Seit 3 bis 5 Tagen plötzlich 10-20 Milben pro Tag - was tun?

  • Ich habe keine Lust, den Aufsatz jetzt auseinanderzunehmen und mich mit Dir über Details zu streiten.


    Der Punkt ist der:

    Du kannst nur die Landschaft ändern und mit ihr die Biene.


    Und genau dagegen wurde in den letzten Hundert Jahren massiv verstoßen!
    - von den Imkern, von den Züchern!
    - von den Bauern!
    - von den Förstern!


    Und jeder hat seinen Teil dazu beigetragen, dass die Kluft zwischen Landschaft und Biene größer wurde.


    Die paar Langstrecken-Bienentransporte früherer Zeiten - weiter als bis zum übernächsten Dorf - konnten die lokalen Vorkommen nicht nachhaltig negativ beeinflussen oder verdrängen. Das kam erst mit dem Eisenbahn- und Postversand und der künstlichen Königinnenzucht.

    Der wahre Meister tut nichts, doch er lässt nichts ungetan. (Laotse)

  • Schade, schade,


    wieder ist einer meiner konkreten Praxisthreads zu einem Grundsatz-Streitthread einiger Weniger geworden, das eigentliche Thema wird dadurch zunehmend verdünnt und dadurch immer schwerer wiederauffindbar.
    Danach suchen wird so auch immer unattraktiver, denn kein Mensch wird unzählige Seiten themenfremder Grundsatzdiskussionen und Streitigkeiten durchblättern, nur um vielleicht wieder ein einzelnes Posting zu finden, das vielleicht wieder mal das eigentliche Thema behandelt.


    Vielen "Dank"! :-(
    Das geht schwer auf die Motivation, vor allem, wenn derartige Auswüchse woanders manchmal durchaus deutlich schneller eingebremst zu werden scheinen, Stichwort Forenhygiene.


    Gruß
    hornet

  • Hallo Winni41


    da ich auch ein Milbenvolk hier schon zur Sprache gebracht habe, muß ich sagen, das sie noch leben, aber sie sind doch erheblich geschrumpft. Das heißt sie füllen noch knapp 7 Wabengassen 1,5 DNM. Sie müssen auch noch Brut haben, denn es lag jetzt wieder eine Jungbiene draußen, die verstümmelt war und noch lebte. Ich hatte jetzt 5 Tage nicht nach dem Milbenfall geschaut, es waren reichlich vorhanden, einfach zuviel, vielleicht 60 Milben, ich habe keine Lust mehr zum zählen.
    Die anderen Völker unverändert stark und Milben muß man wirklich suchen. :confused:

    Gruß Reinhard / Lehre mich die wunderbare Weisheit,daß ich mich irren kann.(Teresa v. Avila)

  • ...und ein paar Hippiebeuten wirst Du nichts erreichen. So romantisch diese Vorstellung auch ist.


    Hallo Bernhard,
    ich liebe es, deinen Exkurs (#140) zu lesen. Allein des Ausdrucks wegen. Hab ihn schon 3x durch. Echt super.
    Aber...selbst auf die Gefahr hin, dass ich den Zusammenhang zerreiße...Was sind Hippiebeuten?


    Herzliche Grüße
    Mirko

    Lärm- und Hektik-Allergiker und unheilbarer NostalgieImker
    "Ich bin nicht geneigt aus Dingen ein Problem zu machen,
    die ganz offenkundig nicht das Potential dafür besitzen."

  • Hi Winni41,


    zum urprünglichen Thema wieder zurück:


    danke! :p_flower01:


    Wie entwickelt sich jetzt denn Dein "Milbenvolk" ?


    Eigentlich unverändert mit sinkender Tendenz seit 5 Tagen. Bei dem am stärksten betroffenen Volk waren heute 2 tote Bienen auf dem Flugbrett. Und dieses Volk fliegt sehr früh, wo die anderen noch gar keine Regung zeigen. Dafür ist es genau umgekehrt, wenn die anderen ab dem Nachmittag bei schönem Wetter wie gestern und heute kräftig vorfliegen, zieht dieses Volk sich schon wieder deutlich zurück. Das Volk fliegt auch bei Regen wie vorgestern mit einigen Bienen, während bei den anderen bei diesem Wetter nur ganz vereinzelte Bienen kommen und gehen.
    Und sie tragen Pollen ein. Auf 20 Pollenträger dieses Volkes kommt bei den anderen Völkern 0 bis 1 Biene, die ebenfalls Pollen einträgt.


    Ich habe gerade mal ein wenig in meinen alten Notizen geblättern, da werden mir plötzlich ein paar Sachen klar.
    Dieses Volk ist nämlich der Vorschwarm meines ehemaligen Bienenkistenvolkes, dem allerersten Volk überhaupt.
    Sofern nicht irgendwann still umgeweiselt wurde, ist da drin also die Königin, die wir 2012 als Nachschwarm erhalten hatten und damals in die Bienenkiste einlaufen ließen. Die Königin wäre dann also schon 2mal geschwärmt und heuer in ihrem 2. Jahr, den 2. Geburtstag feiert sie dann also im Frühsommer 2014. Es sollte also noch keine abgehalfterte Altkönigin sein.


    Auch interessant: Mir ist leider erst jetzt bewusst geworden, dass das am zweitstärksten betroffene Volk (Beute 5) das Muttervolk dieses Vorschwarmes ist. Es besteht also eine gute Chance, dass die erhöhte Milbenbelastung dieser beiden Völker eine Art Altlast aus 2012 ist.


    Ich habe mich dafür entschieden, erst mal weiterhin die Sprühflasche still zu halten, also nicht zu behandeln.


    Gruß
    hornet

  • Hallo ihr Streithähne,
    habt Ihr die Milben jetzt alle Tot, ich frage mich nur was solche Auseinandersetzungen bringen sollen ,vor allem für Anfänger und Otto Normalverbraucher, habt Ihr da auch schon einmal drüber Nachgedacht ?
    Jedem Wehre damit geholfen nur ein paar Hinweise, mache zum Zeitpunkt ,XYZ ,oder Beachte Dieses oder Jenes.
    Einfach ein paar konkrete Hinweise und nicht so eine riesige Philosophie mit der die Meisten nichts anfangen können.
    Das tägliche Milbenzählen, was bringt es dann wirklich, außer Arbeit die sich auch nur Imker mit zu viel Freizeit, oder sehr wenig Völker leisten können.
    Einfach nur zum richtigen Zeitpunkt seine Schulaufgaben machen und es gibt weder mit den Bienen noch mit den Milben Probleme.
    Meine Völker haben keine Brut mehr, Abschlussbehandlung war Gestern, die Völker befinden sich in einen guten Zustand.


    Gruß Jürgen

  • Eigentlich unverändert mit sinkender Tendenz seit 5 Tagen. Bei dem am stärksten betroffenen Volk waren heute 2 tote Bienen auf dem Flugbrett. Und dieses Volk fliegt sehr früh, wo die anderen noch gar keine Regung zeigen. Dafür ist es genau umgekehrt, wenn die anderen ab dem Nachmittag bei schönem Wetter wie gestern und heute kräftig vorfliegen, zieht dieses Volk sich schon wieder deutlich zurück. Das Volk fliegt auch bei Regen wie vorgestern mit einigen Bienen, während bei den anderen bei diesem Wetter nur ganz vereinzelte Bienen kommen und gehen.
    Und sie tragen Pollen ein. Auf 20 Pollenträger dieses Volkes kommt bei den anderen Völkern 0 bis 1 Biene, die ebenfalls Pollen einträgt ...
    hornet


    Hallo hornet,


    der Hinweis des massiven Polleneintrags Deines Sorgenkindes läßt das Ganze in einem etwas anderen Licht erscheinen.


    Wenn die Bienen deines Milbenvolkes 20-mal soviel eintragen wie die restlichen Völker geht das weit über die übliche Sammelstrategie des Bienenvolkes hinaus, d.h. sie benötigen tatsächlich noch sehr viel Pollen (in Relation zu den anderen Völkern!) für die Brutpflege. Daraus folgt, dass vermutlich ein nicht unerheblicher Teil der Brutfläche aus jüngster Brut besteht und die Milben sich nun in die verbleibenden noch unverdeckelten Brutzellen begeben (>sinkender Milbenfall).


    Da auch in Deiner Gegend die Völker aufgrund des nahenden Winters und der schlechter werdenden Witterung langsam aus der Brut gehen sollten, wäre somit im schlechtesten Fall folgendes Szenario denkbar.


    Dein Volk hat aufgrund des hohen Milbendrucks viele Bienen verloren und die Königin versucht durch ein Aufrechterhalten der Legetätigkeit die Mortalitätsrate der Winterbienen auszugleichen. Eine Mehrfachparasitierung der Milben in den geringer werdenden Brutzellen führt zu einem weiteren Verlust der schlüpfenden Bienenmasse. Ferner verringert sich auch die Anzahl der Winterbienen durch das Brutgeschäft.


    Sollte die Bienenanzahl schon jetzt zu gering sein, könnte das tatsächlich (wie einige hier schon vermutet hatten) der Untergang Deines Volkes sein.


    Da nur Du vor Ort bist und alle Aspekte über den Werdegang und den momentanen Zustand deiner Völker kennst, sind richtige Ferndiagnosen nicht immer einfach zu stellen. Eine MS Behandlung würde in diesem Fall vermutlich wirklich nicht viel bringen, da ein Großteil der Milben sich immer noch in der Brut befindet.


    Ich hoffe, das in Deinem Fall noch alles in geordnete Bahnen verläuft und die Oxalträufelbehandlung im Dezember die Milbenlast des Volkes soweit senkt, dass es über den Winter kommt. :daumen:


    Oft steckt in vermeintlichen Todeskandidaten (Königin und ausreichend Futter vorausgesetzt) noch ein unglaublicher Überlebenswillen.


    Jedenfalls zeigt sich dass eine vernüftig geführte Stockkarte immer hilfreich sein kann um in Zukunft nicht nur wirksamere Strategien in der Varroabekämpfung zu finden sondern auch schon im Vorfeld mögliche Problemkanditen durch eine vorauschauende Völkerführung zu reduzieren.

  • Hallo,


    ich melde mich mal wieder, da es gravierende Änderungen gegeben hat.
    Auf Anraten eines Referenten (Imkermeister) in unserem Verein habe ich mich dazu entschlossen, nun doch bei dem am stärksten betroffenen Volk eine vorgezogene Winterbehandlung in Verbindung mit einer Brutentnahme durchzuführen. Seiner Meinung nach ist die Schad- und Handlungsschwelle - egal zu welcher Jahreszeit bei 5 Milben pro Tag (Behandlung sehr bald einplanen) bzw. bei 10 Milben pro Tag (Behandlung sofort).


    Er meinte genau wie einige von euch hier, dass bei dem Befallsgrad höchste Gefahr besteht und sofort was gemacht werden muss.
    Genau genommen hat er gemeint, ich solle sogar erst mal den Befallsgrad der bebrüteten Zellen stichprobenartig ermitteln, bei über 70% Befallsgrad der Brut das Volk auflösen, darunter eben so behandeln wie beschrieben.


    Davon schon beeindruckt, war mein Entschluss sowieso schon fest. Doch als ich bei diesem Volk heute morgen sogar 19! Milben gezählt habe, gab es kein Halten mehr, denn das war mehr als doppelt soviel wie vorgestern und gestern, quasi eine Explosion.


    Dazu habe ich heute morgen noch vor dem Schlechtwettereinbruch die Beute geöffnet, die Waben mit Brut abgekehrt, die Brutfläche herausgeschnitten, die Waben wieder eingehängt. Morgen hoffe ich, dass die Bienen wegen der Kälte (zur Zeit hat esSchneeregen, für morgen früh sind knapp 0°-5°C für vormittag vorhergesagt) wieder enger zusammensitzen und werde dann 50ml Oxalsäure träufeln. Heute im Anschluss an die Aktion wollte ich es nicht tun, da die Bienen viel zu weit auseinandergezogen waren.


    Die Brutflächen waren erstaunlich kompakt und gut ellipsig ausgeformt, wie im Sommer. Auf zwei Waben waren beidseits etwa 2+X dm2 Fläche, auf einer dritten Wabe nochmals beideseits etwa 1dm2 Fläche mit Brut. Etwa 70% davon verdeckelt, der Rest mit Maden und Stifen in allen Altersstadien. Insgesamt waren also etwa 10 bis 12 dm2 Brutfläche enthalten, was etwa 4300 Zellen oder grob einer kompletten Dadant-Wabenseite entspricht.


    Da ich keine überzähligen unbebrüteten Leerwaben hatte, habe ich die gelöcherten Waben wieder reingehängt.


    Was mich jetzt ein wenig besorgt sind die Löcher in den Waben da, wo zuvor die Brut und damit das Zentrum der Bienentraube war. Ob die Bienen diese Löcher noch zubauen oder sich jetzt einfach seitlich davon neu einrichten?


    Ich habe daher außerdem noch eine geringe Menge Futter (450g Zucker 3:2) gegeben, sozusagen als Anreiz für Bautrieb. Entweder nehmen sie es an oder eben nicht, ist ja nicht viel verloren. Das Volk war jedenfalls noch sehr ausgebreitet, hat von oben gesehen praktisch alle 11 Wabengassen über die gesamte Dadant-Fläche besetzt. Die Kälte jetzt und morgen, spätestens Dienstag sollte sie hoffentlich zusammenziehen lassen.


    Probeweise habe ich die Brut auch nach Milben untersucht, ist aber nicht so einfach, die Milben in dem ganzen Schlachtfeld zu zählen. Es waren deutlich weniger als 70%, aber die Dunkelziffer dürfte hoch sein.
    Habe daher die ausgeschnittenen Brutwaben eingefroren und werde dann nochmal genauer zählen und hoffe, dass die harten Waben sich besser zählen lassen, außerdem ja die Milben nicht weglaufen können, was sie nämlich erstaunlich schnell tun können.


    Ich werde nächste Woche entscheiden, ob die am nächst-stärksten befallenen Völker das selbe Prozedere erhalten, da sie seit heute auch wieder an die 5Milben-pro-Tag Schwelle herangerückt sind!
    Die anderen zwei Völker liegen nach wie vor bei 0-2 Milben pro Tag, mal so, mal so. Sie dürften auch praktisch brutfrei sein, eines davon auf jeden Fall, beim anderen nicht 100% sicher.


    Die ganze Aktion rechtfertigt sich damit, dass die Brut jetzt sowieso nur eine Notbrut ist, die womöglich die Milbenlast weiter extrem ansteigen lassen würde und daher die bestehenden Bienen sich unnötig für nichts bzw. sogar noch mehr Milben abarbeiten würden. Der Fehler wurde nunmal schon irgendwann zuvor gemacht bzw. die Milbenlast ist halt nunmal unbemerkt zu hoch geworden trotz der gemachten Behandlungen.


    Jetzt geht es um Rettung nach dem Motto "entweder überleben sie, weil noch genug unversehrte Winterbienen da sind oder nicht". Daher Brut und Milbenlast rausnehmen, mit Oxalsäure Winterbehandlung vorziehen und den Rest erledigen und dann hoffen.
    Alternative wäre: Laufen lassen mit fast sicherem Tod des Volkes.


    Meinungen, Kritik?


    Gruß
    hornet

  • Hallo Hornet,
    Operation am offenen Herzen ohne Narkose mit stumpfem Skalpell.
    Ich bin eigentlich nur entsetzt über das was bei Dir passiert.
    Und jetzt erwartest Du, dass das Volk sich zusammen zieht zum OX-träufeln, Futter abnimmt und Waben repariert.
    Die nächsten Operationen sind auch schon geplant.
    Ich habe keinen Rat in dieser Situation, nur meine Meinung und Kritik.
    Ich gehe davon aus, dass Dein Referent-Imkermeister das so nicht gewollt hat.
    Gruß Eisvogel

    Man tut was man kann, hieß es früher. Heute glauben alle sie müssen tun was sie nicht können. P. Sloterdijk

    Dieser Beitrag wurde bereits 2 Mal editiert, zuletzt von Eisvogel () aus folgendem Grund: da fehlte noch was

  • Ich würde das nicht unbedingt als Quatsch bezeichnen. Die Brutentnahme stoppt die Vermehrung der Milben und eine Behandlung mit OS erwischt die phoretischen Milben. Allerdings wären die Bedingungen für solches Handeln bei mir andere: Milbenfall >30 oder deutliche Anzeichen von Virenerkrankungen.


    Gruß Ralph

  • Hallo Hornet,


    ich kann mich Eisvogel da nur anschließen, denn mir blieb beim Lesen auch ein wenig die Spucke weg.


    Eine Brutentnahme ist für mich keine Maßnahme zur jetztigen Jahreszeit. Die ganze Aktion gehörte meiner Meinung nach unterlassen.
    Warum sthen in den gängigen Empfehlungen fast immer nur Angaben: Milbenfall ab Oktober/November > 0,5 / Tag: Winterbeahndlung erforderlich. Nirgends wird angeraten, im November bei bestimmten Zahlen so eine Aktion zu starten.


    Täglich jede Milbe angucken führt erstens zu keinem Durchschnitt mehr, sondern zu Tagespanik vor Pseudoexplosionen, denn zweitens ist unklar, was das für Milben sind, kommen sie aus frischem Schlupf oder repräsentieren sie den ansitzenden Befall im Volk? etc.


    Nun hast Du in einem Volk, welches sich den Wintersitz eingerichtet hatte und noch brütete, den gesamten Ablauf und alle Planung zu Nichte gemacht.
    Wenn sie noch ordentlich brüteten, spricht das ggf. auch für eine doch stattgehabte stille Umweiselung, was ja bei Schwärmen eher sogar üblich ist, junge Königinnen haben dann eher ein längeres Brutgeschäft. Aber wie auch immer:


    Viel Sammelflug heißt dann viele Arbeiterinnen, die noch aktiv sind, das sind also sich abarbeitende Sommerbienen, und die werden alle wegsterben!
    Wenn jetzt 4800 Brutzellen in der Pipeline waren, vieviele noch notwenige Winterbienen sind jetzt in Deinem Gefrierfach? :-?
    Ich seh die konkrete Beründung nicht dafür, dass das "Notbrut" sein soll. Wo waren die Krüppelbienen, Bienen mit kurzem Hinterleib? Hast Du je Schadzeichen gesehen?
    In jedem schrumpfenden Brutnest Richtung Winterzeit konzentrieren sich doch die Restmilben auf immer weniger Zellen, das ist in tausenden Beuten so, und die Bruttätigkeit wird sehr bald ganz erheblich sinken bzw. eingestellt. (Vielleicht stehen die aber sowohl unter weniger konkreter Beobachtung als auch unter weniger Grübelei. )
    Wenn Du schon offen hattest: Eine Befallsprobe wäre ja auch eine Möglichkeit gewesen.


    Zur Brutvernichtung noch: Bienen leben in Wabengassen, die Wintertraube sitzt über ebensolche ausgebreitet. Viele haben die Vorstellung einer Bienenkugel im Kopf, diese verteilt sich aber über leere Waben und über Gassen und bildet in ihrer Gesamtheit die Kugel und die Leerzellen sind da skelettaler Bestandteil sozusagen, das ist ja kein Leerzellen-Beiwerk, was da so rumhängt, nur weil es grad nicht gebraucht wurde zum Brüten. Wabenerk soll noch ein paar abndere Funktionen haben.
    Bei Dir sind da jetzt Löcher, Wunden. Es fehlt an Substanz. Eine Wintertraube im Nirwana ein bißchen. oder verschärft: Ein amputierter, gestresster Krüppel nach Zwangsabort.
    Und Baubienen im November sind mir persönlich nicht bekannt (gern laß ich mich belehren: Wer Wabenbau im Winter hatte, kann ja mal berichten, bitte). Es gibt zwar die Plastizität im Volk und wohl auch noch Sommerbienen, aber die pflegten und sammelten nun schließlich noch. Jetzt wird es kalt, wann sollen die umgeschaltet haben auf Reparatur, wie soll das gehen? Ein Volk im Wintersitz baut nicht. Winterbienen bauen nicht, Winterbienen kümmern sich auch einen Schiet um Futterbesorgungen und Einlagerung. Die nicht mehr pflegenden Arbeiterinnen werden nun mangels Brut wieder älter werden, dadurch aber nicht zu echten Winterbienen.


    Und Bauanreiz durch Futtergabe? Das ist leider ein passendes Thema in der Saison aber doch nicht im November.


    Und dann hattest Du alles offen und hast es nicht zu Ende gebracht; die Brut war schließlich raus, da wäre die sofortige Behandlung doch der Abschluß gewesen. Jetzt machst Du schon wieder auf am Folgetag.


    Das so meine Gedanken dazu.


    Ich denke, eine Winterbehandlung in ca. 4 Wochen hätte es getan. Ob dies nicht der "Todesstoß" war, da bin ich mir allerdings nicht so sicher.


    Grüße


    Marion

    "Wer die Leidenschaft als Jugendsünde abtut, degradiert die Vernunft zur Alterserscheinung".
    Hans Kasper

  • Zitat

    Ich bin eigentlich nur entsetzt über das was bei Dir passiert.


    Hallo Hornet,


    mir gehts leider auch nicht anders. Echt schade, dass die aufgekommene Panik zu einer solchen Aktion geführt hat. Letztendlich bringt es im nachhinein gesehen auch nicht mehr viel, darüber zu spekulieren, was gewesen wäre oder auch nicht.


    Aber bei 4300 besetzten Brutzellen (geteilt durch 21 Tage) schlüpften aus diesem Brutnest im Schnitt täglich 160 Bienen. Da sind 19 Milben, die auf der Windel landen (und das nichtmal als Durchschnitt sondern als Maximalwert) doch eher noch im Bereich dessen, was nicht zu einer solchen Handlung zwingen sollte.


    Da kannst du nur darauf hoffen, dass es noch etwas milder bleibt und die Bienen schnell wieder in Brut gehen, ansonsten wird es das gewesen sein mit dem Volk.


    Gruß Sven

  • Hallo Hornet!
    Danke jedenfalls für den Mut, diese Behandlung hier so detailreich zu beschreiben, wahrscheinlich wohlwissend, dass es 'Prügel' dafür geben wird. Hat dir der Imkermeister zu dieser Aktion geraten oder hast du aufgrund seiner Aussage, dass akuter Handlungsbedarf besteht, nach deiner eigenen Idee gehandelt?
    Vielleicht wäre da doch die MS (ev sogar 2x) die sanftere Methode gewesen.
    Jetzt lässt es sich aber nicht mehr ändern und ob es das Todesurteil war, steht ja noch nicht fest. Vielleicht wars ja sogar richtig und du hast viel Milbenlast entsorgt und die Löcher sind mit 1-2 qdm nicht so groß, dass sie die 'strukturelle Integrität' der Traube erheblich stören. Ich wünsche es dir jedenfalls und würde mich freuen, wenn du uns hier weiterhin so schonungslos über die weitere Entwicklung informierst!
    Viele Grüße,
    Jogi

    "Er (der Mensch) nennts Vernunft und brauchts allein, um tierischer als jedes Tier zu sein"
    J.W. Goethe