Wir machen es uns zu einfach

  • Wie oft Schimpfen wir über die Landwirte und wann gibt es die nächste Demo gegen einen PSM Hersteller?


    Aus meiner Sicht haben die Landwirte keine Schuld (von falscher Anwendung oder Verstoß gegen die gute Fachliche Praxis mal abgesehen) denn sie tun nur, was sie tun müssen. Um konventionelle Landwirtschaft betreiben zu können bedarf es der Verwendung von PSM und Kunstdünger- anders kann man nicht bestehen.
    Genau so haben die Unternehmen die die PSM herstellen keine Schuld, denn es besteht ein großer Markt für diese Produkte. Würde es Firma X nicht machen würde es eine andere tun. Marktwirtschaft pur also.
    Gegenwärtig ist es so, dass Europa und Nordamerika einen Großteil der Weltweiten Lebensmittelversorgung sicherstellen. Denn bei uns ist es sehr einfach und extrem günstig Getreide herzustellen. Die Infrastruktur ist gegeben (z.B Landmaschinenhändler, Kraftstoff, Dünger, PSM), die Böden sind Fruchtbar und versprechen einen hohen Ertrag. Solange Kontinente, wie Afrika, sich nicht selbst versorgen können werden sie immer an uns angewiesen sein. Doch es ist ein Teufelskreis aus welchem sie nicht herauskommen da Landwirtschaft der Trivialste Wirtschaftzweig ist. Es lohnt sich einfach nicht dort Getreide anzubauen. Also kaufen sie es von uns, haben dadurch kein Geld mehr die sonstige Wirtschaft aufzubauen und so weiter. Eine Lösung wäre es die Agrarsubventionen abzuschaffen und damit Afrika zwingen ihre Lebensmittel selbst herzustellen. Wir Subventionieren also nicht die Landwirtschaft sondern denn Hunger in Afrika!
    Doch all dies ist Politisch gewollt, genauso wie die Biogasanlagen. Würde unser Honig mit, sagen wir mal, 20€ pro kg subventioniert würde sich unsere Völkerzahlen drastisch erhöhen und wir würden alles daran setzen die Leistung zu erhöhen. Genau so tun es die Betreiber von BGA´s.
    Auch der Rapsanbau der um jeden Preis erfolgt ist Politisch gewollt. Mit unserem "Biodiesel" versuchten wir vor gar nicht allzu langer Zeit unsere Autos Grünzuwaschen, die Quittung dafür erhalten jetzt unsere Bienen.
    Ökologischen Landbau zu betreiben ist nicht einfach. Viele Einsteiger steigen wieder auf das Konventionelle System um. Obwohl es kein großes Geheimnis ist dass man bei guter Führung mehr verdienen kann als mit konventioneller Produktion. Wollen wir gesunde Produkte müssen wir diese eben fördern.
    Die Gesetzgebung muss etwas ändern, die Unternehmer spielen nur nach den Regeln der Politik.

  • Ich glaube du vermischt ziemlich viel.


    Ja oftmals haben Bauern keine Alternativen wenn Sie konventionell anbauen auf Spritzmittel zu verzichten.
    Dass bei Bio nicht alles Gold ist was glänzt zeigt der Beitrag aus meinem Ort http://www.nordbayern.de/nuern…als-nervensagen-1.3020987
    Hier bekommt ein Biobetrieb die Jährliche Mückenplage nicht in den Griff.


    Was das Thema mit Afrika zu tun hat, ist mir vollkommen unverständlich.
    Wenn unsere Politik so Geniestreiche wie den E10 Sprit beschließt und für Afrikanische Bauern es attraktiver ist Palmöl Palmen anzubauen als Getreide, schafft man eine Situation in dem sich die Bauern nicht mehr selbst ernähren können.
    Wenn jetzt noch auf Nahrungsmittel mit sogenannten Swaps Wetten abgeschlossen werden, wie die Kursentwicklung ist, wenn Firmen die nichtmal die Möglichkeit Haben einen Sack Getreide zu Lagern 1000 Tonnen "Kaufen" dass aber nicht tun und nur an dieser Kaufoption ihren Reibach machen. Dann steigen die Globalen Lebensmittelpreise und die Aferikanische Landbevölkerung bekommt Schwierigkeiten, da wegen unserem Durst nach Palmöl es unlukrativ ist Getreide anzubauen.
    Genauso groß ist unser Durst nach einem Neuen IPhone / Fernseher etc.
    Hierfür setzen Menschen ihr Leben für einen Hungerlohn aufs Spiel um Kupfer, Gold etc. Zu schürfen.
    Danach schicken wir unseren alten Elektro Schrott wieder runter, damit dieser unter erbärmlichsten Bedingungen wieder recyceln können.
    An der Armut Afrikas, ist unser Maßloser Konsum, unsere Ignoranz (siehe Lampedusa) und unser Pseudo Ökogedanke Schuld.
    Die geringste Schuld zu dieser Armut haben wahrscheinlich unsere Landwirte, denn diese sind auch nur Spielbälle der Globalen Zockergemeinschaft die mit Lebensmittel spekulieren.
    Habt ihr gewusst, dass die Schweiz der 2.Größte Rohstoffmarkt der Erde ist, obwohl fast keine der Rohstoffe in der Schweiz verarbeitet werden?


    In meinen Augen ist das Thema viel zu komplex, dass ihm ein Posting gerecht werden könnte.

  • Afrika könnte sich schon selbst versorgen wenn man es lassen würde.


    Genau so sieht's aus. Wenn der Westen endlich einsieht, dass jeder Markt endlich ist. Wenn man mal lieber auf etwas verzichtet als nur zu Konsumieren. Wenn nicht mehr mit Nahrung spekuliert werden kann und man den Menschen keine Falschen Anreize bietet.
    Einem Land dass über Jahrzehnte von Kollonialmächten ausgeraubt wurde, in dem es wenig Politische Strukturen oder gar Demokratie gibt, dem gelingt es schwer sich zu erholen.


    Aber es sind bestimmt nicht unsere Landwirte an dieser verfahrenen Situation Schuld.

  • Aber:


    sie könnten auch anders, wenn - sie denn wollten!


    Griass


    Mal zwei Beispiele aus der Praxis.


    Zum Ersten. Vorab ein Kommentar zu dem Bio Verbänden. Diese sind genau so wie alle Firmen Wirtschaftlich orientierte Unternehmen und keine Wohlfahrtsverbände.
    Ein Neueinsteiger in die Landwirtschaft im Nebenerwerb. 5 ha Acker, 5 ha Grünland, 20 Rinder, Schweine, Hühner. War Biolandmitglied bis zu dem Zeitpunkt als er seinen Weizen an Bioland verkaufte. Er hatte vorher eine Probe eingeschickt- alles in Ordnung. Der Weizen lagerte in der Halle unseres Konventionellen Betriebes in welchem es garantiert keine Schädlinge gibt. Da es sich nur um eine kleine Menge handelte kamm der LKW als Sammeltransport. Als dann die Abrechnung erfolgte gabs dann den Oberhammer ihm wurde mehr als die Hälfte abgezogen da Schädlinge im Weizen gewesen sein sollen.


    Dieses Beispiel lehrt mich mal wieder das klein sein Sch**** ist.


    Als zweites Beispiel mal ein Possitives, auch aus meiner Region. 100 ha Betrieb, Bio Umsteller. Er ist gut informiert und es läuft auch gut, aber der Aufwand ist immens. Aller zwei Wochen Striegeln. Dazu sind 2 Personen notwendig- einer der den Traktor fährt und der andere der immer wieder guckt und denn Striegel einstellt.


    Spritzen ist da wesentlich einfacher! Spritzbrühe anrühren, ausbringen, garantierte Wirkung.



    Ich denke Konventionelle Landwirtschaft und Imkerei lassen sich gut miteinander vereinen. Mein Onkel z.B hat einen 800 ha Betrieb und ist nebenbei Freizeitimker.
    Ich bin noch Schüler, arbeite allerdings öfters im Betrieb mit und habe auch Bienen. Wir verzichten jedoch auf den Flächendeckenden Einsatz von Glyphosat und geben mehr Geld aus. Scheiben oder Grubern ist auf jeden Fall teuere als eine Totspritzung!

  • Moin Anulutk,


    ganz so einfach ist das nicht.


    Zum einen tun die Landwirte durchaus Dinge, die sie nicht müssten. In der Oberlausitz war ich noch nicht, aber hier werden, unsinniger und überflüssiger Weise, Wegränder und Grabenborde mehrfach jährlich gemulcht. Es werden Wegränder mitbewirtschaftet. Und es werden jetzt die Maisstoppeläcker totgespritzt. Mit einem Riesengestänge, und die Raine nimmt der gleich mit. Am Weg zu meiner Arbeit sehe ich deutlich über 1000 ha, die vor 5 Jahren noch Grünland waren. Nun folgt dort Mais auf Mais.


    Der Bauer muss auch nicht konventionell anbauen. Klar, Wildkrautkontrolle mit dem Striegel ist aufwändiger als mit der Spritze, aber sie ist auch nicht so totalitär.


    Er müsste sich auch, als Verband, nicht für die Großbetriebe mit Wachstumszwang und für den Strukurwandel und die Intensivierung um jeden Preis verkämpfen. Er müsste nicht ins Totalitäre abgleiten und könnte begreifen, dass er das Land in Pflege hat und dass es nicht nur seine Produktionsfläche, sondern auch Lebensraum ist. Er könnte in der Pflege des Landes und der Produktion gesunder Lebensmittel den Sinn seiner Arbeit sehen und den Gelderwerb eher als notwendiges Übel, statt als alleinigen Zweck der Berufsausübung. Betriebswirtschaft muss nicht als Selbstzweck angesehen werden.


    Gruß Clas

    "Ach, das Risiko...!" sagte der Bundesbeamte für Risikoabschätzung abschätzig...

  • Habe mit einem Landwirt telefoniert, weil ich gesehen hatte das sie beim Raps spritzen waren.
    Ich wollte wissen was sie spritzen. Seine Antwort: - wir spritzen nur Mittel der Klasse 4 , und dafür zuständig ist der jeweilige Pflanzenschutzbeauftragte.


    Gruss

  • Thiacloprid und Co. sind als B4 eingestuft...und landet im Honig. Alles bekannt und total üblich, es in die Blüte zu spritzen. Toll...:roll:


    https://www.uni-hohenheim.de/f…EE_201205_Thiacloprid.pdf


    Die Bienen krepieren nicht schnell genug dran, damit es als gefährlich gilt. Wie wir ja von den Pflanzenschutzsymposien dieser Welt wissen, finden Zulassungsbehörden 30 % Bienenverluste eines Volkes als "hinnehmbar".

  • Im Frühjahr stand auch schon Raps auf dem Feld - Bienen stehen genau daneben- haben aber keinen
    Rapshonig eingetragen. Ich denke deshalb, weil reichlich Robinie, Weide, Obstbäume und viele andere
    Nektarspendende Pflanzen in unmittelbarer nähe sind. Könnte doch sein, dass die Bienen das Giftzeugs
    auf der Rapspflanze erkennen und sie meiden. Hoffendlich ist das im nächsten Frühjar auch so.


    Gruss

  • Thiacloprid und Co. sind als B4 eingestuft...und landet im Honig. Alles bekannt und total üblich, es in die Blüte zu spritzen. Toll...:roll:


    https://www.uni-hohenheim.de/f…EE_201205_Thiacloprid.pdf


    Die Bienen krepieren nicht schnell genug dran, damit es als gefährlich gilt. Wie wir ja von den Pflanzenschutzsymposien dieser Welt wissen, finden Zulassungsbehörden 30 % Bienenverluste eines Volkes als "hinnehmbar".


    Zitat aus der verlinkten PDF-Datei von Bernhard
    "Gemäß den Förderrichtlinien wird das Vorhaben in Kooperation mit einem Privat unternehmen, namentlich der Firma BayerCropScience AG Monheim, realisiert."
    Na dann schaumamal was daraus kommt!

    imkere als Hobby seit 2011 mit Dadant