Brutfreiheit feststellen ohne Waben ziehen?

  • Hallo zusammen,
    ich bereite mich langsam gedanklich auf die Oxalsäure-Träufelung vor. Überall lese ich, dass Brutfreiheit dabei enorm wichtig ist - verstehe ich auch.
    Wie kann ich aber momentan Brutfreiheit sicher feststellen, ohne das Volk auseinander zu nehmen?
    Ist die Faustregel: 3 Wochen nach den ersten frostigen Nächten wirklich ausreichend?
    Bei mir fallen momentan ausschließlich dunkle Milben (Hinweis auf Brutfreiheit ?!), aber es liegen auch viele dunkle Wachskrümel auf der Windel (Hinweis auf schlüpfende Brut ?!).
    Oder kann man das von außen vielleicht überhaupt nicht mit Sicherheit sagen?



    Was meinen die Experten?


    Martin

    Still confused, but on a very high level!


  • Ist die Faustregel: 3 Wochen nach den ersten frostigen Nächten wirklich ausreichend?


    Hallo,
    dieses Jahr hat genau gezeigt, dass diese Regel nicht immer gilt. Wenn es danach warm wird und sowohl ein Flugwetter als auch ein Pollenangebot besteht, dann brüten die Völker nach einem Brutstopp wieder. Dieses Jahr war es bei mir so.

    Zitat

    Wie kann ich aber momentan Brutfreiheit sicher feststellen, ohne das Volk auseinander zu nehmen?
    Bei mir fallen momentan ausschließlich dunkle Milben (Hinweis auf Brutfreiheit ?!), aber es liegen auch viele dunkle Wachskrümel auf der Windel (Hinweis auf schlüpfende Brut ?!).
    Oder kann man das von außen vielleicht überhaupt nicht mit Sicherheit sagen?


    Es kommt auf dem Befallsgrad an. Ausschließlich dunkle Milben sagen nur aus, dass es keine verdeckelte Brut mehr gibt, sondern nur, dass währen der Kontrolle, keine befallene Zellen ausgeschlüpft sind (oder man hat die hellen Milben nicht gesehen!)
    Dunkle Wachskrümmel deuten immer noch auslaufende Brut an. Erst wenn kein Brutdeckelwachs runter fällt, kannst du von einer Brutfreiheit ausgehen, es sei denn, dazwischen war es wieder warm und du hast Brut aber, die schlüpft gerade noch nicht :-D.


    Ich führe die Restentmilbung am 15.12. durch


    LG Salsero

    imkere als Hobby seit 2011 mit Dadant

  • Was ist mit der Temperatur? Misst die keiner von Euch?


    Ich hab mal gelernt Brutnest-Temperatur etwa 35° C.
    Messe ich also mit meinem Infrarot-Thermometer über den Wabengassen Werte weit unter 35 Grad, dann kann man davon ausgehen, dass die Damen nicht mehr brüten.


    Gruß aus Kassel,


    vic

    «Kasseler Stadthonig» – Ertragreiche und sanftmütige Buckfast-Bienen in 10er-Dadant, rund 30 Völker auf verschiedenen Dächern in der Kasseler Innenstadt.


  • .... Infrarot-Thermometer über den Wabengassen ....


    vic


    ...das hört sich nach einer guten Idee an.
    Ich hatte bei Temperaturmessung immer an so eine Art Bratenthermometer gedacht, mit einem langen Fühler, den man ins vermutete Brutnest steckt.
    Sowas habe ich aber nicht.
    Infrarotthermometer müsste noch irgendwo im Hobbykeller sein.


    Ich werd´s versuchen und berichten.


    Martin

    Still confused, but on a very high level!

  • Hallo,


    also ich habe im Kurs gelernt, dass die Temperatur/Frost (fast) gar keine Rolle spielt, sondern ausschließlich der Sonnenstand UND die Bienenmasse sowie genetisch bedingte kleinere Unterschiede zwischen den Völkern.


    Dazu passt auch, dass viele Völker schon vorher ganz von selbst brutfrei sind, andere eben nicht und wieder andere z.B. wegen Varroaverlusten sich auch im Dezember noch mit Brut verausgaben.


    Wenn die Bienen also der Meinung sind, zu wenig zu sein, wird gebrütet, egal wie kalt es draußen ist.
    Fühlen sie sich gesund und ausreichend stark, wird schon im Oktober aufgehört.


    Das Fazit war jedenfalls: Brutfreiheit lässt sich aufgrund des vorangegangenen Wetters oder ein paar Frosttagen praktisch nicht vorhersagen, am wahrscheinlichsten sei sie aber nunmal tagesgangbedingt Ende Dezember.
    Nur ganz extreme Wetterlagen (wirklich extremer Frost oder extreme Milde) können die Brut trotzdem unterbrechen bzw. zu einem Durchbrüten führen.


    Meine bisherige Erfahrung ist zwar noch gering, deckt sich aber bisher mit dieser Aussage. Habe ein Volk, das seit Oktober brutfrei ist, die anderen haben mehr oder weniger bis heute Brut, die jetzt offenbar aber zügig weniger zu werden scheint, so wie das Gemüll aussieht. Jedenfalls herrscht bei uns schon seit Beginn der 2. Dekade des November, also seit mehr als vier Wochen kein Flugwetter mehr, es gab seither schon viele Frosttage, auch schon 3 Dauerfrosttage von denen zwei ihr Tief sogar bereits um -10°C hatten.

  • Wie wäre es denn, einfach die Windeln zu lesen?
    Geht super gut, schnell, günstig, leider nicht bei amazon zu kaufen und auch nicht bei Conrad.
    Okay, dazu müsste man sich ein wenig Wissen aneignen, aber machbar wäre das schon.

    Grüße an alle


    Michael



    -Denken ist wie googeln. Nur krasser-

  • Wie wäre es denn, einfach die Windeln zu lesen?
    Geht super gut, schnell, günstig, leider nicht bei amazon zu kaufen und auch nicht bei Conrad.
    Okay, dazu müsste man sich ein wenig Wissen aneignen, aber machbar wäre das schon.


    Hallo Conrad,
    da Du schon fragst, so will ich denn auch aus meiner persönlichen Perspektive antworten:


    Ich stimme Dir eindeutig zu, Windel lesen mag auch funktionieren, setzt aber eine spezifische Kenntnis voraus. Tatsächlich habe ich dazu zwar eine Menge gelesen und tolle Bilder gesehen, aber leider war das "Windeln Lesen" in keinem der von mir zahlreich besuchten Vorträge und Seminare ansatzweise Thema. Auch im Verein wurde von den Altvorderen das noch nie thematisiert. Und wenn ich dann selbst auf die Windel schaue, so sehe ich einzelne Milben oder auch gar keine, natürlich sehe ich auch abgeschrotete Wachspartikel, an dem ich sehen kann wo die Traube sitzt. Aber für alles weitere brauche ich Interpretationsvermögen, an dem es mir aber mangelt. Ich habe auch kein Problem damit, mich mit meiner Unwissenheit zu outen. Denn nur wer weiß, was er nicht weiß, weiß auch was er möglicherweise wissen sollte...


    Die Temperaturmessung per Infrarot finde ich da gar nicht verwerflich. Schließlich gibt es da weniger Interpretationsspielraum.


    Fazit: Bin zwar auch kein Freund von ständiger Anschaffung technischen Schnickschnacks, daher auch froh, dass ich so ein Thermometer schon vor den Bienen hatte, aber für diese einfache Methode zur Erlangung eindeutiger Auskunft über Brutfreiheit, die letztlich zu einem höheren Behandlungserfolg führt, bin ich dankbar!


    Gruß aus Kassel,


    vic


    P.S.: Michael, wie wär's, haste nicht Lust ne handfeste Anleitung zu formulieren, die vielen Bienenfreunden weiterhilft? Also ich wäre Dir dankbar!

    «Kasseler Stadthonig» – Ertragreiche und sanftmütige Buckfast-Bienen in 10er-Dadant, rund 30 Völker auf verschiedenen Dächern in der Kasseler Innenstadt.

  • ...handfeste Anleitung ...


    Bienen gesund erhalten: Krankheiten vorbeugen, erkennen und behandeln
    von Wolfgang Ritter
    ISBN: 978-3800157297


    Darin werden Arten von Gemüllstreifen und deren Interpretation ausführlich behandelt. :u_idea_bulb02:



  • Kann ich so unterschreiben. :Biene:

  • Bienen gesund erhalten: Krankheiten vorbeugen, erkennen und behandeln
    von Wolfgang Ritter
    ISBN: 978-3800157297


    Darin werden Arten von Gemüllstreifen und deren Interpretation ausführlich behandelt. :u_idea_bulb02:



    Ahhh! Danke, Bernd! Der Titel liegt nun unterm Weihnachtsbaum.


    Grüße aus Kassel,


    vic

    «Kasseler Stadthonig» – Ertragreiche und sanftmütige Buckfast-Bienen in 10er-Dadant, rund 30 Völker auf verschiedenen Dächern in der Kasseler Innenstadt.