Leinöl auf Beuten – Erfahrungsbericht

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    Habe noch nicht ganz verstanden, was das Aufkochen bringt, und ob ich meinen Liter Leinölfirnis in toto kochen kann, bevor ich die Pigmente einmische und ob der Firnis dadurch schneller härtet, als wenn ich ihn nur so verwende, wie er aus dem Kanister kommt...?

  • Habe noch nicht ganz verstanden, was das Aufkochen bringt, und ob ich meinen Liter Leinölfirnis in toto kochen kann, bevor ich die Pigmente einmische und ob der Firnis dadurch schneller härtet, als wenn ich ihn nur so verwende, wie er aus dem Kanister kommt...?


    Einerseits las ich irgendwo, dass rohes Leinöl noch geringe Mengen an Schleimstoffen und Eiweißen enthalten könne, die durch das Aufkochen entfernt werden. (Aber was heißt 'kochen' bei Leinöl eigentlich - welche Temperatur, wie lange?)
    Und außerdem heißt es eben, dass gekochtes Leinöl schneller und besser trocknen würde, weil es vorpolymerisiert sei. Aber bedenke, dass 'Aufkochen' bei Öl nicht so funktioniert wie bei Bratensoße. Kein Blubbern bei 100°C. Öl kann im Topf richtig heiß werden, und wehe da fällt dann ein Tropfen Wasser rein.
    Hier steht für Lackleinöl übrigens etwas von Erhitzen auf 85°C.


    Es gibt neben rohem Leinöl (welches noch für Salat geeignet wäre) und Leinölfirnis noch weitere Leinölqualitäten zu kaufen: z.B. Standöl, Lackleinöl...
    Eine ganz nette Übersicht findet sich hier: http://www.farbmanufaktur-werd…_info_texte.php?text_id=1
    Sollte man auch mal gelesen haben, die Beschreibung von Kremer-Pigmente zu Leinöl und zu Leinöl-Standöl


    Das mit den Ölen für die Holzbehanldung ist kompliziert. Ich habe schon vor etlichen Jahren mal versucht, da halbwegs durchzublicken und war dabei nicht wirklich erfolgreich...: http://www.woodworker.de/forum…ussoel-tungoel-t5234.html


    Grüße,
    Robert

  • Guten Morgen,
    im Rahmen einer Fachwerkhausrestaurierung arbeite ich seit etwas über 4 Jahren mit Leinöl und konnte verschiedene Verhaltensweisen beim Leinöl beobachten.
    Im Aussenbereich wurde bei meiner Terassenüberdachung nur die Wetterseite dunkler (leicht gräulich), der Rest wurde leicht dunkler in Richtung Honigfarben, aber eben nicht negativ verfärbt. Allerdings macht auch die Holzart unterschiedliche Farbergebnisse aus.


    Leinöl selbst kann man momentan in grob gesagt 2 Qualitäten kaufen. In Industriequalität ist es die 2. Pressung, etwas dunkler in der Grundtönung und enthält Bitterstoffe, was aber meine Hunde nicht hinderte, mir fleissig beim Streichen zu helfen und das Öl ausgiebig in den Balken mit der Zunge einzumassieren. Leinöl in Lebensmittelqualität ist heller und ohne Bitterstoffe und grössere Mengen bekommt man dort, wie schon irgendwo erwähnt, am Besten über die Pferdefuttersparte (mein letzter Kauf für 2 mal 10 Liter zusammen ca. 50 Euro). Gekochtes (entschleimtes) Leinöl zieht ein wenig schneller ein, ist etwas dünnflüssiger als ungekocht, muss aber nicht heiss verarbeitet werden. Für die Ölmalerei gibt es auch noch Unterschiede dann beim Alter des Leinöls, je älter umso teurer (besser ???) scheinbar. Bin aber kein Ölmaler.


    Leinöl bewährte sich bei mir nicht bei stark beanspruchten Flächen (Küchenarbeitsplatte), da es zu weit einzieht und die gebeizte Platte danach noch lange beim Putzen ausfärbte.


    Leinöl benötigt warme Umgebungs- / Arbeitstemperaturen und braucht daher unterschiedliche Zeiten für seine Veränderungen im Holz. Durchschnittlich sind es 3 - 4 Wochen, erst dann sollte man die weitere / zusätzliche Schicht auftragen.
    Im Gegensatz zu anderen "üblichen" Farben bildet Leinöl eben keine Schicht auf dem Holz, sondern entfaltet sich im Holz. Dadurch kann Leinöl aber auch überarbeitet (neu gestrichen, gebeizt etc) werden ohne grosse Vorarbeiten wie abschleifen oder abbeizen.
    Bei schadhaftem Holz, hab mal Versuche angestellt, verändert das Leinöl innerlich die Struktur und verfestigt z.B. weiches Holz wieder.
    Pilze oder Holzschädlinge habe ich nach 4 Jahren noch keine feststellen müssen, allerdings streiche ich vor dem Leinöl die Hölzer mit Borax (nicht bei den Bienen) wie vor hundert Jahren vor.


    Dieses Jahr habe ich erstmalig ein "Fertigprodukt" auf Leinölbasis mit eben anderen Zusatzstoffen beim Holzfussboden eingesetzt. Trotz gegenteiliger Beschreibung konnte ich bei der Trocknung keinen grossen Unterschied feststellen. Allerdings hat das Fertigprodukt auf dem Holz einen dünnen Film gebildet, was ich bei Leinöl pur noch nie erlebt habe.


    Da Leinöl so vielseitig (nicht nur bei Holz) und gesund einsetzbar ist, möchte ich es nicht mehr missen, allerdings verzichte auch ich auf die Fertigprodukte mit den Zusatzstoffen, wenn ich es bei den Bienenbeuten verwende.
    Nach etlichen Gesprächen mit verschiedenen Herstellern würde ich davon abraten, auch wenn die Produkte sich "Bio" oder "für Kinderspielzeug geeignet" nennt.


    So meine persönlichen Erfahrungen im Umgang mit Leinöl.


    LG Co

  • Hallo Villa Kunterbunt,


    Vielen Dank für den Bericht. Du hast aber eine Frage bei mir aufgeworfen, Holz im Aussenbereich streichst du mit Borax gegen Schimmelbefall.
    Da du es bei den Beuten weg lässt, hattest du da schon einmal Probleme mit den Beuten, dass diese eine Pilzbefall bekommen haben?

  • Hallo Villa Kunterbunt,


    Vielen Dank für den Bericht. Du hast aber eine Frage bei mir aufgeworfen, Holz im Aussenbereich streichst du mit Borax gegen Schimmelbefall.
    Da du es bei den Beuten weg lässt, hattest du da schon einmal Probleme mit den Beuten, dass diese eine Pilzbefall bekommen haben?


    Ich kann bei den Beuten nur bedingt mitreden, da ich erst seit letztem Frühjahr Bienen halte und dies mein erster Winter war.


    Kondensation gab es in meinen Beuten auch, da war dann mein Sichfenster stark beschlagen.
    Schimmel habe ich (auf Holz klopfen) bis jetzt keinen in den Beuten entdeckt.


    In den Beuten habe ich Leinöl pur verwendet und aussen pigmentiert und mehrere Wochen auskristallisieren lassen bis Bienen eingezogen sind.


    Plastik / Folie habe ich, bis auf das Sichtfenster, nicht in der Beute. Als "Abdeckfolie" über den Rähmchen habe ich mir für die nächste Beutenöffnung Jute besorgt. Die wird vor dem Einsatz allerdings noch gewaschen, da kein Lieferant garantieren kann, ob in der Jute nicht irgendwelche Pestizide mitverarbeitet wurde und der Stoff aus indischen Regionen (angebaut, verwebt) kommt.


    Allerdings ist mein Wandaufbau noch zusätzlich anders, d.h. ich habe 2 Lagen Holz und den Zwischenraum dann mit Lehm-Stroh im BR und nur Stroh im HR ausgefüllt.
    Das Dach ist mit Hanf gedämmt. Also alles Materialien, die atmungsaktiv und schimmelwidrig agieren können.


    Durch diese Materialkombination ist sicherlich, das meint auch mein Imkerpate, eine stärkere Feuchtigkeitsregulierung gegeben.


    LG Co

  • Habe noch nicht ganz verstanden, was das Aufkochen bringt, und ob ich meinen Liter Leinölfirnis in toto kochen kann, bevor ich die Pigmente einmische und ob der Firnis dadurch schneller härtet...?


    Re-Mark schrieb:

    Und außerdem heißt es eben, dass gekochtes Leinöl schneller und besser trocknen würde, weil es vorpolymerisiert sei.


    Die Farbpigmente sollen beim Kochen zusammen mit dem Öl wie ein Katalysator wirken, der die Vorpolymerisation, wie es re-mark beschreibt, nochmals beschleunigt. Ich nehme an, dass es deshalb Unterschiede je nach Pigmentart (bzw. deren bestandteile) geben wird. Erdfarben (Eisenverbindungen?) seien angeblich gut geeignet.

    Die beste Zeit, einen Baum zu pflanzen, ist vor 20 Jahren. Die zweitbeste Zeit ist jetzt. (afrik. Sprichwort)

  • Klar. Schmeckte irgendwie nach Brot...


    Also wenns nicht kratzig oder bitter war hast du echt gutes Leinöl erwischt. Das ranzt nämlich ziemlich schnell.

    Alles wird gut - auf jeden Fall!

    Mein Sohn, iss Honig, denn er ist gut; und lass süßen Wabenhonig auf deinem Gaumen sein. (Sprüche 24:13)
    Wenn dich eine Biene sticht, geht fort von hier und schimpfe nicht - Bedenke, dass nur du es bist der dauernd hier im Wege ist.

    Und noch einer: "Live long and prosper keep bees"

  • Danke Euch. Das heisst für mich aber vermutlich, dass ich das nicht machen werden, weil ich pro Farbe nur vielleicht 50ml benötige, dann aber vielleicht 10 verschiedene Farben.


    Alternativ könnte ich versuchen, das Leinöl mit den angeriebenen Pigmenten in der Mikrowelle in einem Glasschälchen vorsichtig zu erwärmen...

  • Also wenns nicht kratzig oder bitter war hast du echt gutes Leinöl erwischt. Das ranzt nämlich ziemlich schnell.


    Hier in der Nähe gibts noch eine Ölmühle in Betrieb, verkaufen auch Kleinmengen. Es empfielt sich wirklich, für den Verzehr nur Kleinmengen zu kaufen, 1 Liter ist schon für *Normalos* zu viel, weils wirklich schnell ranzt.


    Nun ist es aber so, dass der Leinanbau in Deutschland darniederliegt. Die Silolaster, die den Leinsamen anliefern in der Mühle, hatten bis vor ca. 5 jahren ihre Fracht aus Kanada, nunmehr kommts aus der Ukraine.


    "Echt XXXXX Leinöl, Kaltgepresst" :p :p

    Die beste Zeit, einen Baum zu pflanzen, ist vor 20 Jahren. Die zweitbeste Zeit ist jetzt. (afrik. Sprichwort)

  • Danke Euch. Das heisst für mich aber vermutlich, dass ich das nicht machen werden, weil ich pro Farbe nur vielleicht 50ml benötige, dann aber vielleicht 10 verschiedene Farben.


    Bei diesen Mengen solltest du einfach die dafür passende Leinölqualität fertig kaufen. Und eventuell in ein Fachbuch investieren, oder halt mal ein paar Tage lang googeln und lesen. Die Ölmaler haben ein paar hundert Jahre Erfahrung auf dem Gebiet angesammelt...


    Zitat

    Alternativ könnte ich versuchen, das Leinöl mit den angeriebenen Pigmenten in der Mikrowelle in einem Glasschälchen vorsichtig zu erwärmen...


    :eek: Öl in der Mikrowelle zu erwärmen erscheint mir keine gute Idee. Die Mikrowelle ist eigentlich für wasserhaltige Stoffe ausgelegt, nicht für Öl (die Strahlungsfrequenz ist so eingestellt, dass sie knapp neben einer Absorbtionsfrequenz von Wassermolekülen liegt). Und ich bin mir nicht sicher, ob nicht manche Pigmente mit Funkenbildung reagieren könnten.


    Grüße,
    Robert

  • Hast Recht. Ich tu Wasser dazu. Probier's mal schnell aus und melde mich in 5 Minuten wieder... :cool: *duckweg*


    Nein mal im Ernst, ich streich die eine Beute einfach wie gehabt, die muss ja erst fertig sein, bis ich den Ableger mache, und das hat noch Zeit...

  • Hallo Pisolo!


    Für kleine Mengen, wie Du es brauchst, besorge Dir bei Kremer Pigmente den kleinen Glasläufer, siehe : http://www.kremer-pigmente.com…-stiel--klein-883340.html


    Von irgendwo noch eine Glasplatte zum Anreiben der Pigmente. Es lohnt sich, da ja die Pigmente unangerieben jahrelang haltbar bleiben.
    Dann mit kreisenden Bewegungen unter Druck anreiben. Vorher mit einer kleine Spachtel für die Ölmalerei an'manschen', Pigment und Öl anteigen.


    Der Trick ist, dass die Pigmentkörnchen von allen Seiten mit dem Malmittel, hier Leinöl, umgeben sein müssen. Die großen Farbhersteller machen es mit drei Walzen, die unterschiedlich schnell laufen, und die Scherkräfte reißen die Pigmente auseinander und zwingen das Öl um die Teilchen. Ich privat mache es bei größeren Mengen z.B. Beuten mit Glasmurmeln und einem alten Gurkenglas und drehe das ganze 10 - 15 Minuten. Es kommt eine herrlich streichfähige Farbe heraus. Vom sogenannten "Abkreiden" habe ich jetzt noch nichts bemerkt.


    Für kleine Mengen, 10 - 20 Gramm Pigment, reicht der Glasläufer.


    Zur Haltbarkeit, die ersten Beuten haben jetzt seit 5 Jahren ihren Schutzanstrich, möchte ich noch anmerken. Am Anfang bekamen sie 3 - 4 Anstriche von 'mager' bis 'vollfett', wie es Kremer für den Holzschutz Außen empfiehlt. Bei starker Tracht merkte ich aber, wie das viele Wasser nicht schnell genug von innen nach aussen diffundieren konnte und es sich Farbwölbungen nach aussen bildeten. Nach der Volltracht bildeten sie sich zurück.
    Seitdem ich nur noch 1 - 2 Pigmentschichten auftrage, kann ich es nicht mehr feststellen.
    Eisenoxidpigmente (am Besten noch mit Zinkweiß etwas aufgehellt) wirkt laut Literatur antibakterizid. Früher macht man ja sogar Zinkoxidumschläge beim Menschen.


    Fröhliches Malen, bei diesen Temperaturen kann man es ja wieder


    Andreas

  • Hallo!


    Ich fange jetzt frisch mit der Imkerei an und habe alle meine Beuten nur mit Leinölfirnis gestrichen.
    Durch diesen Thread bin ich jetzt etwas unsicher geworden: Sollte ich die Beuten mehrmals anstreichen, bevor ich die raus stelle? Hätte ich außer Leinölfirnis noch Pigmente zumischen sollen oder gibt es hier auch Imker, die Bereits gute Erfahrungen damit haben, die Beuten *nur* mit Leinölfirnis gestrichen zu haben?

  • Hallo Genscher,


    mir wurde vor einem Jahr an dieser Stelle geraten, auf jeden Fall ein wenig Pigment zuzumischen. Ich habe die Fronten richtig bemalt, an den Seiten ein wenig Ockerpigment ins Leinöl gearbeitet, wirklich nur wenig. Der schöne satte Holzton sieht nach wie vor herrlich aus.


    Den Glasläufer habe ich, eine herrliche Sauerei! :-)


    Viele Grüße
    Pisolo