Design

  • Auf der anderen Seite, wenn ich zu einer Werbeagentur gehe, bin ich derjenige, der viel Geld zahlt und nur aus wenigen Vorschlägen auswählen kann.


    Vorschläge, für die jemand viel Zeit investiert hat, denn für jeden Vorschlag braucht es eine Idee und die Zeit und das Knowhow für die Umsetzung. Design bekommt man eben nicht auf Knopfdruck.


    Leute, wenn Ihr kein Geld für teure Entwürfe habt, dann laßt Euch Eure Etiketten von der Enkelin malen, statt fremde Leute für umsonst für Euch arbeiten zu lassen. Ich sprach in dem Zusammenhang eben nicht von Sklaverei. Denn der Sklave wurde wenigstens satt. Das Ganze ist schlicht und einfach Ausbeutung.



    Berggeist
    Nein, ich finde das in anderen Branchen ebenso falsch. Ich beschäftige auch niemanden für umsonst. Grundsätzlich nicht.

    "Keine Rähmchen - keine Mittelwände - wenig Arbeit." (Émile Warré)

  • Nehmt mal einen Architekten, welcher sich an einer Ausschreibung beteiligt. Er weiß dann, die Chancen stehen eins zu zehn. Einen Werbeeffekt hat er auf jeden Fall und wenn er beim fünften Mal gewinnt, bleibt auch etwas hängen. Aber bei Etiketten für Kleinimker da ist die Diskussion grenzwertig. Ich habe heute ein Angebot abgesagt, an einem Feinschmeckerevent des SWR teil zu nehmen. Da wären solche Etiketten angesagt aber auf meinem restlichen Markt, da ist es mehr bodenständig. Wer seinen Honig über Sansibar verkaufen kann, ja da lohnt es sich, denn diese Kunden wollen auch privat repräsentieren.
    Remstalimker

    Im Netz ist gut auf hohem Niveau imkern.:daumen::lol:

  • Zitat

    Noch weniger kann ich mir aber vorstellen, dass jemand Dauerhaft an Projekten arbeitet, mit denen er seinen Lebensunterhalt nicht finanzieren kann.


    Wo schreibst Du eigentlich ?


    Beste Grüße
    Hartmut, der hier ne Krise bekommt wenn er das alles liest, mich wundert nix mehr, gar nix mehr....

  • ...Das ansprechende Design erhält den Zuschlag, und erst daraufhin wird das Design fertiggestellt.


    Stimmt so laut dem Info-Video nicht, da wird gezeigt, dass viele Grafiker ihre Entwürfe nach Vorgaben des Auftragsgeber immer weiter verfeinern. Es ist ein klassisches Auftragsverhältnis, nur auf viele Auftragnehmer ohne Lohn verteilt.


    Mal weg vom Honig-Etikett - zum Beispiel der Grafikauftrag mit den mehr als 30 Krankheiten, die als Grafik dargestellt werden sollen für insgesamt 300,- €. Bei einer normalen Ausschreibung würden drei Entwürfe gewünscht und dann würde entschieden werden, wer den Auftrag bekommt. Bei dieser Plattform wird erwartet das viele Grafiker alle Bildchen entwerfen, wobei am Ende einer oder keiner bezahlt wird. Und was soll man mit den Bildchen anfangen, da kommt nie wieder einer der das noch einmal kaufen will?


    Ich beauftrage doch auch keine 10 Schneider mir einen Maß-Anzug nach meinen Vorgaben zu nähen und am Ende nehme ich einen oder keinen und sag' dann noch, da wird schon irgendwann einer kommen, dem die restlichen passen werden. Natürlich gibt es Anzüge von der Stange und CD's mit fertigen Clip-Arts, aber das ist etwas ganz anderes.

  • Kurz: Wer ein Honigetikett oder eine Webseite braucht, kann auch gern mal hier im Imkerforum oder im Imkermarkt nachfragen.
    Es gibt hier sehr fähige Leute für die Logoerstellung und Gestaltungsangelegenheiten aller art und wenn man etwas mehr bezahlt als auf so einer Plattform, dann weil man am Ende ein Produkt bekommt, bei dem niemand ausgebeutet wird und alle am Ende zufrieden sind (wobei ich glaube das es nicht mal so viel mehr sein wird).
    Dafür gibt es unter anderem auch das Forum. Ich geh auch zu einem kleinen Bäcker weils da besser Schmeckt und die Leute freundlich sind obwohl die
    nur 2 Sorten Brötchen und 5 Sorten Kuchen haben und davon, wenn ich komme auch nicht mehr alles verfügbar ist. Am Ende wird nichts weg geschmissen.
    Redet miteinander!

    Alles wird gut - auf jeden Fall!

    Mein Sohn, iss Honig, denn er ist gut; und lass süßen Wabenhonig auf deinem Gaumen sein. (Sprüche 24:13)
    Wenn dich eine Biene sticht, geht fort von hier und schimpfe nicht - Bedenke, dass nur du es bist der dauernd hier im Wege ist.

    Und noch einer: "Live long and prosper keep bees"

  • Ja,
    das ist Ausbeutung, und ja, wenn man die Kunden machen lässt, dann würden Bauwillige das auch mit Architekten machen. Ein kleiner aber feiner Aspekt der Geschichte ist aber auch noch, dass es wohl dann am Auftraggeber liegt, welches Design vielleicht gekauft bzw. vergütet wird. Also ich meine der Auftraggeber für den es offensichtlich zu schwer war seine Kinder ein Bienenbild malen zu lassen, es einzuscannen, zu verkleinern und mit den vorgeschriebenen Texten in seinem Rechner zum Drucker zu schicken um es dort auszudrucken. Und weil die Druckkosten noch obendrauf kommen bei einer Mindestauflage, die meist zu viel ist für 4 Völker im Jahresverlauf, deshalb ist es fraglich, ob sich das in diesem Fall lohnt.
    Allerdings gutes Design, das viele von uns eben nicht erkennen, gutes Design lohnt sich, gerade wenn es darum geht für eine Imkerei, für den Vertrieb und die Werbung ein durchgängiges Konzept zu haben, ein Firmenlogo, das immer wieder auftaucht. Ein einprägsamer Name, eine gute Webseite ( ja, ja, sagt jetzt nichts ), das alles ist sehr wichtig, wenn es um das Geschäftliche geht, und ja, dann sollte das auch ordentlich und richtig bezahlt und von einem Könner gemacht werden. Der kann dann auch für euren Honig 6,5o € zahlen.
    Viele Grüße
    Wolfgang

    Der Unterschied zwischen Theorie und Praxis ist in der Praxis größer als in der Theorie, also theoretisch.

  • Ich hab ja versucht mich auf die Finger zu setzen, aber....


    Liebe Leute,


    wenn ich eine Anfrage ins Netz stelle, dass ich zum Preis von 175,- € gerne ein Logo für meine Imkerei haben möchte und beabsichtige für diese Summe nür das eingehende Angebot wleches mir am besten gefällt (wenn mir überhaupt eines gefällt) auszugeben, dann sind die Regeln jedem klar.
    Und wenn ich unter diesen Spielregeln dann über 200 Designvorschläge von 29 Designern bekomme, dann darf ich davon ausgehen, dass es sich um einen marktkonformen Preis handelt. (Die Zahlen sind aus einem Beispielprojekt "Logo für einen Imker" von der besagten Webseite)


    Auf jeden Fall beute ich niemanden aus, denn ich wende weder Zwang an, noch nutze ich bewusst die Notlage eines Designers aus.
    Ich muss als kleiner Endverbraucher nicht wissen was jede Ware oder Dienstleistung in meinem Warenkorb wert ist. Vielmehr ist es Augabe des Herstellers sein Produkt zu einem angemessenen Preis abzugeben um seinen Lebensunterhalt zu sichern. Bleibt er darunter so ist das keine Ausbeutung sondern sein freier Wille! Hätte ich für 175,- € kein Designangebot erhalten hätte ich den Preis erhöhen oder auf das Logo verzichten müssen.


    Wenn auf dem Markt kein Preis zustande kommt mt dem beide leben können, dann ist das eben so. Ich übe doch mit meinem Beispiel keine Marktmacht aus die den Verkäufer ernsthaft unter Druck setzt.
    Adidas und ALDI haben da schon andere Möglichkeiten Näherinnen und Milchbauern auszubeuten.


    Ich sags ja immer wieder gerne: Man kann den Ball auch mal flach halten


    Gruß
    Holger

    Am Ende wird alles gut. Und wenn es noch nicht gut ist, dann ist es noch nicht das Ende!


  • Leute, wenn Ihr kein Geld für teure Entwürfe habt, dann laßt Euch Eure Etiketten von der Enkelin malen, statt fremde Leute für umsonst für Euch arbeiten zu lassen.
    Berggeist
    Nein, ich finde das in anderen Branchen ebenso falsch. Ich beschäftige auch niemanden für umsonst. Grundsätzlich nicht.


    Mit der Enkelin das geht nicht. Erstens wie wird die dann bezahlt? Oder, wenn sie nichts kriegt, ist das auch Ausbeutung. Es sei denn, es fällt unter selber machen von Laien, was den Henry wieder auf die Palme bringt.:roll:


    Und zu der anderen Aussage: Es ist offensichtlich schon so selbstverständlich, dass Du es gar nicht mehr bemerkst.


    Hier gibt jemand den Bedarf an einem Honigetikett bekannt und viele Designer sind bereit hierfür einen Entwurf anzubieten. Ein Entwurf wird belohnt.
    Die Regeln sind jedem bekannt.


    Wie ist es mit dem Bäcker?
    Jemand möchte ein Brot kaufen. 20 gut erreichbare haben jede menge Brote gebacken und bieten sie an. Kauft der Interessent dann bei jedem der 20 Bäcker ein Brot? Nein, er will nur eins.


    Bei den Architekten ist es auch nicht anders.
    Jemand möchte eine Eigentumswohnung kaufen. Eine Vielzahl an gerade fertig gestellten Wohnungen werden ihm zum Kauf angeboten. Die Leistungen sind erbracht und irgendwer ist in Vorleistung getreten. Kauft er dann alle angebotenen Wohnungen? Nein er will nur eine.


    Das Problem ist die Übertragbarkeit. Wenn ich dieses Design, dass ich auf dieser Plattform anbiete, nicht übertragen kann, biete ich es nicht an. Ich bin dazu nicht verpflichtet. Wenn andere dazu bereit sind, ist das eine Konkurenzsituation, wie sie in sehr vielen anderen Branchen auch üblich ist. Das Angebot ist da, warum soll man es nicht nutzen?
    Wie oft muss ich die Hände heben und sagen: das kann ich nicht zu dem Preis, wenn wieder mal jemand mit den Baumarktkatalog angerannt kommt und fragt ob ich ihm die Türen nicht bauen kann. Da lass ich die Finger von. Ich bin nicht verpflichtet diese Türen zu bauen. Abstellen kann ich es aber nicht. Der Baumarkt bietet es zu diesem Preis an. Punkt. Ist das auch Ausbeutung? Der Baumarkt hat die Leistung auch meist schon erbracht. Ich nicht, ich will das nicht. Es ist aber meine freie Entscheidung. Und auch hier ist nicht nur ein Baumarkt oder vorgeschalteter Hersteller der die Leistung bereits erbracht hat. Ich brauche aber Kunden, die meinen Aufwand entsprechend vergüten. Die muss ich auch suchen. Gibt es sie nicht, ist mein Angebot an der Nachfrage vorbei. In wie vielen Branchen läuft das genau so?


    Ich will ja gar nicht behaupten, dass mir das gefällt, aber in diesem Fall (und in vielen anderen Fällen) ist das ganz normal. Nur da will es niemand sehen.
    So, jetz muss ich noch weg, unproduktive Arbeit leisten.


    Und Hartmut, auch wenn wir weit weg von der Überschrift sind, ist es dennoch wichtig. Also lass uns bitte. S is halt Winter...

  • Begreift Ihr nicht, dass das Ganze eine Frage der Moral ist? Das es schlicht unmoralisch ist, seine Mitmenschen für umsonst arbeiten zu lassen? Den Großteil der Entwürfe dort, kann keiner weiterverwenden. Dafür sind die Vorgaben zu speziell.


    Es geht hier doch auch gar nicht nur um die Grafiker auf dieser Plattform, sondern läßt sich auf jede Berufsgruppe übertragen. Ich beiße nicht bei 20 Bäckern die Brötchen an. Ich würde mir auch keine 5 Heizungsmechaniker kommen lassen, um meinen Keller auszumessen. Und nur weil es üblich ist, wird es deswegen noch lange nicht richtig.


    Um übrigens mal noch dem angedeuteten Vorwurf zu begegnen, ich sähe hier meine beruflichen Felle davonschwimmen. Dem ist nicht so. Ich muß mir meinen Lebensunterhalt zum Glück nicht mit so Tüdelkram wie Honigetiketten verdienen. Andere dagegen schon. Das können die aber nicht, weil Ihr sie ausbeutet. Und damit meine ich nicht nur Eure Grafiker, sondern auch alle anderen, die Ihr für Euch für lau arbeiten laßt, und die Euch nicht kümmern.

    "Keine Rähmchen - keine Mittelwände - wenig Arbeit." (Émile Warré)


  • Ich muss als kleiner Endverbraucher nicht wissen was jede Ware oder Dienstleistung in meinem Warenkorb wert ist. Vielmehr ist es Aufgabe des Herstellers sein Produkt zu einem angemessenen Preis abzugeben um seinen Lebensunterhalt zu sichern. Bleibt er darunter so ist das keine Ausbeutung sondern sein freier Wille!


    Wenn wir in der DDR leben würden, wäre dass vielleicht so. Aber wir haben zur Zeit die Debatte um einen Mindestlohn, weil es eben keine Regeln gibt. Und in unserem Fall kann der Grafiker auch ein Hartz IV Empfänger sein, der sich mal seine freien 100,- dazuverdient. Schön für ihn, ist aber Lohndumping.


    Und wer glaubt, der Endverbraucher müsse nicht wissen, was Waren und Dienstleistungen wert sind, der macht sich mit seiner Unwissenheit trotzdem mitschuldig an Ausbeutung und Elend und ... zurück zur Imkerei ... an der Vergiftung der Felder, wenn er die Augen davor verschließt, wo sein Essen herkommt und damit am Sterben der Bienen. Ein Imker der z.B. kein Bio-Brot kauft kann sich sicher sein dass ein Teil seines Geldes am Ende bei der Bayer AG landet. Viele Imker finanzieren den Bienentod mit! Und ein Auftraggeber, der glaubt dass hundert Grafiker für ihn ein Etikett entwerfen ohne dafür Lohn zu bekommen, kann davon ausgehen, dass dies Ausbeutung ist bzw. Armut fördert.

  • Hallo Zusammen,
    ich glaube ich mach hier mal wieder Schluß.
    A. Ist alles mehrmals gesagt und
    B. Wir sind soweit OT, dass die Eingangsfrage wieder einmal keiner mehr kennt.
    Gruß Eisvogel

    Als ich mich zum imkern entschlossen hatte, fand ich mich ratlos vor diversen modernen Beuten-Systemen.

    Abbé Emil Warre 1948, 12. Auflage Bienenhaltung für alle, Übersetzt von Mandy Fritsche, 2010

  • Zitat

    ...noch nutze ich bewusst die Notlage eines Designers aus.


    Ob er in einer Notlage ist, das weißt Du nicht, aber Du nutzt ihn aus oder auch die Situation.


    Zitat

    Ich muss als kleiner Endverbraucher nicht wissen was jede Ware oder Dienstleistung in meinem Warenkorb wert ist.


    Sollte man aber, denn dann hat man wieder Respekt vor der Arbeit des Anderen.


    Beste Grüße
    Hartmut