Honigprämierung Sachsen

  • Moin,


    im Landesverband Sächsischer Imker findet nun schon regelmäßig eine ganz offizielle Honigprämierung statt - nicht so lustig wie die auf dem IFT aber dafür mit viel technischem Aufwand und inklusive Laboruntersuchung. Das alles zu einem Preis von 15 €uro pro Los aus 2kg Honig in 4 Gläsern. Also wenn man geizig so will zum Preis von 35 €uro, denn den Honig kriegen hinterher bedürftige Bedürftige. Der ißt also weg. So eigentlich finde ich die Möglichkeit dennoch gut und würde sie wie viele andere unserer Mitglieder auch nutzen, denn in den Richtlinien heißt es: 1. An der Honigprämierung können organisierte Imker des LVSI mit Honigen eigener Erzeugung teilnehmen ... Organisiert bin ich da und Honig erzeugen meine Bienen auch. Meine Bienen - mein Honig - also eigen.


    Doch dann lädt mich die nächste Ziffer gleich wieder aus: 2. Es können nur Honige in D.I.B-Einheitsgläsern 500g in ordnungsgemäßer Aufmachung nach der Warenzeichensatzung des D.I.B. angeliefert werden . ... Abgesehen, daß das Unsinn ist, weil die Richtlinie natürlich meint, daß anders aufgemachte Honige nicht angenommen werden, aber nicht wissen kann, ob ich nicht doch in der Lage bin auch Neutralgläser unbeschädigt anzuliefern, finde ich das ausgesprochen diskriminierend.


    Laßt mich das mal von Hinten aufzäumen: Nach dieser Richtlinie muß der Sachsensieger immer einer sein, der im D.I.B.-Glas abfüllt. Es geht ja nicht anders. Auch auf den Plätzen und unter den ersten Zehen, immer nur D.I.B-Honige. Andere sind ja ausgeschlossen. Wir wissen, daß in Sachsen ganz hervorragende Honige geschleudert werden, die sogar den Vergleich im gesamten Deutschen Sprachraum nicht nur nicht scheuen, sondern rein sensorisch einen Großteil der Honige anderer Gaue hinter sich lassen. Und das ganz unabhängig davon, ob sie in Honigbärchen, Plastenäpfen, Dunkelgläsern oder in D.I.B-Karaffen in Verkehr gebracht werden oder eimerweise auf hellen Parkplätzen verschoben. Haben nun nun die DIB-Glaser vor solcher Qualität Angst? Zudem wird die Honigprämierung in Sachsen aus Haushaltsmitteln bezuschußt. Folglich zahlen auch Einreichungsausgeschlossene mit, für ein Spiel, das ohne sie abläuft. Ein weiterer Punkt, den ich so fair nicht finden kann. Und dann kommt hinzu, daß gerade Berufsimker mit ihren Eigenmarken in der Honigverarbeitung ganz Tolles leisten und mit ausgeklügelten Rühr- und Antautechniken Vielfalt ins Glas bringen. Und zwar in ihr Glas. Auch mit denen möchte sich die DIB-Fraktion lieber nicht messen müssen. Anfänger sind eine weitere ausgeschlossene aber eingeladene Zielgruppe. Die werden nun nicht als Erstes einen Honiglehrgang (-->Warenzeichen) absolvieren, sondern erst mal lernen, wie man überhaupt Honig erntet und worauf es bei den Bienen ankommt. Denen nimmt man die Motivation aus dem Wettbewerbsgedanken, sich von Jahr zu Jahr zu verbessern. Auch nicht schön.


    Auf jeden Fall steht fest, daß für die Qualität das Warenzeichen der Verpackung und die Bedingungen zu seiner Verwendung nicht entscheidend sind, sondern einzig und allein, was drin ist im Glase.


    Unser Verein und einige andere der Umgebung werden einen Antrag einbringen, diese Ungerechtigkeit abzuändern. Was haltet Ihr davon?

    Mit vielen freundlichen Grüßen
    Henry Seifert (Honig-Bienen-Kurse-Gutachten)
    Faulbrutsanierer, Königinnenverschicker, Schwarmfänger, Bienenretter, Streitschlichter, Kunstschwarmkehrer, Belegstellenwirt, Imkerpate, Probennehmer, Schadenschätzer, Ablegerbilder

  • Hallo Henry,
     
    der "Landesverband der Freien Imker" kann ja auch solch eine Prämierung durchführen, dann kann der Sachsensieger der Freien ermittelt werden. :lol:
    Oder die Freien und die Gebundenen machens zusammen.:roll:


    LG Andreas

  • Hallo Henry,
    danke für den Beitrag. Im Übrigen habe ich mir selbst diese Fragen gestellt, nachdem ein Zeitungsartikel über diese Prämierung erschien.
    Der Vorsitzende, bei dem ich im Übrigen meinen Lehrgang vor 2 Jahren absolviert und ich noch heute gern daran zurückdenke, äußerte sich sehr kritisch zu den Ergebnissen aus den D.I.B. Gläsern.
    Wenn ich mich recht erinnere, sinngemäß, da ist wohl noch viel Arbeit, weniger der Inhalt, wohl eher die Aufmachung.
    Ich bin nicht organisiert und habe auch nicht die Absicht.
    Würde aber gern auch mal an einem Wettbewerb teilnehmen.
    Aber was soll es.
    Viele Grüße

  • Warum nur das DIB Glas?
    Zum Beispiel:
    Damit es für alle gleich Fair ist.
    Jeder Teilnehmer hat die gleichen Voraussetzungen, zu zeigen das er in der Lage ist ein Honigglas zu etikettieren, ohne es mit Honig oder Leim oder Fingerabdrücke oder Etikettenresten zu verzieren.


    Dann gibt das gleiche, durchsichtige Glas mit der gleichen unbeklebten Fläche die für alle gleiche Chance bei der Beurteilung des Honiginhaltes auf Freiheit von Wachs, Etikettenreste, Eisen, Glas, Holzspäne, Metallspäne, Bienen(Ganz oder in Teilen), Ohrenkneifer, Kellerasseln und was da sonst schon gefunden wurde.


    Dann noch die für alle gleiche Anonymisierung der Gläser: Beim DIB Glas wird die Adresse mit einer Nummer überklebt, um sicher zu stellen, das die Prüfer nicht den Imker erkennen. Wie soll das bei den individuellen Etiketten gemacht werden? Ganzes Etikett abkratzen oder was?


    Dann die Haftungsfrage: Was wird nicht alles auf die individuellen Etiketten geschrieben, was zumindest rechtlich fragwürdig ist. Das fängt bei der Schriftgröße und Platzierung der Adresse an und hört bei den Lobpreisungen auf.
    Wenn da etwas bei der Honigbewertung nicht beanstandet wird, meint der Imker gleich, er hat einen Freifahrtschein.

  • Warum nicht unetikettierte Neutralgläser?
    Dachte es geht um den Inhalt (Honig), das Bekleben eines Etikettes muss man ja wohl nicht prämieren.


    Gruß Jan

    Dubium sapientiae initium. Zweifel ist der Weisheit Anfang. René Descartes

  • Na ja, die Argumentation ist weit ausgeholt.
    500 g Glas weiß, neutral mit Nummer drauf tut es auch. O.K., ob da der Leim verschmiert ist, das sieht man dann wirklich nicht.
    Nee, nee, das man um Mitglieder bemüht ist lässt sich nicht verleugnen und besonders gut ist es, wenn sie dann im D.I.B. Glas vermarkten.
    Viele Grüße

  • Warum nicht unetikettierte Neutralgläser?

    So handhaben wir das im Allgemeinen und schließen z.B. auf dem IFT unetikettierte D.I.B.-Gläser auch nicht aus. Es geht ja um Honig da und es heißt nicht Glas- und Etikettenprämierung!


    Ich erinnere mich, daß früher mal das Etikettenaufkleben bewertet wurde. Wer also schief klebte konnte gerade noch mit dem besten Honig von allen gewinnen. Theoretisch hatte man da ein Neutralglas abgeben können unter der Prämisse, es wäre ein äußerst schlecht aufgemachtes D.I.B.-Glas. Man hätte die Punktabzüge hingenommen, sie der Gleichschaltung hatl geopfert, aber die Honiguntersuchung und Bewertung gehabt. Heute lassen sich ander als D.I.B.-Gläser nicht anliefern.

    Mit vielen freundlichen Grüßen
    Henry Seifert (Honig-Bienen-Kurse-Gutachten)
    Faulbrutsanierer, Königinnenverschicker, Schwarmfänger, Bienenretter, Streitschlichter, Kunstschwarmkehrer, Belegstellenwirt, Imkerpate, Probennehmer, Schadenschätzer, Ablegerbilder

  • Hi,


    ich möchte den DIB nicht in Schutz nehmen. Bei den Wettbewerben geht es auch darum Honig in einer verkehrsfähigen Form zu beurteilen. Da gehört das Etikett halt zwingend dazu. WIE das montiert ist, ist dann eine Geschichte aus dem Formenkreis "Das Auge ißt mit". Gläser mit schiefen Etiketten mag der Kunde weniger. Von daher gesehen, finde ich das gar nicht mal so abwegig. Zuvor müssen halt Etiketten an die Einsender verteilt werden damit nur die Jury nachvollziehen kann von wem der Honig ist. Dann kann man die Sorgfalt des Vorbereitens noch beurteilen. Die Gewichtung finde ich allerdings viel zu stark. Ich habe mir damit mal eine Goldauszeichnung versemmelt, weil "Kleberreste" gegen das Licht auf dem Glas schimmerten ....


    Gruß
    Reiner

    42

    ganz sicher

    nur nicht beim bee-space

  • Unser Verein und einige andere der Umgebung werden einen Antrag einbringen, diese Ungerechtigkeit abzuändern. Was haltet Ihr davon?


    Moin,
    ja, beantragt mal.
    Wichtig ist bei dem D.I.B. glas wohl auch die Deckel/ Glaszuordnung richtig zu kombinieren. Hier gab es ja immer mal Änderungen im Design.

  • Bei den Wettbewerben geht es auch darum Honig in einer verkehrsfähigen Form zu beurteilen.

    Zweifellos sind Honige im Neutralglas nicht per se weniger verkehrsfähig als solche im Einheitsglas. Es kann nicht Aufgabe des Einreichers sein, seine Honige an die Regeln des D.I.B. anzupassen oder umzufüllen, nur um in den "Genuß" der Prämierung zu kommen. Klar kennen alle Wettbewerbe Klassen, Richtlinien und Bewertungsrichtlinien. Hier jedoch sind es die Imker, die die Regeln erstellen und es ist wohl nicht zuviel verlangt, sich Gedanken zu machen, wie eine Vergleichbarkeit herzustellen ist. Wenn schon die Aufmachung mitspielt, dann sollte ein graviertes Dunkelglas mit galvanisierter Beschriftung die vollen 5 Punkte bekommen. Stattdessen wird es aktuell als fehlerhaft ausgeschlossen, weil es nicht so edel ist, wie ein altbackenes Riffelglas mit schlecht klebender Gewährverschlußlasche und undichtem Deckel, der Papiereinlagen nötig hat. Jedes Langneseglas macht optisch mehr her - ist aber draußen.


    Honig ist in seiner Gesamtheit an vielen Stellen definiert. Das D.I.B.-Glas nur in der Warenzeichensatzung. Es ist also schon wettbewerbsrechtlich sehr angreifbar, wenn der LVSI von "Sachsens Bestem Honig" spricht der aus einer "Honigprämierung" hervorgegangen ist, denn es handelt sich tatsächlich nur um "Sachsens Besten D.I.B.-Glas-Honig" aus einem Wettbewerb mit sehr beschränktem Teilnehmerfeld. Vielleicht sollte man da mal klagen, was jedoch diesen Wettbewerb dann vollends zerstören würde.


    Auch wenn Manche das nicht gerne hören, alleine Zahlen der verkauften Neutralgläser im Verhältnis zu Einheitsgläsern sprechen eine deutliche Sprache. Deutlich mehr Imker nutzen das Einheitsglas nicht oder nicht mehr und füllen neutral ab - ganz zu schweigen von den konkreten Honigmengen. Bei den statistischen Abgaben übrigens bezieht auch der D.I.B stets jedoch allen Honig mit ein, wenn er über die Mengen des von den Mitgliedern geernteten Honigs spricht. Das ist meiner also dabei. Bei der Bewertung nicht.


    Mal sehen wie das in Sachsen ab 2015 sein wird.

    Mit vielen freundlichen Grüßen
    Henry Seifert (Honig-Bienen-Kurse-Gutachten)
    Faulbrutsanierer, Königinnenverschicker, Schwarmfänger, Bienenretter, Streitschlichter, Kunstschwarmkehrer, Belegstellenwirt, Imkerpate, Probennehmer, Schadenschätzer, Ablegerbilder

  • Imker ist kein von D.I.B. geschützter Begriff. Somit haben die „organisierten Imker“ das beschlossen, steht denen auch frei. Allerdings müssen sie das deutlich nach außen dokumentieren und nicht den Anschein erwecken, dass „die Imker“ das alle so wollen.
    Im Grunde reicht ein formloses Unterlassungsanschreiben in denen der Verband aufgefordert wird, entweder bei der nächsten „Imkerprämierung in Sachsen“ die Teilnahmebeschränkungen bezgl. auf Mitgliedschaft in einer Organisation oder Verwendung eines geschützten Produktes als Bedingung, in dem Fall das Glas und das Etikett, aufzugeben, oder deutlichst zu erkennen zu geben, dass es sich um eine beschränkte Mitgliederveranstaltung handelt und nicht repräsentativ für Sachsens Imker ist. Muss man ja nicht klagen.
    Sollten die das ignorieren, dann wird’s beim nächsten Mal wirklich teuer.
    Viele Grüße

  • Fänd ich gut. Also, den Änderungsantrag. Könnte ich dann auch als Schleswig-Holsteiner eintreten? Und meine Honige dürften mitmachen? Oder würden die gar lokal diskriminiert? Das wäre dann mal eine Alternative zum m.E. langjährig reaktionärem und undemokratischen LV-Klüngel hier..:cool:


    Wobei man dann ja immer noch im DIB Mitglied wäre, was dann auch nicht viel ändern würde. Aber ich schweife ab..

    Viele Grüße
    Marcus


    Beekeeping is not about honey. It’s not about money. It’s about survival.
    "Regional gehört die Zukunft." H. Lichter