war in den letzten Jahren nie so,deshalb finde ich es ziemlich konfus :(



    Freu mich auf Rückmeldungen,danke euch!!!

  • Moin,
    ist in der Nähe (bis 5 km)ein Rapsfeld ?
    wenn ja,
    bei Rapsspritzungen, die jetzt anstehen, werden die Bienen agressiv.
    Beobachte ein paar Tage, dann ist es höchstwahrscheinlich vorbei.
    Sonst vertragen sich Bienen und Pferde ausgezeichnet,
    früher wurden Pferde schon mal gestochen, wenn sie dampfend durch die Flugbahn des Stockes,
    zu dicht vorbei gallopierten
    Gruß
    Helmut

  • Hallo Tadewi,


    das kann natürlich alles mögliche sein und ist per Ferndiagnose schwer zu sagen. Aus dem Bauch heraus würde ich sagen, die Beinen haben irgendeine Not und machen Dich dafür verantwortlich :-) Es könnte also sein, dass sich das wieder legt. Möglicherweise ist es aber auch ein Volk, das genetisch bedingt eher wehrhaft ist, in dem Fall würde das so bleiben. Da muss der Imker aber eingreifen, auch wenn die Völker dort "einsam" stehen. Dass Leute angegangen werden geht m.M.n. gar nicht.


    Jetzt ist die Zeit, wo der Imker wahrscheinlich sehr regelmäßig, wahrscheinlich wöchentlich an seine Völker gehen wird, mach ihm auf jeden Fall einen Zettel an seine Beuten, mit der Bitte Dich anzurufen. Somit hast Du schon mal den Kontakt.


    Ich finde es jedenfalls toll, dass Du das erst mal relativ entspannt angegangen bist!


    Viele Grüße
    Henrike

    Das Ganze ist mehr als das Summen seiner Teile.

  • Guten Morgen,


    erst mal vielen Dank, daß Du dir die Mühe machst, hier nachzufragen. Und Stiche kassiert hast und trotzdem noch den Bienen "verzeihst".


    Es gibt viele Gründe, weshalb Bienen plötzlich aggressiv werden. Manchmal sind die Bienen - aufgrund einer Störung des Bienenfriedens - nur temporär und kurzfristig aggressiv. Sie sind dann nur kurz böse und die Bienen sind nach kurzer Zeit wieder friedlich. Verschwindet die Störquelle, verschwindet das aggressive Verhalten. Wenn die Störung natürlich nicht aufhört, dann hört auch das Verteidigungsverhalten nicht auf. Von weitem betrachtet, wart ihr jedenfalls nicht die Störquelle.


    Manchmal kreuzen sich aber auch weniger friedliche Bienen ein und dann sind die Bienen aufgrund ihrer Genetik einfach aggressiver. In diesem Fall müßte man unbedingt mit dem entsprechenden Imker sprechen. Dazu einen Zettel hinterlegen, im örtlichen Imkerverein nachfragen oder beim Kreisveterinär. Der sollte (eigentlich) alle Bienenstände und deren Besitzer kennen. Ich würde aber erstmal versuchen, den Imker so ausfindig zu machen. Der wird dann die Königin austauschen und nach einiger Zeit werden die Bienen wieder friedlicher werden.


    In den meisten mir bekannten Fällen lag irgendeine Art von Störung vor, wenn die Bienen eine hohe Verteidigungsbereitschaft zeigen.


    Viel Erfolg,


    Bernhard

  • Hallo Helmut,


    danke für deine Antwort!
    Wow,auf so etwas wäre ich nie gekommen. Ich werde gleich mal nachschauen.Bisher habe ich gar nicht darauf geachtet,aber das kann schon gut sein,hier fängt der Raps gerade überall an zu blühen.Ich hoffe,du hast Recht!:u_idea_bulb02: Ich mag unsere Bienen-Nachbarn ja wirklich,traue mich aber jetzt schon kaum wieder dorthin und bin froh,dass es in den nächsten Tagen nicht mehr so sonnig sein soll-in der Hoffnung,dass sie dann mal für ein paar Tage in ihrem Stock die Füße hochlegen und relaxen!:wink:


    Mir ist aufgefallen,dass sich auf der Wiese auch sehr viele Hummeln aufhalten.Aber da besteht doch kein Zusammenhang,oder?

  • Oh,hier geht´s ja richtig schnll mit den Antworten,das freut mich,danke!


    Ich hatte schon ein wenig das Internet durchforstet und die Möglichkeit der Gen-Veränderung auch schon gefunden.Das macht mir natürlich etwas Angst,ich hoffe,das ist nicht der Fall.Das Problem ist,dass ich auch keinen anderen Eingang zur Wiese nutzen kann,sondern immer den nehmen muss,der nur 4-5m vom Stock entfernt liegt.Und anscheinend werden ja auch meine Pferde attackiert,was auf Dauer gar nicht geht.An Reiten ist da auch kaum zu denken-wenn ich mit dem Pferd gerade am Ausgang stehe und wir dann von einer Biene angegriffen werden,nimmt mein Pferd die Hufe in die Hand.:-(


    Ich werde heute mal einen "Kummerbrief" deponieren.Vermutlich muss ich ihn aus dem Fensterschlitz des Autos schmeißen,damit nichts passiert:-?



    Achso....reagieren Bienen auf Schweißgeruch? Ich denke dabei daran,was passiert,wenn ich doch reite und möglicherweise ein stark verschwitztes Pferd zurück auf die Wiese stelle.Könnte das zusätzlich reizen?

  • ....Mir ist aufgefallen,dass sich auf der Wiese auch sehr viele Hummeln aufhalten.Aber da besteht doch kein Zusammenhang,oder?


    nein das ist kein Grund, dass Bienen von jetzt auf nachher stechlustiger sind.


    Eine andere Frage:


    hast du dein Parfum gewechselt? oder das Shampo? Deo?


    Das ist manchmal auch ein Grund.


    Passt aber nicht dazu, dass auch das Pferd attackiert wurde:confused:


    Wenn das nach der Rapsblüte nicht besser wird, dann liegt es eher an den Bienen selber


    Es ist wirklich nicht neu, dass PSM die Bienen von jetzt auf nachher aggressiv machen und einige Zeit später alles wieder wie gewohnt ist!

    geht´s den Bienen gut, geht´s der Umwelt gut!

  • Eine andere Frage:


    hast du dein Parfum gewechselt? oder das Shampo? Deo?


    Das ist manchmal auch ein Grund.


    Nein, hab ich nicht. Und meine Pferde riechen auch wie immer. ;)


    Wie lange kann das PSM-Problem denn anhalten,wenn gerade gespritzt wurde?Wirklich nur ein paar Tage?
    Da können einem die Tiere ja nur Leid tun,wusste ich nicht. :-( Vorausgesetzt,dass ist auch wirklich das Problem..

  • Hi,
    bei mir reiten, in einem Abstand von 5 Metern, täglich einige Pferde durch die Flugbahn.
    Auch bei stärkstem Bienenflug ist hier noch nichts passiert.
    Auch auf einer Wiese nebenan stehen einige Pferde, alles paletti, ohne Probleme.
    da es mein Privatweg ist, wissen die Reiter von den Bienen, und bleiben auch nicht vorm Bienenstand stehen.
    Es ist schön, das auf deiner Wiese viele Hummeln sind.
    Also blüht dort etwas und Hummeln sind auch keine Gefahr für deine Pferde.
    Ein Freund von mir musste seinen Stand aufgeben, weil seine Bienen auf Friedhofsbesucher losgegangen sind
    Obwohl nach zwei Tagen wieder mit freiem Oberkörper geimkert werden konnte
    Da war es auch die Rapsspritzung.
    Ich habe dann seine Kuschelbienen übernommen.
    Gruß
    Helmut

  • Tadewi
    Hinterleg den Brief in Dunkelheit direkt an der Beute in einer verschlossenen, am besten verschweißten Plastiktüte.
    Es kann eine - zwei Wochen dauern bis der Imker wieder an den Stand geht.
    Im Dunkeln sollten keine Bienen fliegen.
    Bewege dich langsam und klopfe nicht gegen den Stock.


    Mein Tip ist, daß das Volk eher agressiv ist.
    Entweder stellt der Imker sein Volk woanders hin, wenn er kann.
    Oder er tauscht die Königin aus.
    Bis die Genetik der neuen Königin sich voll durchgesetzt hat kann es aber bis zu 2 Monate dauern.
    Momentan ist es aber eher schwierig neue Königinnen zu bekommen.
    In 4 Wochen sollte das kein Problem mehr sein.


    Ich habe viele Völker und betreibe einen Prüfstand für Bienenzucht.
    Es gibt immer wieder agressivere Völker.
    Die sollte man im eigenen Interesse und vor allem des lieben Frieden Willens mit einer neuen Königin beschicken.
    Die Arbeit an einem stechlustigen Volk macht auch dem Imker keine Freude.

  • Ein Freund von mir musste seinen Stand aufgeben, weil seine Bienen auf Friedhofsbesucher losgegangen sind
    Obwohl nach zwei Tagen wieder mit freiem Oberkörper geimkert werden konnte
    Da war es auch die Rapsspritzung.


    so was ist doch schrecklich oder?

    geht´s den Bienen gut, geht´s der Umwelt gut!

  • Danke,ja, so werd ich´s machen mit dem Zettel. Möchte ja auch keinen Ärger,da kann ja weder Imker noch Bienenvolk etwas dafür.Ich bin auf die Wiese angewiesen; woandershin auszuweichen,wäre für mich momentan mit sehr großem Aufwand verbunden...


    Aber eine Frage habe ich doch noch:


    Die Bienen,die jetzt schon fliegen,sind doch schon älter-vom letzten Jahr-und haben überwintert-oder seh ich das falsch? Dann können diese Bienen doch noch nicht genetisch verändert und aggressiver sein-letztes Jahr hatte ich ja noch gar keine Probleme in der Richtung.Müssten dann nicht erst Probleme mit den jungen Bienen auftauchen,die vermutlich aber noch gar nicht geschlüpft sind?

  • ja deine Gedanken sind schon richtig


    doch es ist jetzt die Zeit in der die "Winterbienen" abgehen und die "neuen" schon fliegen


    Das kann auch die Genetik sein. Das ist nicht ganz auszuschließen


    Die PSM im Raps aber auch nicht!


    So warte einfach mal ab ob sich dein Problem von selber löst. Dem Imker einen Brief hin legen ist auf jeden Fall gut!


    Dann hast du auch die Kontaktdaten von ihm für den Fall der Fälle

    geht´s den Bienen gut, geht´s der Umwelt gut!

  • Achso....reagieren Bienen auf Schweißgeruch?


    Definitiv ja, also Pferd und Reiter dringend duschen :wink:. Bitte unbedingt auf die Duftnote Nelkenöl achten!
    Spaß beiseite, die Ursachen können vielfältig sein und einige Gründe wurden hier schon genannt. PSM würde ich aus persönlicher Erfahrung nicht mehr von der Hand weisen und auch die bienenfreundlichsten Mittel machen die Bienchen offensichtich aggressiv. Ging mir im letzten Jahr jedenfalls so nachdem man den Eichenprozessionsspinner bekämpfen wollte... Danach waren lamfromme Bienen geringfügig aggressiver und zu meiner Prüfung durfte ich wie der Glöckner von N. erscheinen :roll: