Wann härtet gerührter Honig aus...

  • Hallo,


    also ich habe ein paar Fragen an die Rührprofis unter Euch...


    Ich habe meine Sommertracht mit hohem Lindenanteil (und vermutlich viel Blattau) cremig gerührt. In verschiedenen Artikeln etc. habe ich gelesen man soll den gerührten Honig im Kübel aushärten lassen. Danach im Wasserbad auftauen, nochmal kurz rühren und abfüllen.
    Vor mehr als 4 Wochen habe ich ihn nun gerührt und er härtet überhaupt nicht aus!!! Er zeigt keinerlei Anzeichen... Wie lange kann so was dauern oder soll ich ihn abfüllen? Ich habe bloß die Befürchtung, dass er dann im Glas aushärtet und so etwas verkauft bzw. verschenkt man doch sehr ungern...

  • ..... In verschiedenen Artikeln etc. habe ich gelesen man soll den gerührten Honig im Kübel aushärten lassen. Danach im Wasserbad auftauen, nochmal kurz rühren und abfüllen.


    Nö, soviel Arbeit ist nicht nötig. Vor allem das Erwärmen kann dem Honig schaden (Enzymaktivitäten werden verringert).
    Ich lasse den Honig nie im Kübel kandieren, sondern das passiert immer erst im Glas.


    Vor mehr als 4 Wochen habe ich ihn nun gerührt und er härtet überhaupt nicht aus!!! Er zeigt keinerlei Anzeichen... Wie lange kann so was dauern oder soll ich ihn abfüllen? Ich habe bloß die Befürchtung, dass er dann im Glas aushärtet und so etwas verkauft bzw. verschenkt man doch sehr ungern...


    Wann das Kandieren eintritt, hängt vom Verhältnis Glucose/Fructose ab. Je weniger Glucose, desto länger braucht der Honig bis zum Festwerden. U.U. kandiert er nie (wie Akazienhonig).
    Wenn der Honig unbedingt im Kübel fest werden soll, muß man eventuell ein halbes Jahr oder länger warten ... ich allerdings verstehe so eine Vorgehensweise nicht....
    Honig, der bereits im Kübel fest war und dann aufgetaut wurde, danach ins Glas abgefüllt wurde und dort dann nochmal fest wird, was soll das für einen Vorteil bringen?

    "Moral ohne Sachverstand ist naiv und manchmal sogar gefährlich"

  • ...Ich habe meine Sommertracht mit hohem Lindenanteil (und vermutlich viel Blattau) cremig gerührt.


    Na, dann ist doch alles ok. Der wird dann nicht mehr fest.
    Abfüllen und fertig...


    Zitat

    In verschiedenen Artikeln etc. habe ich gelesen man soll den gerührten Honig im Kübel aushärten lassen. Danach im Wasserbad auftauen, nochmal kurz rühren und abfüllen.


    Falsch verstanden!
    Wenn nach dem Abfüllen in den Hobbock irgendwann der Honig hart ist, kann man ihn zur Weiterbehandlung auftauen.



    Nachtrag: Es wäre nett, wenn Du Dein Profil ausfüllen würdest.
    Dann hilft man doppelt gern...

    Mit freundlichen Grüßen - Hardy


    Wende Dich zur Sonne, dann bleiben die Schatten hinter Dir.


  • Vielen Dank für die Antworten und ich werde heute noch mein Profil ausfüllen!!!:daumen::daumen::daumen:

  • Soweit ich informiert bin wird richtig gerührter Honig gar nicht mehr fest, da er ja bereits zu 100% kristallisiert ist.
    Lt. Honigkurs muss mit einem fein kristalisertenglas geimpft werden und danach 2mal täglich ca. 4-6 Tage rühren.
    So würde es mir zumindest gesagt, danach ist der Honig komplett auskristallisiert.

  • Sorry, die letzte Aussage kann ich nicht so stehen lassen. Waren dieses Jahr beim Honigkurs und da haben wir das anders gelernt.
    Wie W&W und Hardy schon sagten, kommt es auf den Honig drauf an, ob er fest wird oder nicht, das hat nichts mit dem Rühren zutun.
    Das Rühren zerkleinert nur die sich bereits gebildetes Kristalle und macht den Honig feinkörniger.
    Frühtrachthonig weist meist einen höheren Glukose-Anteil auf, z.B. durch Raps, daher wird er schneller fest. Meist reichen 4-6 Tage rühren nach dem Schleudern aus, bevor er zäh in die Gläser kommt.
    Den Rest der Kristallisation würde ich im Glas sich vollziehen lassen.
    Sollte der Honig nun zu fest zum Abfüllen sein, kann man sich behelfen, indem man den Honig leicht erwärmt (max.40°C), damit er wieder flüssig wird und abgefüllt werden kann.
    Wie geschrieben würde ich aber versuchen, das zu vermeiden, damit gar nicht erst die Möglichkeit entsteht, das Enzyme im Honig zerstört werden (passiert ab 40°C).
    Sommertrachthonig weist hingegen einen kleineren Glukose-Anteil auf, der Fructose-Anteil ist dafür umso höher.
    Je höher der Fructose-Anteil ist, umso schlechter kristallisiert der Honig aus, siehe auch Akazie, die nie kristallisiert und fast ewig flüssig bleibt.
    Bei Sommerhonig, z.B. auch mit Lindeanteil, kommt es nun wiederum auf das Glukose-Fructose-Verhältnis an, ob er kristallisiert oder nicht.
    Am besten ein Glas von einem solchen Honig abfüllen und den neben dem Hobbok stehen lassen.
    Fängt der Honig im Glas an zu kristallisieren (das kann durchaus ein paar Wochen dauern), kann man den Honig im Hobbok jetzt rühren (ebenfalls 5-6Tage).
    Auch hier wird er bei entsprechendem Glukose-Anteil fest.
    Ist der Fructose-Anteil zu hoch, daß er nicht kristallisiert, kann man den Honig auch mit einem Frühtrachthonig impfen (z.B. ein 500g-Glas auf einen Hobbok).
    Ist der Impf-Honig zugegeben, dauert es nun auch 5-6Tage mit rühren, bis der Honig zähflüssig wird und abgefüllt werden kann.
    Die letzte Kristallisation erfolgt immer im Glas.


    Ich hoffe, das ist alles so richtig, zumindest haben meine Frau und ich das so verstanden. Bitte sonst gerne Ergänzungen;-)

    Grüße aus HH Andreas


    Man kann sich den ganzen Tag aufregen :evil: ------- Ist aber nicht verpflichtet dazu :cool:

  • Am besten ein Glas von einem solchen Honig abfüllen und den neben dem Hobbok stehen lassen.
    Fängt der Honig im Glas an zu kristallisieren (das kann durchaus ein paar Wochen dauern), kann man den Honig im Hobbok jetzt rühren (ebenfalls 5-6Tage).


    Das wiederum kann ich nicht so stehen lassen :wink:. Meine Beobachtung ist, daß sich Honig im Hobbock oder Glas oft ganz unterschiedlich verhält. Vielleicht, weil im Hobbock mehr kleine Teilchen sind, an denen sich die Kristalle anlagern. Wie lange der Honig gerührt werden muß, ist auch seeeehr individuell.

    'If you don't have a plan, you become part of somebody else's plan.'
    Terence McKenna

  • N'Abend


    Darf ich mich mal mit einer völlig konträren Frage anschließen ?


    Gibts eigentlich auch Tips & Tricks, wie man Honig richtig schön grobkristallin bekommt ? Komt es auf die Honigsorte an oder kristallisieren die versch. Sorten tendenziell mit ähnlicher Kristallgröße? Ich persönlich (und auch einige Leute in meinem Umfeld) mag so richtig grobkörnigen Honig sehr gern, aber den bekommt man kaum, weil alle Imker immer rühren :-(. Letztens hatte ich im Kellerregal von Schwiegermama in der hintersten Ecke ein halbvolles Glas gefunden, das sehr grob kristallisiert war, hmmh das war lecker, richtig zum Kauen.
    Da ich ja nächstes Jahr selber Bienen halten will und natürlich auch auf ein paar kg Honig hoffe, überlege ich jetzt, extra ein paar Gläser sehr grob auskristallisieren zu lassen. Und deshalb die Frage: Gibts da Tricks ? Gern auch Beobachtungen zu Kristallisationerfahrungen, die aus dem Blickwinkel der "Rühr-Imker" eigentlich misslungen ist.


    Grüße und Danke, Robert

  • Ja, 5-6 Tage ist erst mal ein grober Hinweis.
    Auf großartige Erfahrung mit mehreren Jahren Honig-ernten und -rühren kann ich leider nicht zurückgreifen.
    Mir wurde es beim Honigkurs so empfohlen.:p_flower01:

    Grüße aus HH Andreas


    Man kann sich den ganzen Tag aufregen :evil: ------- Ist aber nicht verpflichtet dazu :cool:


  • Leider hab ich mit rühren auch noch keine praktischen Erfahrungen, jedoch hat den Honigkurs der Bienfachberater für den Bezirk Mittelfranken gehalten, der ein bekennender rührer ist und sogar lt. Seiner Aussage seine Waldhonige rührt, die ja aufgrund des hohen fructose Anteils sehr langsam kristallisieren.
    Wenn ich ihn nicht komplett falsch verstanden hab, ist richtig gerührter Honig 100% durch kristallisiert und behält deshalb seine streichfähigkeit ohne das man das Messer abricht beim streichversuch :wink: 
    Das er evtl. Im Glas noch etwas nach kristallisiert kann sein, er sollte aber definitiv nicht mehr steinhart werden, dass ein Aufwärmen erforderlich wird.


    Wie gesagt ich kann leider nicht auf fundierte praktische Erfahrungen zurück greifen.

  • Gibts eigentlich auch Tips & Tricks, wie man Honig richtig schön grobkristallin bekommt ?


    Rein theoretisch: Wenn eine kristallisierende Substanz oberhalb der Kristallisationstemperatur startet und langsam abgekühlt wird, setzt an Kristallkeimen spontan die Kristallisation ein. Danach lagert sich die kristallisierende Substanz bevorzugt an den vorhandenen Kristallen an, es wachsen also große Kristalle.
    Auf den Honig übertragen: Frühtrachthonig warm lagern, bis er kristallisiert ist. Oder Sommertrachthonig ungerührt abfüllen und stehen lassen. Mit etwas Glück beginnt am Glasboden die Kristallisation und wächst von unten nach oben.
    Probiers!


    Gruß Ralph

  • Oder Sommertrachthonig ungerührt abfüllen und stehen lassen. Mit etwas Glück beginnt am Glasboden die Kristallisation und wächst von unten nach oben.
    Probiers!


    Also, das mit dem Sommertrachthonig abfüllen und ungerührt stehenlassen funktioniert. Nicht nur theoretisch :). Das haben wir (unfreiwillig) schon ausprobiert. Leider gibt es nicht viele Kunden, die den Honig so grobkristallin mögen. Viele Grüße, Brigitta

  • Ich vermute...


    ...wenn man den Honig am Anfang nicht sofort bei Schleierbildung rührt, sondern wartet, bis er anfängt fest zu werden - also abwartet, bis es zu größerer Kristallbildung kommt - und dann nur wenig rührt, sollte er Grobkristallin werden.


    Bliebe auszuprobieren...

    Mit freundlichen Grüßen - Hardy


    Wende Dich zur Sonne, dann bleiben die Schatten hinter Dir.

  • Ja, ausprobieren!
    Ich habe dieses Frühjahr einen kleinen Teil Honig gepresst und nicht gerührt- ergab einen gut streichfähigen, erstaunlich feinkristallinen Honig. Nix mit groben Kristallen auf der Zunge oder Messer im Honig abbrechen. Offensichtlich kommt es nicht nur auf die Zusammensetzung des Honigs, sondern auch auf die Gewinnungsmethode an.

    'If you don't have a plan, you become part of somebody else's plan.'
    Terence McKenna