Räuberei mit "Bienenflucht" beenden?

  • Hallo,


    ich bin ein Neuling, habe diesen Herbst erst meine zwei Stöcke bekommen und bin gerade dabei meine ersten Erfahrungen zu machen. Ich habe mich zwar schon vorher 1,5 Jahre eingelesen und informiert, die Praxis ist dann aber wieder etwas anderes.


    Eines der beiden Völker war stark von Varroa befallen und ist dann von anderen Bienen überfallen worden. Auch Flugloch Verengung hatte nur begrenzten Erfolg und nach Abschluss der Behandlung musste ich feststellen, dass die Königin futsch war und kein Material zum Umweiseln mehr vorhanden. Nachschaffen hat in der Zwischenzeit geklappt, aber es sind nur wenige Bienen im Stock verblieben und der Stock wird weiterhin stark angegriffen.
    Irgendwie muss ich den Stock jetzt verstärken damit er über den Winter kommt. Brutzugabe hat hat so meiner Meinung nach wenig Sinn, da zu wenig Ammenbienen vorhanden sind.


    Jetzt hätte ich folgende Idee und wüsste gerne eure Meinung dazu:
    Ich habe einen speziellen Mäusekeil für das Flugloch gebaut, dann den Einsatz einer Bienenflucht halbiert und so in den Mäusekeil eingebaut, dass die Räuberbienen zwar einlaufen können aber den Stock nicht mehr verlassen können.
    Ich stelle den schwachen Stock weg, stelle an diese Position eine Leere Beute mit dem Mäusekeil mit eingebauter Bienenflucht. Mit den eingeflogenen Bienen verstärke ich später das schwache Volk.


    Hier nun meine Fragen:
    Kann so eine Räuberei beendet werden?
    Können die Räuber in das Volk integriert werden?
    Wie lange brauchen die so eingelaufenen Bienen bis sie Weisellos sind und im neuen Volk bleiben?


    Über Hilfestellung und eure konstruktive Meinungen dazu würde ich mich sehr freuen.


    Ps.: Volk vernichten ist wirklich meine letzte Option, davor möchte ich alle Möglichkeiten ausschöpfen.

  • Volk vernichten ist wirklich meine letzte Option, davor möchte ich alle Möglichkeiten ausschöpfen.

    Du machst Geigel und es wird einem beraubten Volk im September nicht mehr helfen, wenn es zudem varroakrank war. Löse es auf und laß die Bienen noch sinnvolle Arbeit in den Völkern verrichten, in die sie sich einbetteln. Völker deren Varroaschaden bereits an ungedeckelten Brutzellen sichtbar zu Tage tritt, sind nicht zu retten und jede Müh ist vertane Liebe.

    Mit vielen freundlichen Grüßen
    Henry Seifert (Honig-Bienen-Kurse-Gutachten)
    Faulbrutsanierer, Königinnenverschicker, Schwarmfänger, Bienenretter, Streitschlichter, Kunstschwarmkehrer, Belegstellenwirt, Imkerpate, Probennehmer, Schadenschätzer, Ablegerbilder

  • Hallo Bienengerti,


    das Volk ist nicht in Ordnung, sonst würde es nicht beraubt werden. Dein Trick mit den Bienenfluchten wird nicht funktionieren. Wenn die Varroabehandlung erfolgreich abgeschlossen ist, verstärke Dein zweites Volk mit den Bienen des aufzulösenden Volkes. Sonst muss Du es im Frühjahr oder schon zu Weihnachten auflösen/abräumen.


    Als Anfänger/Beginner möchte man jedes Volk retten. Das kann ich gut verstehen, vielleicht hast Du auch noch viel Geld dafür gezahlt. Wegstellen aus dem Flugradius der Räuber kannst Du versuchen. Vermutlich ist es aber schon zu schwach und die Königin ist nicht in Ordnung (daher die Räuberei).


    An Deiner Stelle würde ich es (wie gesagt, wenn Varroabehandlung erfolgreich abgeschlossen) in einigen Metern Entfernung vor dem anderen Volk von den Waben abfegen. Die Waben dann Bienen und Ameisensicher verstauen oder entsorgen, je nach Qualität.


    LG Olivia

    Wiedereinsteigerin nach 20 Jahren. :Biene:

  • Hallo Bienengerti,


    im Prinzip ist alles gesagt.
    Du hast allerdings nicht angegeben, wie lange eine Brutpause bei dem Volk herrschte und wann die nachgeschaffene Königin dann in Eilage ging.
    Wieviel Brut haben die denn jetz nun tatsächlich und wieviele Bienen sind es überhaupt, wieviele Wabengassen besetzen sie?
    Wann und womit hast Du sie behandelt?
    Hast Du vielleicht die brutfreie Phase für eine Behandlung genutzt? (Das wäre gut)
    Falls es noch genug Bienen und Brut ist, dann hilft nur Verstellen aus dem Flugkreis.


    Die geklauten Flugbienen wären ja allesamt aus Deinem zweiten Volk, damit schwächst Du dieses außerdem noch.
    Und was sollen diese "alten Tanten", die Flugbienen nun mal sind, dem schwachen Volk noch wesentlich bringen? Wichtig ist, das dieses genügend Winterbienen aufgebaut hat und behält, um durchzukommen. Außerdem sollten diese möglichst unbeschadet sein, was bei einer deutlichen Varroaerkrankung zweifelhaft ist.


    Auflösen ist sinnvoller! Damit verstärkst Du noch das verbliebene Volk. Das geht fetter in den Winter.
    Dann machst Du eben frühzeitig einen dicken Ableger 2014.


    Zu Deiner Theorie: gaaaanz theoretisch wäre das ein Absammeln für einen Kunstschwarm mit alten Flugbienen, diese müßten mit Beeboost zB. in einer Schwarmfangbox oder in der Beute in Kellerhaft. Nach drei Tagen könnte man sie wieder gaaaanz theoretisch wo zulaufen lassen.
    Jedoch: s.o.
    Und außerdem starten immer wieder neue Sammelbienen aus dem Räubervolk, die immer noch wissen, wo es was leckeres ganz easy zu holen gibt. Sind alle Flugbienen aktuell (fast) abgefangen, dann rekrutieren sie neue, die bekommen schön vorgetanzt, wo das Feßchen ist -
    und weiter geht`s.
    Also kein Räuberei-Ende. Nur Schrecken ohne Ende und Arbeit ohne Ende.:roll:


    Grüße


    Marion


    die auch immer alles retten will, aber auch anders kann, wenn nötig :cry:

    "Wer die Leidenschaft als Jugendsünde abtut, degradiert die Vernunft zur Alterserscheinung".
    Hans Kasper

  • Hallo Marion,
    vielen Dank für deine Antwort, ganz besonders, da du auf meine Fragen eingegangen bist. Ich weiß natürlich dass bereits jetzt nicht mehr viel zu machen ist, mich hätte nur interessiert ob man eben diese Räuber auch einkassieren und zur Verstärkung verwenden könnte.


    Ich glaube übrigens nicht, dass die Bienchens vom zweiten Stock sich groß dabei beteiligen, der hat sich schon am Zucker vollgesogen und alles was nur geht mit Vorräten belegt. Zudem hab ichs mit der Mehlmethode nochmals zu Sicherheit überprüft.


    Danke nochmals für deinen Beitrag. Der hat mir wirklich weitergeholfen.

  • Hallo Henry.


    Danke für deine Antwort, aber das kann ich überall nachlesen, dafür hätte ich deinen Beitrag nicht gebraucht.
    Ich habe derzeit zwei Völker stehe am Anfang und habe Zeit mich auch um aufwändigere Angelegenheiten zu kümmern.


    Hast du noch Tipps zu den Fragen die ich gestellt habe?

  • Hallo Gerti,


    hatte das Problem im Juni, bei einem Ableger.


    auf jeden Fall 2 km verstellen, die Räuberei hört dann auf. Flugloch zwei Bienen breit.
    Wespenfalle hinter der Beute aufstellen (Flasche mit Sirup, kein Zuckerwasser!), sonst kommen die auch noch.


    Wieviele Wabengassen sind denn besetzt? Vielleicht ist es ja noch ausreichend.
    Ist die Königin wirklich da?
    Auflösen mache ich auch nicht gerne. Wenn Dein anderes Volk stark genug ist, ist es ja nicht nötig.
    Außerdem importierst Du dann dort die Milben, die auf den Bienen sitzen.
     
    In welcher Gegend bist Du? In 1000m NN wird wohl der Frost eher kommen als auf 300m NN, dann musst Du evtl. anders handeln.


    Gruss, Christian

  • ... habe Zeit mich auch um aufwändigere Angelegenheiten zu kümmern.

    Dann lege Bieneneier und brüte die aus und zieh' Dir 5.000 fette Winterbienen auf! :roll:


    Nur weils alle sagen, muß es nicht falsch sein. Glaubst Du nicht, daß viele Erfahrene auch schon mehr als einmal versucht haben - mit viel Zeit - Völker zu retten und daran scheitern mußten, ja vielleicht sogar andere Völker riskiert oder verloren haben, nur um ein krankes zu retten? Wenn Du schon bei Gerstung lesen kannst, daß man selbst zwei Schwächlinge nicht zusammenschmeißt, weil die auch zu zweit kein homogenes Volk bilden und manch Hygieniker schwache Völker sogar gnadenlos abschwefelt, woher meinst Du kommt diese Erkenntnis? Könnte dort Erfahrung liegen?


    Mit beräuberten Völkern kann man nur was retten, wenn man sie rechtzeitig gesund bekommt. Was im Juli noch geht ist im September zu spät!

    Mit vielen freundlichen Grüßen
    Henry Seifert (Honig-Bienen-Kurse-Gutachten)
    Faulbrutsanierer, Königinnenverschicker, Schwarmfänger, Bienenretter, Streitschlichter, Kunstschwarmkehrer, Belegstellenwirt, Imkerpate, Probennehmer, Schadenschätzer, Ablegerbilder

  • Wespenfalle hinter der Beute aufstellen (Flasche mit Sirup, kein Zuckerwasser!), sonst kommen die auch noch.

    Was soll das denn? :evil:

    Mit vielen freundlichen Grüßen
    Henry Seifert (Honig-Bienen-Kurse-Gutachten)
    Faulbrutsanierer, Königinnenverschicker, Schwarmfänger, Bienenretter, Streitschlichter, Kunstschwarmkehrer, Belegstellenwirt, Imkerpate, Probennehmer, Schadenschätzer, Ablegerbilder

  • Hallo Bienengerti


    zur ersten Frage: grundsätzlich ja, in dem du das Volk am Abend, aus dem Flugradius des räubernden Volkes schaffst. Sind die Räuberbienen nicht von deinem Volk, besteht die Gefahr das dann das andere Volk angegriffen wird. Deshalb sollte an der Stelle des ausgeraubten Volkes trotzdem eine Beute stehen, das die Räuber merken es ist nichts mehr zu holen.
    Sind es deine eigenen Bienen die räubern kannst du das Volk auf eine Einlaufhilfe in das andere Volk einschlagen, wenn die Bienen die Möglichkeit hatten sich vollzusaugen. Die werden dann besser angenommen, sonst könnte es auch zur Stecherei kommen.


    zur zweite Frage: gibt es ein eindeutiges nein.


    zur dritten Frage: wenn es um die Räuberbienen geht, die bleiben nicht im Volk, sondern brechen in Panik aus wenn sie eingesperrt sind.
    Deine eigenen Bienen begreifen schnell das sie ohne Wohnung sind, werden aber auch immer wieder zum alten Standort der Beute zurück fliegen, deshalb muß die Beute weg.
    Wenn nur noch eine Handvoll Bienen, in der ausgeraubten Beute sind, dann kommt man besser mit dem Schwefelfaden.


    Ich hoffe ich habe mich verständlich ausgedrückt, viel Glück.

    Gruß Reinhard / Lehre mich die wunderbare Weisheit,daß ich mich irren kann.(Teresa v. Avila)

  • Ups, irgendwie hatte ich vorausgesetzt, dass es das Nachbarvolk ist.


    Wie gesagt, ganz isoliert zu der Frage der Räuberbienen-Nutzung: ist zwar denkbar (s.o.) aber total umständlich und uneffizient, sowie nicht langfristig etwas bringend, zumal Du jetzt nun auch nicht weiß, worher und was für Bienen das sind.


    Meiner Meinung nach suchen Räuberbienen geauso am Stand weiter, wenn sie dort eine aufgestellte Leerbeute finden, weil es dort nur eine Leerbude gibt. Ob also Beute weg oder Leerbeute hin - das ist auch unnötige Arbeit.
    Ist das andere Volk stark genug und mit einem vielleicht schon eingeengtem Flugloch, dann vergeht ihnen das sehr schnell von ganz alleine:
    Keine Tänze mehr zu Hause, dann kommt auch keiner mehr vorbei.


    Grüße


    Marion

    "Wer die Leidenschaft als Jugendsünde abtut, degradiert die Vernunft zur Alterserscheinung".
    Hans Kasper

  • Hallo Marion,
    eine leere Beute an der Stelle des verstellten, ausgeraubten, Volkes ist keine unnötige Arbeit.
    Die Räuberbienen fliegen weiterhin dort ein, merken dann aber, das es dort nichts mehr zu holen gibt.
    Irgendwann ist dann diese "Tracht"-quelle uninteressant, die Meldungen im Volk darüber werden von interessanteren, ergiebigeren abgelöst (hoffentlich nicht das Nachbarvolk, aber wir haben ja Vorkehrung getroffen - verengtes Flugloch).
    So verläuft sich die Räuberei.
    Geht auch mit Geräteschuppen am Bienenstand: Nachts leerräumen, dann wie mit leerer Beute verfahren.
    Tja, woher ich das nun wieder weiß...
    Viele Grüße
    Lothar

    Solange Menschen denken, das Tiere nichts fühlen,
    müssen Tiere fühlen, das Menschen nicht denken.

  • Das mit dem Geräteschuppen mußt Du mir nochmal erklären, ich steh grad auf dem Schlauch.


    Ist es nicht wurscht, ob die Beute, die beräubert wurde einfach nur weg ist oder ob da eine Leerbeute steht?
    Oder geht es darum, dass da noch Volk Nr zwei ist und die bei fehlendem Anflugziel sofort dort diese aufs Korn nehmen?


    Grüße


    Marion

    "Wer die Leidenschaft als Jugendsünde abtut, degradiert die Vernunft zur Alterserscheinung".
    Hans Kasper

  • Hallo Marion,
    bei dem zweiten Volk kommt es darauf an, wie das Volk beschaffen ist.
    Ein starkes Volk mit guter Fluglochbewachung kann da meiner Meinung nach stehen bleiben.
    Geräteschupen diente bis zur Räuberei als Beuteteilelager und auch Wabenlager(!).
    Daher die Räuberei darin.


    Hallo Miteinander,
    gab es da nicht mal eine Vorgehensweise, die Räuberbienen mit einem Duft einzusprühen, damit dies zu Hause nicht reingelassen werden, damit der Informationsfluss über die Trachtquelle abebbt?
    Viele Grüße
    Lothar

    Solange Menschen denken, das Tiere nichts fühlen,
    müssen Tiere fühlen, das Menschen nicht denken.