Hilfe für Neuling

  • Hallo zusammen,
    zunächst möchte ich mich vorstellen, ich heiße Andreas, 56 Lenze jung, Kleingärtner und noch weitere Interessen.Mein Lebensraum ist im Vordertaunus. Als Naturliebhaber und Genießer von Honig kam mir die Idee in unsrem Schrebergarten ein oder mehrere Völker aufzustellen. Der Vorstand sowie meine Gartennachbarn haben meine Idee begrüßt. Einige Fragen die ich hier stelle sind bestimmt schon gestellt und beantwortet,doch ich hätte es gern zusammengefasst.
    1.Wie viel Völker sind für einen Anfänger max. sinnvoll? ich habe nur am Wochenende Zeit mich und die Bienen zu kümmern.
    2.Wo und wie kaufe ich am besten ein Volk sowie das nötige Zubehör.
    3.Wie viel Zeit muß ich pro Volk/Woche rechnen
    4.Was ist bei der geographischen Aufstellung zu beachten, ich kann ein Bild vom geplanten Standort einfügen.
    5.Mit welchen Kosten muß ich zu Anfang, und im laufenden Betrieb rechnen.


    Ich denke das war es fürs erste. Ich freue und bedanke mich im voraus für die konstruktiven Antworten.
    Wann immer es geht beobachte ich die kleinen Summer bei ihrer harten arbeit.


    Besten Dank, Andreas, Taunustraum

    Carpe diem, Lebe jeden Tag als wäre es dein letzter.

  • Hallo Andreas,


    erst einmal herzlich willkommen hier im Forum. Ich bin zwar auch noch Anfänger, aber ich hab mich schon viel mit deinen und anderen Fragen beschäftigt. Vorab: Es macht immer Sinn, sich jemanden aus einer Umgebung zu suchen, der dich bei dem Umgang mit den Bienen unterstützen kann. Das muss nicht unbedingt ein Verein sein, macht aber trotzdem Sinn. Ein Blick sagt halt mehr als tausend Worte:


    zu 1: Anfänger sollten sich im Frühjahr zwei bis drei Ableger holen. Die Völkerführung ist überschaubarer und die Erfahrung von Dir wächst mit deinem Volk. Es ist halt was anderes, wenn man ein Volk mit 5.000 Bienen öffnet anstatt eines mit 50.000... Drei Völker sind besser als eines (ich bin mit zwei angefangen). Du kannst so besser vergleichen und wenn mal eines zugrunde geht, hast du zumindest noch ein oder zwei andere.


    zu 2: Für das Volk kaufen gibt es verschiedene Wege. Du besuchst einen Imkerkurs. Einige bieten am Ende des Kurses eine Volk als Geschenk an. Oder du wendest dich an einen Imkerverein und erwirbst hier einen Ableger. Das Zubehör bekommt man entweder über das Internet (www.www.holtermann-shop.de www.bienenweber.de www.dehner-bienen.de usw. usw.) oder über lokale Imkerbedarfsläden. Ob und wo es einen bei dir gibt, kann ich dir leider nicht sagen.


    zu 3: Das kommt stark auf deinen Kenntnisstand, deine Neugierde, deiner Betriebsweise und der Jahreszeit an. Die meiste Arbeit fällt von April bis Juni / Juli an. Da sind die Völker am aktivsten, bauen die Nester auf und wollen schwärmen. Da musst du alle sieben Tage in die Völker schauen. Je nach Erfahrung dauert das pro Volk 5-10 Minuten oder halt 30 Minuten. Nach der letzten Honigschleuderung im Juli wird es dann ruhiger und es genügt alle zwei Wochen mal nach dem rechten zu gucken. Ab Mitte September / Anfang Oktober ist dann (bis auf eine kurze Winterbehandlung im Dezember) Schluss mit dem Bienenjahr. Dann hast du Urlaub bis Februar / März.


    zu 4: Das Volk sollte zumindest einmal / Tag Sonne abbekommen (zumindest wenn sie scheint). Am besten nicht die pralle Mittagssonne. Schön wäre es, wenn direkt morgens die frühe Sonne die Bienen weckt und dann Mittags z. B. ein Baum die Bienen vor der Sonne schützt. Das Flugloch sollte nach Süden stehen. Bei allen anderen Ausrichtungen kannst du drei Imker fragen und du hast drei Meinungen, was am besten ist. Meine stehen z. B. nach Nord / Osten. Geht bisher auch ganz gut - wobei sie früh Sonne bekommen und ab 14 Uhr im Schatten stehen. Wichtig ist ein Windschutz, damit die nicht den direkten Zugwind abbekommen. Zu Feucht darf es nicht sein. Das mögen die Bienen nicht. Wenn du nicht möchtest, dass die Bienen eine lange Anflugschneise über Nachbars Garten benutzen, kannst du die Bienen so stellen, dass eine z. B. 2 Meter hohe Hecke bei dem Flugloch steht. Die Bienen gehen dann gleich nach dem Start auf Höhe und sind für die Nachbarn nicht mehr zu bemerken. Ach ja, eine Trinkmöglichkeit sollte noch vorhanden sein. Entweder ein Teich, Fluss oder du musst etwas anderes anbieten. Gerade im Hochsommer benötigen die Bienen Wasser.


    zu 5: Kosten ist so eine Sache. Das teuerste ist die Ausrüstung zum Honig schleudern. Eine Schleuder kostet zwischen 300 und 6000 EUR. Am besten geht es, wenn du hier einen Imkerkollegen hast, bei dem du die ersten Jahre schleudern kannst. Gute Anfängerschleudern liegen bei rund 400-700 EUR. Dazu noch etwas Zubehör für 150 - 200 EUR und fertig ist die Honigernte. Die Bienenkisten / Volk liegt bei rund 180 EUR (mit allem Zubehör - hab ich grade selber ausgerechnet) plus noch etwas Zubehör, welches du nicht bei jedem Volk brauchst (wie Absperrgitter, Bienenfluchten etc.) bei rund 200 bis 250 EUR. Dazu noch die Imkergrundausstattung (Smoker, Stockmeißel, Schleier, Abkehrbesen) für rund 100 EUR. Also für drei Völker ohne Honigernteausrüstung ist man mit rund 700 bis 800 EUR dabei. Ist kein günstiges Hobby - vor allem zu Anfang - aber wie jedes Hobby kostet es Geld - macht aber wahnsinnig Spaß.


    Du solltest den Winter nun nutzen, um dir einen Imkerpaten zu suchen und viel zu lesen. Das hab ich Anfangs falsch gemacht. Ich habe zwar auch viel gelesen, aber hab im Prinzip mit dem Imkerkurs direkt die Bienen angeschafft. Da war ich auf eine Betriebsweise schon festgelegt. Daher mein Tipp (ohne Betriebsweise vorzugeben) lese zwei drei Bücher (z. B. "Einfach Imkern" von Dr. Liebig, "Natürlich Imkern in der Großraumbeute" von Melanie von Orlow). Beide Bücher sind für Anfänger gut geeignet. Beide Bücher beschreiben jedoch die am meisten verbreiteten untertschiedlichen Betriebsweisen. Dr. Liebig das Imkern in kleineren Beuten mit dem Rähmchenmaß Zander (bzw. DNM), welches aktuell bei vielen Anfängen gerade im Norden stark genommen wird sowie bei Melanie das Imkern in Großraumbeuten. Beide Betriebsweisen haben Vorteil. Ließ dir beide Bücher durch und entscheide dann, welche die für dich bessere ist.


    Viele Grüße


    Frank

    12er Dadant, Buckfast

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  • Hallo Andreas,


    schön, daß die Imkerschaft sich so vermehrt!
    1. Ich würde sagen 3. Alles darunter frustriert zu sehr bei Winterverlusten, allse darüber überfordert viele Einsteiger zu sehr.
    2. Gibt es einen Imkerverein in Deiner Nähe? Dort gibt es bestimmt diverse nette Menschen, die Dir einen Ableger/Völker verkaufen oder im besten Fall schenken. Nötiges Zubehör neu im Imkerfachhandel, derer gibt es viele, hier ein paar Beispiele:http://www.holtermann-shop.de/,http://www.bienenweber.de/http://www.bienenzuchtbedarf-seip.de/.
    3. Das ist schwer zu sagen, je nachdem wie intensiv oder extensiv Du Deine Bienen hältst. Ich habe mir das noch nie ausgerechnet, da gibt es hier im Forum mit Sicherheit ein paar talentiertere Zahlendreher als mich...
    4. Fluglochausrichtung am besten nach Süden, Mittags beschattet, keine feuchten Senken.
    5. Wow, die Kosten- wenn Du bestimmte Dinge gebraucht kaufen, Ableger geschenkt oder für einen Niceprice erwerben kannst und vielleicht auch noch eine Förderung beantragst, kommst Du am Anfang günstig weg. Vielleicht kannst Du Dir die Beuten auch selber bauen? Wenn das alles nicht der Fall ist, mußt Du am Anfang einiges berappen. Eine komplette neue Beute kostet zwischen 80 und 100€, Imkerbluse, Smoker, Meißel, Besen nochmal 100€, Mittelwände und Rähmchen braucht es auch noch, Gläser, Eimer, Schleuder und so weiter, ach, es hört garnicht wieder auf... Schleuder kann man sich leihen, Du kannst Deinen Honig aber auch pressen, dann hat sich die Schleuder erübrigt. Varroabehandlung und Winterfutter schlagen auch noch ein Loch in die Kasse...


    Wie auch immer, viel Glück für deinen Einstieg!
    Gruß,
    zonia

    'If you don't have a plan, you become part of somebody else's plan.'
    Terence McKenna

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  • Ja,
    sehr gut zusammengefasst. Wenn, falls es mal die Idee gäbe, gerade für immer wieder gestellte Fragen einen Leitfaden, ein Büchlein oder ein Kompendium zusammenzustellen, worauf auch Anfänger leicht zurückgreifen könnten hier im Forum, so stünde für mich dieser Beitrag an erster Stelle.
    Ach ja, Andreas, herzlich willkommen hier und viel Spaß mit den Bienen.
    Viele Grüße
    Wolfgang, der wegen der Wochenendproblematik noch " den Wochenendimker " auf die Bücherliste an Platz drei setzen würde.

    Der Unterschied zwischen Theorie und Praxis ist in der Praxis größer als in der Theorie, also theoretisch.

  • Hallo Andreas,


    willkommen im Forum.


    Bin auch Kleingartenimker und habe 3 Völker, damit hast Du am Anfang genug zu tun, schaffst das aber auch problemlos am Wochenende.
    Keine Angst vor den Kosten, man muss nicht alles auf einmal anschaffen, zu Anfang brauchst Du erstmal nur die Beuten + Rähmchen + Mittelwände,
    nen Stockmeißel + Imkerjacke + Smoker + Bienenbesen, ganz praktisch ist auch eine Sprühflasche zum Wasser sprühen.


    Wenn es dann zur Honigernte geht, kommt natürlich noch der Rest hinzu.


    Ein Tipp noch, kauf Dir bloß keine Imkerhandschuhe aus Leder, man hat überhaupt kein Gefühl in den Fingern damit, ich nehme einfache Haushaltshandschuhe,
    geht prima.


    Und wie schon oben gesagt, such Dir einen Imkerverein/Paten.


    Gruß Jan

    Dubium sapientiae initium. Zweifel ist der Weisheit Anfang. René Descartes

  • Hallo Hobbit,
    ja, ich meinte dich. Ich selbst bin zu doof zum Bewerten, finde es nicht gut und bin mir garnicht sicher, ob ich das überhaupt darf.
    Viele Grüße
    Wolfgang

    Der Unterschied zwischen Theorie und Praxis ist in der Praxis größer als in der Theorie, also theoretisch.

  • Hallo Frank, und auch alle übrigen Forums Mitglieder,
    ich danke euch sehr für die teilweise sehr umfangreichen und Aussagekräftigen Antworten-die ich mit Sicherheit beherzigen werde.
    Was ich bisher so gelesen hatte deckt sich mit euren Antworten, die Einstiegskosten hatte ich ich auch mit knapp 1000,-EUR veranschlagt.
    Wenn ich WE wieder im Garten bin-leider wächst das Unkraut (Wildkraut) auch ohne mein Zutun-mache ich ein paar Bldler wo ich die Völker aufstellen möchte. Ich denke die Letzten drei Monate werde ich mit Lesen und Vorbereitungen verbringen, die notwendigen Dinge anschaffen um dann im Frühjahr richtig loszulegen. Sicherlich tauchen in der Zwischenzeit noch einige Fragen von mir auf. Gibt es einen Imkerpaten in 613... oder näherer Umgebung??
    Wenn ja freue ich mich über eine PN. Bis dahin danke,eine gute Zeit. Taunustraum (Andreas)

    Carpe diem, Lebe jeden Tag als wäre es dein letzter.

  • Hallo zusammen,anbei ein bild vom geplanten standort, ,das helle gebäude ist ein das werkzeuglager,die linke hütte ist vom nachbarn,die rechte ist meine, vor dem hinteren gebäude wollte ich sie dann platzieren,ausflugrichtung ist nach süden.

    Carpe diem, Lebe jeden Tag als wäre es dein letzter.

  • Hallo Andreas,


    ein Bild ist nicht angekommen. Du musst Spendirbiene sein, um hier direkt Bilder posten zu können. Ansonsten musst du die Bilder über externe Medien einstellen und verlinken.


    Zu deiner Erklärung kann ich sagen, wenn der Stellplatz Mittags Schatten bietet und dann noch Windgeschützt ist, ist er ideal.


    Gruß
    Frank

  • Mensch Hobbit,
    wie ist das so als Hochseeimker? Wo findet man da am Mittag Schatten? Wird es deinen Bienen nicht schlecht von der ganzen Schaukelei? Und ist das richtig, nie gegen den Wind behandeln?
    Viele Grüße und immer schön auf den Baum aufpassen
    Wolfgang

    Der Unterschied zwischen Theorie und Praxis ist in der Praxis größer als in der Theorie, also theoretisch.

  • Moinsen Wolfgang,


    ist mit dem Einfliegen etwas schwierig. Kaum sind die Bienen eingeflogen, ist man schon wieder weg. Der Verflug ist schon ein großes Problem :roll:


    Mit dem Schatten ist doch einfach. Man stellt einfach das Segel passend und schwups hat man Schatten ;-)


    Ansonsten tut es ein schöner Baum auch.


    Gruß
    Frank