Seit 3 bis 5 Tagen plötzlich 10-20 Milben pro Tag - was tun?


  • ... Je "fruchtbarer" die Königin und je größer die unbeschränkten Brutnester desto "milb"...


    Das war auch lange meine Meinung !


    Doch heuer scheint mir ein Volk mich eines besseren zu belehren. Als Brutableger Mitte Mai gebildet, gab die Königin richtig Gas und hängte bereits 4Wochen ihre Schwestern bezüglich des Brutumfangs deutlich ab. Anfang Juli war es bereits auf einer Zarge zu eng , so dass ich aufsetzen mußte (Erweiterung nur mit Mittelwände). Bei Abnehmen der Honigräume Ende Juli war es bereits das stärkste Volk am Stand, auch die Altvölker konnten hierbei nicht mehr mithalten. Milbenfall Ende Juli: 1 Stück/Tag.


    Zur Sicherheit habe ich trotzdem 2x mit AS Schwammtuch behandelt (Milbenfall lag bei ca. 300 Stück) und dannach aufgefüttert. Anfang September ca 10 volle Brutwaben, Milbenfall 1 Stück/Tag. Präventiv noch eine AS Behandlung drangehängt (Milbenfall lag bei ca. 220 Stück), weil ich es einfach nicht glauben konnte, dass bei dieser Brutmenge so gut wie keine Milben im Volk sind. Ende September Milbenfall 1 Stück/Tag.


    Nach meiner Schätzmethode war das Volk Mitte Oktober tatsächlich auch brutfrei (Bienen ca. 17000) und hatte hierbei wieder nur einen Milbenfall 1 Stück/Tag. Nach einmaliger MS Behandlung fielen nach 7 Tagen ca. 160 Milben und pendelte sich dann Ende Oktober wieder auf einen Milbenfall von (ratet mal): 1 Stück/Tag.


    Dieser Wert scheint sich auch jetzt nicht mehr zu verändern und ich werde hierbei auch keine weitere Behandlung mehr durchführen.


    Während andere Völker vor der MS Behandlung ab Mitte/Ende Oktober, egal ob Altvolk oder Jungvolk (mit diesjähriger Königin) höhere Befallszahlen aufwiesen, scheint bei diesem Jungvolk der Milbenfall über Monate hinweg auf einen sehr niedrigen Stand zu sein.


    Somit habe auch ich Zweifel, dass Jungvölker Varroamagnete sind.


    Ich frage mich jetzt:
    Habe ich jetzt ein varroatolerantes Bienenvolk oder ist dies einfach nur Zufall? :confused:

    Zur Info: Es handelt sich hierbei nicht um eine Zuchtkönigin, sondern um eine Tochter meiner sanftmütigsten Königin, welche standbegattet wurde.


    Auch sonst gibt es im Hinblick auf das Verhalten eigentlich kaum Unterschiede zu den anderen Völkern, mit einer einzigen Ausnahme:


    Bereits im September konnte ich mit Blick unterhalb des Gitterbodens in die untere Zarge feststellen, dass dieses Volk schon sehr kompakt eine Traube bildete, während die anderen Völkers sich noch auf den Waben gleichmäßig verteilte. Dieses Verhalten (unabhängig von der Außentemperatur! ) konnte ich auch im Oktober und November beobachten.


    Ich werde einfach abwarten, mir Notizen machen und das Volk auf jeden Fall im Auge behalten.

  • Auf welche Art auch immer? Kleine Völker sind nicht gut verteidigungsfähig und daher in Trachtpausen ein Magnet für die vielen arbeitslosen Trachtbienen der Altvölker.


    Genau so ist das Ralph. Bei meinem Kumpel (2*5 Völker, etwa 500 m auseinander) ist an jedem Standort jeweils nur ein einziges Volk, dass in diesem Jahr Honig eingebracht hat. Dafür aber jeweils um die 80 Kg. Da fragt man sich natürlich, wie das geht, die anderen Völker haben fast garnix zustande gebracht und weisen dazu noch einen hohen Milbenbefall auf, während in den beiden leistungsfähigen bzw. diebischen Völkern kaum eine Milbe auf der Windel landet. Diese Bienchen entledigen sich Ihrer Milben wohl auf die Art und Weise, dass sie in anderen Stöcken "abgeladen" werden.


    Gruß Sven

  • Es deckt sich mit meiner Erfahrung, daß schwärmende Völker eine größere Milbenpopulation haben, als nicht-schwärmende Völker oder Ableger. (Ohne fortgeschrittene Schwarmstimmung.)


    Übrig bleibt die Beobachtung, daß Schwärme und abgeschwärmte Völker vermehrt Milben haben.


    Der Eindruck täuscht mit Sicherheit!
    Klar sitzen auf den Bienen dann sichtbar mehr Milben - die haben ja auch viel weniger verdeckelungsreife und verdeckelte Brutzellen.


    Ich erkläre mir das so, daß die Varroamilben die schon Wochen vor dem Schwarm aufkommende Schwarmstimmung bemerken, und dann auf Vollgas schalten. Sprich: sie steigen vermehrt in die Zellen ab und vermehren sich "ungehemmter". Ganz einfach, weil sie wissen, das bald ein Schwarm und eine Brutpause folgen wird. Schließlich sind sie perfekt auf das Schwärmen angepasst, da ihr Ursprungswirt ja sehr schwarmfreudig ist.


    Ich denke, daß die Milbe als Geruchstier (Augen haben sie ja keine) den "Hormonwechsel" bei aufkommender Schwarmstimmung riechen und entsprechend reagieren. So wird es auch bei einer Jungkönigin sein: je mehr Weiselgeruch ausgeströmt wird, desto eher wird ein großes Brutnest zu erwarten sein und umso geringer ist die Chance, den Wirt zu überladen. Um die Chance zu nutzen, wird ebenfalls vermehrt abgestiegen.


    Nichts als wilde Spekulation.
    Ich kenne kein Tier, das nicht immer versucht, sich maximal zu vermehren.
    Außerdem kennt die Milbe in ihrer Heimat definitiv keine super-maximierten Brutnester.
    Die es bei Naturbauschwärmen darüber hinaus sowieso in dieser Form nicht gibt.


    @ Winni
    Die Gesamt-Milbenzahl bestimmt sich nicht nur über die Vermehrungsrate der Milbe. Sondern auch über die Abgänge.


    @ Sven
    Es macht überhaupt keinen Sinn, dass Milben extern angeblich in nennenswertem Umfang abgeladen werden sollen!!!
    Wie soll denn das gehen?!


    80kg und nur ein Volk am Stand klingt mir auch weniger nach stiller Räuberei.
    Eher nach nur einem Volk mit angepasster Brutkurve.
    Die anderen haben wohl alles verheizt und aufgefuttert…

    Der wahre Meister tut nichts, doch er lässt nichts ungetan. (Laotse)

  • Hallo Miteinander,
    das Völker mit junger Königin Flugbienen aus benachbarten Völkern mit alter Königin anlocken, ist doch eigentlich bekannt.
    Haltet mal zwei verschiedene Rassen am Stand, dann bemerkt Ihr das.
    Oder zeichnet mal Bienen.
    Viele Grüße
    Lothar

    Solange Menschen denken, das Tiere nichts fühlen,
    müssen Tiere fühlen, das Menschen nicht denken.

  • Und nicht die Drohnen vergessen, die bei Jungvölkern zu Besuch kommen. :Biene:


    Meine Aussagen beruhen nicht auf Hirngespinsten, sondern auf konkrete Beobachtungen. Man sollte nicht immer von sich auf andere schließen. :wink: Die Umstände machen ein Vergleichen oft schwer, doch die Tendenz ist eindeutig.


    Gruß
    Bernhard

  • Ich frage mich jetzt:
    Habe ich jetzt ein varroatolerantes Bienenvolk oder ist dies einfach nur Zufall? :confused:

    .


    Vielleicht war im Winter vorher das Ausgangsvolk sehr gut behandelt worden, resp. war es total aus der Brut als es behandelt wurde, und wies somit eine geringe Anfangsbelastung auf.
    Auch ich hatte einen Mini-Ableger den ich Versuchsweise 3 mal bedampfte im letzten Winter. Aber so richtig. Dieses Volk entwickelte sich zum Prachtvolk. Und weist ebenfalls einen sehr geringen Milbenfall auf.

  • Hallo luxnigra!


    Ich freue mich schon auf Deine Varroatoleranten von Dir gezüchteten Bienen. :lol:


    Oder sind das alles wieder nur Thesen? :confused:

    Grüße Luffi


    Nicht weil es schwer ist, wagen wir es nicht, sondern weil wir es nicht wagen, ist es schwer. :u_idea_bulb02:

    (Lucius Annaeus Seneca - römischer Politiker, Dichter und Philosoph - * 4 v.Chr, † 65)

  • Ich hab nicht gesagt dass ich derjenige bin wo sie findet/züchtet.


    Aber die klassischen Wege haben, erwiesenermassen, nichts gebracht ausser Heulen und Zähneknirschen. Und Spesen.


    Bruder Adam hat maximal 10 Jahre veranschlagt um der Biene eine Eigenschaft anzuzüchten UND zu festigen.
    Bislang hat man noch nicht einmal die Eigenschaft(der Varroatoleranz) ausfindig gemacht. Geschweige denn diese Eigenschaft erbfest eingefügt.

  • Es ist eher ein Hinweis darauf, dass man die Biene nicht verstanden hat.
    Insbesondere nicht, wie und warum Völker sterben.


    Und weil man in Deutschland versucht, dazu (nur) eine bestimmte - von den genetischen Eigenschaften dafür völlig ungeeignete - Unterart umzuprogrammieren.
    Verschwendung von Fördergeldern!

    Der wahre Meister tut nichts, doch er lässt nichts ungetan. (Laotse)