18.Januar 2014 Berlin

  • Von 10 Tagen Raps abgesehen, waren auch schon mehr Tage, nicht aus sonstigen Feldern. Sorry, bei uns gibt es keine Kornblumen. Was würde ich machen, wenn ich einen Hof und Familie hätte?
    Remstalimker


    Ich würde mal behaupten, Raps ist für den überwiegenden Teil der Imker eine Haupttrachtpflanze.
    Aber davon ab: Zum "Land" gehört nicht nur der nackte Mutterboden, in die der Ackerbauer seine Rapssaat legt, sondern auch der darauf stehende Aufwuchs, also Bäume und andere Pflanzen. Und die werden von unseren Bienen "bewirtschaftet", also von uns als Imker.


    Nicht umsonst ist die Biene das drittwichtigste Nutztier. Bereits der Obstbauer, übrigens auch ein Landwirt, bietet unseren Bienen auch etwas. Das "Alte Land" hätte nicht seine Bedeutung, wenn es die Imker mit ihren Bienen nicht gäbe. Und so einige mehr ...

  • Moin Silvia,


    wer oder was hätte denn Ahnung?


    Muss man dafür eine landwirtschaftliche Lehre gemacht haben? Habe ich dann welche? Genügt ein Studium der Agrarwissenschaft?


    Ich finde, Du verurteilst und schreibst, unter anderem mir, eine Ahnungslosigkeit zu, über die ich nicht verfüge. In aller Regel weiß ich, was ich schreibe.


    Und obwohl ich weiß, wie es besser geht, möchte ich nicht den Bauern vorschreiben, wie sie es machen sollen. Ich möchte mir aber verbitten, dass sie, zu Land- Energie- und Beregnungswirten mutiert, alles zugrunde wirtschaften und ich das mit bezahlen muss. Ich möchte mir verbitten, dass sie Kosten ihrer Bewirtschaftung zur gefälligen Begleichung an die Allgemeinheit weiterreichen. Ich möchte den Einsatz von Chemiewaffen auch in der Landwirtschaftlichen Produktion weitgehend verbieten. Ich halte nichts von immer größeren Betrieben.


    Und nein, es geht nicht um schwarze oder bräunliche Schafe, es geht um das Ziel der Agrarpolitik, die genau diese Erscheinungsformen fördert und hervorbringt. Davon abgesehen, gehört jedes Schaf solange zur Herde, bis der Schafsrat deutlich das unschäfliche Verhalten gerügt hat und die Schafswürde aberkannt. Bis dahin gehört es dazu, und die Herde muss damit leben, dass sein Verhalten ihr und der ganzen Schafheit zugeschrieben wird. Schmuggler, Hyänen und Wölfe im Schafspelz gehören so lange dazu, wie die Herde sie deckt und schützt. Was ich abr in Schutz nehme, muss ich mir letztlich auch zurechnen lassen.


    Beispiel spritzen: Ich kann verstehen, dass vor vielen Jahren ein naiver Junglandwirt glauben konnte, B4 bedeute wirklich für Bienen ungefährlich. Wenn ihm nun aber die Imker, die ja von den Bienen was verstehen, sagen, das sei nicht so, sondern dramatisch anders: Dann sollte er nicht achselzuckend auf die Zulassung verweisen und für den Fall, dass die in Änderung ist, aus sachlichen Gründen und neuen Erkenntnissen, trotzdem massiv gegen Änderung anarbeiten. Da hört Harmlosigkeit auf und beginnt das Grenzgebiet von Niedertracht und Rücksichtslosigkeit. Solange das aber als Einsatz für den Berufsstand gelobt wird: Wo ist da die Basis für Gespräche?


    Es geht nicht darum, dass Imker und Naturschützer die Probleme der Landwirte zur Kenntnis nehmen, es geht darum, dass die Landwirte in ihrem Lauf so gelenkt werden, dass noch Leben neben der Ackerfrucht möglich ist. Also darum, dass die Landwirte die Probleme, die sie verursachen, bemerken und ihnen dieses Verursachen verwehrt wird.


    So ein wachsender Energiewirt ist ja nicht nur ein Problem für das Ökotop in dem er energiewirtet. Er ist eigentlich auch ein Problem für alle Bauern, die dort naturverträglich arbeiten wollen. Er muss seine Anlage füttern, at any price. Also gehen die Pachtpreise durch die Decke und damit sind, beispielsweise, Biobauern chancenlos, an Pachtland zu kommen. Wenn die Verträge auslaufen, ist das Land weg.


    Gruß Clas

    "Ach, das Risiko...!" sagte der Bundesbeamte für Risikoabschätzung abschätzig...

  • Moin bhw,


    ich stelle keine Bienen in Erwerbsobstbau. In den Raps auch nicht. Die Kollegen, die das tun, tun es sicher nicht, um ihre Völker loszuwerden. Der Effekt stellt sich dennoch mitunter ein. Ein Kollege berichtete auf der Vereinssitzung, ihm seien im Raps die Bienen im Honigraum erfroren. Er imkert länger als ich, mit deutlich mehr Völkern, und dennoch habe ich Zweifel an der Diagnose. Der Bauer habe aber B4 gespritzt, und es waren ja nicht alle Bienen tot. Nur im Honigraum... An dem Stand aber gab es keinen Rapshonig in dem Jahr.


    Gruß Clas

    "Ach, das Risiko...!" sagte der Bundesbeamte für Risikoabschätzung abschätzig...

  • Wieso meinen wir den Landwirten vorschreiben zu können, wie es besser geht?

    Du hast mich da gründlich mißverstanden.


    Ich will mir gerade nicht den Kopf zerbrechen, wie der Landwirt seine Probleme lößt. Mein Bienensterben ist ganz offensichtlich auch nicht seins. Wir Imker haben den Landwirten nicht reinzureden oder gar kluge Ratschläge aus frisch gepreßtem Halbwissen zu erteilen. Es geht uns nichts an, wie sie wirtschaften. Das versuche ich hier klar zu stellen. Für uns ist es ausreichend, daß sie mit ihrer Art im Freien zu agieren, unseren Bienen nicht schaden. Das ist schon alles. Sie sollen ihnen nicht mal nützen. Ob sie das nur können, wenn sie sich ins Scheunendach hängen oder zum BIO-Bauern umschulen, kann uns völlig egal sein. Es sind deren Probleme. Nicht unsere! Sie sollen bloß und ganz alleine unseren Bienen nicht schaden. Weder absichtlich noch aus versehen. Gar nicht.


    Andere - Jäger, Lurchfreunde, Storchenliebhaber, Tierschützer, Gengegner, Traditionalisten - haben auch ihre Probleme mit den Landwirten und jeder von uns ist vielleicht auch Bißchen mehrfachbetroffen. Doch hier sind wir Imker. Es steht die Biene im Fokus. Die Honigbiene und nur die. (Melanie verzeih mir!)


    Was glaubst Du, wieviel Widerspruch ich aus ganz anderen Bereichen als direkt Betroffener den Landwirten entgegenbringen könnte. Das beginnt bei meiner Schleuse, die überläuft, wenn der Gärrest auf der kahlen Maisfläche abschwemmt, geht über den Strompreis, findet sich als Subventionsanteil in meiner Steuerrechnung, betrifft mich als Heger bei Rebhuhn und Kitz und als Anlieger in Maiskampagne, wenn die Straße zum Feldweg versifft und kaputtgefahren wird. Ich bin betroffen, wenn man mir im Winter Freilandeier andrehen will und wenn das Roundup in meine Hecke weht. Das alles sind unterschiedliche Spielwiesen. Die zu einen und als Gesamtheit aufzuzeigen ist ein Grundgedanke der Demo. Da sieht dann auch Hedwig, wer alles Probleme mit den Landwirten hat. Und wie viele das sind und aus welchen Richtungen.



    Henry will ja noch nicht mal mit den Landwirten diskutieren, sich ihre Probleme anhören.

    1. Seit nunmehr 3 Jahren ist der Bauernverbandsvorsitzende eingeladen, seine Probleme in unserer Imkerversammlung darzulegen, aber er hat Terminprobleme.
    2. Auf dem Imkertag der Sachsen mit dem Thema: "Imkerei und Landwirtschaft" war genau 1 Landwirt anwesend und dazu der Landesbauernvorsitzende Vogel.
    3. Der Biogasanlagenverband war bei uns und hat sich gegen weitere Großanlagen ausgesprochen.
    4. Über Gentechnik in der Landwirtschaft wurde mit einem Unternehmer aus der Lebensmittelindustrie diskutiert.


    Aber schlicht und auf den Punkt: Wir Imker machen doch deren Probleme nicht. Die machen uns welche. Warum sollten wir zuhören, wo die der Schuh drückt?

    Mit vielen freundlichen Grüßen
    Henry Seifert (Honig-Bienen-Kurse-Gutachten)
    Faulbrutsanierer, Königinnenverschicker, Schwarmfänger, Bienenretter, Streitschlichter, Kunstschwarmkehrer, Belegstellenwirt, Imkerpate, Probennehmer, Schadenschätzer, Ablegerbilder

  • Aber davon ab: Zum "Land" gehört nicht nur der nackte Mutterboden, in die der Ackerbauer seine Rapssaat legt, sondern auch der darauf stehende Aufwuchs, also Bäume und andere Pflanzen. Und die werden von unseren Bienen "bewirtschaftet", also von uns als Imker.

    Ganz klar, dann bin ich Forstwirt, denn meine Bienen fliegen in den Wald und Binnenfischer, denn meine Bienen holen Wasser vom See, zudem transportieren die alles durch die Luft, was mich zum Luftfrachtunternehmer und Spediteur macht und in der Nahrungsmittenproduktion bin ich auch und der Pharmazie.


    Nur Landwirt bin ich nicht, da es in Ackergrünland und auf sterilen Weizenschlägen nichts mehr zu holen gibt.


    Gäbe es weder Raps noch Mais, weder Luzerne noch Saubohnen - na und!
    Unsere Biene ist ein Urwaldtier. Die überlebt ganz ohne landwirtschaftliches Zutun. Daran geht sie zugrunde.

    Mit vielen freundlichen Grüßen
    Henry Seifert (Honig-Bienen-Kurse-Gutachten)
    Faulbrutsanierer, Königinnenverschicker, Schwarmfänger, Bienenretter, Streitschlichter, Kunstschwarmkehrer, Belegstellenwirt, Imkerpate, Probennehmer, Schadenschätzer, Ablegerbilder

  • Nur Landwirt bin ich nicht, da es in Ackergrünland und auf sterilen Weizenschlägen nichts mehr zu holen gibt.


    Lieber Henry, es tut mir wirklich leid. Fehleinschätzungen sind menschlich. Wenn es Dich glücklich macht, stimme ich Dir zu. Wenn es auch alle anderen sind, aber Du brauchst als Imker kein Landwirt sein, wenn Du nicht möchtest. Zufrieden?

  • Hallo Clas,
    ich denke die Bauernpräsidenten sind eben so umstritten wie die des unsrigen Verbandes?
    Schau Dir die Betriebsgrößen der Herren an und vergleich mal die Subventionslisten. Dann erscheint einiges klarer und Veränderungen sind da wenig erwünscht. Warum auch? Solange die Kasse bei denen stimmt wären sie ja dumm auf einen Teil des Kuchens zu verzichten und sich für kleinbäuerliche Betriebe zu engagieren.
    Der Sonnleitner war meines Erachtens auch der, der mal im Fernsehen sagte er brauche den GVO-Mais um seine Rinder kostengünstig zu füttern, anders wäre die Landwirtschaft für IHN nicht mehr rentabel. Nun ist die Frage was man unter Rentabilität versteht…
    Der Ruckwied möchte erst gar nicht mit uns Terroristen reden und da befinden wir Imker uns in bester Gesellschaft mit der ABL und anderen Organisationen. Beruht unter Umständen auf Gegenseitigkeit, denn Henry möchte auch nicht mit dem Brunnenvergifter Ruckwied kommunizieren, weil dort sicher jedes Wort vergebens ist.

    LG
    Andreas

  • Moin bhw,


    aber den Kern des Problemes? Siehst Du den auch wohl? Oder wolltest Du bloß mal Eiteitei zum kleinen Henry sagen? Das Problem ist ja eigentlich nicht, dass Henry pertou nicht Landwirt sein wollte und Du das nun schließlich doch erlauben konntest, dasser ma Ruhe gibt...


    Das Problem ist eine rabiat treckernde Landwirtschaft, deren Gesichtspunkte und Gründe, Bedingtheiten und Befindlichkeiten vorweg schon mal mitzudenken nicht sinnvoll ist, wenn wir Bienenschutz wollen. Wir dürfen da vertrauen: die werden uns zur Kenntnis gelangen. Die werden berücksichtigt werden. Aber es ist nicht unsere Aufgabe als Hüter der Honigvögel, dafür zu sorgen. Unsere Aufgabe sind die Bienen.


    Meinst Du denn, ein Lobbyist für die Gifte denkt die Bedenken, die wir da haben könnten, vorweg schon mal mit? Außer, vielleicht, um ihnen irgendwie zuvorzukommen? Sie als Argument herumzudrehen?


    Gruß Clas

    "Ach, das Risiko...!" sagte der Bundesbeamte für Risikoabschätzung abschätzig...

  • Na, die vielen unterschiedlichen Meinungen zeigen ja, dass es keine einheitliche Opposition geben wird.
    Gruß
    KME


    Hallo Kai,
    auch wenn Du nicht dabei warst kannst Du die 30.000 Teilnehmer der Demo nicht wegdiskutieren und auch nicht die Tatsache das Imker gemeinsam mit Landwirten im Zug gelaufen sind ohne sich zu zerfleischen :).
    So unterschiedlich sind die Meinungen und Ziele wohl nicht, nur der Weg könnte sich vielleicht unterscheiden. Die Diskussion ob nun Landwirt oder nicht ist müssig, denn letztendlich sind wir und unsere Bienen Teil eines Ganzen und auch die Agrarindustrie wird irgendwann erkennen müssen das sie dem Ganzen durch ihr tun und handeln massiven Schaden zufügt.


    LG
    Andreas