Raps Blütenspritzung

  • Moin,


    hinter meinem Grundstück auf dem die Bienen stehen, befindet sich ein Rapsfeld von ca. 3 bis 4 Hektar. Drumherum sind noch weitere. Meine Bienen benötigen etwa 10 Meter bis zum Feld, die Fluglöcher zeigen genau in die Richtung. Nun habe ich heute mit dem Bauern gesprochen und er will spritzen wenn die Blüten beginnen sich zu öffnen. Während der vollen Blüte dann noch einmal. Ich bräuchte mir aber keine Sorgen zu machen, das Mittel wäre als "B 4", also bienenungefährlich eingestuft. Den Namen hat er nicht genannt. Nun mache ich mir aber trotzdem Sorgen und spiele schon mit dem Gedanken die Völker in die Stadt umzustellen. Das ginge jetzt auch noch, aber da ich in diesem Jahr vermehren möchte, wäre das im nächsten Jahr schon nicht mehr möglich (wenn das mit der Vermehrung wie geplant klappt), da ich in der Stadt nur eine begrenzte Völkerzahl stellen kann. Nun schwanke ich zwischen Fluch (mögliche Vergiftung von Bienen, Pollen und Honig) und Segen (richtig volle Honigtöpfe). Außerdem sehe ich auch nicht so recht ein, daß ich mich von meinem eigenen Grundstück vertreiben lassen soll und die Nutzung dadurch stark eingeschränkt wird. Was meint ihr?


    Liebe Grüße,


    Ralf

  • Hallo Ralf,


    B4 heißt gar nichts. Thiacloprid ist B4 eingestuft, aber ein Neonicotinoid. Mir hatte es die Bienen vergiftet. Vor allem weil um die Mittagszeit bei schönstem Sonnenschein und in die Vollblüte gespritzt wurde.


    Das Mindeste ist eine Vereinbarung mit dem Landwirt, nach oder zum Sonnenuntergang zu spritzen. Gute fachliche Praxis sei das, es wird sich aber nicht oft daran gehalten.


    http://www.agrarzeitung.de/nac…itzung-im-raps-51546.html


    Am besten nochmal nachfragen, was er verwendet.

  • Wie heisst es doch so schön: Man setzt nicht alles auf eine Karte =;o)


    Meine Idee dazu wäre:
    Fahre einen Teil in die Stadt, wenn es geht, errichte dort einen zweiten Standplatz. Vermehre von diesen Völkern.
    Den anderen Teil kannst du zur Honigproduktion da lassen. Der Bauer soll auf jeden Fall nicht während der Flugzeit spritzen. Nach dem Raps würde ich dann eine totale Bauerneuerung machen. So hast du die Gifte entfernt, die Völker verjüngt und die Varroa dezimiert. Aus den Bienen der Brutscheune kannst du dann noch ein neues Volk machen.


    Wäre das eine Idee?



    Sonnige Grüße,
    Arnd

  • ...Gift in die Honigtöpfe "entfernt"? Auch wenn das meiste im Bienenbrot zu finden sein wird, im Honig ist es halt auch. Willst Du das? Dann lass sie stehen. Willst Du das ausschließen? Dann bring sie weg. Entscheidung liegt ganz bei Dir. Ich verstehe auch die empfohlene Abendspritzung nicht. Mir hat noch niemand die Frage beantwortet, ob die Gifte am nächsten Tag unschädlich oder weg sind. Wenn weg, wohin weg? Insbesondere die Vertreter der "vollkommen unschädlich" Fraktion halten sich da seeeehr bedeckt.

    Tatsachen muss man kennen, bevor man sie verdrehen kann. (Mark Twain)

  • Natürlich sind die Gifte am nächsten Tag nicht weg. Sie sind auch dann noch schädlich - nur unsichtbarer, als wenn die Flugbienen direkt besprüht werden. Dann gehen die nämlich drauf und Du hast wieder Teppiche aus toten Bienen vor den Fluglöchern. Manche sehen noch nicht mal die...Ich kann jedem nur empfehlen, vor dem Flugloch eine Plane oder Laken auszubreiten und den Totenfall zu beobachten. Die Zusammenhänge werden dann einem selbst klar.


    Die Völker werden es schon überleben. Die Konsumenten des Honigs auch. "Es werden ja alle Grenzwerte bei diesem Naturprodukt eingehalten". Na, ich bin da beruhigt. Ihr nicht?

  • Hallo Bernhard,
    Ich hab eben mit mit dem Landwirt telefoniert, er hat eingewilligt erst am Abend zu spritzen.
    Meine Völker sind grade sehr gut entwickelt. was kann ich tun wenn, wie du sagst am nächsten Tag das Gift immer noch Bienen vergiftet. Kann ich den Landwirt zur Rechenschaft ziehen ? etwa zu Schadensersatz ?


    Gruss Ingo

  • ...
    Ich hab eben mit mit dem Landwirt telefoniert, er hat eingewilligt erst am Abend zu spritzen.
    ... Kann ich den Landwirt zur Rechenschaft ziehen ? etwa zu Schadensersatz ?


    Das ist ja immerhin nett, dass Ihr miteinander sprecht und er bereit ist am Abend zu spritzen!
    Wenn das Mittel und die Ausbringung zugelassen und korrekt ist, könntest Du m.E. gar nix machen. Abgesehen dass der Nachweis extrem schwierig würde.


    Spannend fand ich, dass der Beamte vom Pflanzenschutzdienst bei meiner Probenziehung gesagt hat, dass er auch nicht glaubt, dass die Pilzmittel, die B4 sind "nix machen". Aber das hilft uns nicht weiter.


    Anstatt abwandern kann man die Bienen mit Extraleerzargenund Wasserkühlung auch mal nen Tag einsperren...hab ich noch nicht gemacht, aber den Rat bekam ich aus Kirchhain.


    Gruß Jule

    Begeisterung ist der Schlüssel zum Tor der ungeahnten Möglichkeiten.

  • Ich kann jedem nur empfehlen, vor dem Flugloch eine Plane oder Laken auszubreiten und den Totenfall zu beobachten. Die Zusammenhänge werden dann einem selbst klar.


    Gute Idee, dann aber bei allen Ständen.
    Bestimmt interessant zu sehen, wo die "Teppiche von toten Bienen" sonst noch so auftreten.
    Verhindert auch den Fehlalarm, wenn sich das Geschehen als normal herausstellt.
    Eine Definition, was ein "Teppich von toten Bienen" eigentlich ist, wäre auch nicht schlecht.

  • ...Nach dem Raps würde ich dann eine totale Bauerneuerung machen. So hast du die Gifte entfernt, die Völker verjüngt und die Varroa dezimiert. Aus den Bienen der Brutscheune kannst du dann noch ein neues Volk machen...


    So ist auch mein Plan. Nicht nur wegen Raps. Vor allem als Schwarm- und Varroamaßnahme.


    Gruß Jörg

  • Hallo Jule,
    Abwandern mit Honigräume oben drauf, geht das ?


    Gruss Ingo


    Solange Du die Kisten schleppen kannst geht das... ich meinte es aber eher als Notfallmaßnahme. Hab ich aber schon gemacht, da wollte ein Bauer in seine Obstblüten spritzen.

    Begeisterung ist der Schlüssel zum Tor der ungeahnten Möglichkeiten.

  • also ich würde wenn ich die Wahl hab zwischen Stadt und Raps mit PSM lieber der Stadt den Vorzug zu geben


    Bienen können einen Teil der PSM auch "Entgiften" egal wie das unsere Bienenforscher auch verstanden wissen wollen!


    Eines macht mich bei den Diskussionen immer sehr Nachdenklich


    Wir werfen den Rapsbauern gerne vor, sie übertreiben den PSM Einsatz nur aus Profitgier usw. doch wir Imker sind hier nicht unbedingt das Gegenteil, wenn wir meinen unbedingt einen Rapshonig ernten zu wollen, mit dem Hintergrundwissen, dass dieser dann auch PSM enthalten kann


    Daher eher wegstellen wenn man das kann!


    ...Abwandern mit Honigräume oben drauf, geht das ?


    warum soll das nicht gehen?


    Brauchst eventuell halt Lüftung (Gitterboden) je nach Entfernung


    und hier wird letztlich das gleiche diskutiert http://www.imkerforum.de/showthread.php?t=38796


    Grüßle

    geht´s den Bienen gut, geht´s der Umwelt gut!


  • das ist 3 tage nach der Vergiftung, das Laken lag da eine Stunde



    das war direkt nach der Vergiftung..das brauchte es kein Laken um zu sehen, dass da was nicht stimmt. Das war dann schon ein Hochflor-Bienenteppich

    Begeisterung ist der Schlüssel zum Tor der ungeahnten Möglichkeiten.