Futterkranzproben Kategorien

  • Moin, moin,


    ich habe bis dahin immer gedacht, und auch amtliche Auskünfte, die ich bekam passten in dieses Weltbild, es gebe 3 verschiedene Möglichkeiten eines Ergebnisses:


    Kategorie 0 bedeutet keine Sporen nachgewiesen
    Kategorie 1 bedeutet geringe Belastung nachgewiesen
    Kategorie 2 bedeutet hohe Belastung nachgewiesen


    0 würde also ein gesundes Volk bedeuten, 1 eines ohne klinischen Befund, aber mit Gesundungs-, also Sanierungsbedarf und 2 Sanierung oder Schwefel, je nach Volksstärke und Gegebenheiten.


    Nun war ich gestern auf einer Fortbildung, und da hieß es, 0 bedeute eine geringe Belastung, 1 eine mittlere und 2 eine hohe. Keine Sporen sei ohne Befund. Wenn dies so sein sollte, hielte ich das für recht ungünstig, weil die Zahl 0 ja eine allgemeine und verbreitet bekannte Bedeutung hat... Da ohne Not abzuweichen... Ich wüßte nicht, warum man es sollte.


    Weiß jemand, wo eine verbindliche Quelle steht, wie die Laboruntersuchung durchzuführen und wie die Ergebnisse zu kategorisieren sind?


    Gruß Clas

    "Ach, das Risiko...!" sagte der Bundesbeamte für Risikoabschätzung abschätzig...

  • Moin Markus,


    Das PDF ist gut; es steht da aber nicht, wieviele aufgegangene Kolonien denn in welche Kategorie einzuordnen sind. 0, 1 oder 2 steht im Ergebnis der Proben. Dass 0 nicht bedeutet, es seien keine in den Völkern, ist mir ja klar. Ich glaubte nur, es bedeute, es seien keine nachgewiesen in der untersuchten Probe. So hatte es mir die Laborantin auf Rückfrage erklärt. Nun hörte ich es anders, und suche Klärung.


    Dass immer Sporen in den Völkern seien, bestritt der Referent übrigens auch vehement.


    Gruß Clas

    "Ach, das Risiko...!" sagte der Bundesbeamte für Risikoabschätzung abschätzig...

  • Hallo Clas,
    ob die Grenzwerte der FKP-Kategorien in der verlinkten Arbeit explizit genannt werden, das weiß ich nicht. Du findest aber eine detaillierte Beschreibung des Verfahrens und die Darstellung von Ergebnissen auf der Basis von ausgezählten KbE (Kolonienbildenden Einheiten), also noch vor der Bewertung.
    Auch die Frage, ob Erreger immer und in jedem Volk zu finden sind, wird gut bearbeitet und auch beantwortet.


    http://elib.tiho-hannover.de/d…ons/bindernagelb_ss12.pdf


    Das Schöne an der Arbeit: Die Ergebnisse wurden im Zuge der Kontrolle einer AFB-Sanierung gewonnen.
    Ich find's sehr interessant und aufschlussreich. Entspricht auch meinen Sanierungserfahrungen.


    Wenn ich auch die genauen Übergangswerte nicht kenne (...die sollten notfalls in Celle und bei Landeslaboren zu erfahren sein...), noch ne Info zu den FKP-Kategorien:
    Celle stellt bundesweit den Laboren zwei Referenzlösungen mit definierten KbE-Werten bereit, die den Übergang von Stufe 0 nach 1 bzw. Stufe 1 nach 2 zeigen. Diese Referenzproben laufen in jeder Laborcharge mit und gestatten damit, die Qualität der Analyse und die Einstufung der Proben zu bewerten.


    Dass FKP nicht überall nach den 3 Stufen kategorisiert werden, hast Du sicher schon mitgekriegt. Im Dunstkreis von Hohen-Neuendorf gibt's nur 0 und 1 (...leider...) und im südlichen Deutschland sollen angeblich sogar mehr als 3 Stufen bewertet werden.
    Ich komm mit 0 - 1 - 2 prima zurecht, weil daraus direkt praktische Konsequenzen abgeleitet werden können:
    Kat. 0 - Hier ist nix zu tun.
    Kat. 1 - Ansteckungsquelle vorhanden. Umfeld gut überwachen und Vorsichtsmaßnahmen treffen.
    Kat. 2 - Klinische Erkrankung droht oder ist bereits ausgebrochen. Untersuchung und ggf. Sanierung erforderlich.


    Viele Grüße,
    Rudi

  • Hallo !



    "Null" kann nicht sein, da immer AFB Sporen in Völker vorhanden sind.



    Dass immer Sporen in den Völkern seien, bestritt der Referent übrigens auch vehement.



    Ob in der Klasse "0" nun keine Sporen oder fast keine Sporen vorhanden sind,
    kann derzeit doch noch Niemand sagen,
    oder hat sich etwas an der Nachweisgrenze von 120 Sporen pro ein Gramm Honig getan ?
    So habe ich es aus der zugegeben nicht ganz aktuellen Arbeit* von Frithjof Koithan.



    Also wer hat da Recht - wenn man es nicht nachweisen kann ?
    (Ich glaube Markus ... aber was ist schon der Glaube ?)



    In Koithans Arbeit sind auch die Grenzen für die Trennung zwischen Stufe 1 (ab 600 Sporen) und Stufe 2 (ab 4200 Sporen) benannt,
    analog zu den Aussagen der AFB-Befallskategorien wie sie vom Bienengesundheitsdienst in Freiburg benannt werden.
    Wie aber nassauer schon erwähnte, scheinen diese Grenzen und Einteilungen nicht bundesweit Einheitlich zu sein.


    Die Standardlösung für eine Vergleichsfindung des AFB Befalls wird in Celle hergestellt,
    somit kann man davon ausgehen das diese Daten in einem großen Teil Deutschlands gültig sind.
    (BW, HE, NDS)



    Ob und was genau in nassauers Link steht weiß ich noch nicht,
    die Diss liegt mir zwar vor, wurde aber noch nicht studiert.



    Gruß
    der Bienen
    Knecht



    *Das aktuelle Gefahrenpotential der Amerikanischen Faulbrut, Ursachen und mögliche Bekämpfungsstrategien

    Aus der Übertreibung der Warnungen,
    ist die Unterschätzung der Realität geworden.

  • Moin, moin,


    danke, da habe ich erstmal zu lesen.


    Frau Gernersch sollte aber eigentlich wissen, dass das Bild ganz unschön schief ist. Schwangerschaft ist keine Krankheit und wird nicht durch Auszählung von Spermien auf dem Weg zum Ei festgestellt, sondern klinisch, sozusagen. Der Test ist erst dann positiv, wenn das befruchtete Ei sitzt.


    Abgesehen davon ist bei Faulbrut bis dahin doch unstrittig gewesen, dass es eine Nachweisgrenze, einen unkritischen Bereich, in dem man gegensteuern kann und eine Ausbruchsgrenze gibt, und dass die Belastung allmählich steigt.


    Bei der schematischen Beschreibung des Lebenszyklus des P. bleibt aber die Frage offen, woher eigentlich die allmähliche Anreicherung rührt... Wenn Sporen nur freigesetzt werden, wenn klinisch kranke Larven sterben und nicht mehr vor der Sporulation ausgeräumt werden, und es klinisch kranke Larven erst ab einer recht hohen Sporenkonzentration gibt, könnte das eigentlich nicht gescheihen... Gibt es da einen Nebenweg? Was wird aus den wenigen verfütterten Sporen, die die Larve nicht töten?


    Gruß Clas

    "Ach, das Risiko...!" sagte der Bundesbeamte für Risikoabschätzung abschätzig...

  • Was wird aus den wenigen verfütterten Sporen, die die Larve nicht töten?

    Die Sporen selbst sind infektiös. Es tötet die den Darm auflösende Bakterie. Bakterien sind keine Sporen mehr. Töten die Bakterien die Larve nicht, haben sie Ihre Lebenschance vertan und gehen unter. Die Sporen wurde damit reduziert. Schaffen sie es sich zu vermehren dann, vielfach. Treffen sich viele Sporen in einer Larve, dann gelingt ihnen das.


    Hat ein Volk fiktive 100 Sporen und verfüttert die an hundert Larven und jede kriegt nur ein einziges Spörchen und keines würde krank, dann hätte dieses Volk die Faulbrut ange- bzw. rausgeschyssen. Will es der Zufall anders und diese Sporen treffen sich alle im Darm einer einzigen Larve, dann gibt das nicht nur Bauchweh bei der, sondern eben auch beim Imker.

    Mit vielen freundlichen Grüßen
    Henry Seifert (Honig-Bienen-Kurse-Gutachten)
    Faulbrutsanierer, Königinnenverschicker, Schwarmfänger, Bienenretter, Streitschlichter, Kunstschwarmkehrer, Belegstellenwirt, Imkerpate, Probennehmer, Schadenschätzer, Ablegerbilder

  • Hallo zusammen,

    Henry schrieb:

    Hat ein Volk fiktive 100 Sporen und verfüttert die an hundert Larven und jede kriegt nur ein einziges Spörchen und keines würde krank, dann hätte dieses Volk die Faulbrut ange- bzw. rausgeschyssen.

    Genau so ist es, die AFB hat im Grunde ganz schlechte Karten im Bienenvolk. :daumen:
    Und durch andere Mechanismen sinken die noch mehr: Von Henry's 100 Sporen haben tatsächlich weniger als 20% überhaupt die Chance, jemals in der Schwestermilch anzukommen. Jede hungrige Biene, jede draussen sterbende und jede Heizerbiene vernichten Sporen, zusätzlich filtert der Ventiltrichter erhebliche Mengen an Sporen aus dem Futter aus.
    Auch nicht zu unterschätzen: Bezüglich der Ansteckungsgefahr ist Larve nicht gleich Larve: 100 Sporen könnten allenfalls eine Larve infizieren, die wenige Stunden alt ist.
    Um bei 4-tägigen Larven das gleiche Ergebnis zu erzielen, sind mehr als 10.000 Sporen nötig.


    Diese Selbstheilungskräfte (...sowohl im Link des Drohns als auch im Link des Bienenknechts sind diese Abwehrkräfte gut beschrieben.) bewirken tatsächlich, dass unsere Bienen einen geringen AFB-Befall (z.B. den Honigrest aus einem Glascontainer) wieder restlos los werden können.
    Gefahr droht nur dann, wenn massiver oder stetiger Sporeneintrag stattfindet. Irgendwann läuft dann das Fass über und die Immunabwehr des Biens bricht zusammen. Heisst: Es gelangen mehr Sporen in die Schwesternmilch, als zur Ansteckung von Larven erforderlich sind.
    Meistens sind Imker die Verursacher an diesen massiven Infektionen.


    Die von mir verlinkte Arbeit begleitet ja eine Sanierungsmaßnahme mit dem freifliegenden Kunstschwarm und untersucht den AFB-Befall sanierter Völker vor und nach der Sanierung. Sehr schön wird deutlich, dass der Befall in den Tagen nach der erfolgreichen Sanierung stetig sinkt und irgendwann gar nicht mehr nachgewiesen werden kann.
    Besserung tritt also noch zu einem Zeitpunkt ein, zu dem wir schon lange nur noch Zuschauer sind. Die Selbstheilungskräfte des Biens haben uns die Arbeit abgenommen.
    Das gelingt, weil wir mit dem freifliegenden Kunstschwarm den Zustand erreicht haben, den Henry oben beschrieben hat: Es kommen nicht mehr genügend Sporen in der Schwestermilch an.


    Ich würde Einiges dafür geben, wenn wir der Varroa genau so erfolgreich mit betriebstechnischen Mitteln begegnen könnten.


    Clas Lehmann schrieb:

    Bei der schematischen Beschreibung des Lebenszyklus des P. bleibt aber die Frage offen, woher eigentlich die allmähliche Anreicherung rührt.

    In der Regel sind es Infektionsquellen in der Region. Honigverarbeiter spielen da immer noch eine gewisse Rolle und alte AFB-Stände sind noch nach Jahrzehnten infektiös. (z.B. wenn der Verschluss der Beuten durch Verwitterung aufgehoben wird, ein Schwarm einzieht, der dann nach Erkrankung beräubert wird. So hier vor einiger Zeit geschehen.)
    Man darf auch die Zahl der Kollegen nicht unterschätzen, die ihren lieben Bienen etwas Gutes tun wollen und dazu (immer noch!) billigen Importhonig verfüttern. Das hört scheinbar niemals auf.
    Fehlgeschlagene und halbherzige Sanierungen sind da ebenfalls zu nennen.
    Genau so wie der sanierte Imker, der doch noch ein paar schöne Waben vor dem Feuer retten wollte... (Diese Trottel scheint's bei jeder Sanierung zu geben)


    Zum schlechten Schluss noch zwei Tabu-Themen:
    # Imker, die ihren AFB-Befall heimlich und alleine regeln wollen, z.B. indem immer nur die sichtbar klinisch kranken Völker eliminiert werden (Gibt es nicht, weil streng verboten? Meint Ihr? :wink: ).
    # Imker, die ihren AFB-Befall medikamentös regeln wollen (Gibt es nicht, weil streng verboten? Meint Ihr? :wink: ).
    Beide mögen in ihrem Bestand einstweilen gut zurecht kommen, für ihre Nachbarn sind sie eine stetig sprudelnde Sporenquelle.
    Blöd wird's, wenn die Nachbarsvölker mal richtig ran können und Sporen tanken.
    Viele Grüße,
    Rudi

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  • Fehlgeschlagene und halbherzige Sanierungen sind da ebenfalls zu nennen. Genau so wie der sanierte Imker, der doch noch ein paar schöne Waben vor dem Feuer retten wollte... (Diese Trottel scheint's bei jeder Sanierung zu geben)

    Ja. Ist auch Eigenerkenntnis.

    Mit vielen freundlichen Grüßen
    Henry Seifert (Honig-Bienen-Kurse-Gutachten)
    Faulbrutsanierer, Königinnenverschicker, Schwarmfänger, Bienenretter, Streitschlichter, Kunstschwarmkehrer, Belegstellenwirt, Imkerpate, Probennehmer, Schadenschätzer, Ablegerbilder

  • Hallo Drohn,

    Wenn es so wäre, dann wäre AFB nicht als harmlose Versicherungsprämie fällige Krankheit eingestuft!

    Ist sie doch gar nicht. Im Gegenteil, sie ist eine anzeigepflichtige Bienenseuche, die von Amts wegen bekämpft wird.
    Und eine Versicherungsprämie hat in den letzten 40 Jahren kein hessischer Imker gezahlt.


    Das ist nich unweigerlich so! Bienen haben dafür Abwehrmechanismen!


    ...ruhig durchatmen, einfach meinen Beitrag noch mal lesen... :)
    Viele Grüße,
    Rudi

  • Genersch sagte in Hohen Neuendorf gäbe es nur noch positiv und negativ "weil, ein bisschen schwanger geht ja auch nicht".


    Genersch kann so viel behaupten wie sie will!


    Du bewertest mein Resumee negativ, dass ich falsch liege!


    Sporen sind immer und allgegenwärtig. Die Frage ist nur, greifen sie an?!