Frei bauendes Volk - ob/wie retten?

  • Hallo, allerseits,
    habe mal wieder ein "Problemkind" gemeldet bekommen - leider erst jetzt!


    Ein frei bauendes Volk, offenbar ein Schwarm, der nichts gefunden hat. Sitzt recht hoch (4 m) in einem Baum und hat da schon diverse Waben errichtet. Jetzt sind die aeusseren natuerlich leer und das Volk hat sich auf die inneren Waben zusammen gezogen, das Volk sieht auch recht gross und vital aus.


    An der Stelle haben sie natuerlich keine Chance und ich frage mich ob und wie man die noch retten koennte.


    Problem ist natuerlich die Hoehe und die Zeit, ev. kann ich mit einer Verlaengerung und Sauger/Aschesauger-Combo da ran und wenigstens die Bienen runterholen? Dem steht natuerlich auch das Risiko von AFB entgegen - muesste man zumindest hungern und einlaufen lassen - letztlich kann man damit wohl auch nur noch ein bestehendes Volk verstaerken, denn Einfuettern geht doch kaum noch, oder? Was meint ihr dazu?


    Ev. hat schon mal jemand aehnliches gehabt?


    Gruesse
    Melanie

  • Hallo Melanie,
    kann der Ast mit abgesägt werden, um so die Waben zu erhalten? Dann brauchen die Bienen vor diesem Winter nicht mehr bauen. Den Ast auf Böcken befestigen, ein Gehäuse um den Ast drumherum bauen oder anpassen (Tonne o.ä.). Das wäre so meine Idee. Alleine ist das kaum zu bewältigen, dürfte ja einiges wiegen.
    Liebe Grüße
    Katrin

  • Hallo Hymenoptera,


    ja, ich hatte genau das vor etwa 3 Wochen (mit-)gemacht. 8 Meter hoch mitten im Wald an einer großen Buche.


    Für's erste: Wir hatten einen Hubsteiger. Zwei Leute im Hubsteiger-Korb + Schwarmfangkorb.
    Es war regnerisch und kühl - optimal für diesen Zwecke, da alle Bienen daheim waren.


    Waben mit Messer am Stamm abgeschnitten (waren bis 72cm lang), in Korb abgekehrt.
    Um nicht zuviele Bienen im Korb zu haben, in drei "Tranchen".
    Geplant war, die Bienen bei Bedarf mit Zigarren ruhig zustellen, doch das war gar nicht nötig, noch nicht mal ein normaler Smoker.


    Am Boden noch im Wald auf ausgebreiteter Plane die Brut-Teile der Waben auf das Wabenmaß zurechtgeschnitten (Hier war es Zander) und mit Bindfaden eingebunden. Dann Leerzarge mit Futterwaben gefüllt, darüber die Zarge mit den Brutwaben, dann Bienen aus dem Sammelkorb samt Königin reingeschüttet. Wichtig: Dei Brutwaben OBEN hin, da die Bienen sich oben am Deckel sammeln und die Brutwaben unten dann nicht von den Bienen gewärmt worden wären.
    Inzwischen ist das Volk voll eingefüttert und bei bester Gesundheit.


    Ich würde es selbst genau so auch machen, auch jetzt noch, mich hat die Aktion voll überzeugt, keine Bienenquälerei und praktisch keine Verluste.


    Ein Problem allerdings sollte nicht verschwiegen werden:
    Wir wusssten nicht, ob hinter den Waben ein Loch im Stamm ist, in dem noch mehr Waben sind.
    Wäre das der Fall gewesen, hätte es sein können, dass die Königin dort hin flüchtet und nicht geborgen werden kann.
    War aber bei uns nicht der Fall.





    Gruß
    hornet

  • Hallo
    Mit dem Einfüttern könnte es noch klappen ist zwar langsam,aber es klappt. Ich fütter auch noch 2 Völker ein die so viel verbraucht hatten.bis zum Wochenende werd ich woll fertig sein.::) Viel spass beim bergen.
    schönen Gruß hummel

  • Hallo,


    ja, einfüttern war bei uns vor 3 Wochen natürlich noch einfacher, aber auch jetzt klappt es auch bei mir noch.
    Und wenn die Bergung wie bei uns mitsamt den Waben erfolgt, spricht doch eigentlich kaum was dagegen, statt Futterwaben zumindest einen Teil der mit geborgenen Honigwaben einzubinden.


    Den Rest Futter sollte man im Oktober doch noch irgendwie reinkriegen können, ggf. die Beute etwas geschützter und wärmer aufstellen (Bienenwagen/-haus etc.)?


    Gruß
    hornet

  • Mal ne theoretische Frage: Sollte man bei einem wild bauenden Schwarm nicht davon ausgehen können, dass er sich selbstständig mit dem nötigen Winterfutter versorgt hat und gar nicht groß aufgefüttert zu werden braucht?

  • Hallo nsim,
    leider nein.
    Kommt immer darauf an, wie groß die Volksstärke ist und wie der Winter so verläuft.
    Schön wäre es schon, wenn ein wildlebendes Bienenvolk überwintern kann, abgesehen von der Varroabelastung.
    Wenn es zumindest eine gute Behausung gefunden hat, dazu zählt freibauend ja nicht, wäre dies ein Zeichen für eine weitgehend intakte Umwelt - der Bien als Bioindikator.
    Viele Grüße
    Lothar

    Solange Menschen denken, das Tiere nichts fühlen,
    müssen Tiere fühlen, das Menschen nicht denken.

  • Hallo allerseits,


    diese Methodik der Bienen an der frischen Luft zu bauen, ist das eine neumodige Erscheinung oder haben die Bienen das früher auch schon gemacht? Gibts es nicht mehr genügend geeignete Unterschlüpfe, Baumhöhlen o.ä. oder warum machen die das? Dem Milbendruck entfliehen?


    Gruß Sven

  • So´n Ding...
    ich war diese Jahr ganz verzückt und zugleich verwundert, als ich bei einem Tierparkbesuch solche freibauenden Bienen an einem Ast einer uralten, abgestorbenen Buche entdeckte.


    Ist wohl doch nicht so selten.


    Ich würde vermutlich versuchen einen Schutz um das Nest zu Bauen.

    MfG André

  • diese Methodik der Bienen an der frischen Luft zu bauen, ist das eine neumodige Erscheinung oder haben die Bienen das früher auch schon gemacht? Gibts es nicht mehr genügend geeignete Unterschlüpfe, Baumhöhlen o.ä. oder warum machen die das?

    Nein, das ist wirklig komig. Ich habe das versträrkte Auftreten auch bemerkt. Ich denke jedoch es liegt an den Regenfällen zur Hauptschwarmzeit, die ein Weiterziehen in eine geeignete Höhle verhinderten.

    Mit vielen freundlichen Grüßen
    Henry Seifert (Honig-Bienen-Kurse-Gutachten)
    Faulbrutsanierer, Königinnenverschicker, Schwarmfänger, Bienenretter, Streitschlichter, Kunstschwarmkehrer, Belegstellenwirt, Imkerpate, Probennehmer, Schadenschätzer, Ablegerbilder

  • Hallo Melanie


    wir hatten hier ja vor ein paar Wochen schon einen ähnlichen Fall.
    Ich kann in solchen Fällen nur raten, die Naturwaben in die unterste Zarge ohne die Bienen abzustoßen, Wabe für Wabe. Dann eine Zarge mit Futterwaben drüber, der Abstand der Naturwaben zu den FW sollte so gering wie möglich sein und dann das Volk in Ruhe lassen. Eine gute Vorbereitung ist die halbe Arbeit und sie wird mit Erfolg gekrönt sein. :u_idea_bulb02:

    Gruß Reinhard / Lehre mich die wunderbare Weisheit,daß ich mich irren kann.(Teresa v. Avila)

  • Bienen sind hart im nehmen. Ich würde eine Schutzhülle bauen, aus Alufolie o.ä. Islorierung ist nicht sooo wichtig, und, Räubereischutz auch nicht. sonst wären sie bereits beräubert worden.


    Ich hab mal ne Beute gesehn, wo die Kinder im Winter den Deckel geöffnet hatten und alles voll Schnee pressten, den Deckel dann lose auflegten. Das Volk ging nicht ein, entwickelte sich sogar prächtig im Jahr drauf.