Wie hieß das "gute fachliche Praxis"

  • Hallo,


    nun sind wir wieder bei endlosen Diskussionen.


    Unsere Landwirte hier im Süden: "Wir brauchen dringend Bienen."
    Gleichzeitig gibt es keine Abkehr vom PSM-Verhalten, ungünstigem Mähverhalten, wenigen Bienenweiden, etc., etc.


    Leider amerikanisiert sich unsere Gesellschaft: Es ist egal, was aufs Brot kommt, es ist egal wie es der Umwelt geht, Hauptsache billig.


    Und so werden wir Imker weiter gegen die Wand reden und die Mitbürger wählen wieder die ewig Gestrigen, die auch die konventionelle Land(gift)wirtschaft päppeln.


    Der Herr Landtreff schreibt hier im Forum von "harmlosen" Giften und "harmlosen" Fehlern bei der Saatgutausbringung. Naja..., es ist ein freies Forum.



    Uns so weiter....


    Gruss, Christian

  • Hallo Harald,

    Aber es gibt nun mal einen Unterschied zwischen "guter fachlicher Theorie" und "guter fachlicher Praxis". Offenliegendes Saatgut lässt sich eben nicht zu 100,00% vermeiden.
    Ein derartiger Vorfall ist mir heuer selbst passiert: Saatgutsack umgefallen - rund ein Kilogramm ausgeschüttet - das Saatgut wieder aufgelesen - Ergebnis sah dann ungefähr wie auf diesem Bild von the czar aus. Die Pinzette hatte ich nämlich nicht dabei, um auch die letzten Körnchen zwischen den Grashalmen herauszupulen. Nicht schön, aber leider unvermeidbar,


    ich will Dir bestimmt nicht das Wort im Munde herumdrehen, aber das was Du da schreibst ist genau das, was mich so aufregt. Du schreibst ja genau das, was Imker schon seit Jahren behaupten, daß es nämlich nicht möglich ist, bienengefährliche Beiz- und Spritzmittel bienensicher auszubringen. Nur unter dieser bienensicheren Ausbringungsart sind sie jedoch zugelassen und genau diese bienensichere Ausbringungsart haut man den Imkern um die Ohren.


    Ich habe selbst gesehen, wie es staubt, wenn eine Drille mit Saatgut (Raps) aus Säcken befüllt wird. Dabei steht diese Maschine fest an einem Ort und der Wind trägt den Staub folglich konzentriert in die selbe Richtung. Sack um Sack wird eingefüllt. Sack um Sack staubt davon. Danach werden diese Säcke zusammengelegt und verbrannt. Direkt neben der Drille. Wir beide sind Praktiker. Du weißt, daß ich Recht habe und daß da nichts erfunden ist. Wenn wir das nicht bestreiten: Was bitte nützt da eine Drillmaschine, die Abriebstäube nur im Boden ablegt? Sie nützt nichts. Sie ist Augenwischerei. Dennoch versucht man immer wieder die Imker mit solchen Scheinmaßnahmen zu beruhigen. Ja sogar gefördert wird die Umrüstung und Neuanschaffung dieser Maschinen. Was glaubst Du wie erschrocken die Herren in Braunschweig die Imkerfotos aus ganz Deutschland angesehen haben, mit oberirdischem Saatgut im Vorgewende und wie sie erstaunt waren, daß ein pubiger Imker ausrechnen kann, daß die Anwendungsmenge beim Beizen schon dann überschritten wird, wenn bloß am Ende die Vorgewende sauber abgedrillt werden. Wir haben gezeigt, daß gebeizter Mais frei auf dem Boden liegt. Wir zeigen, daß Feldränder mitgespritzt werden. (z.B. Totalherbizid) Wir Imker legen beweiskräftig dar, daß mit der Empfehlung, Spritzbrühenreste auf der Fläche auszubringen ganz klar Aufwandmengen überschritten werden und die Landwirte antworten immer im Stile, das stimme alles nicht oder schlimmer noch, es ginge nicht anders.


    Mein Gebüsch vor paar Tagen:

    Verpackung fachlich gut entsorgt?


    Isselbiene : Es war absolut nicht sinnvoll diese Bilder gerade über Friedolin Brandt in den Landtreff zu bringen. Wenn wir den hier schon für einen Spinner halten, war ja zu erwarten, daß er keinen sinnvollen Dialog anregt, sondern bloß mit Dreck auf die Landwirte schmeißt. Friedolin Brandt schadet da wo er auftaucht in aller Regel mehr als er nützt. (Erinnere Dich nur an die PDS-Masche auf der Berlin-Demo)

    Mit vielen freundlichen Grüßen
    Henry Seifert (Honig-Bienen-Kurse-Gutachten)
    Faulbrutsanierer, Königinnenverschicker, Schwarmfänger, Bienenretter, Streitschlichter, Kunstschwarmkehrer, Belegstellenwirt, Imkerpate, Probennehmer, Schadenschätzer, Ablegerbilder

  • Moin Harald,


    Die abgebildeten geringen Mengen wären nicht zu vernachlässigen, wenn die drei ausgesetzten Neonics im Spiele wären.


    Ein Argument der Neonicprofiteure ist, dass bei moderner Saattechnik die Saat mitsamt dem Abriebstaub im Boden verschwindet. Solche Bilder zeigen, dass dies nicht vollständig der Fall ist. Offenbar sind wir da auch einig.


    Dass von den Neonics nur etwa 2% von der Kulturpflanze aufgenommen werden, und der Rest im Boden jahrelang überdauert, steht auf einem anderen Blatt und zeigt, dass das Argument, wenn es denn zuträfe, auch nicht viel wert ist.


    Ob hochpersistente und höchst wirksame Fungizide im Boden und in der Umwelt ebenfalls schaden können, ist wenig untersucht. Unplausibel ist es deshalb nicht.


    Bei der Nachbearbeitung von Peters Fotos ging es nur darum, die offenliegenden Saatkörner auch zu verdeutlichen. Auch hier gehe ich nicht von Neonicbeize aus, aber eine Technik, deren Ergebnis so aussieht, kann nicht als sicher beschrieben werden.


    Dass nicht jeder in der Lage ist, das Diplomatorische in Fridolin zu würdigen... gut. Sowas gibt es. Ich kann das bei manchen Leuten auch nicht. Wenn mir aber etwas unsachlich vorkommt, bemühe ich mich, die Sache auf den Punkt zu bringen. In mir aussichtslos erscheinenden Fällen sage ich mir, dass schweigend dran vorbei zu gehen, auch eine gute Lösung sein kann...


    Nachtrag: Bei Henrys Rapssaatgutsäcken ist Clothiandin auf dem Zettel zu lesen.


    Gruß Clas

    "Ach, das Risiko...!" sagte der Bundesbeamte für Risikoabschätzung abschätzig...

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  • Moin, moin,


    der Beitrag eben ist der dritte Versuch, eines Textes, den die Software immer wieder versenkt hat. Ich wäre nicht berechtigt. Die Seite wäre nicht gültig. Warum sagt die das zu mir? Wenn ich das Antwortformular aufmachen kann, darf doch gerne die Software davon ausgehen, dass das Schreiben auch mal länger dauert, sei es wegen Gründlichkeit oder weil was dazwischen kommt...


    Schnell bin ich sowieso nicht. Aber leicht angenagt, die Vorversionen waren besser. Und die erste wäre die zweite Antwort auf Haralds Beitrag gewesen.


    Gruß Clas

    "Ach, das Risiko...!" sagte der Bundesbeamte für Risikoabschätzung abschätzig...

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  • ...Rapssaatgutsäcken ist Clothiandin auf dem Zettel zu lesen.


    Schnell noch mal die letzten Reste raushauen, bevor das befristete Verbot greift. Das raffe ich sowieso nicht: ist das Zeug in 2014 noch nicht giftig, daß es diese Saison ausgebracht werden darf? Erst giftig in 2014/2015?

  • Hallo !


    Schnell noch mal die letzten Reste raushauen, bevor das befristete Verbot greift. Das raffe ich sowieso nicht: ist das Zeug in 2014 noch nicht giftig, daß es diese Saison ausgebracht werden darf? Erst giftig in 2014/2015?


    Na ist doch ganz klar, sichergehen das für die nächsten Jahre genug Neonic Gift im Boden ist,
    soll ja die zwei langen Jahre „Pause“ auch die volle Wirkung entfalten !


    Vielleicht haben wir aber ja in 2015 auch schon einen Notstand der die Pause pausieren läst !


    @NACHTRAG
    Henry, warum kannst Du das nur so päziese sagen was viele meinen ?
    Danke !



    GdBK

    Aus der Übertreibung der Warnungen,
    ist die Unterschätzung der Realität geworden.

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  • Hi Canis,
    in Schleswig-Holstein scheint doch nicht alles in Ordnung zu sein :
    http://mediathek.daserste.de/s…uell-aus-der-biogasanlage
    Aber der Landwirt war echt erschüttert.
    Vorbei mit der Rentabilität
    Das System ist am Ende.
    Auch hier in NRW ist es nicht besser.
    Zusätzlich wird Gülle von Holland über die Grenze gekarrt.
    Hier ansässige Landwirte bringen ihre Gülle bereits 100 km ins Sauerland.
    Ganz Deutschland wird zugeschissen.
    Nur wer zahlt die ganzen Folgekosten ?
    Die Landwirtschaft braucht andere Berater, und zwar welche die nicht von der Dünge -und Chemielobby kommen
    Und was noch alles mit der Gülle aufs Land und ins Grundwasser kommt(Medikamente)hat es in sich.
    Also schnell noch retten was zu retten ist
    Zurück zu "guten alten fachlichen Praxis"
    Gruß
    Helmut

  • Der Grund, warum ein echter Dialog mit Landwirten fehlschlägt ist genau der, daß bestimmte Sachverhalte wie die Unmöglichkeit Saastgut aus dem Gras zu sortieren, nicht eingestanden werden.

    Mit vielen freundlichen Grüßen
    Henry Seifert (Honig-Bienen-Kurse-Gutachten)
    Faulbrutsanierer, Königinnenverschicker, Schwarmfänger, Bienenretter, Streitschlichter, Kunstschwarmkehrer, Belegstellenwirt, Imkerpate, Probennehmer, Schadenschätzer, Ablegerbilder

  • Danke an Helmut, dass immerhin eine Antwort kam, die nicht gleich in die übliche Polemik abdriftet. Wenn Du Herrn Brandt schon als Freund bezeichnest, versuch ihm doch mal klar zu machen, dass er mit seiner Vorgehensweise dem Ansehen der Imker (wohl nicht nur bei Landwirten) ganz erheblichen Schaden zufügt.


    Zitat

    Mit unserem Wissen und Demos geht es ganz allein gegen die Hersteller dieser Pestizide.


    Mag sein, dass Du das so siehst. Ich sehe den pauschalen "Kampf gegen Pestizide" allerdings auch als einen Angriff gegen meine Tätigkeit.
    Ich mache mir auch Gedanken darüber, auf welches PSM ich verzichten kann. Selbst diejenigen, die den Landwirten vorwerfen, die Umwelt wäre ihnen egal und sie denken nur ans Geldverdienen, sollten sich mal fragen: Warum sollte ich sinnlos Geld ausgeben für ein teures Mittel, das nicht notwendig ist?
    Ich muss von meiner Arbeit leben. Heute, morgen und auch in Zukunft. Also spielt sowohl der Nachhaltigkeitsgedanke als auch die Wirtschaftlichkeit eine Rolle. Und nein, so blöd sind die Landwirte nicht, dass sie irgendwelchen Firmenvertretern alles glauben, was die ihnen erzählen.


    Um beim Beispiel Landor CT zu bleiben:
    Vor der Entwicklung von Getreidebeizen war beispielsweise der Steinbrand eine gefürchtete Krankheit im Weizen. Frag mal alte ehemalige Landwirte, wie das war, wenn sich ein ganzes Feld schwarz verfärbte. Zum Teil mit 100% Ertragsausfall. Und noch schlimmer, trotzdem musste der Dreck irgendwie vom Acker. Sowas möchte ich nicht erleben.
    Schlimmerweise ist gerade der Steinbrand, der eigentlich mit den heutigen Beizen besiegt war, wieder auf dem Vormarsch. Dank Bio. Weil dort eben Beizen nicht zulässig sind. Hier ein interessanter Link dazu.
    Solche banalen Zusammenhänge brauchen natürlich diejenigen nicht zu interessieren, dessen Brot ohne jegliche Umwelteinflüsse im Landeregal wächst...


    Zu den Neonics (was auch immer das mit der eigentlichen Thematik dieses Threads zu tun hat):
    Ich werde auch im kommenden Jahr wieder Raps aussäen. Natürlich ohne Neonic-Beize.
    Dafür werde ich beim Auftreten von Schädlingen (die zu erwarten sind), entsprechende zugelassene Insektizide ausbringen. Bei Bedarf auch mehrmals. Ob das für die Bienen besser ist, weiss ich nicht.
    Wenn trotzdem keine Wirtschaftlichkeit mehr gegeben ist, werde ich den Raps in der Fruchtfolge durch Mais ersetzen.
    Ich vermute, dass das totale Neonic-Verbot zu einem Pyrrhussieg für die Imker wird.



    Damit auch die andern Antworter zu ihrem Recht kommen, begebe ich mich eben auch noch auf dieses Niveau.
    Um Missverständnissen vorzubeugen: Achtung: Ironie!

    • Klar. Ganz Deutschland liegt voller weggeworfener leerer Saatgutsäcke. [Ob auch die Abfälle wie Flaschen, Verpackungen etc., die ich auf meinen Feldern zur genüge finde, von Landwirten dort entsorgt worden sind?]
    • Klar. Auf jedem Feld steigt eine Rauchwolke zum Himmel, weil alle Bauern die leeren Saatgutsäcke verbrennen. [Hab ich noch nie erlebt, und mir wäre die Zeit dafür zu schade. Papiersäcke verbrennen übrigens nicht wirklich gut (so meine Erfahrungswerte aus der Verwendung von leeren Papier-Futtermittelsäcken als Anzündmaterial von Reisighaufen).]
    • Klar. Beim Befüllen der Drillmaschine mit gebeiztem Saatgut ist die Sichtweite üblicherweise geringer als in Peking bei Inversionswetterlage. [Ich habe dabei bisher noch nie eine sichtbare Staubentwicklung beobachten können, auch nicht bei Rapssaatgut. Es würde mich erstaunen, wenn dies bei anderen Landwirten der Fall wäre. Ungereinigtes, ungebeiztes Saatgut kann allerdings in der tat erheblich stauben.]
    • Klar. Alle Behörden sind im Dauerschlaf oder von den Konzernen geschmiert. [Hallo, Monsanto, für diesen Beitrag habe ich doch auch eine Prämie verdient?!]
    • Klar. Schon Geringstmengen von offenliegendem Saatgut haben katastrophale Folgen für die Umwelt. [Wer sich über solche punktuellen Vorfälle ereifert, soll es einfach mal besser machen. Oder sich das Essen abgewöhnen.]


    Und Henry : Nein, ich glaube nicht, dass Du Praktiker im landwirtschaftlichen Sinne bist. Schon gar nicht, wenn es um den Umgang mit Pflanzenschutzmitteln geht.

    Dieser Beitrag wurde bereits 1 Mal editiert, zuletzt von Harald_Landtreff () aus folgendem Grund: Ooops: Hartmut -> Helmut

  • Harald ... siehst du in deiner Herangehensweise wirtschaftlich kein Optimierungspotential z.B. durch ggf weniger ertragreiche Sorten die aber robuster sind? Plauder mal bissel was sich deiner Meinung als Landwirt nach verändern müsste damit man giftfrei und kunstdüngerfrei wirtschaften könnte - also ohne die Umwelt zu vergiften. :D

    Alles wird gut - auf jeden Fall!

    Mein Sohn, iss Honig, denn er ist gut; und lass süßen Wabenhonig auf deinem Gaumen sein. (Sprüche 24:13)
    Wenn dich eine Biene sticht, geht fort von hier und schimpfe nicht - Bedenke, dass nur du es bist der dauernd hier im Wege ist.

    Und noch einer: "Live long and prosper keep bees"

  • Ohne PSM (das Wort "Gift" mag ich nicht - aber sei's drum) und Kunstdünger wird es auch auf Dauer nicht gehen. Das wäre Bio. Mit Biomethoden wurden schon vor 100 Jahren die damals 65 Mio Deutschen nicht satt. Obwohl Deutschland um die Hälfte größer war. Und damals auch Schimmelbrot und "Separatorenfleisch" gegessen wurde. Zwar sind die Sorten heute auch im Bio-Landbau ertragreicher als vor 100 Jahren. Dafür brauchen sie heute aber auch mehr Dünger.
    Großflächiger Bio-Anbau würde mehr Lebensmittelimporte bedeuten. Also nur eine Verlagerung des Problems.


    Wenn Du gegen Kunstdünger bist: Iss mehr Fleisch (aus Deiner Region; also vom Metzger, nicht vom Discounter)!
    Ohne Dünger geht es nicht, und die Alternative zu "Kunst"dünger ist eben "natürlicher" Dünger, also Jauche, Gülle, Mist.
    Alternative wäre die Gründüngung, also das Unterpflügen von Pflanzen. Das bedeutet aber wieder weniger Ertrag, wenn alle paar Jahre auf eine Ernte verzichtet wird, damit die Folgefrucht genügend Dünger bekommt.
    Und ohne die künstliche Zuführung von Kalium und Phosphor geht es sowieso nicht. Die gehen mit dem Verkauf der Ernte aus dem Betrieb raus.


    Zu den PSM: Klar gibt es robustere Sorten, die mit weniger PSM geführt werden können. Das gilt in erster Linie bei Pilzkrankheiten im Getreide. Eine robuste Sorte "braucht" weniger Fungizide als eine Hochertragssorte. Das hat aber nicht nur Folgen für den Ertrag, sondern auch auf die Qualität. Deshalb benötigt der hochwertige Brotweizen in der Regel auch mehr Fungizide als der Futterweizen, der im Trog landet. Also wieder: Iss mehr Fleisch, damit die Nachfrage nach Futterweizen steigt!
    Und iss mehr Roggenbrot. Roggen ist robuster als Weizen, aber derzeit wirtschaftlich meist uninteressant.


    Gegen Insekten, die an der Pflanze fressen (und die treten blöderweise gerade im Raps auf), wird es komplizierter. Die fressen nur dann nicht, wenn in der Pflanze etwas drin ist, was ihnen nicht schmeckt. Oder wenn sie tot sind. Neue Stoffe lassen sich mit konventionellen Methoden aber kaum in Pflanzen reinzüchten. Gentechnik (BT oder Bitterstoffe "reinbasteln") willst Du vermutlich nicht?! Und Schadinsekten durch Fressfeinde zu dezimieren, ist auch nicht unproblematisch, wie z.B. der asiatische Marienkäfer zeigt.


    Alternativen zu Herbiziden gibt es natürlich auch. Die Bios machen das mechanisch z.B. mit Striegeln. Das Ergebnis schwankt allerdings extrem, ist z.B. sehr witterungsabhängig. Braucht z.B. auch wesentlich mehr Diesel. Und bei manchen Unkräutern/Ungräsern wie Distel und Quecke wird es auch bei den Bios sehr problematisch. Schon etliche Bios haben deswegen wieder auf konventionelle Bewirtschaftungsweise rückumgestellt.
    Ein sinnvoller Ansatz wäre hier ein Mittelweg zwischen Bio und konventionell, also nur dann spritzen, wenn mechanische Methoden nicht praktikabel sind. Aber unter heutigen Bedingungen ist sowas nicht rentabel.


    Natürlich gibt es noch andere Schrauben, an denen man drehen könnte, z.B. an der Fruchtfolge. Aber auch die haben alle irgendeinen Pferdefuß.



    Unterm Strich:
    Es gibt nicht DIE Alternative, mit der alles besser wird. Dafür ist das Thema zu komplex. Punktuell kann man sicher etwas verbessern. Dummerweise widerspricht das manchmal auch genau dem, was heutzutage "in" ist...

  • Moin Harald,


    Saatguttüten landwirtschaftlicher Kulturpflanzen werden in der Regel von Landwirten oder von ihnen Beauftragten geleert und sollten von ihnen auch entsorgt werden. Auf dem Acker verbrannt: Ich habe das schon öfter gesehen, und Du hast recht: Die Dinger brennen nicht gut. Daher sieht man dann auch hinterher noch, mitunter, was da verbrannt werden sollte. Dennoch wird es immer wieder mal versucht. In der Regel ist dann der Pyromane nicht jemand, der dem Bauern übel will und ihm eins auswischen.


    Das wirtschaftliche Argument... Die Argumentation für niedrigschwelligen chemischen Pflanzenschutz ähnelt der Argumentation für Versicherungen. Im Zweifel kauft man für das Geld das - möglicherweise trügerische - Bewußtsein, jedenfalls das Mögliche zur Schadenabwehr getan zu haben. Will heißen: Das Geld hat dann ein Anderer, und ob man Nutzen dafür hat, kann man nicht sicher wissen. Man würde sich aber schlecht fühlen, wenn man es nicht glaubte. Also glaubt man das...


    Brandkrankheiten bei Weizen und Dinkel... Da spielen Sortenunterschiede in der Empfindlichkeit, Saattermine, Fruchtfolge und Witterungsverlauf eine Rolle. Manches davon, verspricht der Verkäufer, kann die Beize kompensieren, wenn es nicht beachtet wird. Ein recht aktueller Artikel hierzu: http://www.agrarheute.com/beka…teinbrand-zwergsteinbrand . Woher nimmst Du die Information, dass der Bioanbau den Steinbrand fördere?


    Dass die freiliegenden Mengen nicht immer groß sind, trifft zu. Clothianidin, zum Beispiel, wird mit 25 ml Elado pro kg Rapssaat zur Inkrustierung verwendet. Da entfallen auf ein Saatkorn 50 Nanogramm, bei einem angenommenen TKG von 5g. 2% davon genügen, um den systemischen Beizschutz gegen Kohlfliegen und Rapserdflöhe zu bewirken. Das ist pro Pflänzchen 1 Nanogramm. Wirkt bis 8-Blattstadium. Der Wirkstoff ist also für Insekten unglaublich giftig.


    Diese 50 Nanogramm genügen, um über 100 Bienen subletal, aber irreversibel zu schädigen. So sehr zu schädigen, dass sie nicht mehr heimfinden und dann im Ergebnis auch tot sind, wenn sie Wasser aus einer Pfütze holen wollten, in die der Wirkstoff ausgewaschen wurde. Die LD50 finde ich bei 3 Nanogramm... Da sind 1000 Körner, also 5 Gramm Saat schon das Potential, relevante Schäden an den Bienen anzurichten. Oder sie finden heim, weil sie beim Sammeln staubvergifteten Pollens das Grift nicht aufnehmen, und das Volk krepelt dann mit den giftigen Pollenvorräten herum. Jedesmal, wenn sie davon fressen oder verfüttern, gibt es Kranke und Tote.


    Nicht berücksichtigt habe ich hier, dass es nicht nur Elado, sondern auch Cruiser gibt...


    Ansonsten: Nein, die Behörden sind nicht im Dauerschlaf, und auch wahrscheinlich nicht unmittelbar geschmiert... Möglicherweise können da manche sogar schlecht schlafen. Die Zulassung erfolgt aber aufgrund von Untersuchungen, die die Hersteller gemacht haben und in, sagen wir: deutlich über 1000 Seiten Berichtsmaterial niedergelegt. Die Versuche werden offenbar nicht nachvollzogen. Die Frist, in der entschieden werden muss, erlaubt das gar nicht. Mittel dafür stehen nicht zur Verfügung. Sonst könnte es nicht angehen, dass für systemische Insektizide wie Imidacloprid und Clothianiden Halbwertzeiten im Boden von 120 Tagen angegeben werden. Steht so in den Unterlagen. Das ist die Grenze, bis zu der eine Anreicherung nicht angenommen wird und eine Zulassung daher möglich ist. Zu einigen dieser Wirkstoffe gibt es mittlerweile Versuche, die Halbwertzeiten von mehr als dem 10fachen ergaben. Würde das Zulassungsprozedere die Untersuchungen durch unabhängige Wissenschaftler oder die Überprüfung der Ergebnisse durch solche vorsehen, könnte so etwas nicht passieren.


    Der Lobbyeinfluß zeigt sich eher in dieser Konstellation der Zulassungsvorschriften...


    Gruß Clas

    "Ach, das Risiko...!" sagte der Bundesbeamte für Risikoabschätzung abschätzig...