Umzug von zwei Bienenvölkern über eine weite Distanz

  • Hallo zusammen,


    in der Woche vor Ostern (Mitte April) möchte ich meine beiden Bienenvölker von Westfalen nach Bayern umziehen. Mir erscheint es als nicht ganz trivial und ich möchte nichts falsch machen und somit den Bienen schaden, wenn ich die Beuten über eine Distanz von ca. 650 KM quer durch die Republik fahre.


    Bevor ich zu den Fragen komme, hier ein paar Details, die vielleicht nötig sind, um die Ausgangslage gut einschätzen zu können:


    • Ein Gesundheitszeugnis liegt vor.
    • Die Vermieterin und die Nachbarn am neuen Standort haben nichts gegen Bienen, im Gegenteil!
    • Es handelt sich um zweizargige DNM-Beuten.
    • Das Thema Bienenumzug steht vor der Tür - Hilfe!!! habe ich gelesen und ein paar Antworten erhalten.
    • Am derzeitigen Standort kann ich kaum langfristig vorbereitende Maßnahmen treffen, da ich bereits am neuen Standort wohne.


    Nun zu meinen Fragen:


    • Verbrausen: Kann ich einen geschlossenen Wagen (Kombi / Bulli) für den Transport nutzen oder müssen die Beuten auf einem Anhänger, also "im Wind", transportiert werden? Welche Maßnahmen kann und muss ich in einem Kombi oder Bulli treffen, damit die Bienen nicht verbrausen?
    • Trommeln: Sollte ich ein leere Zarge (ohne Waben, ohne MW, ohne Rähmchen) oben oder unten auf/untersetzen, um den Bienen Platz zu geben?
    • Fahrt: Muss ich unbedingt in der Nacht fahren, oder ist es lediglich wichtig, dass a) ich am Abend, nachdem alle Bienen wieder in der Beute sind, das Flugloch schließe und es B9 während der Fahrt nicht zu warm ist? (Was zugegebenermaßen Nachts häufig der Fall sein dürfte ;-) ...)


    Wenn sonst noch jemand wandererfahrenes einen Tipp habt für mich hat, freue ich mich darüber auch!


    Viele Grüße,
    Stefan

    Der Unterschied zwischen Theorie und Praxis ist in der Praxis größer als in der Theorie.


  • Verbrausen: Kann ich einen geschlossenen Wagen (Kombi / Bulli) für den Transport nutzen


    Ja. Gitterboden (oder Gitterdeckel) reichen, damit die Bienen nicht verbrausen.
    Man kann noch die Bienen durch den Gitterboden mit Wasser besprühen (vor Fahrtantritt), ist aber nicht nötig, wenn es im Auto nicht zu warm ist.


    Trommeln: Sollte ich ein leere Zarge (ohne Waben, ohne MW, ohne Rähmchen) oben oder unten auf/untersetzen, um den Bienen Platz zu geben?


    Wenn man keinen hohen Boden hat, wäre das schon gut. Einfach eine leere (Halb)zarge untersetzen.


    Fahrt: Muss ich unbedingt in der Nacht fahren, oder ist es lediglich wichtig, dass a) ich am Abend, nachdem alle Bienen wieder in der Beute sind, das Flugloch schließe und es B9 während der Fahrt nicht zu warm ist? (Was zugegebenermaßen Nachts häufig der Fall sein dürfte


    Es reicht aus, nicht in voller Hitze zu fahren, man muß nicht nachts fahren.
    Bei solch langen Wanderungen fahre ich meist früh (irgendwann zwischen 4 und 5 Uhr) los, da sind die Straßen leer und die Temperaturen auch angenehm.

    "Moral ohne Sachverstand ist naiv und manchmal sogar gefährlich"

  • Genauso wie das der wald&wiese geschrieben hat solltest Du es machen.
    So oder so ähnlich mache ich es auch.

    Grüße Luffi


    Nicht weil es schwer ist, wagen wir es nicht, sondern weil wir es nicht wagen, ist es schwer. :u_idea_bulb02:

    (Lucius Annaeus Seneca - römischer Politiker, Dichter und Philosoph - * 4 v.Chr, † 65)

  • Also ich hole am Sonntag meine Bienen ab. Es sind zwar "nur" 120 km, aber auch in einem PKW. Werde das folgendermaßen Machen:
    Am Morgen, vor Sonnenaufgang wird das Flugloch verschlossen. dann Spanngurt um die Beute und ab damit in den Kombi.
    Unten lege ich zwei Latten darunter, damit Luft hin kommt über den offenen Gitterboden. Oben hat die Beute den normalen Innendeckel noch drauf.
    Fenster werde ich immer wieder öffnen während der Fahrt, so dass es schön kühl bleibt im Auto.
    Joah, denke das sollte klappen. So wurde mir das zumindest empfohlen.
    Viel Erfolg beim Umzug.


    Gruß
    Specki

    Wir seh'n die Menschen um uns herum, viele krank und furchtbar dumm. Reden viel von Intellekt, doch der Natur zoll'n sie keinen Respekt. [XIV Dark Centuries]

  • Hallo
    Ich bin letztes Jahr mit einigen Völkern im Juni ca 100 km gewandert. Völker standen auf dem Hänger. Allesamt Segeberger mit offenem Boden. Ging auch alles gut bis auf bei einem Volk, welches jedoch in einer Styropor Franken Beute saß aber auch einen offenen Boden hatte. Dieses Volk ist innerhalb von 20 km verbraust.
    Es war wie gekocht. Ich rätsel bis heute noch wieso gerade in der Beute, zumal im Jahr zuvor erlebte ich ähnliches mit einer solchen Beute.
    Jemand nen Idee??
    Ich zumindest habe jetzt etwas sorgen mit der Frankenbeute zu wandern.


    Grüße
    Simon

    Was wir brauchen, sind ein paar verrückte Leute; seht euch an, wohin uns die Normalen gebracht haben.
    Georg Bernhard Shaw


  • Simon. Hast du der Frankenbeute auch von unten genügend Luft gelassen zwischen den Segebergern oder soll hier nur wieder ein Beutentyp schlecht gemacht werden. Bei mir ist noch nie ein Volk beim Wandern in der Frankenbeute verbraust.


    Gruß Josef

    Buckfast . 10 Völker . DNM Holzbeuten 13 ner Zargen . Dadant US Frankenbeute. Königinnenzüchter.

  • Simon. Hast du der Frankenbeute auch von unten genügend Luft gelassen zwischen den Segebergern oder soll hier nur wieder ein Beutentyp schlecht gemacht werden. Bei mir ist noch nie ein Volk beim Wandern in der Frankenbeute verbraust.


    Gruß Josef


    Oh je nein auf keinen Fall. Würde nur gerne wissen wo mein Fehler lag oder ob man sowas beim Wandern einfach hinnehmen muss.
    Die Frankenbeute hatte von unten genug Luft und zu jeder Seite 4 cm Platz.



    Mein erster Gedanke war, das dass Volk aus irgendwelchen Gründen Weisselos war und daher so extrem brauste. Jedoch nach längerem Suchen im Wachs Bienen Honig Matsch habe ich die gezeichnete Weisel gefunden.
    Wieweit würde es die Sache absichern wenn ich den Trommelraum durch eine Leerzarge unten drunter erweitern würde. Habe echt etwas Schiss vor der diesjährigen Wanderung.


    Grüße
    Simon


    P.S.: @ Lord Wabe Danke für den Thread

    Was wir brauchen, sind ein paar verrückte Leute; seht euch an, wohin uns die Normalen gebracht haben.
    Georg Bernhard Shaw

  • Hallo!


    Auch ich ziehe in den nächsten Wochen mit 3 Völker (Zander, Hochboden) in meinem Kombi um. Fahrtzeit: 2 Stunden.


    Durch meinen Imkerverein bin ich ein wenig verunsichert:
    a) Stimmt es wirklich, dass man da den Deckel durch ein Gitter ersetzen soll?
    b) Muss ich die Bienen mit Waser vorher einnässen, kurz vorm losfahren?
    c) Womit soll ich das Flugloch zustopfen? Einfacher Schaumstoff genügt?
    d) Hier wird Querlatten unter den Beuten empfohlen. Reichen normale 3x3/4x3 Latten aus dem Baumarkt oder kann man die auch weglassen?


    Vielen Dank für die Infos!

  • Ich bin ja selbst noch Anfänger, drum nur mal meine Meinung und gerne Widersprechen, wenn ich was falsches sage:
    a) Soweit ich weiß ist das Wandergitter besser als der Deckel, weiß aber nicht in wie weit das jetzt nen großen Unterschied macht.
    b) kann ich nix dazu sagen.
    c) Der Imker von dem ich meine Völker hole stopft das einfach mit Schaumstoff zu. Ich werde aber noch etwas Klebeband mitnehmen und darüber kleben. Ist etwas sicherer. Bienen im Auto während der Fahrt wär wohl ziemlich uncool.
    d) Ich hab geschrieben, dass ich das so vor habe. Ob es Notwendig ist weiß ich nicht, aber ist bestimmt besser. Was für Latten wär dabei ja völlig egal, es geht ja nur darum, das von unten Luft in die Beute kann.


    Gruß
    Specki

    Wir seh'n die Menschen um uns herum, viele krank und furchtbar dumm. Reden viel von Intellekt, doch der Natur zoll'n sie keinen Respekt. [XIV Dark Centuries]

  • Hallo
    ich greife meinen Beitrag aus 6 und 8 nochmal auf.
    Mir geistert jetzt noch folgende Theorie im Kopf umherr:
    War das Volk eventuell in der Vorbereitung bzw. im Begriff zu schwärmen?? Und daher verbraust?
    Es läst mir einfach keine Ruhe je näher das diesjährige Wandern rückt.


    Zu Beitarg 10 frage ich mich werden die Bienen untern Wandergitterdeckel nicht irre unruhig durch das Licht??


    Grüße
    Simon

    Was wir brauchen, sind ein paar verrückte Leute; seht euch an, wohin uns die Normalen gebracht haben.
    Georg Bernhard Shaw

  • Hallo zusammen,


    wenn wettertechnisch alles klappt, werde ich am Samstag meine ersten zwei Völker aus ca. 70 km Entfernung abholen.
    Nachdem was ich jetzt hier (und auch woanders) gelesen habe, werde ich mir auch eine kleine, feste Unterkonstruktion bauen, damit genug Luft von unten kommt, gegen Abend fahren und regelmäßig Lüften.
    Habe leider kein Wandergitter. Daher muss der normale Deckel herhalten.
    Ich hoffe, dass das klappt! Daumen drücken!!!


    Gruß,
    Johannes


  • Durch meinen Imkerverein bin ich ein wenig verunsichert:
    a) Stimmt es wirklich, dass man da den Deckel durch ein Gitter ersetzen soll?


    Es geht dabei darum, dass möglichst viel Luft in die Beute kommt. Du hast Hochböden, vermutlich mit Gitterboden? Und vielleicht kann man am Hochboden noch weitere Klappen öffnen? Dann sollte das reichen.
    Aber wenn Deine Vereinskollegen solche Deckel haben, dann leihen sie sie Dir auch bestimmt für den Tag. Schaden tun sie bestimmt nicht und Du kannst während der Fahrt nochmal problemlos Wasser reinsprühen wenn Du willst.
    Durch ein Tuch auf dem Gitter kommt immer noch mehr Luft rein als durch den Holzdeckel und der Einwand von Dumoint mit dem Licht hat sich erledigt.


    b) das Einsprühen mit Wasser hat der Berufsimker von dem ich mein erstes Volk habe auch gemacht. Mein Rat: Mach es einfach! Tust Du es nicht und ein Volk verbraust (aus welchem Grund auch immer) ärgerst Du dich schwarz!!!


    c) Schaumstoff reicht und ich würde den Schaumstoff nass machen. Hier im Forum hat mal einer erklärt die Bienen denken dann es regnet draussen und sie wollen dann gar nicht raus. Wir können zwar ncht wissen was Bienen denken aber plausibel ist die Erklärung für mich trotzdem.


    d) ich frage mich grad wie man das ganze dann gegen Verrutschen sichert. Holz auf Holz rutscht sicher gut. Man kann da bestimmt was basteln aber Wanderdeckel und Gitterhochboden sollten doch wohl ausreichen.


    Gruß
    Holger

    Am Ende wird alles gut. Und wenn es noch nicht gut ist, dann ist es noch nicht das Ende!

  • Hallo Ihr Lieben,


    kann es sein, das eine neue Wabe mit hellem Wachs und gefüllt mit Honig dem Geruckel nicht stand gehalten hat. Sie ist vielleicht zusammengesackt, hat den Gitterboden verstopft und die Bienen sind verbraust. Es waren vielleicht nur zufällig in beiden Fällen Frankenbeuten.


    Mir ist es vor Jahren mal so ergangen (mit Segeberger Beuten).


    LG Olivia

    Wiedereinsteigerin nach 20 Jahren. :Biene: