Bodenbiotop in der Beute? Stockklima?

  • Hallo,


    habe die Tage mit einem Berufsimker gesprochen, der m.E. sehr ökologisch imkert und insbesondere auch versucht Nützlinge in der Beute zu unterstützen, bspw. hat er auch den Bücherskorpion in den Kästen.


    Er hat einen niedrigen Boden verwendet.
    Das Varroagitter ist etwa 1cm unter den Rähmchen (Zander-ähnlich aber ein paar Zentimeter höher) angebracht, so dass die Bienen unten nichts mehr anbauen. Etwa 1cm unter dem Gitter ist dann von der Grundausstattung her eine Torfschicht, die dann im Laufe der Zeit das Gemüll aufsammelt und durch die Feuchte- und Wärmekapazität für ein angenehmes Stockklima sorgt.
    Die Torfschicht und das Gemüll humusieren mit der Zeit, wie es auch bei Baumhöhlen passieren würde und diverse andere Tierchen können sich da halten.
    Er kann damit den Bücherskorpion in der Beute halten.
    Ameisensäurebehandlung ist Tabu. Oxalsäure kann verwendet werden. Er hat seit 5 Jahren nur wenige Varroabehandlungen im Jahr durchzuführen bei 2% Verlustrate.
    Bei seiner Betriebsweise achtet er sehr auf das Stockklima, setzt keine großen nur halbe Honigräume auf und versucht möglichst keine Mittelwände zu verwenden, da diese die Stockwäre zu stark herabsetzen.
    Der Imker sagt, geringe Varroaanzahl hat mit guter Stockwärme zu tun. Varroa will es kühler, deshalb wird auch in anderen Betriebsweisen das Drohnenzellenschneiden durchgeführt. Er macht das nicht mehr. Er arbeitet nur mit einem Brutraum.


    Kann jemand zu dieser Betriebsweise was ergänzen, oder Erfahrungen einbringen?


    Gruss,


    Christian

  • Hallo Christian. wie dick ist die Torfschicht unter das Gitter ?
    Womit deckt deine öko-bienenvater die Bienen zu ? Mit plastik Folie wie vielen das machen
    oder hat er atemende oder wasserdampf- und CO2 durchlassende Folie oder was anderes
    auf die Bienen in Wintermonate ? Seit kurze Zeit experimentiere ich selber mit Dampfdurchlassende
    Folie mit 40 micro-poriën pro kwadrat cm.
    Ich hab eine Stunde auf Forum gesucht ob Deutsche Imker Erfahrung haben mit solche Folie, aber nichts gefunden.
    Ich bin Niederländer und wohne in Kreiz Groningen. Auf Imkerforum.nl oder Bijenhouden.nl hab ich auch
    kein Imker gefunden mit Kenntniss. Danke für Antwort. Jozef


  • ...Kann jemand zu dieser Betriebsweise was ergänzen, oder Erfahrungen einbringen?
    ...


    Hallo bienenchris!


    Aus meiner Erfahrung heraus braucht man die Torfschicht gar nicht. Die Gammelschicht bildet sich doch von selbst. Das ist nichts Neues. AS nehme ich auch nicht und den Schieber lasse ich auch fast das ganze Jahr drin. Außer zu Wanderungen da muss er raus. Ansonsten auch nix neues keine Drohnenbrut zu schneiden und das mit dem Stockklima: Warm muss es sein. Das ist gut für die Bienen und schlecht für die Varroa. Insbesondere im Sommer. Mit einem Brutraum arbeite ich auch.


    Die Gammelschicht auf dem Varroaschieber muss man mögen...


    Bücherscorpione habe ich noch keine entdeckt. Gott sei Dank, weil sonst kommt vielleicht der Naturschutz und macht ein Naturschutzgebiet aus meinen Bodenbrettern...


    Ich halte von dieser Torfschicht NICHTS!


    Aber das ist meine Meinung dazu.
    Wers mag, soll ruhig die Hochmoore für die Bienenrettung abbauen.
    Ich lass die lieber wo die sind, die Moore, den Torf und die Bodenbretter...
    :cool:

    Grüße Luffi


    Nicht weil es schwer ist, wagen wir es nicht, sondern weil wir es nicht wagen, ist es schwer. :u_idea_bulb02:

    (Lucius Annaeus Seneca - römischer Politiker, Dichter und Philosoph - * 4 v.Chr, † 65)


  •  
    Ich halte von dieser Torfschicht NICHTS!


    Aber das ist meine Meinung dazu.


    :cool:


    Warum bist du gegen solch eine Torfschicht? Was sind deine Erfahrungen dazu? Ich habe gerade das erste mal davon gehört und finde es sehr interessant. Gern würde ich mehr darüber erfahren...

    Gelegentlich verstecke ich Rechtschreibfehler.Wer Einen findet, darf sich freuen und ihn behalten...

  • Hallo


    Also das möchte ich mal im Original sehen, diese Schicht kann nicht besonders Bio sein. Was befindet sich in der Schicht?, es sind Wachsteile, Zuckerkristalle, Extremitäten von Bienen, Pollen, tote Milben mit Vieruserregern und vielleicht noch Schimmel und einiges mehr. Für mich eine Brutstätte für Wachsmotte und Speckkäfer. Es mag sein das bei vorhanden sein vom Bücherskorpion das Ganze in Grenzen gehalten wird. Ich kenne die Bücherskorpione auch, die können auch bei weniger Gemüll leben. Ich denke das Wort Beute-hygene sollte schon Bedeutung für uns haben.
    Das diese Schicht besonders günstig für das Stockklima ist kann ich nicht nachvollziehen, denn davon geht garantiert ein Geruch aus.


    Das eine Warmhaltige Beute sehr gut für den Bien ist, dem stimme ich voll zu. Das Stockklima in einer HBB, in der die schlechte Luft nach oben abziehen kann, egal ob durch Strohmatten, Brettchen, luftdurchlässige Folie, die das sogenannte Strohkorbklima in der Beute ermöglichen, ist meist ein geschlossener Boden vorhanden.
    Bei einem offenen Boden, ist das meiner Meinung nicht so ohne weiteres möglich. Es gibt da auch bei den Segebergern besonders gestaltete Deckel, die das sogenannte Strohkorbklima auch in der Beute ermöglichen sollen.


    Falls bei diesem Imker das gut funktioniert, so würde ich das nicht für allgemeinern.

    Gruß Reinhard / Lehre mich die wunderbare Weisheit,daß ich mich irren kann.(Teresa v. Avila)


  • Hallo,
    ... ja das gammelt dann so schön ...:wink:.
    Spaß beiseite, ich bin eigendlich immer froh wenn ich Feuchtigkeit und Schimmel aus der Beute raus bekomme. Aber jeder wie er meint.


    ... Aber was verstehst du, bzw. ER, unter "wenigen Varroabehandlungen im Jahr " ??? Wäre schön wenn du die Betriebsweise konkreter beschreiben könntest.
    Ich zB. komme mit drei Behandlungen gut hin. ( max zwei mal AS, ein mal OS.)


    gruß Finvara

    Man kann ohne Bienen leben, ... aber es lohnt sich nicht.


  • Kann jemand zu dieser Betriebsweise was ergänzen, oder Erfahrungen einbringen?


    Lest bitte den Satz nochmal. Da steht nichts von Kritik oder Meinung.


    Hört sich echt sehr interessant an! Wäre es aber nicht besser, den Bienen das Aufräumen zu ermöglichen? Unters Varroagitter kommen sie ja nicht.
    Vielleicht hat ja doch jemand Erfahrungen mit sowas.

  • Hallo rugnuza


    das es sich hier um eine besondere Betriebsweise handelt, kann ich nicht erkennen und ich denke mit dieser Art hat kaum ein Imker Erfahrung, außer dem beschriebenem Imker. Nebenbei ich würde mir das auch mal gerne ansehen. Ich glaube hier kann uns Christian nur selbst berichten, weil er es gesehen hat.
    Da ich mindestens 50 Bienenbücher aus alter und neuer Zeit gelesen habe, konnte ich noch keine ähnliche Art der Unterbodengestaltung in diesen Büchern, noch in meiner Imkerpraxis finden.
    Fakt ist das Bienenwohnungen von den Bienen peinlichst sauber gehalten werden und tote Mäuse sowie Falter die sie nicht selbst aus der Beute schaffen können, werden mit Propolis steril überzogen.
    Also ein 2. "Bioorganismus" hat in einer Bienenbeute normalerweise nichts zu suchen.
    Mit deinem Satz: Wäre es nicht besser, den Bienen das Aufräumen zu ermöglichen, hast du völlig Recht.

    Gruß Reinhard / Lehre mich die wunderbare Weisheit,daß ich mich irren kann.(Teresa v. Avila)

  • Lest bitte den Satz nochmal. Da steht nichts von Kritik oder Meinung...


    Wäre es aber nicht besser, den Bienen das Aufräumen zu ermöglichen?


    Kritische Gedanken hast Du dazu aber auch oder? :wink:


    Hier werden täglich dauern so viele Meinungen kundgetan und Kritik gibt es dauernd, immer an allem, was anders ist :p


    Diese Torfgeschichte ist aber so was von anders, da kann die Kritik wohl nicht lange auf sich warten lassen.


    Also, schaun mer mal, was noch so kommt. Ich glaube da weniger an Erfahrungsberichte.

    "Wer die Leidenschaft als Jugendsünde abtut, degradiert die Vernunft zur Alterserscheinung".
    Hans Kasper


  • Hallo Drobi,


    alles was gammelt und mit Lebewesen durchsetzt ist, ist wohl "Bio". Wenn keine Chemie wie AS dazu kommt, finde ich persönlich es noch mehr "Bio". Der Begriff ist wohl dehnbar und hängt am Selbstverständnis des Einzelnen ab.


    Leider habe ich die Beute nicht live gesehen, möchte aber mal hinfahren und mir das ansehen.


    Bzgl. den Schimmelbedenken: Der Herr Öko-Imker verwendet keine Plastikfolie und verwendet ein atmungsaktives Heubett nach Warre. Habe ich selbst auch schon mal probiert. Geht aber mit 12er DNM-Beuten nicht so gut, da dann die Randbereiche schimmeln. Eventuell habe ich aber den falschen Stoff verwendet, es war Baumwolle und kein grober Jutestoff (Kartoffelsack).
    Er hat allerdings 8er-Rähmchen-Beuten, somit ist die Luftzirkulation anders.


    Dann sagte er mir noch dass dieses Bodenbiotop seitlich Luftdurchlässe hat, wo dann auch Kleinlebewesen einlaufen können. Das Schimmelproblem ist nicht vorhanden.
    Anmerkung von mir: Das würde auch dem Bücherskorpion nicht so taugen.


    Ergänzend fällt mir noch ein, der Imker ist ein Berufsimker mit mehr als 100 oder mehr Völkern und hat über 20 Standorte und im Laufe der Zeit sehr viele Standorte verworfen, da das Thema Wärme und Sonneneinstrahlung auf die Beute für seine Betriebsweise eine sehr große Rolle spielt. Bspw. hat er ein altes Bienenhaus in der Front komplett geöffnet und verglast, damit die Beuten Sonne erhalten.


    Gruss, Christian


  • Hallo Jozef,


    die anfängliche Torfschicht ist ca. 1cm dick, die wird dann nie mehr ausgetauscht.


    Wegen der Folie: Mein Imkerpate hatte auch so eine Folie, er hatte irgendwo einen Restposten bezogen. Leider ist die Folie ausgegangen und er hat keine mehr und auch keine Bezugsquelle mehr, so
    dass er diesen Winter OHNE Folie arbeitet.


    Falls Du dazu was findest, wäre ich um eine Information dankbar.


    Gruss,
    Christian

  • Hat Gerstung nicht mit Wänden aus Torf gearbeitet?


    Hallo Bernhard,
    Du bist ja sehr belesen, wie man so aus dem Forum herausliest.


    Hast Du ältere Literatur oder Bezugsquellen zu:


    -Gerstung
    -Langstroth


    Der vorgenannte Ökoimker nannte auf meine Frage nach Literatur zu diesem Thema dazu, diese Namen.
    Ausdrücklich verwies er auf Autoren, die bis zum Jahre 1960 veröffentlicht haben.
    Er nannte auch Bruder Adam und Warre.


    Gruss, Christian