Verzicht auf Winterbehandlung

  • Was bedeutet denn Punkt 1?


    Hallo Ludger,
    du hast Recht, das ist recht schwammig formuliert.
    Ich lese es so, dass man mind. eine Behandlung machen und dokumentieren muss.
    ...machen lassen... bedeutet IMHO, dass man vorsorglich der möglichen Ausrede "...Isch kann dat nisch..." beraubt wird.
    Wer´s nich kann, muss machen lassen.


    Bezüglich Brutentnahme gibt das Verordnungsblatt ebenfalls Auskunft:

    Zitat

    [...]Hinweise[...]2. Die Behandlung der Völker darf nur mit dafür zugelassenen Tierarzneimitteln erfolgen und ist
    rechtskonform zu dokumentieren (Eintragung in das Behandlungsbuch).
    3. Wer vorsätzlich oder fahrlässig seine Bienen nicht behandelt, begeht eine Ordnungswidrigkeit
    im Sinne des § 76 (2) Tierseuchengesetz und kann mit Bußgeld bis zu 25.000,00 € bestraft
    werden.[...]


    Hier die gesamte Verordnung...klick


    Gibt es in anderen Landkreisen/Bundesländern ähnliche Korsette, oder sind wir hier die einzigen mit solcher Korsage??


    Herzliche Grüße
    Mirko

    Lärm- und Hektik-Allergiker und unheilbarer NostalgieImker
    "Ich bin nicht geneigt aus Dingen ein Problem zu machen,
    die ganz offenkundig nicht das Potential dafür besitzen."

  • Hallo Mirko,
    Deutschland ist das einzige Land mit Zwangsbehandlungspflicht.
    In Österreich muss behandelt werden wenn 30% des Standes so massiv betroffen sind, dass diese sterben wüden:


    Zitat

    § 3. (1) Anzuzeigen ist: 1. jede der in § 1 genannten Krankheiten; 2. jeder Verdacht auf derartige Krankheiten; 3. jedes drohende oder erfolgte Absterben von mindestens 30 vH (30%) der Völker eines Bienenstandes



    Bei standartmäßiger Antibiotika Behandlung bei Schweinen & Rindern beschweren wir uns, bei Biene nicht?


    Ich hab mit unserem Tierarzt gesprochen über die Gesetzeshürden und sagte ihm dass ich Anhand von Milbenzahlen nach Büchler (Kirchhain) meine Völker behandel oder nicht behandel und über die Befallszahlen Buch führe. Er hat keine Bedenken geäußert, im Gegenteil es kamen unterstützende Worte.
    Das nächste woraum man sich berufen könnte, wäre ein Forschungsprojekt ( was aber glaube ich angemeldet sein müsste)



    Solange unsere pseudo Volksvertreter (unsere Kanzlerindarstellerin), von unseren Steuergeldern, Banken retten und Schulen schließen... solange beführworte ich, den maximalen politischen ungehohrsam!


    Wir wissen alle wohin blinder Einsatz von Medikamenten führt - und der jährliche Behandlungszwang ist nichts anderes!
    Die Milbe wird ständig als Verantwortlicher für das Bienensterben vor geschoben. Die Rückstände von PSM´s im Honig (17 verschiedene im Raps laut dr. Lars Pistorius vom Julius Kühn Institut) sprechen aber eine andere Sprache.


    Es wird Zeit das sich was ändert!


    Grüße
    Thomas

    Der Mensch steht im Mittelpunkt und somit allein im Weg.

  • Gibt es in anderen Landkreisen/Bundesländern ähnliche Korsette, oder sind wir hier die einzigen mit solcher Korsage??


    Hallo,


    in Brandenburg bedarf es dazu eigentlich keiner gesonderten Anweisung eines Kreises/Amtsveterinärs. In § 15 der Bienenseuchenverordnung findet sich Folgendes:


    [INDENT](1) Ist ein Bienenstand mit Varroamilben befallen, so hat der Besitzer alle Bienenvölker des Bienenstandes jährlich gegen Varroatose zu behandeln, soweit nicht eine Behandlung nach Absatz 2 angeordnet worden ist.[/INDENT]


    Übersetzt bedeutet das ja, daß eine Milbe in einem Volk zur Behandlung aller Völker des betroffenen Standes verpflichte.
    Absatz 2 geht dann noch weiter:


    [INDENT](2) Die zuständige Behörde kann, soweit es zum Schutz gegen die Varroatose erforderlich ist, anordnen, dass in einem von ihr bestimmten Gebiet innerhalb einer von ihr bestimmten Frist alle Bienenvölker gegen Varroamilben zu behandeln sind; sie kann dabei die Art der Behandlung bestimmen.[/INDENT]


    Also: eine Milbe in einem Volk eines Standes legalisiert (ganz theoretisch) eine behördlich angeordnete Behandlung aller Völker im Einzugsbereich eines Amtsveterinärs mit einem Mittel seiner Wahl.


    Da wir ja aber alle wissen, wie bequem wir Imker sind, über wie wenig Fachwissen wir verfügen und zudem kaum in der Lage, die großen, ganzen Zusammenhänge zu überschauen, seien wir doch froh, nein dankbar, daß uns ein Korsett dargeboten wird, welches uns keineswegs einschnürt, sondern uns eine passable Erscheinung verleiht.


    Robert

    Was auch immer geschieht: nie dürft ihr so tief sinken, von dem Kakao, durch den man euch zieht, auch noch zu trinken! (E. Kästner)

  • ...seien wir doch froh, nein dankbar, daß uns ein Korsett dargeboten wird, welches uns keineswegs einschnürt, sondern uns eine passable Erscheinung verleiht.


    NEIN. Jedes Korsett schnürt ein!!!
    Froh wäre ich, wenn einem die Hilfe des Amtsvet, ein Hinweis oder schlicht eine Empfehlung dargeboten würde.
    ...wenn der Imker frei wäre...in der Entscheidung, welches Mittel er zur Senkung des Varroadrucks einsetzt.


    Eingeschnürt durch eine solche Verordnung fallen alle rein biologischen Behandlungsmethoden (wie z.B. die totale Brutentnahme) weg.
    Und jeder, der durch persönliche Abneigung gegen Chemie eben auch keine in seinen Völkern einsetzt, arbeitet illegal. Und dies, obwohl in seinen Völkern bisweilen weniger Milben nachweisbar sind, als beim verordnungskonform arbeitenden Imker.


    Das eben ist die crux von Pauschalierungen. :u_idea_bulb02:


    Glücklich bin ich zumindest über den Umstand, dass keine Verordnung (unter Androhung einer empfindlichen Strafe) festlegt, dass sich bei einer unangekündigten Prüfung durch den Amtsvet k e i n e e i n z i g e Varroa im Volk befinden darf.
    Dieser Zustand nämlich lässt sich nicht herstellen und ene solche amtliche Forderung würde quasi die Imkerei an sich verbieten. :eek:


    Herzliche Grüße
    Mirko

    Lärm- und Hektik-Allergiker und unheilbarer NostalgieImker
    "Ich bin nicht geneigt aus Dingen ein Problem zu machen,
    die ganz offenkundig nicht das Potential dafür besitzen."

  • Gibt es denn eigentlich unangekündigte Amtsvet-Besuche? Wenn ja, wie soll das von statten gehen, bescheid gegeben werden muss einem ja, sonst hat er ja gar kein zutritt zu den Völkern. Was würd bei so einer Kontrolle kontrolliert werden?
    Sorry für OT aber das interessiert mich schon lang.

  • Nein. Keine Angst. Das war reine Rethorik.
    Es gibt weder diese unangekündigten Besuche, noch die "Keine-Einzige-Varroa"-Verordnung. Und ich bin -wie gesagt- froh darüber.


    Um wieder etwas topic in die Diskussion zu bringen:
    Ich verzichte nicht auf Winterbehandlung. Und ich fahre gut damit.
    Würde sich im Dezember kein einziger Tag ergeben, der es rechtfertigt, das Volk zu öffnen, würde ich durchaus auch mal keine Winterbehandlung durchführen. Selbst wenn nach einem durchweg ungünstigen Dezember ein sonniger Neujahrstag mit +10°C folgen sollte. Stichtag ist der 31.12. !! Und Prinzip ist Prinzip.


    Herzliche Grüße
    Mirko

    Lärm- und Hektik-Allergiker und unheilbarer NostalgieImker
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