Bienenrassen und ihre Charakteristik

  • Hallo,
    mein geschätzter Gerstung schreibt um 1905 folgende These:


    Ferdinand Gerstung schrieb:

    Offenbar ist die Schwarmlust oder die Schwarmträgheit kein konstantes, d.h. unter allen Umständen hervortretendes Rassenmerkmal, sondern nur die Folge der eigenartigen Lebensbedingungen. So verwandeln sich schwarmträge Stämme bald in schwarmlustige, wenn in der Gegend reiche Spättrachten auftreten, und umgekehrt verlieren selbst Krainer und Heidbienen in trachtarmen Gebieten ihre Schwarmlust bald, zumal wenn in solchen Gegenden Surrogate als Futter gegeben werden.
    (Quelle: Ferdinand Gerstung, "Der Bien und seine Zucht", Dritte Auflage 1905, Seite 125)


    Herzliche Grüße
    Mirko

    Lärm- und Hektik-Allergiker und unheilbarer NostalgieImker
    "Ich bin nicht geneigt aus Dingen ein Problem zu machen,
    die ganz offenkundig nicht das Potential dafür besitzen."


  • Ich finde hier eine ganze Reihe bemerkenswerter Zitate deren Beobachtungen unseren heutigen Rassenkenntnissen entsprechen.


    Wie dass mit der Läppertracht gemeint ist, ist mir unklar, hängt die Nutzung doch z.T. von der Betriebweise u.a.m. ab.


    Interessant die Beschreibung der Anpassungsformen, die heute als Ökotypen bezeichnet werden und eine dunkle Biene die starke Völker für den Winter aufbaut, sich langsam entwickelt, was eben mit unserem wechselhaften Atlantikklima zu tun hat, während die carnica aus einer anderen Zone, mit länger anhaltendem und konstanteren Wintern kommt und eben deshalb sich sprunghaft entwickelt.
    Man betrachte nur mal unseren heutigen "Winter" in Deutschland, kräftige Kälterückschläge sind immer noch zu erwarten und was das für stark brütende Völker (ligustica oder Buckfast) bedeutet kennt jeder; Kleckereinen etc. oder tote Brut und die Reizfütterung war im vorigem Jahrhundert noch gang und gebe, manch einer macht es heute noch.

    - Zweifel ist das Wartezimmer der Erkenntnis -

  • Man betrachte nur mal unseren heutigen "Winter" in Deutschland, kräftige Kälterückschläge sind immer noch zu erwarten und was das für stark brütende Völker (ligustica oder Buckfast) bedeutet kennt jeder; Kleckereinen etc. oder tote Brut und die Reizfütterung war im vorigem Jahrhundert noch gang und gebe, manch einer macht es heute noch.


    Hallo Horstus
    Meinst du nicht das du das evtl sehr pauschalisierst?
    Der Ursprung der Buckfast liegt in ja schließlich in England und somit in einer ähnlich gemäßigten Klimazonen wie Deutschland.
    Auch in England gibt es im Winter Temperaturen von -10 Grad und trotzdem wird dort seit nunmehr fast 100 Jahren erfolgreich die Buckfast gehalten.
    Die Ligustica wird ja gelegentlich als Biene der Weltimkerei bezeichnet und ist viel mehr verbreitet als M. Melifera, Carnica oder Buckfast. Somit wird die Ligustica auch in skandinavischen Ländern die eher ein Polaresklima haben mit Erfolg gehalten.
    Dadurch dass ja Zucht immer etwas mit Selektion zu tuen hat, gibt es glaub ich keine Bienenrasse mehr die mit den Klimatischen Bedingungen hierzulande Probleme hat.
    Es ist im Allgemeinen die Natur die mit diesen Wetterkapriolen nicht zu recht kommt, diese Temepraturschwankungen und das Ausbleiben von langanhaltenden Frostperioden, gefolgt von viel zu viel Feuchtigkeit sind für alle Tier und Pflanzenarten ein mehr oder minder großes Problem. Ich freu mich schon auf die Vespenplage 2014.
    Ich finde alles rund um die dunkle Biene recht interessant, da sie ja unsere einzig heimische Biene ist jedoch finde ich für meinen Teil, ist diese Glorifizierung von wegen die Stärkste, die Robusteste, die am besten angepasste usw. sehr übertrieben.


    Viele Grüße


    Maxikaner

  • Hallo Simon


    Wie es dir geht mit der Beurteilung der Melliferia, so ging es mir auch zum Teil bei der Beurteilung der Carnica. Ich denke, in den verschiedenen Landstrichen und Klimazonen, allein in Deutschland werden sich dieselben Rassen auch unterschiedlich verhalten, bis sie sich angepasst haben.
    Zur Veränderung in der Landwirtschaft, möchte ich bemerken, das es früher, sehr viele Blühpflanzen in der Landwirschaft gab, die noch im Sommer geblüht haben, wie Esparsette und ähnliches, auch die Wiesen haben noch ein 2.Mal blühen dürfen. Es fing schon in den 50iger Jahren an des es fast nur noch Raps gab, für die Nutzung dieser Tracht war, wie sich das liest, eben die Melliferia nicht mehr geeignet.

    Gruß Reinhard / Lehre mich die wunderbare Weisheit,daß ich mich irren kann.(Teresa v. Avila)

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  • Sicherlich ein wenig pauschalisiert denn wir bewegen uns in minimaler Merkmalbeurteilung und der Honigkübel-Index ist immer noch die beste Beurteilung.
    Sicherlich gibt es im Vereinigtem Königsreich auch -10°C, aber die sind nicht vergleichbar mit -30°C und mehr in Moskau oder in Perm, aber auch da werden verrückterweise auch Südbienen gehalten die dort niemals heimisch würden oder werden; die Natur schlägt dort erbarmungslos zu wie viele russische Imker es dort immer wieder feststellen müssen.
    HG, Horstus

    - Zweifel ist das Wartezimmer der Erkenntnis -

  • Hallo Reinhard,


    @KME: Was wird wohl in den Büchern des Jahrgangs 2100 bezüglich Bienen zu lesen sein? Und wie wird man unsere heutige Sichtweise in der Zukunft bewerten? Vielleicht gibts im Jahr 2100 auch gar keine Bienen mehr, dann braucht es auch niemanden mehr, der etwas darüber schreibt.


    Viele Grüße
    Sven


    HAllo,


    das Wissen wird weiter zunehmen. Manches was heute als "wahr" gesehen wird, werden unsere Nachfahren als "unwahr" beweisen.


    Ich denke hier vor allem an die Gentechnik, die sicher zu einer weiteren Klärung der Frage nach der Herkunft und der Verwandtschaft der "Rassen" (was ja hier Thema ist) beitragen wird.
    Gruß
    KME

  • Hallo Horstus


    Die Läppertracht,ist ja das Gegenteil von Massentracht und das Verhalten der Bienen, beruht bestimmt auf Beobachtung. Ich kann mir also vorstellen, das die eine Bienenrasse bei Läppertracht zu Hause bleibt, weil es sich kaum lohnt auszufliegen und die andere Rasse sagt sich, besser als nichts, wir nutzen das geringe Angebot aus und bleiben in Brut.

    Gruß Reinhard / Lehre mich die wunderbare Weisheit,daß ich mich irren kann.(Teresa v. Avila)

  • Sicherlich ein wenig pauschalisiert denn wir bewegen uns in minimaler Merkmalbeurteilung und der Honigkübel-Index ist immer noch die beste Beurteilung.
    Sicherlich gibt es im Vereinigtem Königsreich auch -10°C, aber die sind nicht vergleichbar mit -30°C und mehr in Moskau oder in Perm, aber auch da werden verrückterweise auch Südbienen gehalten die dort niemals heimisch würden oder werden; die Natur schlägt dort erbarmungslos zu wie viele russische Imker es dort immer wieder feststellen müssen.
    HG, Horstus


    Hallo Horstus,


    Wir reden ja über Deutschland und nicht über Russland und ich denke bei dir in NRW sind die Winter im Normalfall auf jedenfall mit den Britischen vergleichbar.
    Auf deinen "Honigkübel Index" möchte ich gar nicht eingehen, da diese Diskussionen ja schon oft geführt wurde und immer auf das gleiche rausführt.


    Diese Klimakapriolen die es zur Zeit gibt, bereit allen Lebewesen Schwierigkeiten.
    Wenn es zu dieser Jahreszeit viel zu Mild ist und dann die - 15 grad Schelle kommt, haben alle Lebewesen ein Problem.
    Alle Bienen, alle Insekten, ja auch z.B. Der Igel der gar nicht in die Winterstarre fällt aber nichts mehr zum fressen findet, oder die Zugvögel die nicht mehr weggeflogen sind, weil es zu warm war usw.


    Eigentlich geht es ja schon fast am Thema vorbei denn es geht um die verschiedenen Charakteristiken der Arten.
    Und da bin ich der Meinung, dass absolut keine Art ein Patentrezept besitzt wie sie mit solchen extremen Wetterereignissen umzugehen hat.
    Manche Völker schaffen es manche nicht, und die Rasse ist hier in meinen Augen egal.


    Grüße


    Maxikaner


  • ...und die Rasse ist hier in meinen Augen egal.


    Grüße


    Maxikaner


    HAllo,


    naja, nicht ganz. Nach eigenen Erfahrungen hatten meine Caucasica aus den USA, aber auch die Sicula, hier Schwierigkeiten mit kalten europäischen Wintern. Und die Scutellata ist hier in Europa gar nicht winterfähig. Von daher ist die "Rasse" keinesfalls egal.


    Wir müssen aber auch berücksichtigen, dass insbesondere bei der Carnica eine ganz erhebliche Hochleistungszucht stattgefunden hat, und dass die Carnica, die wir in Deutschland halten, nicht mehr viel mit der Carnica aus ihrem Heimatgebiet gemeinsam hat.


    Und: auch die Carnica in Deutschland ist bei weitem nicht mehr rein, sondern sie ist eine Biene, die so aussieht wie eine Carnica.


    Gruß
    KME

  • Von daher ist die "Rasse" keinesfalls egal.


    Gruß
    KME


    Man kann eine "Rasse" an das Klima anpassen. Die Ligustica ist der Beweis.


    Von daher ist es auch müssig, einer Dunklen hinterherzulaufen für die es keine Umweltbedingungen mehr gibt...


    Auch wenn es dir weh tut, es gibt diese Biene nicht mehr, die du propagierst, ganz einfach weil es die Umweltbedingungen nicht mehr gibt die eine solche Biene braucht.

  • Hallo Imkerfreunde


    Beim Wettervergleich erkennt man schon den Unterschied, die Temperaturen rund 10 Grad kälter und 10 Grad wärmer in Deuschland als in England, deshalb die Überwinterung leichter oder auch nicht.


    Aber um aufs Thema zu kommen, wo gibt es heute noch eine klare Charakteristik, für eine bestimmte Bienenrasse, das hört in den 80 iger Jahren auf. Ich finde schon, wie auch Kai schreibt, das es doch eine sehr große Vermischung der Rassen gibt und die Leistungsträger sind Völker der F1 Generation, so zu sagen "luxurierende Bastarde" aus "Imkerlich Fachkunde".
    Bücher die das Rassen -oder Artverhahlten in der Neuzeit beschreibt, würden mich interessieren.

    Gruß Reinhard / Lehre mich die wunderbare Weisheit,daß ich mich irren kann.(Teresa v. Avila)

  • Hallo Leute,


    ich beobachte das nun schon geraumer Zeit mit einer gewissen Belustigung. Geschichtsunterricht mocht ich schon in der Schule sehr gern. Man kann daraus viel lernen. Aber dieses Sammelsurium an alten Beschreibungen bringt nicht wirklich viel. ALLE wirtschaftlich genutzten Bienen wurden einer massiven züchterischen Beeinflussug unterworfen, wie Kai schon sagte. Keine Bienenpopulation würde in der Natur soviel Honig bringen, so große Völker aufbauen und so schwarmträge sein wie es heute die Zuchtstämme sind. Auch nicht die Stämme der Dunklen. Der Ausdruck der "luxurierenden Bastarde" war schon immer ein Unsinn. Ohne diese Heterosis hätte man nie etwas zum züchten und verbessern gehabt. Und Heterosis gibt es ja nicht nur bei der Verpaarung von unterschiedlichen Unterarten!


    Eine Biene an ein Klima anpassen geht übrigens nicht. Du kannst nur die selektieren, die mit dem vorgefundenen Klima zurecht kommen. Anpassung würde eine Veränderung der Physiologie oder des Verhaltens des gleichen Indiviuums bedeuten, die gibts aber net. Es gibt nur Selektion des passendsten.


    Gruß
    Reiner

    Hallo Imkerfreunde


    Beim Wettervergleich erkennt man schon den Unterschied, die Temperaturen rund 10 Grad kälter und 10 Grad wärmer in Deuschland als in England, deshalb die Überwinterung leichter oder auch nicht.


    Aber um aufs Thema zu kommen, wo gibt es heute noch eine klare Charakteristik, für eine bestimmte Bienenrasse, das hört in den 80 iger Jahren auf. Ich finde schon, wie auch Kai schreibt, das es doch eine sehr große Vermischung der Rassen gibt und die Leistungsträger sind Völker der F1 Generation, so zu sagen "luxurierende Bastarde" aus "Imkerlich Fachkunde".
    Bücher die das Rassen -oder Artverhahlten in der Neuzeit beschreibt, würden mich interessieren.

    Grenzen sind konstruiert. Was uns trennt und verbindet, wird von Menschen gemacht.

  • Man kann eine "Rasse" an das Klima anpassen. Die Ligustica ist der Beweis.


    Von daher ist es auch müssig, einer Dunklen hinterherzulaufen für die es keine Umweltbedingungen mehr gibt...


    Auch wenn es dir weh tut, es gibt diese Biene nicht mehr, die du propagierst, ganz einfach weil es die Umweltbedingungen nicht mehr gibt die eine solche Biene braucht.



    HAllo


    Verstehe ich nicht !!!!!
    Was für andere Umweltbedingungen braucht den die dunkle Biene, die die anderen nicht brauchen, deiner Meinung nach ??
    Jetzt bin ich mal gespannt.


    grüße
    Simon

    Was wir brauchen, sind ein paar verrückte Leute; seht euch an, wohin uns die Normalen gebracht haben.
    Georg Bernhard Shaw


  • Von daher ist es auch müssig, einer Dunklen hinterherzulaufen für die es keine Umweltbedingungen mehr gibt...Auch wenn es dir weh tut, es gibt diese Biene nicht mehr, die du propagierst, ganz einfach weil es die Umweltbedingungen nicht mehr gibt die eine solche Biene braucht.


    HAllo, auch ich verstehe diesen Beitrag nicht. Erstens propagiere ich keine Biene, zweitens freue ich mich über gelungene Erhaltungszucht in Skandinavien, Frankreich, Irland etc an der Dunklen Biene, und drittens: siehe Frage von Dumoint.
    Gruß
    KME