Sortenbezeichnung und Honiganalyse

  • Hallo Ihr Lieben,


    zur Sortenbezeichnung mal ein Thema:


    Wie handhaben diejenigen unter Euch das, die z.B. immer wieder an bestimmten Trachtquellen sitzen oder sie anwandern und folglich sich auf die Blütenstetigkeit ihrer Immen verlassend Sortenhonig ernten oder ernten wollen?


    Ihr steht im Raps, es kommt jede Menge rein, riecht wie Raps, schmeckt wie Raps, sieht im Glas aus wie Raps und kristallisiert auch wie Raps.
    Steht auf dem Glas: "Rapshonig", klar.


    Aber muss dazu jährlich aufs Neue eine beweisende, rechtfertigende Pollenanalyse stattfinden/vorliegen oder belasst ihr es bei der Rückstellprobe. Denn damit könnte man ja, wenn man denn sollte...


    Das gilt übertragenerweise auch für andere Sortenhonige, wobei es ja nicht immer so ganz eindeutig, einfach ist. Eine Aussage zur Sortenreinheit zu machen. Die Erfahrung zeigt einem das, wenn Tageszunahmen ihre eigene Sprache sprechen und recht sicher nur eine Trachtform vorliegt zu dieser Zeit. In solchen Unsicherheitsfällen würde man eine Analyse machen.


    Teilweise braucht es außerdem sehr lange, bis Ergebnisse vorliegen. Dann müsste bis dahin mit dem Verkauf unter Sortenbezeichnung gewartet werden? Großmengen unter Sortenbezeichnung gehen bestimmt nur mit Analyse weg, ich meinte eher den mittelkleinen Hobbyimker, der diese aufs Glas schreibt.


    Honigverordnung zu Sortenhonigbezeichnung:

    Zitat

    ...zur Herkunft aus Blüten oder lebenden Pflanzenteilen, wenn der Honig vollständig oder überwiegend den genannten Blüten oder Pflanzen entstammt und die entsprechenden organoleptischen, physikalisch-chemischen und mikroskopischen Merkmale aufweist


    Grüße


    Marion

    "Wer die Leidenschaft als Jugendsünde abtut, degradiert die Vernunft zur Alterserscheinung".
    Hans Kasper

  • Hallo Marion,


    na bei Raps bin ich mir mittlerweile (nach über 35 Rapsernten) einigermaßen sicher. Obwohl ich letztes (2013) Jahr von der Mayener Laborkollegin die Auskunft erhielt dass "Rapshonige" eingereicht worden sind, deren Rapsanteil nicht für die Sortenbezeichnung ausreichte.
    Meine eigene Erfahrung in 2013 war auch aus dem Rahmen geschlagen. Bis zur Lindenblüte war NICHTS in den Kästen. Dann blühte die Linde und als diese Blüte rum war habe ich nach ein paar Tagen geschleudert. Erwartet (von der Analyse, eingereicht zur Honig-Prämierung) hätte ich "Sommerblüte mit Linde". Aber nix war. In den ausgezählten Pollen waren 60 % Edelkastanie (wo ich nicht weiß woher) und noch 10 andere Sorten prozentual aufgelistet und unter dem Rest von 0,4% war auch Linde. Unglaublich! (Zum Trost gabs wenigstens eine Goldmedaille.) Das reicht nicht für "Sommerblüte mit Linde". Kollegen hatten dieses Jahr auch Pech mit der (allgemeinen und nicht viel sagenden) Sortenbezeichnung "Sommerblüte" -weil, es war ein Honigtauhonig und die Bezeichnung "Sommerblüte" war falsch! Die allgemeinste Bezeichnung die da noch unverfänglich ist lautet dann "Sommertracht" oder du lässt das Feld ganz frei: "Honig"!
    2013 war alles anders.
    Was lerne ich daraus: Honigbezeichnungen ohne Analyse sind ein bischen Risiko.


    Brummerchen

    Dieser Beitrag wurde bereits 2 Mal editiert, zuletzt von Brummerchen () aus folgendem Grund: Rechtschreibung

  • Ging mir ähnlich - bin da auch schon überrascht worden als die Analyse reinkam. Daher lasse ich das jetzt und schreibe eben nur Sommertracht usw. auf die Gläser...lasse aber meine Kunden wissen, was sie darin erwarten können.
    Einen lasse ich umfänglich analysieren aber eigentlich nur zur eigenen Produktkontrolle und eben auch um mit einiger Zeit das Pollenspektrum der Honige gut kennen zu lernen.


    Melanie

  • Wie währe es denn mit solchen Formulierungen aus.


    Sommerblüten Honig aus dem Raps.


    Oder


    Waldhonig aus dem Lindenwald.


    Wäre das erlaubt?


    Vorausgesetzt der Fructoseanteil ist so hoch dass er als Waldhonig deklariert werden darf.

  • Hallo Leute,
    eine Honiganalyse ist ja eine schöne Sache, auch zum Einordnen der Qualität. Allerdings, wenn der Honig in der Rapszeit direkt am blühenden Raps gesammelt wurde, wenn er schmeckt wie Raps, aussieht wie Raps und auskristallisiert wie Raps, dann werde ich ihn wohl Rapshonig nennen. Aus der Erfahrung, dass das wohl stimmt und aus der Tatsache heraus, dass der Kunde ihn schmeckt, sieht und aufs Brot schmiert ohne dass er tropft. Sonst halte ich mich gerne an die Beschreibung Sommertracht mit Robinie z.B. oder eben, mein Favorit die Herkunftsbezeichnung wie Deidesheimer Honigsack oder Gröver Nachtarsch, also Sommertracht vom Muldensteiner Berg oder Altjeßnitzer Irrgartenhonig. Bei der Robinie ist auch viel Brombeere mit dabei und eine Analyse lohnt sich deswegen bei meinen geringen Mengen nicht.
    Viele Grüße
    Wolfgang

    Der Unterschied zwischen Theorie und Praxis ist in der Praxis größer als in der Theorie, also theoretisch.

  • Hallo,


    na ja, es ging auch weniger darum, dass sich die Honiganalyse "lohnt".
    Wo aber doch hier oft so akribisch auf die Zulässigkeit und Vorschriftenlage gepocht wird,
    wie sieht`s denn aus?
    Darf man offiziell auf den letztes Jahr sogar z.B. als Raps oder Kastanie eindeutig analysierten Rapshonig/Kastanienhonig der dieses Jahr wieder an gleicher Stelle reinkommt dann Rapshonig/Kastanienhonig draufschreiben oder bedarf es dazu der geforderten "mikroskopischen Merkmale" immer auf`s Neue?


    Ich seh schon: Da nimmt man`s jetzt wieder nicht so genau, gelle? :wink:


    Grüße


    Marion

    "Wer die Leidenschaft als Jugendsünde abtut, degradiert die Vernunft zur Alterserscheinung".
    Hans Kasper

  • :cool:Schreibt doch: "Honig, nach Art des Rapses..."


    Das machen die Gurmeeeehs doch auch: "Schnitzel nach Wiener Art"...

    Mit freundlichen Grüßen - Hardy


    Wende Dich zur Sonne, dann bleiben die Schatten hinter Dir.

  • Die Honiganalyse ist ja nicht vorgeschrieben.


    Zitat

    Nach § 3 (1) der Honigverordnung vom 16.01.2004 darf die Bezeichnung „Honig“ nur dann durch die Angabe bestimmter Blüten oder Pflanzen ergänzt werden, d. h. eine botanische Sortenbezeichnung erhalten, wenn er vollständig oder
    überwiegendden genannten Blüten oder Pflanzen entstammt und entsprechende sensorische, physikalisch-chemische und
    mikroskopische Merkmale aufweist


    Das heisst aber natürlich auch, dass man sich schon sehr sicher sein sollte. Wer mit den Bienen mitten im Raps steht und dessen Honig aussieht riecht und schmeckt wie Rapshonig kann das Restrisiko wohl vernachlässigen.
    Aus Neugierde werde ich dieses Jahr wohl meinen Honig analysieren lassen. Hier sind auf einer Seite die Gärten von 2-Familienhäusern und auf der anderen Seite ist Mischwald (Eiche, Buche). Keine nennenswerte Landwirtschaft weit und breit. Ich habe also keine Ahnung was meine Bienchen da anschleppen.
    Wenn ich dann nächstes jahr einen Honig ernte der farblich und geschmacklich dem Honig entspricht, den ich dieses Jahr analysieren lasse habe ich keine Bedenken das selbe draufzuschreiben, was mir dieses Jahr empfohlen wird.


    Gruß
    Holger

    Am Ende wird alles gut. Und wenn es noch nicht gut ist, dann ist es noch nicht das Ende!

  • @ Maxikaner [INDENT] AW: Sortenbezeichnung und Honiganalyse
    Wie währe es denn mit solchen Formulierungen aus.


    Sommerblüten Honig aus dem Raps.


    Oder


    Waldhonig aus dem Lindenwald.


    Wäre das erlaubt?


    Vorausgesetzt der Fructoseanteil ist so hoch dass er als Waldhonig deklariert werden darf.



    Hallo Maxikaner,
    wenn du den Fructoseanteil bestimmen lässt, kannst du auch eine Sortenanalyse machen und dann weißt du wie du den Honig bezeichnen darfst.


    Nach DIB sind deine Bezeichnungen nicht erlaubt und außerhalb DIB kenne ich mich nicht so aus. Aber da gibt es auch Paragrafen, nur die muss man finden. :confused:


    Brummerchen



    [/INDENT]

  • Darf man offiziell auf den letztes Jahr sogar z.B. als Raps oder Kastanie eindeutig analysierten Rapshonig/Kastanienhonig der dieses Jahr wieder an gleicher Stelle reinkommt dann Rapshonig/Kastanienhonig draufschreiben oder bedarf es dazu der geforderten "mikroskopischen Merkmale" immer auf`s Neue?

    Ich antworte mal mit einem Gleichnis:
    Wer Tiere betäubt und tötet muß die Sachkunde besitzen. Nur wer gewerblich oder als Jäger Tiere betäubt und tötet, muß die Sachkunde zudem nachweisen.
    Das heißt konkret, daß die Sachkunde an jedem "Töter" klebt. Und zwar auch wenn sie nicht pauschal oder im Einzelfall nachgewiesen wurde.
    Die Sachkunde, Hühnern den Kopf abzuhacken, hat jeder der körperlich dazu in der Lage ist also solange, bis man sie ihm abspricht. Ob der den Sachkundenachweis im Zweifel erbringen kann spielt erst eine Rolle, wenn jemand seine Sachkunde anzweifelt oder er gewerblich unterwegs sein will.


    Beim Honig ist das ganz genau das Gleiche: Wer sich seiner Sorte sicher ist, geht das Risiko ein, daß man ihm nachweist, daß sein Honig die Eigenschaften der Sorte nicht besitzt. Die Regel sagt ja gerade nicht, daß die Eigenschaft nachgewiesen sein muß, sondern nur, daß sie vorhanden sein muß. Die mikroskopischen Merkmale hat der Honig ganz sicher, ob nun jemand nachsieht oder nicht. Und wenn ein Lindenhonig wie Lindenhonig schmeckt, dann ist hier der Nachweis ja sogar schon erbracht, obwohl der Lindenhaonig auch Lindenhonig wäre, würde in nie jemand kosten.


    Es kommt wie beim privaten Tieretöten auf die Eigenschaft der Sachkunde an, nicht auf den tatsächlichen Nachweis der Eigenschaft.

    Mit vielen freundlichen Grüßen
    Henry Seifert (Honig-Bienen-Kurse-Gutachten)
    Faulbrutsanierer, Königinnenverschicker, Schwarmfänger, Bienenretter, Streitschlichter, Kunstschwarmkehrer, Belegstellenwirt, Imkerpate, Probennehmer, Schadenschätzer, Ablegerbilder

  • Hallo


    Kenne einen Imker, der hat lange eine etwas speziellere Honigsorte verkauft. Ein Kunde hat dann mal ein Glas analsieren lassen. Ergebnis: Der Honig durfte nicht mehr mit der verwendeten Sortenbezeichung verkauft werden, da der Anteil der Pollensorte zu klein war. Der Kunde hat das dann in der Zeitung veröffentlicht. Gab grosses Aufsehen. Dem Imker entstand grosser Schaden, wurde seinen Honig nicht mehr los. Mittlerweile heisst sein Honig "Schweizer Honig".


    Ist ein super netter Kerl, hatte nie die Absicht jemanden zu täuschen. Er bezeichnete den Honig einfach nach dem Geschmack, dem Aussehen und den Blumen, die weit rundherum wuchsen und zu denen er extra wanderte.


    Will hier niemandem Angst machen, aber fand, das passt hier gut dazu.


    Gruss
    David

    "There must be some kind of way out of here," said the joker to the thief. "There's too much confusion, I can't get no relief. Businessmen they drink my wine, plowmen dig my earth. None of them along the line know what any of it is worth." Bob Dylan

  • Hallo !



    Sommerblüten Honig aus dem Raps.


    Oder


    Waldhonig aus dem Lindenwald.


    Da ist wie Brummerchen schon erwähnte die Frage DIB Glas oder freier Imker,
    der DIB fordert (aber das lernt man ja beim Honigkurs auch) auslobung nach seinem Merkblatt 3.4.



    Gruß
    der Bienen
    Knecht

    Aus der Übertreibung der Warnungen,
    ist die Unterschätzung der Realität geworden.

  • Moin,
    bei Rapshonig wäre ich sehr vorsichtig.
    Vor gar nicht langer Zeit schrieb hier mal ein Imker, das er direkt am Rapsfeld stand,
    aber keinen Rapshonid im Kasten hatte,
    Die Analyse ergab Obstblüte.
    Reiner Obstlütenhonig kommt in Farbe und Konsistenz dem Rapshonig sehr nahe.
    Entweder hat der Raps nicht gehonigt, oder die Scouts sind nicht aus dem Feld zurückgekehrt.
    Es wurden dann nur Obstblütenbringer abgetänzelt, und keine Biene wurde in den Raps geschickt.
    Aus dem Grund setzte ich damals einige Völker näher ans Dorf, raus aus der Maiswüste in meinem Fall.
    scheint zu funzen.
    Zur Sortenbezeichnung nehme ich sicherheitshalber nur :
    Frühtracht, Blütenhonig, Sommerblüte und Linde
    Linde ist spät, und man schmeckt ihn sehr stark raus.
    Gruß
    Helmut