Wie soll ich nur durch den Winter kommen?

  • Liebes Forum, ich gebe es zu, ich bin ein Hosensch...Schon bevor der erste Schnee kam, habe ich das Forum über Keilbreiten und Oxuvarbehandlung durchlöchert, habe aus lauter Angst, meine Bienen könnten verhungern, jede Menge eingefüttert, und dann eine Woche später, aus lauter Angst, ihr Brutnest könnte zu eng werden, die Futtertaschen wieder ausgeleert. Dann kam der Winter und ich habe eine Diskussion über Maschenweite und Gitternotwendigkeit gegen Wühlspitzflachmäuse vom Zaun gebrochen, und nun ist das Schlimmste aller Übel passiert: Ich gehe zu meinen beiden Beuten, und da fehlt doch tatsächlich an einer der Keil inklusive Gitter. Ich mach mir sofort Gedanken, wer das wohl geklaut hat. Entweder ein Nachbarimker will mir Böses, oder eine Maus hat das entfernt und labt sich gerade an meinen Bienen. Jedenfalls steht das Flugloch sperrangel weit offen. Am nächsten Tag komme ich mit einem neuen Keil und neuem Gitter an, da traue ich meinen Augen nicht: Bei herrlichem Sonnenschein fliegen an einer Beute doch tatsächlich ein paar Bienen, obwohl es Minusgrade hat. Na bravo: In einer Beute Kamikazebienen, in der anderen vermutlich gar keine mehr, weil sie alle die Maus gefressen hat. Ich presse mein Ohr an die Beute und höre leises Summen. Vielleicht doch ein Hoffnungsschimmer? Auf dem Gitterboden liegen auch kaum tote Bienen, aber vielleicht hat sich die die Maus geholt? Ich kann nur unter Aufbringung aller Willenskraft dem Versuch widerstehen, die Beute aufzureissen und nach einer Maus zu suchen. Wenn ich der jetzt noch einen Keil vor das Loch schiebe, dann bleibt ihr ja gar nichts anderes übrig, als sich an meinem Volk zu bedienen. Jetzt liegt hier seit einer Woche Schnee, es ist der 1. Dezember und ich bin jetzt schon ein nervöses Häufchen Elend. Wie soll ich das nur bis ins Frühjahr aushalten... :-(

  • Gaaanz ruhig!
    Setz dich auf Deine Hände. Eine Maus zerrt kein Gitter samt Keil weg... Einem Marder würd ich das zutrauen, der war es glaube ich, der bei mir mal eine Bodenlade halb rausgezerrt hat...
    Der kann aber nicht rein.


    Seit wann hast du schnee und Frost? Seit 3 Wochen? na dann kannst du ja schon mal die Winterbehandlung machen, dabei verscheuchst du eine eventuelle Maus sicher.


    Und ich kann dich beruhigen, das bessert sich mit der Zeit. Ich habe am Anfang auch regelmäßig Panikattacken bekommen. Am besten in Ruhe lassen, so schwer es fällt.


    Gruß von Jule

    Begeisterung ist der Schlüssel zum Tor der ungeahnten Möglichkeiten.

  • Hallo Pisolo,
    Nur mit Ruhe kommst Du weiter,
    Das mit dem Keil muß nicht gleich immer eine Maus sein, Vögel versuchen auch durch Rumhacken im Fluglochbereich an Nahrung zu kommen.
    Sicher hast Du ein altes Absperrgitter aus Metall, schneide einfach ein Stück auf Höhe ab und montiere es fest vor dem voll geöffneten Flugloch.
    Frische kalte Luft macht den Bienen über Winter nichts, es darf aber keine Zuluft entstehen.
    Bleib ruhig und schon deine Nerven. Auf Jürgen kanste hören der ist über 50 Jahre dabei.
    Alles wird Gut.


    Gruß Jürgen

  • Hallo Pisolo. Nur die Ruhe kann es bringen. Setz dich auf deine Hände und höre auf Jürgie's Rat.


    Gruß Josef

    Buckfast . 10 Völker . DNM Holzbeuten 13 ner Zargen . Dadant US Frankenbeute. Königinnenzüchter.

  • T`schuldigung, ich grins so vor mich hin: göttlich Dein Posting :daumen:
    Hast Du eingentlich Kinder?


    Jaaa, die Jule, die hat hier Panikattacken geschoben, das hat richtig Wellen geschlagen hier im IF. Kollektives Beruhigungskuscheln war nötig, sag ich Dir!


    Ruhig bleiben, weiteratmen und Schock bekämpfen.
    Wenn nichts mehr auffindbar ist, war`s vielleicht doch ein Zweibeiner? Und wenn Du nichts Auffälliges auf der Windel siehst ist doch alles gut.
    Sonnenschein lockt öfter mal, die Abfliegenden sind aber normalerweise eh Todeskandidatinnen, lass Dich nicht schocken. Du kannst auch Sonnenschutz-Bretter vor das Flugloch lehnen. Dann sind sie nicht so verleitet zum unpassenden Ausflug und vor allem: Der Imker kann was tüddeln.


    Der Tipp mit der Winterbehandlung von Jule war übrigens eh der Beste!


    Johanniskraut-Tee-reichend


    Marion

    "Wer die Leidenschaft als Jugendsünde abtut, degradiert die Vernunft zur Alterserscheinung".
    Hans Kasper

  • Hallo Pisolo,
    wenn es dich momentan auch nicht tröstet:
    Aber dein Bericht zeigt, Dass Du gerade dabei bist, ein richtig guter Imker zu werden.

    Grüße an alle


    Michael



    -Denken ist wie googeln. Nur krasser-

  • Hallo Pisolo,
    einfach die Beute aufmachen und rein schauen.
    Dann sind alle Fragen geklärt, eine eventuelle Maus gefunden und verscheucht.
    Du bist beruhigt. Den Bienen geht es gut.
    Und Du lernst was dabei.
    Fazit: Alle sind glücklich.
    Und einem gesunden Volk schadet die Kontrolle nicht.
    Wenn es das nicht ab kann, übersteht es den Winter eh nicht.



    Gruß Hubert

  • Aber höchstens,
    mit einer kurzen Kippkontrolle. Fang ja nicht an Rähmchen zu ziehen.
    An sonsten, Ruhe bewahren und mal eine Liste machen, was Du alles anders machst in der nächsten Saison. Arbeite an einer kleinen Präsentation deiner Imkerei, sammele Bienenfotos, verkleinere sie mit PS und lagere sie in einer eigenen Datei. Entwerfe Etiketten, lege etwas Geld zurück für neue Völker im Frühjahr, entwerfe ein schönes Honigregal und überlege dir eine gute Verpackung für den Internethandel. Mach zwei Termine mit einem Bio-Bauern und einem Förster und suche nach geeigneten Standorten für das nächste oder übernächste Jahr. Lies ein Buch und trage auf jeden Fall eine Sonnenbrille :-).
    Pflane einen Baum, zeuge ein Kind und überlege dir ein gutes Honigrezept, das Du an jedem verdammten Sonntag bis Anfang April auf den Tisch bringst und immer wieder verbesserst. Wenn es nicht mehr besser wird, poste es hier. Stelle dich jeden Tag einer deiner Ängste, lache herzlich, lege einen Sprint ein und trage eine Sonnenbrille. Lass dir einen Schnurbart stehen, rasiere ihn wieder ab und versuche es mit einem Vollbart, lass dir die Haare schneiden wie Georg Cloony, guck dir den Film " der Imker " an und trage Sonnenbrillen.
    Viele Grüße
    Wolfgang, der jetzt auch unbedingt irgendwas machen muss bis Anfang April, weil er sonst noch ein neues Bio-Siegel erfindet

    Der Unterschied zwischen Theorie und Praxis ist in der Praxis größer als in der Theorie, also theoretisch.

  • Danke Euch für Eure tröstlichen Worte, aufmunternd, scherzend, mitfühlend, wie immer: top!


    Was den Keil anbetrifft, so bin ich echt gespannt. Ich habe den Schnee vor der Beute weggeschoben, nirgends ein Keil. Bin gespannt, ob er irgendwo liegt, wenn es taut. Sonst glaube ich echt an Unholde auf zwei Beinen.


    Marion : Ja, ich habe drei Kinder. Die sind noch besorgter als ich. Konnte ihnen nicht beibringen, dass es den Bienen nichts bringt, wenn man sie aus dem Schnee hochhebt und versucht, durch das 5mm-Gitter zurückzuschieben... :roll:


    @Hubert: Ich werde die Kontrolle mit der Oxalsäurebehandlung zusammenlegen und das grob in 2-3 Wochen machen. Wenn eine Maus drin ist, sind hoffentlich noch ein paar Bienen übrig, aber die Maus kriegt dann den Hintern versohlt. Wenn keine drin ist, reisse ich die Beute nicht unnötig auf. Die 3 Wochen sind mein erstes Zugeständnis dahingehend, dass andere Völker offenbar auch über den Winter kommen.


    Wolfgang : Exzellente Idee mit dem Honigregal. Und mit der Sonnenbrille. Wear Sunscreen!


    Viele Grüße
    Pisolo

  • Marion : Ja, ich habe drei Kinder. Die sind noch besorgter als ich. Konnte ihnen nicht beibringen, dass es den Bienen nichts bringt, wenn man sie aus dem Schnee hochhebt und versucht, durch das 5mm-Gitter zurückzuschieben... :roll:


    Supi :daumen: Das werden auch gute Imker, siehste! Muß genetisch sein... :wink:

    "Wer die Leidenschaft als Jugendsünde abtut, degradiert die Vernunft zur Alterserscheinung".
    Hans Kasper