Aufzucht von Jungvölkern aus Kleinstkunstschwärmen

  • Hallo,


    ich habe in diesem Jahr die Entwicklung von Kleinkunstschwärmen von der Bildung Ende Mai bis Ende September verfolgt. Die Aufzucht von Jungvölkern aus Kleinstkunstschwärmen hat folgende Vorteile:

    • Geringe Varroabelastung im Sommer
    • Wenig Bedarf an Bienen


    Die Kunstschwärme wurden am 31.5. mit unbegatteten Königinnen gebildet:

    • teilweise mit 200g Bienen im DNM-EWK
    • teilweise mit 100g Bienen im Kieler MWK.


    Die Umsetzung in die Beuten erfolgte am 20.6., und zwar

    • 6 DNM-EWK in Segeberger Styroporbeuten DNM 1,5 in Querbau
    • 3 Kieler MWK in Segeberger Styroporbeuten DNM 1,5 in Querbau, zusätzlich verstärkt mit 100g Bienen
    • 4 Kieler MWK in Einfachbeuten Holz DNM in Querbau, zusätzlich verstärkt mit 100g Bienen


    Die DNM-EWK-Waben wurden an die Stirnseite gesetzt.
    Die Kieler MWK-Waben wurden mit Kabelbindern in Rähmchen befestigt, die an die Stirnseite gesetzt wurden.
    Die eingesetzten Begattungseinheiten wurden mit 1 Leerwabe und 1 styroporisolierten Schied abgedeckt.
    Nachfolgend wurde passend zum Wachstum mit Leerwaben erweitert.


    Am 21.7. wurde mit der Schätzung der Völkerstärke begonnen, wobei die Liebefelder Schätzmethode angewandt wurde.
    Dabei wurde festgestellt, dass die Völker BG1 und BG3 in den Holzbeuten nicht gewachsen waren. Sie wurden mit 100g Bienen nachverstärkt.


    Die durchschnittlichen Wachstumskurven der 3 Gruppen sind in der beigefügten Grafik dargestellt.
    Die Stärke aller Völker und deren Varroatotenfall am 22.9. sind in der beigefügten Tabelle dargestellt.


    Aus den Daten können die folgenden Schlüsse gezogen werden:

    • In Styroporbeuten funktioniert die Aufzucht von Jungvölkern aus Kleinstkunstschwärmen problemlos.
    • Bei den Styroporbeuten ist kein wesentlicher Unterschied zwischen den Völkern aus DNM-EWKs ohne Nachverstärkung und denen aus Kieler MWKs mit Nachverstärkung zu erkennen.
    • In den Holzbeuten ist das Wachstum viel geringer, die Startmenge von 200g ist kritisch! Eine knappe Einwinterungsstärke wird erreicht. Eine Startmenge von 400g ist zu empfehlen, wenn auch in dieser Versuchsreihe nicht getestet.


    Gruß Ralph

  • Danke für das Einstellen und Teilen. Es ging ja (soweit ich mich erinnere) in einer Diskussion um die Frage, wie kleinteilig man ein Volk starten kann. Ich bin gespannt, wie sie auswintern im Vergleich zu größer gestarteten Völkern.


    Ich verstehe nicht so richtig, welche Aussage getroffen werden soll.


    Da stimmt ausnahmsweise mal der Titel des Threads mit dem Beitrag überein, und dann das! :)


    Für empirische Evidenz erscheint mir auch die Grundgesamtheit zu klein.


    Was ist eine Grundgesamtheit? Ich lese den Beitrag weniger als Beweisführung denn als Beobachtungsbeschreibung - mit Zahlen noch dazu - plus der Interpretation der Beobachtungen.


    Ich wünschte mir noch viel mehr solcher Beiträge!


    Viele Grüße


    Bernhard

  • Hallo,


    finde ich sehr aufschlussreich.
    Ich selbst, hatte heuer im Mai ein "Kleinvolk" gebildet und hatte mit dem kalten Wetter im Juni Probleme, so dass mir die bald Hops gegangen wären.
    Ich habe es sogar beheizt. Wobei der Juni bei uns außer ordentlich kalt war.
    Es war eine Holzbeute-Miniplus. Mit Styrophor wäre es sicherer gewesen.
    Im Juli musste ich das Volk nochmals verstärken, sonst wäre es mit der Winterstärke nichts mehr geworden.
    Gruss,
    Christian

  • Mir ist jetzt aufgefallen, dass die Beschriftung der x-Achse der Grafik vermurkst ist. Statt des Datums sind hier Tage angegeben. Deshalb stelle ich hier die Grafik noch einmal mit der korrekten x-Achse ein.


    Gruß Ralph

  • Ich verstehe nicht so richtig, welche Aussage getroffen werden soll. Für empirische Evidenz erscheint mir auch die Grundgesamtheit zu klein.


    Auch kleine Testreihen liefern sichere Hinweise auf Zusammenhänge, sofern sämtliche Ableger am gleichen Standort mit dem gleichen Futter versorgt wurden. Um den Kieler Holzkasten muss man sich keine Sorgen machen, es gibt doch genug Imker, die eine grundsätzliche Abneigung gegen Plastik haben.


    Ralph  :daumen:


    Gruß Sven

  • Danke Ralph, für die Ausführungen.


    Sie bestätigen, aber auch meine Aussage, das die Entwicklung der Völker in Segeberger Beuten im Frühjahr besser startet,als in Holzbeuten, bei gleicher Stärke.

    Gruß Reinhard / Lehre mich die wunderbare Weisheit,daß ich mich irren kann.(Teresa v. Avila)

  • Auch ich sage Danke für die überaus interessanten Auswertungen der Beobachtungen. Es ist interessant, wie wenig Bienenmaterial für die erstellung einer winterfähigen Einheit notwendig ist.


    Ausprobiert habe ich es aus Zeitgründen nicht. Diesjährig habe ich alle Swi-Bine-Begattungsvölkchen wie folgt aufgelöst: je zwei Wäblein in ein Miniplusrähmchen. Aus 12 Begattungsvölkchen wurden 18 Mini-plus-Waben, alle Bienen zusammengeworfen, natürlich mit nur EINER Königin.


    Das neue, im September gebildete Volk sitzt mittlerweile auf 4 Zargen und ist voller Bienen: Foto


    Gruß
    KME

  • Hallo Ralph,


    danke für die Daten! Schön zu sehen, wie gleichmäßig sich die Population vergrößert und dass sich das Material (vermutlich die Isolierung) der Beute auswirkt. Was ich nicht verstehe ist deine Schlussfolgerung bzgl. der Volksstärke bei Bildung der Einheiten. Deine Aussage "die Startmente von 200g ist kritisch", als auch "eine Startmenge von 400g" ist zu empfehlen, kann ich so nicht nachvollziehen.
    Woran machst du diese Aussagen fest?


    Gruß
    Ludger

  • Deine Aussage "die Startmente von 200g ist kritisch", als auch "eine Startmenge von 400g" ist zu empfehlen, kann ich so nicht nachvollziehen.
    Woran machst du diese Aussagen fest?


    Zwei der Völker in den Holzbeuten waren bei der ersten Schätzung der Volksstärke leicht geschrumpft und hatten im Vergleich zu den anderen Völkern wenig Brut. Deshalb waren 200g Bienen nicht ausreichend und ich musste mit 100g nachverstärken, was in der Summe 300g Bienen bedeutete. Auch diese Menge führt nicht zu einem starken Volk, deshalb die Empfehlung, in Holzbeuten nicht unter 400g zu starten.


    Gruß Ralph

  • Hallo Ralph,


    Ok, dieser Teil war aus dem Diagramm nicht zu entnehmen, klingt so aber plausibel. Hast du eine Erklärung für den deutlichen Aufwärtsknick um den 25.7 herum? Er scheint in allen drei Kurven gleichzeitig (und damit unabhängig von der Volksstärke) vorhanden zu sein.


    Gruß
    Ludger