Was sind langjährig überlebende Bienenvölker ?

  • Ich wünsche euch einen guten Abend


    Ich habe da etwas was mich schon eine Weile beschäftigt:


    In vielen Beiträgen zum Nichtbehandeln oder zu Varroatoleranz oder -Resistenz kann man lesen, das völker soundso lange ohne Behandlung überlebt haben. Manchmal liest man auch das langjähriges Überleben so nicht möglich wäre, oder nur durch ständige Vermehrung und Ausschied der Altvölker.


    Wie genau definiert ihr nun langjähriges Überleben?


    Mich interessiert an dieser Stelle nicht direkt das Nicht- oder dochbehandeln sondern welches Alter in welcher Form für ein Bienenvolk würdig ist, bzw wie man sowas rechnet.
    Am Beispiel der Natur ist ein wirkliches Jungvolk doch ein Schwarm mit unbegatteter Jungkönigin.


    Dieses Volk startet ja bei Null (inclusive Krankheiten, Parasiten und Genen des Muttervolkes) mit neuem Wabenbau und neuer Königin. Jünger geht's ja nicht.


    Nun wird dieses Volk normalerweise im nächsten Jahr bei guter Entwicklung bereits schwärmen, vielleicht gibt es sogar Nachschwärme und zumindest in den Folgejahren wird irgendwann der Punkt kommen, da durch abschwärmen der alte Wabenbau den Wachsmotten überlassen wird.


    Evtl. leben die Schwärme in neuen Behausungen weiter, aber an welcher Stelle gilt dieses Volk nicht mehr als jenes welches es mal war?


    Und wieviele Jahre kann man unter natürlichen Bedingungen etwa ansetzen, bis der Bau völlig verlassen wird?


    Dazu parallel würde ich gerne wissen, wie ihr das für Bienen in menschlicher Obhut seht.


    Gruß David

  • Hallo,


    Evtl. leben die Schwärme in neuen Behausungen weiter, aber an welcher Stelle gilt dieses Volk nicht mehr als jenes welches es mal war?


    Dazu parallel würde ich gerne wissen, wie ihr das für Bienen in menschlicher Obhut seht.


    Das ist sehr schwierig und es ließ sich schon früher hier nicht eindeutig beantworten bzw wurde es sehr kontrovers diskutiert.


    Der Zeitpunkt, an dem ein Volk nicht mehr als jenes gilt, welches es mal war, kann eigentlich kaum genau bestimmt werden, da beim Bien sowieso alles im Fluss ist:
    Ständige Veränderungen, und bei der Lebensdauer der Bienen in der Hochsaison ist ein kompletter Austausch schnell erreicht, bei den Drohnen langsamer, die fliegen aber irgendwann raus. Auch der Wabenbau gehört eigentlich zum Volk, wird ständig an-, um- und abgebaut, zumindest geht das theoretisch zu jeder Zeit an jeder Stelle. Erst recht im Naturbau/Stabilbau/"Wildvolk".
    Spätestens wenn die alte Königin mit dem Vorschwarm raus ist, und die Junge legt, und ihre Nachkommen alle die bisherigen ersetzt haben, ist hinsichtlich der Genetik ein Wechsel vollzogen, jedoch auf dem alten Wabenbau am alten Platz.
    Die bisherige genetische Ausstattung unterdessen woanders, erneuerte so Lokalität und den Wabenbau, komplettierte sich dadurch wieder. Meist wird die alte Königin im Vorschwarm sogar noch still umgeweiselt, dann ist sogar die Genetik auch hier eine neue.


    Problem einer glasklaren Definition ist - eigentlich kein Problem, sondern ein Segen - die Plastizität und Regenerationsfähigkeit des Volkes. Erst Recht in imkerlicher Obhut, wo man mit diesem "Instrument" noch mehr Möglichkeiten der Verwirrung in diese Fragestellung bringen kann. Ableger, Brutlinge, Fluglinge, Kunstschwärme, Umweiseln, Wabentausch, Bauerneuerung, Schröpfen....


    Hier wurde schon einmal die Frage gestellt im größeren Zusammenhang mit Nichtbehandlung bzw. der Definition der Toleranz gegenüber der Varroa. Bzw im weiteren Sinne auch hier, denn die Volkserneuerung bzw. Teilentnahmen und Manipuklationen verwässern eine klare Aussage.


    Es bleibt (ver-)wunderbar unklar :Biene:


    Grüße


    Marion

    "Wer die Leidenschaft als Jugendsünde abtut, degradiert die Vernunft zur Alterserscheinung".
    Hans Kasper

  • Hallo,
    ich für mich würde ein langlebendes Volk an seiner Königin definieren.
    Heißt also die alte Königin schwärmt und lebt noch ein/zwei/drei Jahre in evtl. neuen Schwärmen weiter und hat dabei diverse Belastungen (Behandlungen, Imker, etc.) überstanden.
    Dann wäre diese Königin oder deren Nachkommen meiner Meinung nach, gut für die Nachzucht geeignet. Je mehr Varroa diese Gene also aushalten, desto besser.
    Gruss, Christian

  • Hallo, nach der Definition hier kann das Volk 5 - 6 Jahre leben. Nach dem Imkerverständnis, hier nicht genetisch, habe ich ein Bienenvolk 10 Jahre schon umgetrieben. Wohlgemerkt, bis im Frühjahr die Kiste leer war. Königinnen kommen und gehen das Volk bleibt.
    Remstalimker

    Im Netz ist gut auf hohem Niveau imkern.:daumen::lol:

  • Hallo
    ich würde hier noch ein paar Gedanken mit erwähnen.
    Für mich ist auch ein langjährig überlebendes Bienenvolk eins, welches eine schwarmträge Königin hat, die unterstützt durch imkerliche Maßnahmen nicht schwärmt. Das Volk aber auch gute Erträge bringt und auch eine brutfreie Zeit hat, in der Milben und Krankheitserreger abgebaut werden.Ich hatte dieses Jahr 2 Völker die nicht geschwärmt haben, daruter mein Zuchtvolk. Solche Völker können mit der gleichen Königin auch 4-5 Jahre überleben.


    Auch der Beitrag vom Remstalimker bezeichnet für mich langjährig überlebende Bienenvölker, diese sollten aber in einer großen Beute wohnen und ebenfalls eine schwarmträge Königin haben, die nur einmal im Jahr schwärmt. Dann hat man in solchen Völkern ebenfalls schon im Sommer die nötige Brutunterbrechung und solche Völker die auch nicht abgeschleudert werden und ein Volles Honiglager haben gehen zeitig aus der Brut, da sie ja sehr viele Jungbienen haben.


    Bei Fehleingriffen durch den Imker und auch andere Einflüsse, sieht das aber anders aus, dann sind die Völker eher kurzlebig.

    Gruß Reinhard / Lehre mich die wunderbare Weisheit,daß ich mich irren kann.(Teresa v. Avila)