ungewöhnliches Schadensbild

  • Ich habe bei der Frühjahrsdurchsicht letzte Woche bei einem Volk ein für mich neues Phänomen gefunden: Das Volk (auf zwei DNM-Zargen) war relativ schwach, aber weiselrichtig mit etwa handtellergroßen Brutflächen auf zwei Waben. Zwei Waben vom Brutnest (das weit vorne lag) entfernt war eine leere Wabe, in der kopfüber etwa zwei Dutzend Bienen steckten. Das ist ja typisch für verhungerte Völker. Futter war überreichlich vorhanden. Der Totfall im Magazinboden war gemessen an der Volkstärke relativ hoch, aber auch nicht dramatisch. Einen Varroaschaden kann ich ausschließen. Ich habe den Befall wiederholt kontrolliert (zuletzt Anfang März). Er war vor der Winterbehandlung nicht kritisch und lag nach der Winterbehandlung (kurz vor Weihnachten) weit unter einer Milbe pro Tag im Gemüll. Eingewintert habe ich es in ausreichender Stärke.
    Wie kommt so etwas zustande? Haben da einige Bienen den Anschluss an die Wintertraube verloren? Wir hatten hier nach mildem Wetter im Januar Anfang Februar etwa 10 Tage Dauerfrost mit bis zu 12 Grad minus.


    Gruß Wolfgang

    Unfähigkeit nimmt, aus der Ferne betrachtet, gern die Gestalt des Verhängnisses an (G. Haefs)

  • Einen wunderschönen guten Morgen an diesem trüben wunderschönen guten Morgen.


    Wolfgang, typisch für einen Futterabriß.

    Wer hinfällt und nicht wieder aufsteht , der hat schon verloren.

    ( von mir ;-) )


    Gruß

    Heike


  • Wie kommt so etwas zustande? Haben da einige Bienen den Anschluss an die Wintertraube verloren?
    Gruß Wolfgang


    Genau das! Das Futter war zu weit von der Brut entfernt, das nennt man, wie Heike schon sagte, Futterabriss.

    Die Welt ist groß genug für die Bedürfnisse aller, aber zu klein für die Gier Einzelner (Mahatma Ghandi)
    Gruß
    holmi

  • Aha, aber dass das auch mit nur einem Teil des Volkes passieren kann, war mir neu. Futterabriss heißt doch, dass die Traube auf der Brut sitzt und den Anschluss ans Futter verliert. Hat sich hier ein Teil der Bienen zu weit von der Traube entfernt und ist beim Kälteeinbruch verklammt und dann verhungert/erfroren?


    Wolfgang

    Unfähigkeit nimmt, aus der Ferne betrachtet, gern die Gestalt des Verhängnisses an (G. Haefs)

  • Hallo Wolfgang,


    Du hast geschrieben, dass da eine leere Wabe war, in der die Bienen steckten. Also alles seitlich dieser Wabe war tot? Haben die Bienen das Futter falsch plaziert, war die Wabe unbebruetet oder hast Du spät noch manipuliert? Ich mache seit vielen Jahren Beobachtung der Wintertraube und es gab meistens eine Ursache.
    Gruss, Torsten

  • Hallo Torsten,


    die toten Bienen waren nur in dieser einen Wabe, auf der dem Flugloch abgewandten Seite. Davor (Richtung Flugloch - es ist Warmbau) noch eine leere Wabe und dann auf zwei Waben das Brutnest. Dahinter (hinter der Wabe mit den toten Bienen) kamen Futterwaben, die noch gut gefüllt waren. Darüber in der zweiten Zarge waren ebenfalls durchgehend gut gefüllte Futterwaben.
    Ich habe nach der Einfütterung nichts mehr geändert. Die Erklärung wäre also evtl., dass die Wintertraube nach vorn wanderte (das Brutnest war ganz nah am Flugloch) und so nach hinten eine Futterlücke entstand. Über dem Brutnest in der zweiten Zarge wäre aber gut erreichbares Futter gewesen.


    Gruß Wolfgang

    Unfähigkeit nimmt, aus der Ferne betrachtet, gern die Gestalt des Verhängnisses an (G. Haefs)

  • Hallo,


    bei etwas kleineren Kandidaten kann es daher doch schon mal von Vorteil sein, wenn man in Februar/März einen Tag nutzt und nach dem Futterstand guckt oder mehr.
    Solche Leerwaben zwischen Bienensitz (insbesondere mit Brut) und Futterwaben lohnt es sich in diesem Falle zu entnehmen und die FW nahe heranzurücken.
    Warum sie da den horizontalen Weg lieber gegangen sind als den vertikalen,
    könnte sein, dass sie lieber die Wabengassen nach oben dicht gemacht haben über dem Zentrum und die Randmannschaft versucht seitlich ans Futter zu kommen, insbesondere wenn der Zargenwechsel über die Rähmchenbrücke noch als "Hindernis" dazwischen liegt.
    Für ein fettes Volk ist das sicher kein Hindernis.


    Grüße


    Marion

    "Wer die Leidenschaft als Jugendsünde abtut, degradiert die Vernunft zur Alterserscheinung".
    Hans Kasper

  • Ja, so mir vor 2 Jahren passiert. Mein großer Fehler:
    Ich verwendete zu dieser Zeit Folienzuschnitte. Diese Folien haben glatt auf den Oberträgern aufgelegen.
    Ein "Beespace" oder über die Oberträger von einer Wabe auf die Andere zu krabbeln war da nicht.
    Seitdem lege ich meine Folien locker auf, die Bienen können darunter krabbeln.

    Man muß keinen Wind machen, aber man muß segeln können.

  • Zitat

    Das ist das Schicksal zu kleiner Völker.


    Ich grüble darüber, warum das Volk so schwach ist. Ich habe es recht stark eingewintert. Ich bin da inszwischen recht rigide; Völker die auch nur ännähernd zu schwach sind, werden vereinigt.
    Denkbar wäre aber, dass es durch Verflug geschwächt wurde. Die Völker sind in Reihe aufgestellt. Das geht nicht anders, weil sie im OG eines Stallgebäudes stehen. Anderswo wurde darauf hngewiesen, dass der Verflug in Hauptwindrichtung erfolgt. Dieses Volk steht nun in der Tat ganz vorne und würde demnach die meisten Bienen durch Verflug verlieren. Ich habe schon früher fest gestellt, dass der Verflug sehr massiv ist.


    Gruß Wolfgang

    Unfähigkeit nimmt, aus der Ferne betrachtet, gern die Gestalt des Verhängnisses an (G. Haefs)

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  • ...Ein "Beespace" oder über die Oberträger von einer Wabe auf die Andere zu krabbeln war da nicht...


    Natürliche Brutnester haben keinen Beespace über den Waben. Die unmittelbare Auflage der Folie entspricht daher der Natur der Bienen. Natürliche Brutnester haben allerdings meist auch keine großflächig komplett verschlossenen Wabenflächen, die den Wechsel von Wabe zu Wabe behindern. Der natürlichste Weg in der Mittelwandimkerei wäre daher die Schaffung von Löchern in der Wabe, durch die das Volk den Wabenwechsel vollziehen kann.


    Gruß Ralph