Imkerverein 2.0

  • Hallo Gemeinde,


    seit ein paar Jahren ist Bewegung in die Imkervereine gekommen. Da sitzen nicht mehr nur sechs Graumelierte, sondern Frauen, Jungendliche und Männer im besten Alter...
     
    Doch oftmals sind die Strukturen etwas "knusperig" und machmal sogar verkrustet. Ich habe mich dafür entschieden, über meinen Beutenrand zu blicken und der Gemeinschaft, von der ich viel lernen durfte, etwas von mir und meiner Freizeit zurück zu geben. Ja, ich habe mich dafür entschieden, den Kasseler Verein aktiv mit zu gestalten, anstatt zu nörgeln oder nur mitzulaufen. Und tatsächlich trage ich in mir seit einiger Zeit eine gewisse Vision. Doch hier poste ich heute, um von Euch zu wissen:


    Wie sieht Euer Imkerverein des 21. Jahrhunderts aus?
    Welche Wünsche und Vorstellungen, Erwartungen und Anforderungen stellt Ihr an den Vereinsvorstand?
    Oder läuft alles bestens so wie es ist? Schön! Aber woran liegt das?
    Vielleicht sind Imkervereine aber auch nichts für Euch. Warum habt Ihr Euch dagegen entschieden und tretet nicht dem örtlichen Imkerverein bei? Könnte ja sein...


    Bin gespannt auf Eure Antworten und Eure Anregungen.


    Vielen Dank vorab,


    vic


    P.S.: Ich fänd's cool, wenn es in diesem Thread weniger Diskussion unter den üblichen Verdächtigen als vielmehr ein breites Meinungsbild von Anfängern bis Alten Hasen gäbe... Danke!

    «Kasseler Stadthonig» – Ertragreiche und sanftmütige Buckfast-Bienen in 10er-Dadant, rund 30 Völker auf verschiedenen Dächern in der Kasseler Innenstadt.

  • Hi,
    also ich werde in diesem Jahr in den Verein eintreten, da er mir erstmal etwas Komfort bietet.
    Hier übernimmt der Verein die Meldung beim V.-Amt -- bei der Bestellung von AS und OS über den Verein genießt man die Förderung über den Staat, dadurch sind die Mittel für paar Völker fast umsonst. Man ist automatisch über den Vereinsbeitrag versichert.
    Es gibt 1x Monat ein Treffen - hier kann ich aber überhaupt noch nicht einschätzen, ob das was bringt, bzw. ob mir das zusagt (auch wegen der Altersstrucktur).
    Man hat aber einfach immer Ansprechpartner, die schon viele Jahre in Deutschland Bienen halten und somit sicher zum einen oder anderen Problem scho ihre Erfahrungen gemacht haben.
    Was ich nicht nicht sicher weiß aber bisher so rausgehört habe, koordiniert der Verein auch etwas die Vermarktung.


    D.h. ich erwarte im Moment nicht viel, sondern nutze die Vorzüge und lass mich vom Rest überraschen (kann z.B. Überhaupt nicht einschätzen, in wie weit Mitarbeit über den Spendekuchen hinaus im Verein erwünscht ist)


    Bin gespannt

    mein Fahrradlicht ist mit Lichtgeschwindigkeit unterwegs und ich ganz knapp hinterher

  • Hallo Vic,


    ich war bisher nicht im Imkerverein. Ich hielt ihn für verknöchert und verbohrt. Das hatte auch viel damit zu tun, dass ich eben zum allergrößten Teil mit Warré und Schlimmerem imkere :lol: und damit, was ich so vom Hörensagen mitbekommen habe. Nun bin ich aber doch reingerutscht, weil unsere Öko-Arbeitsgruppe von Wild- und Honigbienenrettern sich unter die Schirmherrschaft des hiesigen Imkervereins begeben hat, auf deren Initiative hin.


    Und ich muß sagen, dass ich angenehm überrascht bin. Die Stänkerfritzen sind wenige und auch im Verein nicht gerade beliebt. Unsere Arbeit wird hinterfragt aber gern gesehen. Und man hat mich jetzt sogar gebeten, mal einen Vortrag über Warré zu halten. Er sehr netter alter Herr im Verein schrieb uns kürzlich: "Imkern ohne Verlust der eigenen Identität ist Euer Recht." Diese offene, tolerante Einstellung hat mir gezeigt, wieviele Vorurteile ich zuweilen habe.


    Reguläres Vereinsmitglied bin ich immer noch keines, könnte mir aber vorstellen, es zu werden.


    Liebe Grüße
    Mandy

    "Keine Rähmchen - keine Mittelwände - wenig Arbeit." (Émile Warré)

  • Hallo,


    ich habe mich im Verein jetzt mit in die Vorstandschaft wählen lassen. Unser Team im Vorstand ist für Imkerverhältnisse richtig jugendlich.


    In den letzten Jahren hat sich im Verein vieles verändert. Ich spreche mittlerweile auch vom Imkerverein 2.0.
    Seit einem Jahr haben wir eine eigene Homepage im Netz, welche auch aktuell gehalten wird.


    Es gibt mittlerweile eine Kooperation mit dem örtlichen Gartenbauverein und Gartenbauvereine aus der Umgebung laden uns ein um die Imkerei auch in deren Kreisen vorzustellen.


    Im Verein werden immer wieder Informationsveranstaltungen durchgeführt, sei es über Ablegerbildung, Königinnenzucht, Varroa aber auch wie im letzten Jahr über die Waldtracht.


    Mittlerweile sehe ich unseren Verein auf einem guten Weg. Die Mitgliederzahl wächst und auch die "alten Hasen" profitieren vom neune Leben im Verein. Beschaffungen werden gemeinschaftlich getätigt (z.B. Gläser, Futter, etc.).


    Monatlich findet ein "Imkerstammtisch" für alle interessierten Imker und Nichtimker statt.
    Ich sehe unseren Verein auf einem guten Weg in die Zukunft.

    Gruß Thomas -- Wer Tipfehler findet, darf sie gerne behalten. :-)

  • Hallo,


    ich habe mir 2 Imkervereine angeschaut.


    Im ersten wurde ich sehr freundlich und herzlich empfangen, zumindest vom Vorstand. Dieser Imkerverein ist eher ein wenig ländlichere Mitglieder. Der Vorsitzende hat mich in einem lockeren Gespräch ein wenig erzählen lassen, um zu sehen, wie mein Wissenstand ist und wo er ansetzen muss. Er fragte mich welche ob ich mich schon zwischen Beutentypen und Bienenrassen entschieden hätte.
    Ich war (und bin es immer noch) von der Dadantbeute und der Buckfast-Biene angetan. Deshalb wollte ich so anfangen. Der Vorsitzende hat meine Wünsche respektiert, sagt mir aber gleich, dass es ein wenig schwieriger für mich werden würde, da es im Verein keinen gäbe, der mit Dadant imkere. Aber er sah auch einen positiven Aspekt: Dann würde es endlich mal einen Imker im Verein geben, der sich mit Dadant beschäftigt und vielleicht die Vorzüge und Nachteile mitteilen kann. Die anderen Mitglieder waren leider nicht so tolerant und haben mich teilweise ganz schon angefahren, weil ich mich nicht ihrer Meinung angeschlossen habe. Ich empfand die Mitglieder als ziemlich "Meinungsresitent" und verbohrt.


    Da ich in Wiesbaden groß geworden bin, dachte ich mir, dass dieser Imkerverein evtl. etwas anders ist, evtl. jünger und offener. Und genau so war es auch. Es waren zwar auch hier ein paar von meinen Plänen nicht so angetan, sie haben es aber akzeptiert und es als Chance gesehen. Der Vorsitzende versprach mir, er würde versuchen Kontakte zu Dadantimkern her zu stellen um mir zu helfen, wenn es Probleme geben werde. Ich meine, wir leben nicht mehr in der Steinzeit, das Internet ist allgegenwärtig. Wenn es Probleme geben sollte, kann man mit dem Handy ein Foto machen, sein Problem erklären und man bekommt (meistens) kompetente Hilfe. :)
    Die Bienen stehen im ersten Jahr bei mir am Haus, so das ich schnell reagieren kann, wenn etwas passiert ist. Wenn jemand etwas anderes, neues ausprobiert ist es auch immer eine Chance für den Rest von seinen (oder ihren) Erfahrungen zu profitieren, vielleicht bringt das auch den Imkerverein im ganzen weiter voran. Ich denke es gibt z.B. nicht viele Imkervereine, die behaupten können, sie haben jemanden in ihren Reihen, der sich mit der Warre-Beute gut auskennt. Das ist doch ein Vorteil und nichts, weswegen man streiten müsste. Ich streite mich doch auch nicht mit den Mitgliedern, warum der einen einen VW fährt, der andere einen Porsche und der dritte nen Opel.


    Als Fazit habe ich gelernt: Der Verein steht und fällt mit der Akzeptanz der Mitglieder. Und in der heutigen Zeit kann es einfach nicht sein, dass sich ein Imkerverein vor allem Neuen verschließt. Sei es Beuten-Maß, Rasse der Bienen oder aber dem Internet.



    Viele Grüße


    Sebastian




    PS: Ich bin dem Imkerverein im Wiesbaden beigetreten.

  • ... Das erste Video "Bienentod" besteht doch fast nur aus Fehlern...


    Aus imkerlicher Sicht hast du vollkommen recht. Ich hab auch lange hin und her überlegt ob ich das Video reinstelle.
    Der Grund dafür war, dass ich damit auch Nichtimker ansprechen möchte. Es geht mir speziell in diesem Video um den Transport der Botschaft, dass unsere Bienen Probleme haben.
    Dass einige Aussagen zu Beginn des Films nicht richtig sind war mir bewusst.

    Gruß Thomas -- Wer Tipfehler findet, darf sie gerne behalten. :-)

  • Moin zusammen,


    grundsätzlich tut die Verjüngung den Imkervereinen gut.


    Es tauchen verschiedene Betriebsweisen nebeneinander auf. Neben dem jahrelang eigefahrenen DNM in unserer Gegend,
    gesellt sich nun auch Zander und Dadant,bzw 1 1/2 DNM dazu.


    Über Dunkle Biene und Buckfast Biene wird nun nicht mehr hinter vorgehaltener Hand getuschelt, sondern sachlich auf den Klönabenden
    bei Bier und Bratwurst diskutiert.


    Infos gibt es nicht nur postalisch, sondern auch als Rundmail.
    Ebenso präsentiert sich der Verein auf einer HP: http://www.imkerverein-marienburg.de/


    Zwecks Erhaltung des Gemeinschaftsgefühls gibt es imkerlich orientierte Unternehmungen oder auch einen jährlichen Tag der offenen Tür,
    der auch die Imkerei in der Bevölkerung transparenter macht.


    Meiner Meinung nach der richtige Weg zum Imkerverein 2.0...man muss etwas dafür tun, aber es lohnt sich...


    Grüße aus Hildesheim
    Holger

    Gruß aus Hildesheim - Holger - Buckfast in Segeberger Beute - 1 1/2 DNM - Bienen seit 2006

  • Die Seite ist gut, aber bei den Videos würde ich mal nachbessern.
    Das erste Video "Bienentod" besteht doch fast nur aus Fehlern.
    Alleine, was da zu Anfang von der Varroa erzählt wird.


    Danke, Hubert, ich würde mir wünschen, dass Du solche wertvollen Hinweise als persönliche Nachricht versendest, damit wir hier nicht vom eigentlichen Thema abkommen. Denn sonst gibt es eine Gegenantwort, etc. und wir verlieren ganz den roten Faden. Vielen Dank für Dein Verständnis!

    «Kasseler Stadthonig» – Ertragreiche und sanftmütige Buckfast-Bienen in 10er-Dadant, rund 30 Völker auf verschiedenen Dächern in der Kasseler Innenstadt.

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  • Hallo Vic,


    das ist eine sehr gute Anregung zum diskutieren!
    Was für mich absolut nicht zur Diskussion steht ist, dass zwischen den Mitgliedern Materialen ausgeliehen werden und sich gegenseitig unterstützt wird. Es wäre schön, wenn der Verein z.B. eine Schleuder besäße und diese gegen eine kleine Gebühr verleihen würde. Es braucht nicht jeder eine eigene Schleuder & Entdeckelungsgerät. Da kann man Kosten & Resourcen sparen.
    Das selbe gilt für Bienen an sich. Der Handel mit Ablegern, Völkern, Königinnen und Schwärmen zwischen Vereinsmitgliedern sollte Vorrang haben. Wünschenswert wäre es für mich, wenn in absehbarer Zeit keine Bienen mehr mit der Post durch die Gegend geschickt würden. Eine Biene ist gut, wenn sie gut ist und nicht, wenn ihre Fühler was weiß ich wie lang sind und die Zeichnung am Hinterleib stimmt. Hier im Verein ist eine Berufsimkerin, die jedes Jahr Anfänger zu guten Preisen mit super Ablegern versorgt. Angst vor Konkurrenz hat sie dabei nicht - solange immernoch Honigsuppe aus EG-und nicht-EG-Ländern für 2,29 im Laden steht haben wir einen Mangel an Imkern. Und solange Bienen immernoch übers Internetz gehandelt werden arbeiten die Vereine vor Ort schlecht.
    So viel zur Unterstützung der eigenen Mitglieder.
    Einen wichtigen Punkt möchte ich mal 'Öffentlichkeitsarbeit' nennen und meine damit eigentlich die größtmögliche Schadensabwendung von der Imkerei.
    Ein Beispiel: Wir haben in Deutschland einen Trend weg von 'ist mir alles egal, hauptsache es schmeckt' hin zu regional, gesund, 'ich will wissen, dass es dem Tier gut ging'. Das ist gut und schön, damit einher gehen aber auch einige schlimme Auswüchse. z.B.: Bisher völlig Naturblinde Menschen lesen das 1x1 des Imkerns, kaufen sich 1 Volk und Ausrüstung für viele Euros im Internet und imkern los. Der Trend ist da, solche Sachen passieren, das wird man nicht ändern können, also muss man sich darauf einlassen und den Trend 'kanalisieren'.
    Ich selbst schaffe jedes Jahr Bienenvölker in Gärten von Leuten, die mit den Bienen nichts zu tun haben, sich aber an ihnen erfreuen und ihr Obst bestäubt wissen möchten. Ich glaube, so schafft man bei den Leuten ein Interesse an der Natur und dämmt gleichzeitig den blinden Aktionismus.


    Aus Sicht des Lehrers, der ich nunmal bin, halte ich eine Kooperation mit einer Schule oder zumindest einen Kurs 'Junge Imker' für Pflicht. Es ist unglaublich, wenn man sieht, wie wenig Ahnung die meisten Jugendlichen haben. Im Alter von 15 oder 16 Jahren wissen viele Sekundarschüler nicht, woher der Honig kommt. Das liegt nicht an ihrer Dummheit sondern daran, dass sie bisher mit dem Thema einfach keinen Kontakt hatten. Daraus folgt Desinteresse und Ablehnung. In dem Alter kann man sie sowieso für nichts interessieren. Setzt man aber ein par Jahre eher an entwickelt sich ein unglaubliches Interesse und Tatendrang. Mit zehn Jahren saugen sie alles auf wie die Schwämme und 'strahlen' ihre Begeisterung auf Mitschüler, Eltern, Großeltern usw. . Man setzt z.Zt. in der Bildung zurecht auf diese sogenannten 'Multiplikatoren'.


    Was ich vom Imkerverein nicht erwarte ist Bürokratie, Beitragspflicht, Pflichtveranstaltungen, Fachvorträge. Gerade das letzte sollen doch bitteschön die Landesverbände organisieren. Auf kommunaler Ebene findet der Verein doch neben dem Beruf und der Familie statt, da sollte man so weit es geht entlasten.

  • Hallo Vic,


    das ist eine sehr gute Anregung zum diskutieren!
    Was für mich absolut nicht zur Diskussion steht ist, dass zwischen den Mitgliedern Materialen ausgeliehen werden und sich gegenseitig unterstützt wird. Es wäre schön, wenn der Verein z.B. eine Schleuder besäße und diese gegen eine kleine Gebühr verleihen würde. Es braucht nicht jeder eine eigene Schleuder & Entdeckelungsgerät. Da kann man Kosten & Resourcen sparen.



    ...aus eigener Erfahrung im Verein kann ich sagen, dass das Ausleihen einer Schleuder bei den Neuimkern gut ankommt. Auch die Bedenken, dass die Schleuder in einem dreckigen o.ä. Zustand zurück kommt, hat sich bisher nicht bestätigt.

    Gruß aus Hildesheim - Holger - Buckfast in Segeberger Beute - 1 1/2 DNM - Bienen seit 2006

  • Hallo fowi,


    das hatten wir im Verein auch mal überlegt, aber wieder verworfen, denn es wollen alle immer zur selben Zeit schleudern!
    Anders sieht es schon bei Wachsschmelzer u.a. aus.


    Gruß Jan

    Dubium sapientiae initium. Zweifel ist der Weisheit Anfang. René Descartes

  • Hallo zusammen,


    bei uns im Verein finden monatliche Versammlungen statt. Dort gibt's die "Monatsanweisungen" und ein paar Anekdoten der Altgedienten und Fragen der Neulinge. Hin und wieder (2-3x jährlich) auch andere gemeinsame Veranstaltungen wie z.B. Kegel- oder Grillabend, Standbesichtigung, Ausflug. Der Altersdurchschnitt ist in den letzten Jahren deutlich gesunken, es sind viele "junge" Mitglieder hinzugekommen. Zwar sind DN-Imker in der Überzahl, aber es gibt auch mehrere Großraumbeutenimker. Buckfast und Carnica sind vertreten mit den wohl üblichen gegenseitigen Sticheleien.


    Über gemeinsame Anschaffungen haben wir auch schon diskutiert. Wie in den meisten Vereinen gibt es nur eine geringe Zahl Mitglieder, die sich aktiv einbringen (z.B. in den Vorstand wählen lassen). Wenn's dann darum geht "wo steht die Schleuder/der Schmelzer/das... und wer verwaltet die Ausleihe", bleibt selbiges doch leider meist an den paar Wackeren hängen, die sich ohnehin schon engagieren. Also übernehmen diese noch mehr Arbeit für's Gemeinwohl oder der Vorschlag wird fallen gelassen. Es läuft deshalb eher darauf hinaus, dass einzelne Imker ihre Werkzeuge anderen direkt ausleihen. Oder Ableger/Völker verkaufen.


    Grüße aus dem Bergischen Land,
    Ralf