Ruhe bewahren - die innere Einstellung

  • Hallo,


    ich imkere seit zwei Jahren und meine Bienen stehen im Nordwesten der Republik. Die Bienen wohnen in einer Liebigbeute im DNM. Aus einem Carnica Ableger des vergangenen Jahres ist ein Volk geworden, das dieses Jahr eine Honigzarge gefüllt hat. Ich versuche ohne Schleier zu imkern, trage aber häufig dünne Haushaltshandschuhe. Zur Beratung/Hilfe steht mir ggf. ein erfahrener Imker zur Seite.


    Nun meine Frage: mir fehlt es nach wie vor an Ruhe, sobald die Bienen anfangen um meinen Kopf herumzuschwirren oder mich erstmalig stechen. Glücklicherweise reagiere ich nicht allzu stark auf das Bienengift.
    Die üblichen Tips ala "nicht nach Schweiß riechen" sind mir bekannt. Mir geht es mehr um die Geisteshaltung. Was kann an tun, um die Ruhe zu bewahren, wenn die Bienen "unruhiger" werden? Autogenes Training, Geduld haben und Zeit ins Land gehen lassen, Zen in der Kunst des Imkerns lesen, oder?


    Gruß,


    Nordlandreiter

  • Vor dem Arbeiten absichtlich stechen lassen. Der Stresshormonspeicher wird geleert, die nächsten Stiche "schockieren" einen nicht so. :wink:

  • Hi
    ich arbeite mit einem Kollegen zusammen, der spricht mit seinen Mädels! Wie Geil, das funzt irgendwie.
    Er ist ruhig und die Mädels gehen irgendwie nicht auf ihn los, dafür dann halt auf mich mehr!?
    Allerdings liegt das auch noch an meiner inneren Ruhe!
    Robert

  • so lange man Angst hat, kann man sich nicht ruhig benehmen und selbst wenn man sich dazu zwingt verrät der Angstschweiß die innere Unruhe.
    kalkuliere genau, welche Stiche du nicht ertragen kannst, z.B ins Gesicht etc, und schütze dich davor, du kannst dabei anfangen, ohne Handschuhe zu arbeiten und wenn du wirklich keine Angst vor Stechen hast, dann kannst du es ohne Schleier ausprobieren.
    Es kommt aber sehr auf die Bienen an. Bei Aggros werde ich auch total viel Angst haben. Bei meinen braven Bienchen weiß ich, dass es nicht so schlimm sein kann. Wenn ich unachtsam handele, dann fliegen zuerst nur wenige ab und warnen mich mit Ansummen oder höchstens sehr wenigen Stichen, bevor sie an einer großen Attacke denken.
    Selbst als eine Brutzarge von meiner Hand runterrutschte, haben mich etwa 15 Bienen in den nackten Beinen gestochen, seitdem bin ich vorsichtiger geworden. Die Bienen merken, dass ich sie respektvoll (keine Bienen zerdrücken) behandele und tolerieren mich dann auch mehr.

    imkere als Hobby seit 2011 mit Dadant

  • Du sprichst ein ganz interessantes Problem an .
    Ich , sicher nicht ich allein ,habe festgestellt , das ohne Schutz zu arbeiten nicht durchweg funktioniert.
    Vorsichtig bin ich im Frühjahr und nach dem Abschleudern.
    Während der Arbeitsspitze , also wenn alles volles Programm läuft , und es sehr warm ist , stehe ich mit freiem Oberkörper an den Bienen . Rauch immer dabei.
    Dann ist auch die " innere Einstellung " scheinbar nicht ohne Bedeutung. Man muß es versuchen einzurichten , gelassen zu bleiben - es als tatsächlich angenehm zu empfinden wenn die Bienen in deiner unmittelbaren Nähe , dir Luft " zu wedeln " - so eine Art Ventilator.
    Mir kommt es dann immer so vor , das die merken , das du keine Bedenken hast , das sie dir was tun würden.
    Wenn du dann doch mal einen Fehler machst , und sie stechen : ruhig bleiben , und erst mal gemächlich zurückziehen. Stiche sind ja eine kostenlose " Vitaminspritze ". Immer positiv denken , und Herr der Lage bleiben.
    Ist alles leicht gesagt .
    Doch das ist mein Rezept.
    Allerdings muß man auch seine Völker kennen . Die Königin gibt eindeutig den Ton und die Musik an . Alles läuft über seine Majestät - man sollte es nicht glauben .

  • Ich hab auch Völker mit mehr oder weniger Stechlust. Im nächsten Jahr finden definitiv einige Hinrichtungen statt. Was akzeptabel ist und was nicht, merkt man erst wenn man schon ne Weile imkert. Ich bin zwar nicht so zart besaitet, aber irgendwann hab auch ich die Faxen dicke... Wenn Du ein Volk hast, welches Dich andauernd zum Opfer werden läßt, mußt Du umweiseln. LG Schäfchen

  • Hallo Nordlandreiter


    grundsätzlich sollte man an den Bienen nur arbeiten, wenn die Flugbienen unterwegs sind, dann hat man die geringsten Schwierigkeiten mit den Bienen. Wenn du unruhig wirst wenn du die Beute öffnest, ist es bei Anfängern oft so, das sie nicht genau wissen was sie an den Bienen machen wollen. Dann fehlt vielleicht noch ein Werkzeug oder man löst eine Wabe zu ruckartig oder läßt sie fallen oder quetscht eine Biene. Deshalb ist die Vorbereitung für einen Eingriff bei den Bienen, das wichtigste. Das ruhige arbeiten an den Bienen erlernt man nicht durch mentale Übungen, sondern durch das Bewußtsein, das die Bienen deine Freunde sind und du ihnen helfen willst. Jeden Bienenstich den du erhälst, solltest du positiv einstufen wie schon in einem Beitrag erwähnt. Wenn Bienen unruhig werden, ist das Volk, die Brut oder die Königin gefährdet. Übung macht den Meister,ich denke in 3 Jahren klappt das problemlos. Und falls du Bienen mit einem besonderen "Stechgen" hast, solltest du mal die Königin wechseln.


    Ich wünsche ein ganz ruhiges Gemüt und eine ruhig Hand.

    Gruß Reinhard / Lehre mich die wunderbare Weisheit,daß ich mich irren kann.(Teresa v. Avila)

  • Also mein Geheim Rezept ist: Erst mal 5 min das Flugloch beobachten. Da kommt man runter und hat Zeit, sich zu über legen, was man heute an welchem Volk machen möchte.
    Wenn mir zu viele um den Kopf fliegen, dann nehme ich auch den Schleier.


    Cu Thomas

  • Ich hab erst dieses Jahr angefangen, am Anfang hatte ich Angst, diese hat sich aber schnell gelegt. Bisher wurde ich auch noch nicht von den Bienen gestochen. Wenn ich Rähmchen ziehe setz ich aber den Schleier auf, eigentlich nur zum Schutz der Bienen. Hab einfach Angst ein Rähmchen fallen zu lassen bei einem Stich (aus Schreck). Wir arbeiten aber immer zu zweit, nur der, der zieht und hält nimmt den Schleier, der andere guckt und filmt ;)

  • Moin, ich denke, Du bist ja noch ganz frisch und die Gelassenheit kommt schon noch, wenn Du dich nicht zu sehr unter Druck setzt. Erstmal mit Handschuhen und Schleier Erfahrungen sammeln und irgendwann kümmert man sich gar nicht mehr so sehr um die Siche, und vor allem kriegt man ganz genau mit, wie die Bienen drauf sind und wann man besser vorsichtig sein sollte.
    Gruss, Jan

  • Hallo,


    ich bin auch noch nicht so lange dabei und imkere aus einem ganz bestimmten Grund immer mit Schleier: Brille und lange Haare. Selbst das friedlichste Bienchen wird hinter einer Brille etwas nervös und nachdem sich bei Fluglochbeobachtungen schon die ein oder andere Dame bei mir in der Mähne verfangen hat werde ich beim Schleier bleiben.
    Ohne sieht man zwar mehr, aber es muß nicht immer Angst sein wenn man mit Schleier imkert.


    LG, Katarina

    Die besten 10 Jahre einer Frau sind zwischen 39 und 59.

  • Die Lösung heißt: "OMMMMMMMMMMMMMMMMMMMMMMMMMMMMMMMMMMMMMMMMMMMMMMMM"!


    Stellt Euch im Kopfe auf den körperlichen Bienenkontakt ein. Geht alle Handgriffe bis in die zweite Ebene im Kopf durch und begrabt den Gedanken, etwas schnell machen zu wollen. Ihr werdet schnell durch Langsamkeit. Vom Drübernachdenken ist zwar noch Nüschde fertsch geworden, aber ohne erst recht nicht. Imker beginnt innerlich. Und endet auch da.

    Mit vielen freundlichen Grüßen
    Henry Seifert (Honig-Bienen-Kurse-Gutachten)
    Faulbrutsanierer, Königinnenverschicker, Schwarmfänger, Bienenretter, Streitschlichter, Kunstschwarmkehrer, Belegstellenwirt, Imkerpate, Probennehmer, Schadenschätzer, Ablegerbilder