Die Schönheit der Imkerei für einen Anfänger

  • Liebes Forum,


    nachdem ich vor einigen Tagen meine Oxalsäurebehandlung durchgeführt habe, bin ich für dieses Jahr wohl durch.


    Und wie ich da mitten im Winter so an meinen sonnenbeschienenen Beuten stand und mich an das vergangene - mein erstes - Imkerjahr erinnerte, da war ich sehr dankbar für all das, was ich erlebt habe. Ja, fast möchte ich sagen, dass es mich glücklich gemacht hat, die Bienen zu beträufeln. Gibt es eine stupidere Arbeit, als ein paar Tropfen Zuckerlösung auf ein Bienenvolk zu tropfen? Vermutlich kaum. Und dennoch: Einfach bei Ihnen zu sein, die Beuten zu öffnen, in der Sonne zu stehen, das Summen zu hören, nach dem thread über Stichschutz jetzt auch mal ohne Schleier zu arbeiten, die Flugbienen zu erleben, die mitten im Winter nach Hause kommen, sogar die erneute Sorge darum, ob die Behandlung nun klappt, wenn ein Teil des Volkes nicht in der Beute ist, nach dem thread über Deadlines in dem guten Gewissen des noch nicht verstrichenen Dezembers zu behandeln, mich zu erinnern, wie wenig Honig ich geerntet habe (immerhin das erste Jahr!) und wie vielen Menschen ich mit meinen verschenkten Gläschen dennoch eine Freude machen konnte, die interessanten Diskussionen hier, die spannenden Bücher zu Hause, die herzerwärmenden Gespräche mit der Bäuerin, bei der meine "Immen" - wie sie immer sagt - stehen, die vielen Male mit meinen Kindern an der Beute - mein Sohn, der nichts lieber macht, als Bienen von der Beutenwand zu fegen oder aus dem Gras zu heben und zur Beute zu tragen, der schwierige Umzug aus Köln aber dabei das Erkennen, wie unglaublich gut der Orientierungssinn der Bienen funktioniert. All das ist doch einfach wunderbar.


    Ich lebe in einem sehr hektischen Alltag, aber die Bienen - jetzt, wo ich schon die poetische Ader freigelassen habe, kann ich ja so weitermachen - die Bienen "bringen mich zu mir selbst". Nun habe ich mich gefragt, ob ich wohl in 5 Jahren mit dann - wer weiß - 5 oder 10 oder 20 Völkern immer noch ein Auge für diese Schönheiten haben werde, oder ob es dann die lästige Säurebehandlung im Winter sein wird?


    Und um ganz sicher zu gehen, dass diese herrlichen Momente nicht verschwinden, möchte ich sie hier für mich und vielleicht auch für Euch festhalten. Mein Wunsch für das neue Jahr: Mögen die herrlichen Momente an unseren Völkern nie enden.


    Euch alles Gute für das neue Jahr,


    Pisolo

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  • ...die Bienen "bringen mich zu mir selbst"...


    So ist es.


    Keine Sorge, daß Bienenfieber vergeht nicht und diese stillen, andächtigen Momente kommen immer wieder. :Biene:

  • Hallo Pisolo, Du sprichst mir aus der Seele. All das kann ich - nach auch meinem ersten (halben) Bienenjahr - zu 100% bestätigen. Hätte das nicht schöner formulieren können. :p_flower01:

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  • Hallo !



    ... - die Bienen "bringen mich zu mir selbst". Nun habe ich mich gefragt, ob ich wohl in 5 Jahren mit dann - wer weiß - 5 oder 10 oder 20 Völkern immer noch ein Auge für diese Schönheiten haben werde, oder ob es dann die lästige Säurebehandlung im Winter sein wird?


    Ja, es ist anders, heute ist die Säurebehandlung lästig zumindest die Vorbereitung ...
    ... aber am Bienenstand wieder, da ist es fast wie beim ersten Mal !


    GdBK

    Aus der Übertreibung der Warnungen,
    ist die Unterschätzung der Realität geworden.

  • Das wird auch, trotz Zeitdruck, bei ansteigender Völkerzahl und Erfahrung nicht weniger. Nicht mal dann, wenn Dir mit der Imkerei das Hobby abhanden gekommen ist.

    Viele Grüße
    Marcus


    Beekeeping is not about honey. It’s not about money. It’s about survival.
    "Regional gehört die Zukunft." H. Lichter

  • Treffend empfunden, Pisolo, und treffend formuliert.


    Aber Du befürchtest doch nicht im Ernst, dass so was verschwindet und zur lästigen Routine wird - werden andere schöne Dinge doch auch nicht oder? :wink:

    "Wer die Leidenschaft als Jugendsünde abtut, degradiert die Vernunft zur Alterserscheinung".
    Hans Kasper

  • ... Nun habe ich mich gefragt, ob ich wohl in 5 Jahren mit dann - wer weiß - 5 oder 10 oder 20 Völkern immer noch ein Auge für diese Schönheiten haben werde, ... ?


    Das wirst du, wenn du das so willst auch noch nach 10 Jahren ;)


    Hatte diese Woche wieder ein paar Tage bei den Bienen:
    Mittags bei 13°C und dem Summen der Bienen in der Sonne und diesem unverwechselbaren Duft, der mir das Herz weich kocht.
    Und Morgens bei 3°C zum Behandeln.
    Glücksmomente.



    Aber ab 20 Völkern kann's schon manchmal stressig werden ;)




    Sonnige Grüße!
    Arnd

  • Hallo Pisolo,


    den Ausführungen kann ich nur zustimmen. Es ist immer wieder faszinierend, an den Völkern zu stehen, zu beobachten oder daran zu arbeiten und jedesmal neue Eindrücke zu gewinnen. Auch die Wahrnehmung der Natur, des Umfeldes und der Blick für blühende Pflanzen und Bäume hat sich in meinem "ersten echten Imkerjahr" stark verändert. Worauf man plötzlich so alles achtet, was man so in seine Überlegungen mit einbezieht, wie man doch sein Tun und Handeln auf die Bienen ausrichtet. Und die Zeit, welche man an den Bienen verbringt, ist gut investiert und da rede ich nicht vom Honigertrag, sondern eher von einer "Auszeit" vom Alltag, Zeit bei den Bienen ist Zeit für mich, im Kopf nix anderes als das Wohl der Bienen. Arbeitsalltag und Stress von Job ade.


    Ich wünsche erholsame Tage zwischen den Jahren.

  • Aber Du befürchtest doch nicht im Ernst, dass so was verschwindet und zur lästigen Routine wird - werden andere schöne Dinge doch auch nicht oder?


    ... doch, leider schon. Zwei Beispiele: Ich habe als junger Mann ambitioniert "Go" gespielt, ein Spiel genau wie Schach, nur ganz anders. Lange Zeit macht es einfach aufgrund der Schönheit der Spielzüge große Freude, aber irgendwann muss man zwangsweise anfangen, Eröffnungen zu büffeln, wenn man besser werden will. Das hat mir damals viel von der Freude verdorben. Zweites Beispiel: Der Wohlklang der italienischen Sprache. Ein einziges Auf und Ab, fast Gesang, melodische Betonungen. Bis ich es selbst konnte und gemerkt habe, dass auf den Straßen in Italien größtenteils geflucht wird.


    Aber ein Gegenbeispiel: für einen Sonnenaufgang reichen genau 24 Stunden, damit man den nächsten wieder einzigartig und nie dagewesen schön findet...


    Viele Grüße


    Pisolo