Pimp my Bienenflucht

  • Moin,


    ich habe dieses Jahr Bienenfluchten verglichen und dabei eine Nebenkriegsschauplatzerkenntnis gewonnen. Mir ist wichtig, daß die HR wirklich nur noch wenige Bienen mitbringen, wenn's ans Schleudern geht. Nicht nur wegen der Hygiene und der Verkaufsfähigkeit. Vor allem auch, im Unteresse dieser Bienen. Bislang kehrte ich alle Trachten bis zur Linde lieber ab und war nach der Linde mit dem Ergebnis nach Fluchten oft nicht zufrieden. Den Ausschlag gaben aber HR die praktisch noch voller Bienen zur Schleuderung geholt wurden und die der Imker 24h über Fluchten hatte. Eigentlich wollte ich am Ende wissen, ob die doppelrunden, die rautenförmigen oder die großen Sterne am Besten gehen und natürlich die Selbstbaudinger nach Rudi. :daumen: Warum nur gingen die besser und warum nur, waren die Ergebnisse in den Gruppen so unterschiedlich? Es gab Völker, da hatte man 7 Bienen und andere mit 70 und das nach gleicher "Einwirkzeit" und auf den ersten Blick gleicher Flucht. Alte und ganz neue Fluchten wirkten gleich unterschiedlich. Rudis Fluchten hatten durchweg die stabileren, also gleichmäßigeren aber nicht unbedingt besten Leerungserfolge. Mich interessierte die Ursache der Unterschiede. Und ich denke ich habe sie und ein häufiges Problem gefunden:


    Die Bienenflucht wirkt durch Duft- und/oder Wärmeströmung. Die Bienen folgen dieser Spur Richtung Quelle und können dann nicht zurück. So ist das System. Das ist der Trick. So soll das. Frisch gekaufte Fluchten bestehen in der Regel aus drei Teilen: Einem Rahmen, einer Einlegeplatte aus Sperrholz oder Hartfaser und den eigentlichen Fluchten aus Kunststoff (oder eben den Leistchen und Gazen bei Rudis). Diese Einlegeplatten liegen mehr oder weniger lose in den Rahmen. Nur Rudis Platte ist selbst der Boden und damit fest und geschlossen. Oft ergibt sich um die Einlegeplatten ein variabler Spalt, da sich die Platten auf Grund der Feuchte in der Kiste deutlich verziehen und wölben. Mit der Zeit der Nutzung werden die Platten zwar anpropolisiert aber schon wegen ihrer Funktion nur ungenügend. Ich vermute daher, daß geringste Spalten die sich entweder erst nach dem Einlegen auftun oder nicht als Problem erkannt werden, die Bienen an die Kanten desorientieren. Aufgefallen ist mir das bei nagelneuen doppelrunden Fluchten von Holtermann. Dort waren die Plattenausschnitte so groß, daß sich einseitig um die Flucht eine kleine Ritze auftat. Die Zarge darüber war nur ungenügend bienenentleert.


    Ich habe nun alle Fluchten (außer die nach Rudi) gepimpt. Platten wurden in die Rahmen mit Bostik Superfix oder auch Soudal Fix all eingebettet - eher satt als zu sparsam - und dann beschwert. Die Fluchten selbst wurden ebenso ein- oder angeklebt. Alles immer unter anhaltendem Druck.


    Das Ergebnis war mit der letzten Ernte eindeutig. Gedichtet waren jetzt die Unterschiede nicht mehr feststellbar. Egal welche der Fluchten eingesetzt war - immer waren die Zargen über den wirklich dicht gemachten Fluchten so bienenleer, daß sie ohne Vorsicht geschleudert werden konnten und das selbst dann, wenn es zwei Zargen waren und nur 16 Stunden Zeit zur Verfügung stand.


    Mein Fazit: Wer die Bienen durch ein kleines Loch mittels Duft rauslocken will, muß sinnvollerweise jedes andere noch so kleine Loch verschließen.

    Mit vielen freundlichen Grüßen
    Henry Seifert (Honig-Bienen-Kurse-Gutachten)
    Faulbrutsanierer, Königinnenverschicker, Schwarmfänger, Bienenretter, Streitschlichter, Kunstschwarmkehrer, Belegstellenwirt, Imkerpate, Probennehmer, Schadenschätzer, Ablegerbilder

  • Hallo, Henry,
    na das ist doch mal ein interessanter und konstruktiver Hinweis in Sachen Bienenflucht. Ich habe da ja auch schon viel rumprobiert. Allerdings sind die meisten meiner Fluchten wirklich dicht, das sind so Dinger mit Holzrahmen und aufgetackerter Traegerplatte also nix mit Einlegeboden. Da kann es allenfalls seitlich ausgasen aber noch oben geht es nur durch die Flucht.


    Die leerten sich erst gut seitdem ich einen Holzrahmen untersetze und den Abstand vergroessert habe.
    Ich werde aber mal alle anderen darauf checken!


    Ich finde das auch noch eines der wenigen, echten Forschungsfelder - diese Fluchten, die mal fluchten und dann wieder nicht...



    Melanie

  • Bei Holtermannfluchten habe ich mich schon gefragt, wieso die Bodenplatten (Spundplatten genannt) überhaupt lose drin liegen. Gerade das Pressspannzeug verzieht sich. Gibt es einen Grund, die nicht fest zu verbauen?
    Selbe Frage betraf die eigentliche Flucht, auch die wird lose geliefert und ich muss mir etwas einfallen lassen, wie ich die (von unten - wieso eigentlich von unten???) an die Platte kriege. Wieso ist die nicht fest angebaut?
    Ich verwende die 8er Flucht.
    http://www.holtermann-shop.de/…s/popup_images/1282_1.jpg


    Muss ich da nun basteln  :oops: oder kriegen die Hersteller das besser hin?

  • Hallo,


    das erklärt, warum ich zwar immer mit Interesse die Fragen der nicht-fluchtenden Dings-Besitzer gelesen habe, aber nie nachvollziehen konnte, was es da für Probleme gibt.


    Meine Bienenfluchten (italienische: rund, sternförmige Ausgänge) kommen in den Innendeckel aus Weymouthkiefer, welcher von der Machart her stabil und allseits dicht ist, nur ein Spundloch hat, wo die Fluchten drüber kommen. Anders herumgedreht wird wieder ein Deckel draus. Die Bienenfluchtseite hat mehr Platz als nur Beespace, dient also als Trommelraum.
    => zwischen gefühlten 3 und 10 Bienen in zwei HR darüber.
    Könnte also stimmen: Dicht funzt (bio-logisch isses sowieso)


    Grüße


    Marion

    "Wer die Leidenschaft als Jugendsünde abtut, degradiert die Vernunft zur Alterserscheinung".
    Hans Kasper

  • Hallo,
    das mit den losen, nicht genau passenden und sich verziehenden Bodenplatten in den Segeberger Fluchten kenne ich leider auch. Die Presspannplatten haben die Bienen in einem Fall sogar an der Ecke abgenagt und so einen neuen Zugang in den Honigraum geschaffen. Der Winter wird also die Zeit sein die Platten einzukleben wie Henry schreibt, bzw sogar vorher passende Sperrholzplatten zu besorgen. Diese dünnen Pressspannplatten sich echt nichtmal Schrott, zerbrechen und in den Ofen damit sobald es kalt wird.

  • Moin,


    auch ich habe mich in diesem Jahr mächtig über nicht funktionierende Bienenfluchten geärgert. Je später im Jahr, desto mehr Bienen blieben oben, egal ob mit oder ohne Leerzarge drunter, egal ob 12, 24, oder 48 Stunden drauf. Keine Brut im HR, die die Bienen obenhalten würde.


    Meine sind die "alten" Bienenfluchten von Holtermann, bzw. originalgetreuer Nachbau eines Schreiners.


    Die Holzplatte ist mit dem Rahmen fest verleimt / verschraubt, da geht nix durch. Allerdings ist die Unterseite der Holzplatte, also die dem Brutraum zugewandte Seite, "angeraut" (weiß nicht, wie der Fachausdruck dafür ist). Hab nachgefragt: sind Hartfaserplatten.


    An dieser rauen Unterseite hängen sich die Bienen mit Vorliebe in dicken Schichten auf. Meine Vermutung war, daß dieser Bienenpelz den restlichen Bienen aus dem HR schlicht den Ausgang versperrt.


    Für das nächste Jahr werde ich ein paar Fluchten mit glatter Unterseite bauen lassen und vergleichen.


    Gruß, Heike

    Mut bedeutet nicht, keine Angst zu haben, sondern es ist die Entscheidung, daß etwas anderes wichtiger ist als die Angst.
    (Ambrose Redmoon)

    Dieser Beitrag wurde bereits 1 Mal editiert, zuletzt von Sonnenblume44 () aus folgendem Grund: Ergänzung

  • Meine Selbstbau-Bienenfluchten:


    8mm Sperrholzplatte, darunter 10mm Leisten ringsrum.
    Zentrales Loch.
    Ebenfalls an der Unterseite die sternförmige Plastik-Flucht mit 3 Schräubchen befestigt.
    Es bleiben nach 24 Stunden nur noch 5 - 10 Bienen im Ho-Raum.


    Dieselbe Platte - nur ohne Bienenflucht - wird mit aufgesteckter Futterschale (Zentralaufstieg) jetzt als Fütterer verwendet.


    Sehr platzsparend und ich bin zufrieden.

    Mit freundlichen Grüßen - Hardy


    Wende Dich zur Sonne, dann bleiben die Schatten hinter Dir.

  • Selbstbau Bienenflucht für Segeberger:
    4mm Sperrholzplatte, unten herum einen Rahmen aus Leisten 10 x 20 mm unter geleimt, zentrisch eine Öffnung von 9o mm Durchmesser, darunter die große Bienenflucht mit acht Ausgängen mit vier Poppnieten befestigt.
    Funktion: einwandfrei.


    Wolfgang, der Heidjer

    "Das Vergleichen ist das Ende des Glücks und der Anfang der Unzufriedenheit." (v. Sören Kierkegaard)

  • Hallo Marion,


    ich bastele nicht. Ich arbeite sach- und fachgerecht.


    MbG
    Wolfgang

    "Das Vergleichen ist das Ende des Glücks und der Anfang der Unzufriedenheit." (v. Sören Kierkegaard)