Kippkontrolle bei großem Brutraum unmöglich ?

  • Hallo, die Gegner des großen Brutraumes( Dadant, DN1,5 .....)schreiben ja, dass man beim geteilten Brutraum eine Kippkontrolle machen kann.
    Wieso kann ich das nicht auch beim großen Brutraum ? Ich persönlich sehe kein Problem eine große Zarge zu kippen.
    Bis bald
    Marcus

    39 Völker 30x Segeberger Hartpor 4x Einfachbeute , alle DN 1,5. 2xDadant US und 2x Zander und einmal Warre :O)

  • Hallo,


    Super Thema,
    nach Dr. Liebigs Buch "Einfach Imkern" ist das ja die Königsdisziplin zur Schwarmkontrolle.
    Aber ich habe für mich festgestellt, dass das bei meinen DN1,0 nicht praktikabel ist.
    - 1. vom Gewicht her betrachtet
    - 2. teilweise bauen die Mädels Brücken zwischen den Rahmen -> untere Rähmchen werden angehoben, reißen ab, krachen wieder in die untere Zarge und, und, und...
    - 3. bei der Kippkontrolle habe ich nie alle Weiselzellen gesehen, meist sitzen die wenig sichtbaren in den Ecken der Rähmchen an der Mittelwand -> also muss ich eh alle Rähmchen ziehen.
    - 4. bin ich echt am überlegen, ob es den Aufwand der Schwarmkontrolle lohnt, ich übersehe ja doch wieder welche, dann war's umsonst und nur Unruhe in den Völkern.


    Mein Fazit: Kippkontrolle ist nur eine Arbeitsbeschaffungsmaßnahme -> die Brutraumgröße ist davon nicht abhängig oder umgekehrt. Ich würde einfach keine mehr machen.


    Gruss, Christian

  • Hallo Freunde,
    @ Christian
    zu 3. wenn ich Onkel Liebig richtig verstehe, dann ist es höchstwahrscheinlich, dass man bei der Kippkontrolle der oberen Brutraumzarge Weiselzellen findet, wenn das Volk in Schwarmstimmung ist. Das bedeutet aber nicht, dass das alle wären. Nur, wenn ich da schon welche Finde, erst dann muss ich alle Rähmchen ziehen um sicher zu gehen, weil natürlich noch welche an anderen Stellen " versteckt " sind.
    zu 1. Marcus ist wohl anderer Meinung. Wenn er die Dadantbeute kippen kann, dann auch die obere Brutzarge eines Zweizargers.
    zu 2. Das gleiche Schicksahl ereilt die Brücken beim Rähmchen ziehen.
    zu 4. Da bin ich nicht so fern von dir. Schwärme mit Gewalt ( regelmäßiges Zellenbrechen ) zu verhindern ist ein mächtiger Aufwand, verursacht Schäden im Volk und der Ausgang, machen wir uns nichts vor, ist bei vielen ungewiss.
    Viele Grüße
    Wolfgang, der die Imkerei nicht als Heimfluchtprojekt betreibt

    Der Unterschied zwischen Theorie und Praxis ist in der Praxis größer als in der Theorie, also theoretisch.

  • Hallo Wolfgang, wer Brutraum, plus Honigraum kippen kann, der kann auch einen Dadantbrutraum ohne Honigraum kippen. Irgendwie verschweigt uns das der Liebig.
    @ Christian, ich habe modifizierte Rähmchen, da gibt es nur ganz wenig Überbau.
    Bis bald
    Marcus

    39 Völker 30x Segeberger Hartpor 4x Einfachbeute , alle DN 1,5. 2xDadant US und 2x Zander und einmal Warre :O)

  • Hallo Marcus,
    wir haben von DN zweizargig auf einen großen Brutraum 1,5 DN umgestellt. Natürlich müssen wir uns jetzt oft das Argument "Keine Kippkontrolle mehr möglich" anhören. Nur: das hatte auch vorher bei uns im zweizargigen Brutraum nie so richtig geklappt. Oft sind Völker geschwärmt, bei denen die Kippkontrolle keine einzige Schwarmzelle gezeigt hatte. Außerdem war zwischen den Zargen (Segeberger) häufig verbaut und man musste vor der Kippkontrolle sowieso erst die Waben lösen. Lange Rede kurzer Sinn: Wir vermissen jetzt im großen Brutraum die (bei uns sowieso nicht richtig funktionierende) KippKontrolle gar nicht. Ich ziehe 2-3 Waben und dann weiß ich, ob das Volk schwärmen will. Viele Grüße, Brigitta

  • Kippkontrolle war und ist mir zu unsicher.


    Bei DN1.5 ziehe ich die Waben kurz an und stoße sie ab, bevor ich sie ganz herausziehe.
    Es sind dann genug Bienen abgefallen, um die Wabe gut zu kontrollieren.
    Bei ruhigen Bienen fliegen da auch kaum welche auf.

    Mit freundlichen Grüßen - Hardy


    Wende Dich zur Sonne, dann bleiben die Schatten hinter Dir.

  • Warum sollte man einen Dadantbrutraum kippen ?


    Dadant heißt doch: Einfach imkern :wink:


    LG elbieno

  • Hallo Brigitta

    Natürlich müssen wir uns jetzt oft das Argument "Keine Kippkontrolle mehr möglich" anhören.


    Genau, aber wer hindert uns daran den hohen Brutraum auch zu kippen ? Also ist es nur ein scheinbares Argument gegen den großen Brutraum.
    Bis bald
    Marcus

    39 Völker 30x Segeberger Hartpor 4x Einfachbeute , alle DN 1,5. 2xDadant US und 2x Zander und einmal Warre :O)

  • Genau, aber wer hindert uns daran den hohen Brutraum auch zu kippen ?


    Niemand. Kannst natürlich auch einen hohen Brutraum kippen. Bringt genausoviel wie bei einem zweigeteilten. Nämlich nichts :cool:. Bzw. bei uns nicht viel (an Erkenntnisgewinn). Viele Grüße, Brigitta

  • Hallo Markus,


    kann ich alles unterschreiben, Kippkontrolle ist irgendwie Käse. Außerdem mußt Du doch bei Großraumbeuten wesentlich weniger Rähmchen ziehen- das ist ruckzuck gemacht. Allein vom Gewicht her finde ich es nicht problematisch eine 1,5er Zarge anzukippen-wo sind eure Muckis :-D ?

    'If you don't have a plan, you become part of somebody else's plan.'
    Terence McKenna

  • Moin.


    Manchmal frage ich mich, ob alle Kippkontrolleure sich die Kippkontrolle mal bei einem Imker an- oder abgeschaut haben, der das macht und kann und sich haben erklären lassen worauf es ankommt.
    Ich nutze die Kippkontrolle nahezu regelmäßig. Ziel ist es dabei nicht, alle Weiselzellen zu entdecken oder gar zu entfernen. Es werden viel mehr einzelne Parameter abgedscheggt. Die da wären:
    - Bienenmenge
    - Zwischenbau mit Drohnen vorhanden
    - Weiselnäpfchen vorhanden
    - Weiselnäpfchen bestiftet
    - Baurahmen herzförmig bebaut
    - Baurahmen mit Bautraube besetzt
    - Weiselzellen vorhanden
    - Brutnestmitte verhonigt
    ...


    Wenn Völker bei wöchentlichen (max 10-täglichen) Kippkontrollen, die ersten Anzeichen von Schwärmerei zeigen, kann und muß reagiert werden. Vorher unterbleibt jeder direkt das Schwarmgeschehen direkt beeinflussende Eingriff (Schwarmverhinderung). Schwarmdämpfungsmaßnahmen (Brutentnahme, Raumgabe, Baurahmengabe mit offenen Larven ...) werden in ihrer Wirksamkeit nur kontrolliert.


    Es ist durchaus nicht nötig in Völker rumzusuchen, wenn die Kippkontrolle, keine Weiselnäpfe aber schön bebaute und bebrütete BauR und harmonische Bautrauben zeigt. Diese Völker werden nur turnusgemäß behandelt und das bedeutet, daß an ihnen vielleicht (nach der Kontrolle) nur die BauR geschnitten werden oder sie mit HR erweitert werden oder man Brut zur Ablegerbildung entnimmt. Die Eingriffe dauern dann nur wenige Minuten.


    Ist auch nur ein hartes Anzeichen im Volk vorhanden, das Probleme anzeigt, wird direkt nach der Kippkontrolle der komplette Brutbereich umsortiert und abgestoßen oder eine Maßnahme wie Zwischenbodenableger ect. ergriffen.


    Ja, es kommt vor, daß in der Kippkontrolle Schwarmanzeichen übersehen werden die da sind oder daß womöglich keine erkennbar sind. Dann wird die nächste Kontrolle aber wenigstens Weiselzellen zeigen, was den Volksstatus wieder setzt. Die Mißerfolgs- oder Fehlerquote liegt bei regelmäßiger Kippkontrolle deutlich unter dem Aufwand und der Fehlerquote anderer wabenweiser Verfahren. Wer auf dem BauR schon gedeckelte Zellen sieht, kommt nicht nur 3 Tage zu spät. Der hat schon länger was verschlafen. Auch die Kippkontrolle läßt keine 100%ige Bestimmung des Volksstatus zu. Nur aus mehreren aufeinanderfolgenden Kontrollen (Dokumentation) läßt sich eine Entwicklung ablesen. Wer die nicht deuten kann, muß auch die Kippkontrollen nicht durchführen, denn dem schwärmen sie ja sowieso. Der macht dann wohl eher frühe Völkervermehrung und hat dann immer viele aber kleine Völker, viel Schleuderarbeit, viel Materialeinsatz aber dennoch weniger Honig. Wem es gelingt seine Völker immer knapp vor einem Schwarmstimmungsausbuch zu halten der bildet mindestens genausoviele Ableger hat aber wesentlich weniger Arbeit. Deshalb kann der das verschmerzen, wenn er mal ein Anzeichen mißdeutet oder übersah und ihm ein Schwarm abhanden kommt. Bei anderen Methoden fliegen trotz maximiertem Aufwand schließlich auch Bienen davon.


    An 1,5er oder Da-Tant-Beuten, ist ein Kippkontrolle aus mehreren Gründen weniger sinnvoll:
    1. Die Bienen am unteren Wabenrand sind keine Jung- und Pflegebienen, sondern der Wachschutz mit Verteidigungsneigung.
    2. Der normale Bienenflug wird deutlich beeinflußt, wenn die untere Zarge bewegt wird.
    3. Zwischenbau findet unter den Waben sowieso nicht statt.
    4. Hängt das Volk durch, reißt man beim Hochkippen die Traube ab und quetscht beim Zurückklappen.
    5. Die Einblicktiefe in die Wabengassen beträgt mit Rauch etwa 10 cm - wo wär man da auf Großwaben?
    6. Würde ein Eingriff nötig sein, muß die Zarge erst wieder abgestellt werden ehe Wabenweise weitergearbeitet wird. Bei geteiltem BR ist die Kippkontrolle bereits der Anfang des Wegstellens.
    7. Manche bodentiefen Schiede behindern das Kippen vollständig.
    8. Der Schwerpunkt der Honigkränze wandert weit vor den leichten Boden und dieser kann böse hinten hochschlagen, wenn die Großzarge nicht nach hinten versetzt wird.
     
    Ich würde - abgesehen davon, daß ich die Großzargen ohnehin nicht integriert bekomme - von Kippkontrolle in Trend-Beuten abraten. Da ist man bestimmt schneller, wenn man die BauR zieht und paar Waben bewegt. Die Kippkontrollmöglichkeitsgegebenheitschance - allerdings bei DNM - nutze ich gern und oft.

    Mit vielen freundlichen Grüßen
    Henry Seifert (Honig-Bienen-Kurse-Gutachten)
    Faulbrutsanierer, Königinnenverschicker, Schwarmfänger, Bienenretter, Streitschlichter, Kunstschwarmkehrer, Belegstellenwirt, Imkerpate, Probennehmer, Schadenschätzer, Ablegerbilder

  • Wem es gelingt seine Völker immer knapp vor einem Schwarmstimmungsausbuch zu halten der bildet mindestens genausoviele Ableger hat aber wesentlich weniger Arbeit. ...
    An 1,5er oder Da-Tant-Beuten, ist ein Kippkontrolle aus mehreren Gründen weniger sinnvoll...

    :daumen:

    „ Wir können weiter sehen als unsere Ahnen und in dem Maß ist unser Wissen größer als das ihrige und doch wären wir nichts, würde uns die Summe ihres Wissens nicht den Weg weisen.“

  • Hallo Brigitta


    Genau, aber wer hindert uns daran den hohen Brutraum auch zu kippen ? Also ist es nur ein scheinbares Argument gegen den großen Brutraum.
    Bis bald
    Marcus


    Hallo,
    ... niemand, ... aber warum sollte man sich die Mühe überhaupt machen.
    Im Frühsommer habe ich max. 8 Waben im Brutraum. Ich sehe mir den Baurahmen an, ev. noch ein / zwei Brutrahmen aus dem Zentrum und wenn ich dort keine Zellen finde ,... ab zum nächsten Volk.
    Kippkontrolle ist nach meiner prakt. Erfahrung so ziemlich das unsicherste was es giebt. Und wenn ich dann doch Zellen sehe muß ich ohnehin alle 20 -22 Waben durchsehen. Da bin ich mit meinen 6-8 Dadantwaben aber deutlich schneller.


    gruß Finvara

    Man kann ohne Bienen leben, ... aber es lohnt sich nicht.

  • Hallo zusammen,

    Hallo, die Gegner des großen Brutraumes( Dadant, DN1,5 .....)schreiben ja, dass man beim geteilten Brutraum eine Kippkontrolle machen kann.
    Wieso kann ich das nicht auch beim großen Brutraum ? Ich persönlich sehe kein Problem eine große Zarge zu kippen.


    Die große Wabe muss noch nicht einmal gekippt werden, es gibt noch eine einfachere Möglichkeit:
    Es geht um die letzten beiden Bilder. :-D


    Über die Zuverlässigkeit kann ich nichts sagen, ich mache keine und ich brauche keine Kippkontrolle.
    Aber m.E. ist sie nicht schlechter, als beim Kippen zwischen den Bruträumen. :daumen:
    Viele Grüße,
    Rudi