Ist das BIO?

  • Ich glaube es geht weniger um den Zuchtbetrieb als um den Tiertransport durch halb Europa.
    Sicher ist das nichts, was der durchschnittliche Bio-Honig-Kunde befürworten würde, aber wohl im Rahmen des Erlaubten um ein Bio-Zertifikat zu erhaten/behalten.
    Hauptsache der Königinnenflügel ist nicht beschnitten :wink:


    Gruß
    Holger

    Am Ende wird alles gut. Und wenn es noch nicht gut ist, dann ist es noch nicht das Ende!

  • Ich bin auf die Rückseite dieses Flyers aufmerksam gemacht worden:


    Natürlich ist das Bio nach den einschlägischen Regeln der Bio-Branche. [ob diese Regeln dem Biogedanken entsprechen oder nicht, das steht auf einem ganz anderen Blatt. Das braucht man auch nicht zu diskutieren, hinterfragen schon].


    Letze Woche erst Biohonig im Laden stehen sehen: 500g im Glas "Honig aus Nicht-EG-Ländern" für 2,49 €. Das ist auch Bio (allerdings ist der Preis nicht bio-verdächtig :wink: ... man könnte sagen, der Preis ist ruinös für die einheimische Biobranche).


    Bei dem Angebot der Kunstschwärme aus Sizilien ist der Preis wenigstens bio :wink:

    "Moral ohne Sachverstand ist naiv und manchmal sogar gefährlich"

  • Was ist beim Honig eigentlich Bio?
    Ich zitiere immer gern den Leiter meines Honigkurses der der staatl. Fachberater für Bienen in Mittel und Unterfranken ist.
    Damit Honig die meisten Bio Honig Zertifikate bekommt müssen folgende Kriterien gegeben sein.
    Holzbeuten -> Fast überall in Bayern zu finden
    Zertifizierte Bio Mittelwände
    Varroa Behandlung mit Organischen Mitteln -> machen wir ja eigentlich auch alle
    Kein Flügelschneiden bei der Königin
    Nur 10% Zukauf von Königinnen pro Jahr
    Und der Honig muss in einem geeigneten Gebiet geerntet worden sein -> hier hat der Freistaat Bayern festgelegt, dass in Bayern überall Honig in Bioqualität geerntet werden kann.


    Somit hat der Bio Gedanke viel mehr mit der Betriebsweise als mit der Qualität des Produktes Honig zu tun.
    Daher auch meine etwas provokante Frage am Anfang, denn in meinen Augen hat das nichts mehr mit Bio zu tun, da der einzige Unterschied zu "konventionellen" Bienen nur ist, dass die Königin keine geschnittenen Flügel hat.


    Dass das Thema Bio viel zu stark gehyped wird ist unstrittig, ich für meinen Teil kaufe mein Gemüse beim Bauern ums Eck, der konventionell anbaut, ich aber sein Gemüse am Acker sehe und das keine Transportwege hat und sch,ünzel immer über die Öko Mamas die ihre Biotomaten aus Spanien im Supermarkt kaufen, die in Regionen mit extremer Wasserknappheit angebaut werden und danach 2000Km auf der Straße unterwegs sind. Ob das wirklich den Bio Gedanken trifft, soll sicher jeder selbst beantworten....

  • Nach ÖKO-Verordnung, sind alle Bienen aus ÖKO-Betrieben ÖKO-Bienen, denn auf eine Einzelzertifizierung kommt es - genau wie bei angeblichem Biozertifikationswachs - nicht an. Herr Binder kann also, ob er will oder nicht, über seinen Bioland-Betrieb nur Bio-Bienen liefern. Lediglich sein Zukauf ist beschränkt. Auf dem Papier. Da er auf seine ÖKO-Zertifizierung explizit verweist, ist dort zu lesen, daß er auch für Tiere und Tierische Erzeugnisse zertifiziert ist. Im Biolandzertifikat fehlen die Tiere.


    Was ich von sowas halte, läßt sich kaum verheimlichen. Kaufte ein Bio-Betrieb einen konventionellen Kunstschwarm zu, dann spricht nichts aus ÖKO-Verordnungssicht dagegen, solange er die 10%-Schwelle zum Gesamtbestand (der dadurch wächst) nicht überschreitet. Die Kontrollstelle ÖkoP beschreibt das so: "Zur Erneuerung des Bestandes können jährlich bis zu 10 % konventionelle Weiseln und Schwärme zugesetzt werden. ... Diese Völker müssen nicht umgestellt werden." Man muß halt einen sehr großen Kunstschwarm kaufen. Zum Beispiel einen, der einen ganzen Kubikmeter auf einer Palette füllt und sich den gleich beim Versender in niedliche Einheiten teilen lassen ...


    Es ist in der ÖKO-Richtlinie nichts zu Bienentransporten geregelt. Tiertransporte regelt die Bioland-Richtline insgesamt wie folgt: "Die Transportzeit darf max. 4 Stunden und die Transportentfernung max. 200 km betragen. Eine Transportdauer von über 4 Stunden ist nur in Ausnahmefällen nach vorhergehender Genehmigung durch BIOLAND zulässig," Daß das auch für Bienen gelte, regelt die Bioland-Richtlinie mit: "... BIOLAND-Richtlinien sind auch für die Bienenhaltung verbindlich, sofern im Folgenden keine Ausnahmen getroffen werden." Unter Imkerei gibt es dann keinerlei Ausnahme Transporte betreffend.


    Folglich wird der Bioland-BIO-Kunstschwarmimport mit 30 Stunden Fahrzeit sicher von Bioland genehmigt sein. Oder cleverer, die Bienen kommen noch un-Bio und werden erst bei Anlieferung auf der Bioland-Imkerei zu den 10% Zukauf. Dann gilt natürlich zulieferseits garnichts. In 4 Stunden allerdings BIO-Bienen an jeden Ort der Republik zu bringen, geht problemlos mit einem Kleinflugzeug oder einem Helikopter oder Zustimmung von Bioland.


    Oder es wie immer, daß nämlich alles geht und BIO bleibt oder wird, wenn man weiß wie's geht.

    Mit vielen freundlichen Grüßen
    Henry Seifert (Honig-Bienen-Kurse-Gutachten)
    Faulbrutsanierer, Königinnenverschicker, Schwarmfänger, Bienenretter, Streitschlichter, Kunstschwarmkehrer, Belegstellenwirt, Imkerpate, Probennehmer, Schadenschätzer, Ablegerbilder


  • Das Bienenfutter bei der Wintereinfütterung muss auch noch Bio sein


    Gruß
    Holger

    Am Ende wird alles gut. Und wenn es noch nicht gut ist, dann ist es noch nicht das Ende!

  • Ich bin auf die Rückseite dieses Flyers aufmerksam gemacht worden:


    "Kunstschwärme aus Sizilien"


    Hallo,


    ja, BIO ist das alles, denn wir haben es mit Lebewesen zu tun.


    Ob der Kunstschwarmimport aus Sizilien allerdings vertretbar ist, ist eine ganz andere Frage.


    Vielleicht könnte man dies in einem speziellen Thread diskutieren?
    Gruß
    KME

  • Moin, moin,


    andererseits höre ich von einer zertifizierten EUBioimkerin, dass die Kontrolleurin betreffs einer zugekauften Königin verlangte, die außerhalb des Betriebes in einem Volk in Umstellung zu führen... Problem auch, das dann das (Korb)volk auf Unstellungswachs sitzt... Fast unlösbar.


    Gruß Clas

    "Ach, das Risiko...!" sagte der Bundesbeamte für Risikoabschätzung abschätzig...

  • Das Bienenfutter bei der Wintereinfütterung muss auch noch Bio sein


    Gruß
    Holger


    Vielen Dank, hat ich ganz vergessen.


    Futter ist dann auch so eine Ideologie Frage, da man ja nur Rohrzucker verwenden darf....
    Invertierte Sirup aus Zuckerrüben ist wieder nicht zugelassen, oder bin ich da auf dem Holzweg?

  • Futter ist dann auch so eine Ideologie Frage, da man ja nur Rohrzucker verwenden darf....
    Invertierte Sirup aus Zuckerrüben ist wieder nicht zugelassen, oder bin ich da auf dem Holzweg?


    Also der Westerhoff verkauft jedenfalls auch BIO-Rübenzucker zur Wintereinfütterung.
    Als ich die Preisvorstellungen dafür gesehen hatte habe ich mich gegen BIO entschieden Insbesondere weil nach meiner Kenntnis auch kein Labor den Unterschied zu konventionellen und Bio-Rübenzucker feststellen kann.
    Ok ich gebs zu, ich bin ein misstrauischer Geizkragen :oops:

    Am Ende wird alles gut. Und wenn es noch nicht gut ist, dann ist es noch nicht das Ende!

  • Vielleicht machen Italienesche Bienen einfach mehr Amore daher der höhere Preis :lol:

    Am Preis kann ich nichts finden. Un-Bio kosten 1,65kg Bienen mit legender Königin auch ganz konventionell im April nicht weniger.

    Mit vielen freundlichen Grüßen
    Henry Seifert (Honig-Bienen-Kurse-Gutachten)
    Faulbrutsanierer, Königinnenverschicker, Schwarmfänger, Bienenretter, Streitschlichter, Kunstschwarmkehrer, Belegstellenwirt, Imkerpate, Probennehmer, Schadenschätzer, Ablegerbilder