Mehrfachbehandlung mit Oxalsäure 3,5%

  • Hallo,


    ich habe in der Packungsbeilage von Oxalsäuredihydrat-Lösung 3,5% (m/V) ad us.vet (Serumwerk)
    gelesen:


    "Wiederholte Anwendungen im Herbst oder die Anwendung im Sommer wird von den Bienen auch in niedrigen Dosierungen toleriert."


    Bisher ging ich davon aus, dass es nur einmal möglich ist, um die Winterbienen nicht zu stark zu belasten.
    Wer hat Erfahrungen damit gesammelt?
    Welche Dosierungen wären für einen solchen Fall möglich?
    Wer weiß was darüber?


    Gruss,
    Christian

  • Servus Christian,


    ich könnte mir vorstellen, dass damit die Behandlung von beispielsweise Schwärmen gemeint ist. Wenn du im Winter erneut behandelst, erwischt du trotzdem keine Biene zweimal.


    Ansonsten bin ich so weit informiert, dass mehrfache Behandlung von Oxalsäure (Lösung) die Bienen enorm schädigt, jedoch mehrfache Bedampfung gut vertragen wird.


    Liebe Grüße


    Simon

    "In der Natur ist die Bedeutung des unendlich Kleinen unendlich groß." (Louis Pasteur)

  • Hallo,


    also, wenn Du Oxalsäuredihydrat-Lösung ad. us. vet. meinst, dann steht da doch eindeutig in der Gebrauchsinformation:


    Zitat

    Oxalsäuredihydratlösung darf nur einmalig während der brutfreien Zeit (Spätherbst) angewendet werden.
    Es dürfen keine höheren Dosierungen oder mehrmalige Anwendungen vorgenommen werden!


    Und beim Oxuvar steht genauso: "im Brutfreien Zustand, unter mitteleuropäischen Bedingungen im November bis Dezember...."


    Es gibt Untersuchungen, die zeigen, dass Mehrfachbehandlungen im Sommer und Herbst reduzierte Effektivität zeigten und zu hohen Bienenverlusten führten.


    Die Lösung wird aufgenommen und führt anscheinend zu Schädigungen, die mit einem normal langen Bienenleben nicht vereinbar sind. Kommt`s bei Winterbienen mehrfach zum Einsatz, dürften die fatalen Effekte klar sein.


    Grüße


    Marion

    "Wer die Leidenschaft als Jugendsünde abtut, degradiert die Vernunft zur Alterserscheinung".
    Hans Kasper

  • Hallo Marion,


    ja, das steht auch in dem Beipackzettel und das ist in Verbindung mit meinem ersten Zitat widersprüchlich.


    Gleichzeitig sagte der Hersteller/Erfinder von Bienenwohl (B. Dany) letzten Samstag bei einem Vortrag, dass er das Bienenwohl (ist ja mit Oxalsäure) gleich nach der Honigernte erstmalig einsetzt und dann alle 6 Wochen
    bis zur Wintersonnwend.


    Deshalb auch meine Frage an die Praktiker: Hat schon jemand die Oxalsäure mehrfach angewendet?


    Ich weiß, dass die Dunkelziffer bei der Anwendung von Bienenwohl sehr hoch ist, das es ja in Deutschland nicht zugelassen ist.
    Gleichzeitig könnte es auch sein, dass die Oxalsäure, die ja da enthalten ist, evtl. jemand mehrfach angewendet hat und positive oder evtl. auch negative Erfahrung gemacht hat.


    Wer kann da was erzählen?


    Gruss, Christian

  • Ein gewisser Herr Liebig und ein Herr Moosbeckhofer haben mit Bienenwohl zwar ausreichende Ergebnisse bei der Anwendung im Spätsommer und Herbst erreichen können, es führte aber zu hohen Völker- und Bienenverlusten.
    Liebig G. (1999): Zur Behandlung von Bienenvölkern mit Oxalsäure und Bienenwohl. Dt. Bienenjournal 10, 4-5
    Moosbeckhofer R. (2001) Varroabekämpfung mit Oxalsäure im Träufelverfahren. Bienenvater 12, 7-12

    Mehrfachbehandlungen bis in den Spätsommer hinein erreichten aber keinen ausreichenden Milbentotenfall (36%)
    Schuster H., Schürzinger F. (2003) Oxalsäure zur Sommerbehandlung? Allg. Dt. Imkerzeitung 1, 27-28

    Wenn ein Hersteller/Vertreiber so etwas auf einem Vortrag erzählt, dann ist das recht objektiv, will ich meinen. Außerdem hat er gesagt, dass er das so anwendet. Hatte er auch belegte gute Ergebnisse dazu? Reproduzierbar am besten.
    Aber auch das ist so ne Sache bei selbst durchgeführten Untersuchungen zum eigenen Produkt.
    Erzählen kann man subjektiv immer recht viel, wenn der Tag lang genug ist.... :roll:


    Ich erzähl mal was zu einem Seniorimker hier, der auf Bienenwohl steht. Mehrfach letztes Jahr, hat er erzählt, der Tag war lang.
    Der Winter auch. Die Beuten leer, alle 6. Aber das ist nur subjektiv und ein Einzelfall, deckt sich aber leider mit den Aussagen von oben.


    Da bin ich jetzt persönlich regelrecht erleichtert, dass ich das nicht mache.
    Deshalb kann ich keine Selbsterfahrungen bzw die meiner Bienen beisteuern, hatte Bienenwohl selber noch nie in der Hand. Ist ja auch gar nicht zugelassen in Deutschland...


    Grüße


    Marion

    "Wer die Leidenschaft als Jugendsünde abtut, degradiert die Vernunft zur Alterserscheinung".
    Hans Kasper

  • Ist Bienenwohl nicht auf Thymolbasis?? Dachte ich bisher, verwende ich selbst aber nicht. Aber einer meiner Nachbarimker schwört drauf und berichtet, dass er keine Verluste hätte. Aber das stimmt nicht, wie ich bereits erfahren habe.

    Die Welt ist groß genug für die Bedürfnisse aller, aber zu klein für die Gier Einzelner (Mahatma Ghandi)
    Gruß
    holmi

  • Deshalb auch meine Frage an die Praktiker: Hat schon jemand die Oxalsäure mehrfach angewendet?


    Wer kann da was erzählen?


    Herr Wagner.
    Der rührt sogar Bienenwohl nach eigenem Rezept vor Publikum selber an.



    Herzliche Grüße
    Regina

    Was der Bauer nicht kennt, das frisst er nicht. Würde der Städter kennen, was er frisst, er würde umgehend Bauer werden.(Oliver Hassencamp)

  • Ist Bienenwohl nicht auf Thymolbasis?? Dachte ich bisher, verwende ich selbst aber nicht. Aber einer meiner Nachbarimker schwört drauf und berichtet, dass er keine Verluste hätte. Aber das stimmt nicht, wie ich bereits erfahren habe.


    Hallo holmi. Bienenwohl ist OS mit Beimischungen von Propolis usw. Hier ein Link des Herstellers. Ist in Deutschland nicht zugelassen.


    http://www.imkerhof-salzburg.at/portal/index.php?option=com_content&task=view&id=49&Itemid=69


    Gruß Josef

    Buckfast . 10 Völker . DNM Holzbeuten 13 ner Zargen . Dadant US Frankenbeute. Königinnenzüchter.

  • Zu Anfang der Varroaplage habe ich auch Mehrfachbehandlung ausprobiert. Alle 4 Tage geträufelt bis eine verdeckelte Brutphase abgedeckt war. Erfolgreich war das nicht, denn sonst würde ich es noch heute machen.
    Remstalimker

    Im Netz ist gut auf hohem Niveau imkern.:daumen::lol:

  • OS macht nur im brutfreien Zustand bei eng sitzenden Bienen wirklich Sinn - ergo im Winter oder an Schwaermen (auch nicht bei Ablegern, die sitzen zu locker).
    Es verursacht Schaeden im Mitteldarm und verkuerzt nachweislich die Lebenserwartung der Bienen. Daher: Man KANN es mehrfach anwenden, vor allem im Sommer da die eh kurzlebigen Sommerbienen schnell wieder ersetzt werden (macht aber nur begrenzt Sinn da halt die meisten Milben in der Brut sitzen und man mit jeder Behandlung wieder ein paar Bienen um die Ecke bringt...) - im Winter aber geht das schnell daneben. Im letzten Jahr wollte mir einer Bienenvoelker abkaufen, der leider alle seine Voelker im Winter verloren hatte...auf meine Nachfrage ob er denn behandelt habe: "Ja, besonders gruendlich sogar, jeden Monat getraeufelt..."


    Ergo: Einmal im Winter oder halt einmal zur Schwarmentmilbung macht es wirklich Sinn, sonst nicht.


    Melanie

  • "Ja, besonders gruendlich sogar, jeden Monat getraeufelt..."


    Mal abgesehen von obiger Aussage des Herstellers aber man liest echt an jeder Ecke das man das eben NICHT soll. Bienenzeitungen, Infoblätter zur Varroabekämpfung, Imkerforum ;) ... überall und trotzdem machen das welche. Was treibt die bloß an?

    Alles wird gut - auf jeden Fall!

    Mein Sohn, iss Honig, denn er ist gut; und lass süßen Wabenhonig auf deinem Gaumen sein. (Sprüche 24:13)
    Wenn dich eine Biene sticht, geht fort von hier und schimpfe nicht - Bedenke, dass nur du es bist der dauernd hier im Wege ist.

    Und noch einer: "Live long and prosper keep bees"

  • Hier wurde schonmal über die Mehrfachanwendung von Oxalsäure diskutiert:
    http://www.imkerforum.de/showthread.php?t=22949&highlight=Bienenwohl


    Das mehrmalige Beträufeln (vor allem druckbeträufeln :wink: sprühen) hatte ich früher auch praktiziert. Bin aber davon völlig abgekommen. Viel zu arbeitsintensiv und nicht immer wirkungsvoll....

    "Moral ohne Sachverstand ist naiv und manchmal sogar gefährlich"

  • Herr Wagner.
    Der rührt sogar Bienenwohl nach eigenem Rezept vor Publikum selber an.
    Regina


    Und bringt das sogar während der Honigernte ins Volk! "Sind ja keine Rückstände festgestellt worden!" Ab Mai alle 14 Tage, seine Empfehlung.
    Es gibt mehrere zugelassenen Möglichkeiten der Varroabehandlung. Warum muss jedes Imkerlein noch so seine eigenen "Rezepte" und Methoden ausprobieren? Da wird probiert und mehrmals behandelt, gedampft und was weiß ich noch. Kommt doch mal wieder auf ein normales Maß zurück, sonst braucht man sich doch über Resistenzen nicht zu wundern. Und dann sind die Völker vielleicht auch wieder vitaler.

    Die Welt ist groß genug für die Bedürfnisse aller, aber zu klein für die Gier Einzelner (Mahatma Ghandi)
    Gruß
    holmi