Video zur Biologie der Varroa

  • Hallo,


    hier ein Video zur Biologie der Varroa. Besonders interessant finde ich, dass sich die Varroa in diesem Video in die Nähe von besiedlungsreifen Brutzellen tragen lässt, dort die Biene verlässt und zu Fuß nach einer zu besiedelnden Brutzelle sucht. Es ist also nicht so, dass eine Ammenbiene sie zu einer besiedlungsreifen Brutzelle trägt, wobei sie dann während der Fütterung in die Brutzelle wechselt.
    Somit entfällt auch die Erklärung, dass Drohnenbrut wegen der häufigeren Fütterung der Larven und damit wegen der häufigeren Besuche von Ammenbienen stärker von der Varroa befallen sind. Das längere Zeitfenster zur Besiedelung der Drohnenlarve dagegen ist als Ursache für die stärkere Besiedlung der Drohnenbrut damit nicht widerlegt. Jedoch reicht das verlängerte Zeitfenster bei der Drohnenbrut nicht aus, um den beobachteten Faktor 5-8 bei der Drohnenbrut im Verhältnis zur Arbeiterbrut zu erklären.
    Das Video zeigt auch, dass die Varroa in relativ kleinem Umkreis sucht. Deshalb erreichen Varroen auf Bienen, die die Brut nicht besuchen, diese auch nicht. Daraus erklärt sich, dass die Restbrut im Spätherbst nur noch einen kleinen Teil der Varroen enthält und die meisten Milben auf den Bienen sitzen. Daraus erklärt sich auch das von mir beobachtete Phänomen, dass Fangwaben mit nur wenig offener Brut fast wirkungslos sind.


    Gruß Ralph


  • Jedoch reicht das verlängerte Zeitfenster bei der Drohnenbrut nicht aus, um den beobachteten Faktor 5-8 bei der Drohnenbrut im Verhältnis zur Arbeiterbrut zu erklären.


    Hallo Ralph,


    die Erklärung hierfür ist doch ganz einfach, nämlich natürliche Selektion. Varroa`s die überwiegend Arbeiterinnenbrut befallen, sägen sich selbst den Ast ab, auf dem sie sitzen. Sie gehen mitsamt ihrer Wirte zugrunde. Auf lange Sicht überleben kann eine Spezies nur, wenn sie ihren Wirt nicht zugrunde richtet.


    Gruß Sven

  • Hallo,


    jetzt hätte ich mal noch eine Frage. Stirbt eigentlich das Varroa Weibchen nach der Eiablage, oder kommt dieses nach dem Schlupf der Biene mit ihren "Töchtern" wieder mit raus? Das wurde im Film leider nicht erwähnt, oder ich hätte es überhört.


    Liebe Grüße!
    flora

    Wenn ich vor meinem Stande steh´und meine Bienenfliegen seh´so denk´ich oft in meinem Sinn, wie freuts mich, daß ich Imker bin.

  • Hallo Flora,


    Hier habe ich eine Antwort gefunden:
    http://www.imkerforum.de/showthread.php?t=6727


    Lothar schreibt:

    Zitat

    Im Sommer zwei bis drei Monate, im Winter sechs bis acht Monate.


    hier steht noch was dazu:
    http://hobbyimkerei-stolz.de.tl/Varrose.htm


    "...aber ohne Bienen und Brut maximal 7 Tage"


    Das Weibchen krabbelt also wieder raus und sucht sich eine neue Zelle mit Streckmade.
    Es sind mehrere Vermehrungszyklen.


    Gruß Doro

  • Hallo Doro E


    Vielen lieben Dank. Jetzt weiß ich bescheid, danke!


    Ich wünsche euch allen ein Vorroaerträgliches Jahr 2014!
    flora

    Wenn ich vor meinem Stande steh´und meine Bienenfliegen seh´so denk´ich oft in meinem Sinn, wie freuts mich, daß ich Imker bin.

  • Hallo Ralph,


    die Erklärung hierfür ist doch ganz einfach, nämlich natürliche Selektion. Varroa`s die überwiegend Arbeiterinnenbrut befallen, sägen sich selbst den Ast ab, auf dem sie sitzen. Sie gehen mitsamt ihrer Wirte zugrunde. Auf lange Sicht überleben kann eine Spezies nur, wenn sie ihren Wirt nicht zugrunde richtet.


    Gruß Sven


    Auf dem ersten Blick anscheinend richtig, fraglich aber ob es auch für die Varroa zutrifft.
    Und da ist es nach meiner Ansicht zu kurz gedacht.


    Wenn das Bienenvolk nach ca. 2 Jahren in den Sterbe Prozess gelangt, verlassen die Milben mit den sterbenden Bienen das Volk und gelangen in andere Völker, bereits in den Jahren hat sich die Milbe durch Verflug der Drohnen und Arbeiterinnen in andere Völker verbreitet und dort wieder bei Null angefangen.
    Nicht zu vergessen die mit Varroa infizierten Schwärme im ersten Befallsjahr.


    Das besondere ist bei der Varroa der meistens relativ lange Zeitraum von Erstbefall eines Volkes und dem Tod des Volkes. Wenn das Volk endlich stirbt, hatte die Milbe viele Gelegenheiten zur Erhaltung der Art durch "Ableger" zu sorgen.
    Da ist der Tod des Muttervolkes unbedeutend.


    Die Überlegung von Sven würde zutreffen, wenn die Vermehrung der Milben in der Arbeiterinnen Brut auch die "Verteilung" der Milben auf andere Völker beenden würde.
    Dann müsste der Zeitraum zwischen Erstbefall der Brutzellen und dem Tod des Volkes so kurz sein, das keine Milben mehr Schlüpfen und in andere Völker gelangen könnten.


    Diese Überlegung ist zu sehr auf das Überleben der einzelnen Milbe in "ihrem" Bienenvolk gerichtet, für das Überleben der Art "Varroa" ist es aber entscheidend, ob der "Samen" vor dem Tod des Bienenvolkes vorher weitergegeben wurde.
    Anschaulich ist diese Überlegung, wenn man sich die Vermehrung z.B. wie im Pflanzenreich vorstellt.
    Es ist egal, ob die Mutterpflanze stirbt, wichtig ist, das vorher der Samen weiter gegeben wurde.


    Gruß Hubert

  • Hallo Hubert


    Das ganze so wie du beschreibst geht doch aber nur da die Bienen in menschlicher Obhut leben. Da kann sich die Milbe so ein verhalten leisten. In freier Natur würde sie ihren Wirt auslöschen .


    MfG Frank

  • Hallo Hubert,


    deine Überlegung erscheint auf den ersten Blick richtig, ist aber meiner Ansicht nach auch zu kurz gedacht. Der Vermehrungswege über Verflug setzt voraus, dass es genug ausreichend gesunde Bienenvölker in der Umgebung gibt, in die sie eingeschleppt werden können. Wenn diese Völker bereits infiziert und totkrank am Zusammenbrechen sind, ist auch hier für die Milbe "Endstation". Wenn die Bienendichte durch die Varroa gar so weit sinkt, dass keine Völker mehr erreicht werden, ist dieser Weg komplett hinfällig.
    Ähnliches gilt für neue Schwärme des eigenen Volkes. Nur wenn dieser Schwarm so schwach mit Milben belastet ist, dass er selbst zu einem Volk wird, welches ausreichend stark wird, selbst wieder zu schwärmen, wäre für die Milbe eine neuer Wirt gefunden. Wenn ein Schwarm aber vorher unter der Milbenlast zusammenbricht - nicht.
    Eingesammelte Schwärme von fremden Imkern, werden allgemein vorsoglich zuersteinmal mit Milchsäure behandelt. Genauso wie Brutableger in der brutfreien Phase, oder Kunstschwärme direkt nach der Bildung. Auch winterbehandelte Völker im Frühling sind ausreichen frei von Varroen, dass ein neuer Wirt gefunden ist. Aber dies ist keine natürliche Situation, die einen geeigneten Selektionsdruck auf die Milben ausüben würde.


    In dieser künstlichen Umgebung ist die Frage, ob die Milbe zu einem langfristigen Zusammenleben mit ihrem derzeitigen Wirt bereits in der Lage ist, oder aber sich schnell genug anpassen könnte, zu einem derartig auf ihren Wirt angepassten Parasiten zu werden, schlechterdings nicht zu beantworten.


    Gruß
    Ludger

  • Moin Frank,


    der Konjunktiv ist der Milbe nicht vertraut, und der Imker gehört zu dem System, das sie hierzulande parasitiert... Was also wäre, wenn da kein Imker vermehrte, bekämpfte, machte und täte, ist irrelevant für sie. Es würde sich irgendwie ein Gleichgewicht einstellen, labil, mit Biene und Milbe und sich vielleicht stabilisieren, oder stabil ohne die beiden.


    Real und seit langem bestehende Wirt-Parasit-Verhältnisse funktionieren, in dem sich beide erhalten. Wir kennen also praktisch nur solche. Es wäre aber recht spurlos, wenn in der Vergangenheit die eine oder andre Tierart den Wirtswechsel eines Parasiten zu ihr hin nicht überlebt hätte. Die Fälle, in denen diese Anpassung nicht glückte, kennen wir allermeist nicht.


    Gruß Clas

    "Ach, das Risiko...!" sagte der Bundesbeamte für Risikoabschätzung abschätzig...

  • Hallo,
    Ingemar Fries, der Leiter des Gotlandprojektes erklärte in einer Auswertung zum Projekt, dass es die Bienen waren, die sich in diesem Projekt an die Milbe angepasst haben. Er bezeichnet dies als nicht so überraschend, da die genetische Variationsbreite bei den europäischen Milben als sehr gering bezeichnet werden muss. Daher gäbe es auch nur eine sehr geringe Möglichkeit zur Anpassung. Er spricht bei der europäischen Milbenpopulation von einem Klon, der auf sehr wenige Exemplare zurückzuführen ist.
    Mit freundlichen Grüßen
    Hans