Zwei kleine Völker gemeinsam überwintern

  • Hallo zusammen und ein schönes Wochenende!


    Recht spät im Juli habe ich noch eine selektierte Reinzuchtkönigin erhalten, die ich in einen Kunstschwarm eingeweiselt habe. Diese KS habe ich dann in einer selbstgebauten Dadantlagerbeute (2x12 Dadant mod.) neben einem anderen, früher gebildeten, KS einquartiert. Beide Völker sind durch eine dünne Platte voneinander getrennt. Leider ist der Kunstschwarm nicht besonders stark ausgefallen, da ich nicht aus dem Vollen schöpfen konnte, was die Bienenmenge betrifft. Nun sitzt das Völkchen auf etwa 5 Dadantwaben. Die Brut ist schon etwas eingeschränkt durch die beginnende Einfütterung. Bei der letzten Durchsicht war noch ein Brutbrett zu sehen, sonst aber kaum offene Brut. Das Volk ist sonst in Ordnung, aber die Bienenmasse wäre mir größer lieber für die Überwinterung. Nun habe ich die beiden Völker ja schon nebeneinander gesetzt, durch ein dünnes Brett getrennt, mit der Hoffnung, dass sich beide bei der Überwinterung mit der Eigenwärme helfen (so wie das Kuntzsch bei seinen Zwillingen gedacht hatte). Zusätzlich kam mir aber der Gedanke, ob es eine Möglichkeit wäre, in die Trennwand großflächig ein Rechteck zu schneiden und mit bienendichtem Gitter zu versehen, so dass der Wärmeaustausch besser stattfinden kann. Da die Völker beide an der gemeinsamen Trennwand sitzen, wäre so eine engere Verbindung gegeben.
    Ich frage mich aber auch, ob dieser enge Austausch von verschiedenen Volksgerüchen, für die Bienen und die Königinnen Stress bedeutet.
    Das Überwintern schwächerer Ableger übereinander ist ja bei Günter Ries beschrieben, angenehmer wäre mir aber die seitliche Version.
    Hat jemand Erfahrung mit dem gemeinsamen Überwintern von zwei Völkern? Für Erfahrungsberichte und/oder ein paar Ratschläge wäre ich sehr dankbar!


    Herzliche Grüße
    Bernd

  • Die Bienen wärmen im Winter nicht die ganze Beute, sondern nur die Wintertraube. In der Beute ist die Temperatur sonst kaum höher als außen. Da die Völker ja zwei Wintertrauben bilden müssen, bringt das also kaum etwas. Das Übereinandersetzen von zwei schwachen Völkern (oder das Aufsetzen eines schwachen auf ein starkes) macht nur im Frühjahr Sinn, wenn die Völker in Brut sind und die Brut wärmen müssen.
    Ich rate unbedingt dazu, die Völker zu vereinigen. Besser ein Volk sicher über den Winter bringen, als zu riskieren, dass alle beide verloren gehen. Im Frühjahr kann man die Völker dann schnell wieder vermehren.


    Gruß Wolfgang

    Unfähigkeit nimmt, aus der Ferne betrachtet, gern die Gestalt des Verhängnisses an (G. Haefs)

  • Danke Wolfgang für Deine Antwort!


    Da bringst Du einen sehr interessanten Gedanken ein. Ich verfolge das Thema "das Volk wärmt nur die Wintertraube" mit hohem Interesse. Hintergrund sind wohl wissenschaftliche Versuche (ich meine von Dr. LIEBIG). Als Freund alter Bienenliteratur finde ich in dieser Sache bei unseren Altvorderen doch recht abweichende Meinungen. LÜFTENEGGER z.B. hat ebenfalls Messungen angestellt und durchaus andere Ergebnisse beschrieben. Sehr laienhaft stelle ich mir aber vor, dass die Wärme der Bienentraube nach außen strahlt und dadurch ihre Umgebungstemperatur auch erhöht. Das ist ja schließlich auch eine Funktion der Beute, diese Wärme beieinander zu halten und so die von den Bienen zu erzeugende Temperatur in Grenzen zu halten. Sonst würde die benötigte Futtermenge sicher immens sein und die Kotblase der Bienen überstrapazieren. Wenn ich also an diese "Abstrahlungswärme" denke, die sich bei dem engen Beieinander der zwei Völker auf beide verteilt, so erscheint es mir zumindest eine Möglichkeit, den Wärmehaushalt der beiden Völker zu verbessern. Aber das sind natürlich nur sehr theoretische Überlegungen, ich kann da auch vollkommen falsch liegen. Daher würde mich eben Erfahrungen von Menschen interessieren, die so etwas schon einmal gemacht haben.


    Grundsätzlich gebe ich Dir Recht: Die Vereinigung wäre sicher der beste Weg für die Überwinterung wenigstens einer Königin. Schwierig ist aber, dass das zweite Volk (das stärkere, weil früher gebildet) eine diesjährige F1-Königin hat, die einer hervorragenden Linie entstammt. Daher mein Bemühen, beide Völker durch den Winter zu bringen.


    In jedem Fall danke ich Dir für Deine Hilfestellung!


    Viele Grüße
    Bernd

  • Die Vereinigung wäre sicher der beste Weg für die Überwinterung wenigstens einer Königin. Schwierig ist aber, dass das zweite Volk (das stärkere, weil früher gebildet) eine diesjährige F1-Königin hat, die einer hervorragenden Linie entstammt. Daher mein Bemühen, beide Völker durch den Winter zu bringen.


    Bernd,


    warum nicht ein Schied mit eingebauten Abspergitter, dann würde noch ein gewisser Ausgleich stattfinden


    Ich habe heuer 2 Beuten mit je 2 Kös so geführt, also 4 Kö, sie haben gemeinsamen HR, und ich hatte keine Probleme

    Nur wir Imker können funktionierende Varroa Abwehr schaffen, sicher nicht die Chemie

  • Hallo Kurt,


    mit etwas Verspätung danke ich Dir sehr für Deine Anregung! Über die gemeinsame Nutzung von zwei Völkern durch einen Honigraum habe ich schon oft nachgedacht. Bei meinen "Versuchs-Zwillings-Lagerbeuten" im Dadantmaß bietet sich das ja an. Dort kann man gut zwei Vollvölker halten oder neben dem Ertragsvolk einen Ableger laufen lassen. Ich habe zwei solche Kästen im Einsatz, einen mit hohem Unterboden und einen anderen mit normalem Boden. Alle beide als Tröge gebaut. Offen gestanden, sind diese Kästen sehr unhandlich. Aber mich reizte es, einmal solche Tröge zu bauen. Echte Lagerbeuten sind es ja nicht, da für die Honigernte Aufsätze verwendet werden.
    Die Vorstellung, mit dem senkrechten Absperrgitter einen Ausgleich zu erzielen ist verlockend, aber in diesem speziellen Fall trau ich mich doch nicht, es für mich zu versuchen. Zumindest muss ich da noch gründlich nachdenken :-)


    Herzliche Grüße
    Bernd

  • Hallo Bernd,


    ich persönlich kann Dir keine Erfahrungen beisteuern zur Wand-an-Wand-Überwinterung ungleicher Völker.
    2:1 Ableger in Dadantbeuten versucht man, wenn es Wirtschaftsvölker werden sollen, nun mal möglichst noch in zwei einzelne Beuten aufzuteilen wegen des Platzbedarfes, den sie in der Entwicklung haben werden. Das Thema hatten wir vor Kurzem noch hier.


    Deine Intention ist aber hier im Speziellen doch, dass Du eine Überwinterungsfähigkeit haben möchtest, und Du willst die Königin rüber bringen. Die ist minimal mit 5 Waben gegeben.
    Sie werden klein auswintern, das kann Dir dann egal sein, wenn Du die Köngin halten aber kein Frühtrachtvolk haben willst. Was im Frühjahr ist oder ob es Verstärkungsmöglichkeiten geben wird, das kannst Du dann entscheiden.


    Die 4er auf Halbwaben von Bruder Adam dienten doch zu nichts anderem. Kleinvölker zur Königinnenüberwinterung. Gerade in der Gruppe war das besser als einzeln. Und die Viereraufstellung oder auch Doppelaufstellung Beutenwand an Beutenwand zur rechten Zeit soll doch auch bewirken, dass die Völker dann den Wintersitz jeweils eng nebeneinander einrichten.
    Deine werden beidseits neben dieser Trennwand mit der Wintertraube beginnen, also zusammenkuscheln, und insbesondere dem Kleinen wird das gut tun.


    Ich habe im letzen Jahr ebenfalls eine Königin im August in einen eigentlich zu kleinen KS eingeweiselt (einzelne Dadantbeute). 6 Waben waren es zur Einwinterung. Sie sind mit einer Wabengasse aus dem Winter gekommen; in diesem Falle habe ich das nicht der Qualität der Königin zugeschrieben, sondern der meiner KS-Bildung.
    Dann wurde langsam der Turbo eingelegt, ich habe einen Flugling mit Königin daraus gebildet, mich mit angelegten Zellen versorgt und den Brutteil aufgeteilt, aus dem Flugling noch kräftig Sommerblüte bekommen.


    Wünsche Dir also viel Glück


    Grüße


    Marion

    "Wer die Leidenschaft als Jugendsünde abtut, degradiert die Vernunft zur Alterserscheinung".
    Hans Kasper

  • Natürlich,
    macht die Wärme der Wintertraube nicht an der äußeren Bienenschicht halt, sondern strahlt auch in die Beute ab. Allerdings sind die verschiedenen Messungen aus verschiedenen Jahrhunderten nicht miteinander vergleichbar, weil es bei den frühen Messungen noch keinen offenen Beutenboden gab. Außerdem standen früher die HBs in Bienenhäusern, die von sich aus schon wärmer waren als draußen. Die Beutenwände werden wohl auch immer dünner, zumindest in den letzten 2o Jahren. Kann ich in einem geschlossenen Raum noch einen Temperaturanstieg messen, wird er sich in einer unten offenen Beute nicht mehr so stark auswirken. Wir brauchen ja heute ( zumindest wird es empfohlen ) eine vor Bienen überquellende Beute zum Überwintern und Zucker oder Honig ohne Ende, früher war das nicht so krass. Vielleicht kannst Du deinen zwei Völkern schon dadurch helfen, dass Du schon jetzt die Varroaschublade einschiebst.
    Viele Grüße
    Wolfgang, der auf einem zugigen Bahnhof kaum die Halle erwärmt, während am Morgen in seinem Schlafsack alles warm ist und stinkt :-)

    Der Unterschied zwischen Theorie und Praxis ist in der Praxis größer als in der Theorie, also theoretisch.

  • Hallo Marion,


    besten Dank für Deinen Beitrag zu meiner Anfrage! Die von Dir erwähnte Diskussion zum Aufteilen gemeinsam untergebrachter Ableger in eigene Beuten hatte ich gestern studiert und kann nachvollziehen, dass das Umquartieren in eigene Beuten für die weitere Entwicklung sinnvoller ist, als die gemeinsame Überwinterung. Aber wie Du schon richtig sagst, geht es bei mir um das "Hinüberbringen" einer wertvollen Königin. Daher ist der Hinweis auf die Praxis von Bruder Adam passend. Zudem ist die Erweiterung im Frühjahr nicht das Problem, weil es sich ja um eine Zwillingsbeute handelt mit jeweils Raum für 12 Waben. Ich hatte schon überlegt, ein anderes Volk um eine Brutwabe zu erleichtern, um den etwas schwachen Kunstschwarm aufzupäppeln. Es wurde mir aber abgeraten, weil es nicht sicher wäre, ob die zusätzliche Brut auch gut gepflegt (gewärmt) werden könnte.
    Deine eigenen Erfahrungen mit einem kleineren KS machen mir aber Mut, es so wie geplant zu versuchen. Offen ist noch etwas die Frage, ob ich es bei der dünnen Holzwand belassen sollte oder doch das bienendichte Gitter nehme.


    Danke für Deine Wünsche und Dir und Deinen Bienen alles Gute!
    Bernd



    Hallo Wolfgang,


    nicht schlecht Dein Beispiel :-) Die Umsetzung ins Bienenvolk führt uns aber direkt zurück zu unseren Imkervorfahren, die es sehr wichtig hatten, die Bienen gut einzupacken und nicht in einer Halle aufzubewahren. Das ist ja nun scheinbar als falsch zu den Akten gelegt. Für meinen kleinen Kunstschwarm und seinen größeren Bruder werde ich aber doch zum Schlafsack greifen - um in Deinem Bild zu bleiben. Mir ist natürlich klar, dass die "kalte" Überwinterung auch etwas damit zu tun hat, dass die Bienen uns eine brutfreie Varroabehandlung im Dezember gestatten. Was Du sonst zum Unterschied zwischen den Bienenkästen früher und heute schreibst ist absolut richtig. Und wie es scheint, haben die dünnen Beutenbretter keinen großen Einfluss auf die Honigernte, wohl aber auf die Menge des Winterfutters.
    Danke für Deine Antwort!


    Herzliche Grüße
    Bernd

  • Hallo Bernd


    Die dünne Trennwand ist sehr gut für die gemeinsame Überwinterung 2-er Völker, denn sie bilden ganz sicher eine gemeinsame Winterkugel. Der freie Raum in der Beute, sollte immer gut eingeengt sein, theoretisch sollte man beide Völker als ein Volk betrachten. Den kleinen KS würde ich noch mit einer verdeckelte und auslaufenden Wabe eines starken Volkes, vielleicht sogar des Nachbarn, ohne Bienen, verstärken, ans Brutnest hängen trennwandseitig. Den KS würde ich mit Futterteig oder Maische langsam reizen, vielleicht geht die Königin noch mal in Brut,was sehr wichtig für die Überwinterung wäre.Einfüttern würde ich den kleinen KS nicht, sondern ihm volle Futterwaben aus starken Völkern zuhängen und alle Waben sollten bebrütet sein.
    Wenn genügend Jungbienen im KS sind, sehe ich gute Chancen für die Doppelüberwinterung neben einander.

    Gruß Reinhard / Lehre mich die wunderbare Weisheit,daß ich mich irren kann.(Teresa v. Avila)

  • Hallo Reinhard, Grüße zu meinem Geburtsort und Danke für Deine Tipps!


    Einiges habe ich schon falsch gemacht. Beispielsweise die Einfütterung. Ich habe zwar langsam und dünn Futter gegeben, aber dadurch wurden die freien Zellen doch ziemlich schnell gefüllt und die Königin am Brüten gehindert. Außerdem habe ich das Problem der mangelnden Bienenmasse. Ich habe erst letztes Jahr nach langer Pause wieder mit der Imkerei begonnen und kann noch nicht so aus dem Vollen schöpfen. Das Gleiche gilt bei dem Wabenmaterial. Ich konnte leider nicht mit honigfeuchten Waben erweitern. Aber über die Brutwabengabe werde ich mal nachdenken. Es freut mich aber, dass Du mir Mut machst, die Überwinterung mit der dünnen Trennwand (oder dem Gitter) zu versuchen. Die ganze Aktion ist natürlich eine "Neuanfänger-Pfriemelei", aber fürs Lernen ist es vielleicht doch zu etwas gut :-)


    Viele Grüße!
    Bernd

  • Hallo Megachiropter,


    ja, das ist so eine Sache! Ich bin ein Freund alter Bienenbücher und entdecke da sehr viel Eifer, Mühe und Gehirnschmalz. Es ist klar, dass die Alten auch oft und kräftig irrten - so wie wir das heute auch tun. Aber sie irrten ja nicht immer :-) Was die Sache mit der Temperatur im Bienenvolk betrifft, bin ich zur Zeit noch nicht schlüssig. Aber es interessiert mich eben sehr, weil davon ja eine Menge an imkerlicher Arbeit abhängt. Mal sehen, was ich da alles finde.


    Dir einen schönen Sonntag!
    Viele Grüße
    Bernd

  • Hallo Reinhard,


    als ich gestern mal eine Trennwand mit großer Innenöffnung bastelte, habe ich ein stabiles Kunststoffgitter genommen. Ich freue mich über die vielen guten Reaktionen und Ratschläge. Da kommt man sich gleich nicht so verloren vor :-)


    Viele Grüße
    Bernd