Volkserweiterung Kaltbau/Warmbau

  • Hallo Imkerfreunde,


    der Titel sagts noch nicht viel aus. Wie geht man am besten vor, wenn man im Frühjahr ein Volk, das in einem Ablegerkasten auf beispielsweise 5 Waben DNM sitzt, in eine Segeberger Beute (11 Waben) umsetzt. Am sinnvollsten erscheint mir, die 5 ausgebauten Waben in der Anordnung zu belassen und seitlich weitere Mittelwände bzw. Anfangsstreifen zuzuhängen. Die Frage ist, an welcher Stelle ich diese 5 Waben in die neue Beute umhänge?


    In die Mitte der Beute, sodass auf jeder Seite noch 3 unbebaute Waben dazukommen? Oder besser an den Rand, beispielsweise auf der linken Seite eine Mittelwand dazu und auf der rechten Seite 5 Stück?


    Und wie schaut das ganze aus, wäre die Wabenanordnung nicht im Kaltbau, sondern im Warmbau? Setzt man die 5 bebauten und ggfls. bebrüteten Waben direkt vors Flugloch, eher in Richtung Beutenrückwand oder in die Mitte?


    Bitte mit Begründung:u_idea_bulb02:, wenns möglich ist :Biene:


    Viele Grüße
    Sven

  • Hallo !


    Kaltbau:
    an eine Beutenwand setzen, hier auch das (bevorzugt seitliche) Flugloch, zur gegenüberliegenden Seite erweitern
    nicht nach beiden Seiten bauen lassen,


    Warmbau:
    vorne ans Flugloch setzen, nach hinten auffüllen,


    GdBK

    Aus der Übertreibung der Warnungen,
    ist die Unterschätzung der Realität geworden.


  • Hallo Sven. In die Mitte der Beute. Auf jeder Seite noch 3 nicht ausgebaute Waben. Das Volk sitzt am Flugloch (Fluglochwache) und hat die Möglichkeit gleichmäßig nach beiden Seiten zu wachsen.


    Du hast die Möglichkeit wenn es dir besser gefällt, das Volk später zu drehen.



    Gruß Josef

    Buckfast . 10 Völker . DNM Holzbeuten 13 ner Zargen . Dadant US Frankenbeute. Königinnenzüchter.

  • Hallo Sven


    im Kaltbau wie im Warmbau setzt man die Waben immer in die Nähe des Flugloches. Da du von Ablegern sprichst muß man davon ausgehen das nicht viele überschüssige Bienen vorhanden sind, deshalb würde ich bei der Erweiterung langsam vorgehen und immer je 1 MW an vorletzter Stelle der Waben einsetzt. Wenn die ausgebaut ist wieder eine dazwischen, da geht der Ausbau am zügigsten. Hast du die Möglichkeit Baubienen aus anderen Völker dem Volk einzuschlagen, dann kannst du auch mehrere MW an das vorhande Brutnest setzen. Das Verfahren ist bei Kalt und Warmbau gleich. Da ich Warmbauimker bin rate ich auch dazu.

    Gruß Reinhard / Lehre mich die wunderbare Weisheit,daß ich mich irren kann.(Teresa v. Avila)

  • Hallo,


    vielen Dank für eure Antworten. Leider bin ich noch nicht wiklich schlauer geworden, das macht aber erstmal nix :).


    Bienenknecht : Ist das auch vom Beutenmaterial (Styropor/Holz) abhängig, ob man das Brutnest direkt an die Beutenwand setzt oder eher in die Mitte? Sehr interessant dein Hinweis auf die Fluglocherweiterung in Bezug auf die Brutnestgröße, das macht meiner Meinung nach Sinn.


    @Josef: Eigentlich wollte ich das Brutnest in die Mitte der Beute setzen. Schon beim Ausbau der Waben im Ableger ist mir aufgefallen, dass die Bienen nicht unbedingt nach beiden Seiten gleichmäßig ausbauen. So könnte man erst mal schauen, welche Seite sie bevorzugen, um dann an dieser Seite weiter zuzugeben, während man das gesamte Brutnest in Richtung der anderen Seite verschiebt und so dann auch irgendwann eine voll ausgebaute Zarge erhält. Ich denke, das ist einfacher, als wenn man sie zwingt, widerwillig an der Seite zu bauen, an der sie eigentlich garnicht wollen.


    Reinhard : Du bist doch bestimmt beim Warmbau gelandet, weil Du auch schon Kaltbau ausprobiert hast und die Vorzüge bzw. Nachteile beider Betriebsweisen vergleichen konntest. Entwickeln sich die Bienen (insbesondere Ableger) im Warmbau besser, als im Kaltbau?



    Die Verwendung eines Schieds ist ja ein besonderes Merkmal bei der Dadant-Beute. Es gibt aber mittlerweile auch Schiede für Segeberger Beuten. Würde das in Bezug auf den Wärmehaushalt in der Styroporbeute Sinn machen, wenn ich auch hier einen Schied verwende und so das Brutnest immer nur soweit ergänze, dass eine oder zwei Mittelwände dazukommen und der noch nicht benötigte Raum in der Beute mit einem Schied abgesperrt wird?



    Viele Grüße
    Sven

  • Hallo Sven


    grundsätzlich würde ich sagen im Warmbau entwickeln sich die Bienen besser, aber bei günstigen Temperaturenen und guter Tracht, wird man kaum einen Unterschied merken. Der den Bienen zur Verfügung gestellte Raum , sollte meiner Meinung nach, maximal nur eine Wabe größer sein, als die Bienen besetzen können. In diesem Fall hat der Schied positive Wirkung.

    Gruß Reinhard / Lehre mich die wunderbare Weisheit,daß ich mich irren kann.(Teresa v. Avila)

  • Entwickeln sich die Bienen (insbesondere Ableger) im Warmbau besser, als im Kaltbau?


    Warmbau oder Kaltbau hat aber nichts mit der Temperatur zu tun. Kaltblutpferde haben auch keine andere Körpertemperatur als andere Pferde.:lol:
    Man hätte das auch Längs- oder Querbau nennen können. Die Temperatur in der Bienenbeute wird von den Bienen erzeugt, geregelt und die Bienen passen sich entsprechend an.
    Dass sich Bienen auf Warmbau infolge evtl höherer Temperaturen besser entwickeln würden ist nicht gegeben.




    Die Verwendung eines Schieds ist ja ein besonderes Merkmal bei der Dadant-Beute. Es gibt aber mittlerweile auch Schiede für Segeberger Beuten. Würde das in Bezug auf den Wärmehaushalt in der Styroporbeute Sinn machen, wenn ich auch hier einen Schied verwende und so das Brutnest immer nur soweit ergänze, dass eine oder zwei Mittelwände dazukommen und der noch nicht benötigte Raum in der Beute mit einem Schied abgesperrt wird?


    Ich habe Dadantbeuten und verwende KEIN Schied, auch nicht bei der Ablegerbildung. Ich bin der Meinung, dass sich Bienen selbst besser wissen, wieviel Platz sie benötigen und sich soweit ausdehnen, wie ihren Bedürfnissen gerecht wird. Ich denke es ist bei Ablegern besser, kein Schied einzusetzen und den Leerraum frei zu lassen, als eine Begrenzung einzusetzen und dann evtl den Zeitpunkt zu verpassen den Bienen mehr Platz zu geben.


    Zwei gegebene Mittelwände reichen als "Schied" schon aus, dahinter/-neben krabbeln nur wenige Bienen rum.In einem 5 Waben besetzenden Ableger sind das nicht mal 10 Bienen, die den Restraum hinter den Mittelwänden bekrabbeln. In Bäumen/Mauern/Felshöhlen verrutscht auch keiner Einengschiede, so dass die Bienen auch ohne ein solches zurechtkommen.


    Will sagen: Hänge die Waben in die anderen Zargen um und direkt an die Beutenwand. Also Beutenwand, dann die 5 Waben mit Brut/Futter. Dann gibst du 2-3 Mittelwände. Fertig.
    Begründung: Das ist für die Bienen weniger Umstellung als eine Erweiterung nach beiden Seiten. Im Ablegerkasten hatten sie Beutenwände sowohl rechts als auch links der Waben. Das Flugloch machst du nur 2-3 cm breit. Das ist ausreichend, schützt vor Räuberei und der "Unterschied" zwischen Warm- und Kaltbau ist auch nicht so groß *zwinker*



    Stefan


  • Dass sich Bienen auf Warmbau infolge evtl höherer Temperaturen besser entwickeln würden ist nicht gegeben [...] und verwende KEIN Schied[...]


    würde ich sagen im Warmbau entwickeln sich die Bienen besser, [...]Der den Bienen zur Verfügung gestellte Raum , sollte meiner Meinung nach, maximal nur eine Wabe größer sein, als die Bienen besetzen können. In diesem Fall hat der Schied positive Wirkung.



    Hihi, armer Sven.
    2 Imker gefragt und 3 Meinungen, wie immer ;)


    Ist halt alles die Frage der eigenen Imkerweise. Die einen sagen dies, die anderen empfehlen genau das Gegenteil. Aber eigentlich ist es ja nicht so, dass der eine Weg richtig ist und der andere zur Katastrophe führt.


    Stefan

  • Ich will nur mal kurz meine Aussagen begründen. Durch meine jahrelange Imkerei mit HBB, habe ich die Völker immer eng gehalten, durch das bewegliche Fenster kein Problem, mache ich heute noch in meinen 4-Etagern.
    Tritt jetzt eine Tracht auf so kann ich auch bei einem Ablegermit 5-6 Waben schon ein paar Honigwaben in den HR geben und der würde angenommen werden, weil das Volk warm sitzt. Macht man das gleiche im Magazin und dann noch ohne Schied, braucht man keinen HR. Man kann nur 2 HW in den BR hängen.
    Ein Vorteil in HBB ist das man im Querbau 13 Waben in den BR bekommt und im Längsbau nur 10 Waben.


    Deshalb, lieber Stefan, ist das auch nicht falsch, was du schreibst, aber im Längsbau verbrauchen die Bienen mehr Futter.

    Gruß Reinhard / Lehre mich die wunderbare Weisheit,daß ich mich irren kann.(Teresa v. Avila)

  • Hallo Sven,
    Realist ist eigentlich nur die Reinhardt, sonst ist da viel Luft im Getriebe.
    Kaltbau : in Windgeschützter Lage, bei engem Flugloch , mag es bei kleinen Völkern gleich sein ob Kalt oder Warmbau, aber sonst bläst dir der Wind durch alle Wabengassen zu gleich.
    Warmbau : Das kleine Volk sitzt hier wärmer, der Wind kann nicht in alle Wabengassen zu gleich blasen, auf jedenfall ist der Wärmehaushalt im Frühjahr mit Entscheidend für die Entwicklung des Volkes, nicht die Beutengröße, oder den mit MW oder Leerwaben ausgestellter Raum.
    Den Raum eng halten, dem Bedürfnis des Volkes erweitern, auch ein Trennschied ( Wärmematte ) ist da nur von Vorteil für das Volk.
    Dadant Imker benutzen das Schied um den Wärmehaushalt , und die damit verbundene Bienenmenge zu regulieren.
    Wer da ohne Schied imkert, gleicht da meisten den Leerraum mit Ableger aus.


    Gruß Jürgen


  • 2 Imker gefragt und 3 Meinungen, wie immer ;) 



    Hallo Stefan und Reinhard,


    das macht überhaupt nix mit den verschiedenen Meinungen. Es geht ja schließlich darum, dass man gegebenfalls gegensteuern kann und alle möglichen Abhilfen kennt, sollte das nicht so gelingen, wie man es sich vorgestellt hat.


    Die Beobachtung, dass sich bei einem 5-Waben-Ableger nichtmal 10 Bienen jenseits des Brutnestes aufhalten deckt sich jedenfalls auch mit meine bisherigen Beobachtungen.


    Dass die Anordnung der Waben nur eine untergeordnete Rolle spielt, denke ich eigentlich nicht. Gerade bei kühler Witterung dürfte der Bereich rund um das Flugloch sehr ungünstig sein, noch ungünstiger dürfte sich dann die Anordnung der Waben im Längsbau (Kaltbau) auswirken. Reinhard hat es ja schon auf den Punkt gebracht, ein Überfluss an Bienen wird zum Winterende/Saisonstart bei meinen Bienen wohl noch nicht vorhanden sein.


    Grundsätzlich dürfte sich bei kühler Witterung ein flacher Boden weniger negativ bemerkbar machen, als z.B. ein Hochboden mit Trommelraum. Ein solcher Raum ist bei begrenzter Bienenmasse ja auch nur ganz schwer vor Abkühlung zu bewahren und die Kälte zieht dann von unten in fast alle Wabengassen, egal ob Längs- oder Querbau. Wäre es vielleicht sogar besser, wenn man das Flugloch in die Mitte der Beute oder nach oben verlegt?


    Viele Grüße
    Sven

  • Hallo Jürgen,


    auch an Dich herzlichen Dank. Ja, die Temperaturen bzw. der Wind sind das Hauptproblem hier. Zwar windgeschützte Lage/Standort der Beuten, trotzdem pfeift es hier grundsätzlich immer aus irgendeiner Richtung (leichte Anhöhe in Tallage). Ist nicht der einfachste Standort für Bienen und gerade wenn es etwas kühler ist, könnte das enorme Auswirkungen haben.


    Viele Grüße
    Sven

  • Grundsätzlich dürfte sich bei kühler Witterung ein flacher Boden weniger negativ bemerkbar machen, als z.B. ein Hochboden mit Trommelraum.


    Das ist ein Trugschluß. Denn ein hoher Boden führt dazu, daß die in die Beute einströmende Frischluft verwirbelt und angewärmt wird - so eine Art Wärmetauscher - bevor sie in die Wabengassen gelangt. So zumindest haben es Studenten aus Kanada berechnet und es deckt sich auch mit meinen Erfahrungen und Experimenten dazu. Während bei einem Flachboden die Luft direkt an und in die Wabengassen gelangt.


    Deswegen: Grau ist alle Theorie.


    Warmbaubeuten wie die T120 entwickeln sich bei mir immer schneller als solche im Kaltbau, wobei die Warmbaubeuten im Bienenhaus stehen und so nochmal extra geschützt sind. In "normalen" Jahren mit halbwegs normalem Wetter ist da kein Unterschied nachher in der Entwicklung zu sehen. Im letzten Jahr 2013 aber mit diesem ungewöhnlich kalten Wetter war der Unterschied aber sehr deutlich. Während bei den draußen stehenden Völkern alle aus der Brut gingen, brüteten die extra geschützten Völker munter weiter und waren entsprechend wesentlich stärker als die schlecht isolierten, draußen stehenden Völkern. Unter extremen Bedingungen sind solche Überlegungen und Maßnahmen zur Isolation und Belüftung der Beuten sinnvoll. Und so erklären sich auch die unterschiedlichen Meinungen und Konzepte: jedes für sich ist richtig - unter den gegebenen Bedingungen, die fast überall anders sind. All beekeeping is local. Das Imkern findet immer hier und jetzt statt.