Wie hieß das "gute fachliche Praxis"

  • Ganz Deutschland liegt voller weggeworfener leerer Saatgutsäcke. Und Henry : Nein, ich glaube nicht, dass Du Praktiker im landwirtschaftlichen Sinne bist. Schon gar nicht, wenn es um den Umgang mit Pflanzenschutzmitteln geht.

    Moin Harald,


    geh doch mal davon aus, daß weder Peter seine Fotos photoshopt noch ich mir die Flächenbewirtschaftung meiner Nachbarn ausdenke. Es wäre schon viel gewonnen, wenn die Unterstellung, die Unwahrheit zu schreiben oder darzustellen vom Tisch wäre. Wenn ich also schreibe, daß ich Praktiker bin - warum gibt es da einen Grund das anzuzweifeln? Gerade Landwirte beschwören doch immer wieder, daß Imker Landwirte seien und daher auch im Bauernverband zu verankern. Für Peters Fotos lege ich meine Hand ins Feuer und ich glaube, nicht wenige hier, sind sich sicher, daß ich Nahrungsmittel "produziere" die man ganz konkret der Landwirtschaft zuordnen wird und die mit Bienen nichts zu tun haben. Für 30 Euro den Lehrgangstag konnte man in Wurzen im Landwirtschaftsamt an den Prüfungsvorbereitungen zur Erlangung der Sachkunde im Pflanzenschutz teilnehmen. Warum kannst Du nicht glauben, daß Imker gerne genau wissen wollen, wo die Probleme liegen. Muß ich Dir meine Sachkundenachweiskarte mailen oder kannst Du's auch so akzeptieren?


    Wir können nicht miteinander Reden, wenn wir uns gegenseitig permanent beschuldigen, die Unwahrheit zu sagen oder wenn wir Lügen oder tendenziös in Zweifel ziehen, was als Problem offen sichtbar ist.


    Ich habe staubende gebeizte Rapssaat bei Einfüllen in die Drille und die Abdrift gesehen. Ebenso brennende Saatgutsäcke. Meine Feldraine wurden mitgeduscht und anschließend gelb nach vermutlichem Glyphosateinsatz. Den Wanderimkern des IV Grimma wurde 2012 von der Nerchau Mutzschener Agrargenossenschaft die Anwanderung von ca. 170ha Raps wegen des Risikos aus einer Spritzung (B4) untersagt. Und in der Hecke einer meiner Streuobstwiesen habe ich die fotografierten Saatgutsäcke 2013 vorgefunden und eingesammelt.


    Wenn wir uns nur die Hucke vollhauen wollen ist nichts gewonnen. Das schafft nur weiteren Verdruss.

    Mit vielen freundlichen Grüßen
    Henry Seifert (Honig-Bienen-Kurse-Gutachten)
    Faulbrutsanierer, Königinnenverschicker, Schwarmfänger, Bienenretter, Streitschlichter, Kunstschwarmkehrer, Belegstellenwirt, Imkerpate, Probennehmer, Schadenschätzer, Ablegerbilder

  • Danke für deine Antwort.

    Ohne PSM (das Wort "Gift" mag ich nicht - aber sei's drum) und Kunstdünger wird es auch auf Dauer nicht gehen. Das wäre Bio. Mit Biomethoden wurden schon vor 100 Jahren die damals 65 Mio Deutschen nicht satt.


    Wurden nicht?

    Zitat


    Obwohl Deutschland um die Hälfte größer war. Und damals auch Schimmelbrot und "Separatorenfleisch" gegessen wurde. Zwar sind die Sorten heute auch im Bio-Landbau ertragreicher als vor 100 Jahren. Dafür brauchen sie heute aber auch mehr Dünger.
    Großflächiger Bio-Anbau würde mehr Lebensmittelimporte bedeuten. Also nur eine Verlagerung des Problems.


    Vor knapp 100 Jahren hat es einen entsetzlichen Krieg. Das da wenig zu essen da ist, die Leute nicht satt wurden liegt meiner Meinung nach weniger an der Landwirtschaft ;). Ansonsten weiß ich nicht, wie es vor 100 Jahren ausgesehen hat. Zumindest war die Umwelt noch nicht so verschmutzt wie heute.

    Zitat


    Natürlich gibt es noch andere Schrauben, an denen man drehen könnte, z.B. an der Fruchtfolge. Aber auch die haben alle irgendeinen Pferdefuß.


    Aber ist der Pferdefuss von überdüngten Flüssen und Giften mit Halbwertszeiten von 10 Jahren und mehr nicht der schlimmere?

    Zitat


    Unterm Strich:
    Es gibt nicht DIE Alternative, mit der alles besser wird. Dafür ist das Thema zu komplex. Punktuell kann man sicher etwas verbessern. Dummerweise widerspricht das manchmal auch genau dem, was heutzutage "in" ist...


    Ich glaub dir schon dass du keine Alternative siehst. Allerdings bin ich nicht der Meinung das es keine Alternativen gibt. Was du beschreibst ist unbefriedigend um als abschließende Lösung her zu halten.
    Ich hatte mir allerdings von dir eine etwas kritischere Einstellung erhofft und nicht so ein "naja dazu gibts keine Alternative und so schlimm ist das alles auch nicht".
    Übrigens gerade Fleischkonsum halte ich für eine Ursache vieler Probleme aber das ist nen anderes Thema.

    Alles wird gut - auf jeden Fall!

    Mein Sohn, iss Honig, denn er ist gut; und lass süßen Wabenhonig auf deinem Gaumen sein. (Sprüche 24:13)
    Wenn dich eine Biene sticht, geht fort von hier und schimpfe nicht - Bedenke, dass nur du es bist der dauernd hier im Wege ist.

    Und noch einer: "Live long and prosper keep bees"

  • Dass es auch anders gehen kann, wird uns dieser Film zeigen:


    http://www.br.de/fernsehen/bay…lender/sendung674844.html


    Auch im Pflanzenbau gibts gute Alternativen.


    Und gemerkt: Künstlicher Stickstoffdünger ist Klimakiller Nr. 1


    Es wird 7 mal soviel produziert an Nahrungsmittel und Futtermittel, was überhaupt gebraucht wird.


    Die Gründe dafür sind bekannt: Kapital


    Niemand muss hungern ohne Kunstdünger und PSM, das zeigte der Weltagrarbericht 2008.


    Alles andere ist reine Propaganda und Gelaber.


    Griass Simmerl

  • Hallo ihr Lieben,
    ich möchte nicht in die Kerbe "Böser Landwirt-Guter Landwirt" hauen:

    Zitat

    Ohne PSM (das Wort "Gift" mag ich nicht - aber sei's drum)


    Wie bezeichnest du einen Stoff, der, wie gestern in Donaueschingen Dr. Alex Papachristoforou deutlich gemacht hat, bereits im Nanogramm-Bereich Leben schädigt, denn sonst?
    1 Nanogramm ist 1 Milliardstel Gramm.
    Weltweit wurden 2010 ungefähr 20.000 Tonnen dieses Wirkstoffs ausgebracht. Halbwertszeit im Boden bis zu 19 Jahre.
    Und Prof. Dr. Wenzel hat gestern (auch in Donaueschingen) amtliche (!) Statistiken vom Agrarministerium aus Frankreich vorgelegt, wonach nach dem Verbot der Neonics die Erntemengen gleich geblieben sind, bzw. teilweise noch gestiegen sind seit 2008.
    Ich glaube, gegenseitige Schuldzuweisungen bringen weder uns Imker noch die Landwirte einen Schritt weiter, aber überall da, wo man sich zusammen setzt zum Dialog, da geht es weiter.

    Grüße an alle


    Michael




    -Das größte Geheimnis ist, ein Genie zu sein, aber niemand außer einem selbst weiß es-

    (Mark Twain) Donald Duck


  • Dafür werde ich beim Auftreten von Schädlingen (die zu erwarten sind), entsprechende zugelassene Insektizide ausbringen. Bei Bedarf auch mehrmals. Ob das für die Bienen besser ist, weiss ich nicht.


    Fakt ist: Unsere Bienen sterben. In weit größerem und bedenklicherem Maße als je zuvor.


    Das ebenso wenig hinnehmbar wie Deine offensichtliche Argumentation, dass wir Imker, nein, wir Verbraucher, hierbei nun die Wahl zwischen Pest und Cholera hätten. Wer das meint, sollte schnellstmöglich von seinem hohen Trecker steigen und vielleicht besser direkt in der Industrie arbeiten und nicht draußen auf dem Feld. Wir lassen uns nicht länger für dumm verkaufen oder veraumeiern. Das mag früher funktioniert haben, aber heute nicht mehr und künftig noch viel weniger.


    Viel besser ließe sich das alles gemeinsam gestalten, aber dafür braucht es ein anderes Fundament, als Du hier argumentativ legen willst.

    Viele Grüße
    Marcus


    Beekeeping is not about honey. It’s not about money. It’s about survival.
    "Regional gehört die Zukunft." H. Lichter

  • Ne Zeitung neben den Haufen schmeißen, Fotos machen und rumschreien bringt das Zeug wohl nicht vom Acker. Bewirtschafter feststellen und freundlich die Situation erklären. Wenn das nicht hilft, hat die Landwirtschaftskammer einen Prüfdienst (zumindest hier in NDS), den man anrufen kann. Die können notfalls auch Maßnahmen einleiten (Ordnungswidrigkeitsverfahren, CC-Verstoß mit 3% Prämienkürzung etc.).
    Hat hier kürzlich bei einem "Gärrestverklapper" gut funktioniert.

  • Moin, moin,


    es geht hier nicht um das Rumschreien. Es geht darum, dem Oldenburger Plädoyer (... Das soll wohl alles so schlimm gar nicht gewesen sein...!") etwas entgegen halten zu können. Dass man darüber hinaus das Gespräch suchen könnte, ist schon richtig. Es ist aber auch nicht unaufwendig, den Besitzer oder Bewirtschafter einer Fläche überhaupt zu ermitteln. Datenschutz.


    Gruß Clas

    "Ach, das Risiko...!" sagte der Bundesbeamte für Risikoabschätzung abschätzig...

  • Gute fachliche Praxis...mal eben über den Ackerrand hinaus halten. Vorne ein Abzugsgraben.



    Gesehen und dokumentiert von Markus Bärmann.

  • Hallo,


    das sieht mir nach einem biologisch toten Boden aus.


    Die Nachteile der industriellen Landwirtschaft. Töten was das Zeug hält. Von der Politik verniedlicht, von der Allgemeinheit nicht wahr genommen. Tote Böden sind das, was uns in Deutschland mit am meisten zu schaffen macht.


    Angereichert mit Pestiziden, auf Jahrzehnte ohne Mikroorganismen.


    Im Sommer erzählte mir ein Bauer einmal, solch ein Boden benötigt mehr als 20 Jahre, um sich zu regenerieren.


    Gruß
    KME

  • Moin, moin,


    gespritzt über den Rand der eigentlich gemeinten Fläche hinaus und bis in ein Gräbelchen hinein...


    Nein, ohne Bodenleben sind auch solche Flächen nicht. Die Lebensgemeinschaft ist aber gestört, Gleichgewichte sind verschoben, teilweise labil, und eine Erholung zu stabiler Belebtheit braucht tatsächlich Jahre, in Anzahl. Hier im Garten wird es so allmählich, und ist seit über 20 Jahren in Arbeit...


    Gruß Clas

    "Ach, das Risiko...!" sagte der Bundesbeamte für Risikoabschätzung abschätzig...

  • Ein biologisch toter Boden? Tut mir leid, aber vom Boden seh ich da nicht viel, geschweige denn von der biologischen Aktivität. Kennst du die Fläche? Weißt du, was in den letzten Jahren dort angebaut wurde und wie? Ohne weitere Informationen wegen einer (definitiv zu verurteilenden) Schweinigelei gleich den Exitus zu erklären halte ich für übertrieben.


    Pauschalurteile gegen Landwirte tragen nicht zum Miteinander bei, das wir eigentlich anstreben sollten. Umgekehrt natürlich genauso.