Wassergehalt und Kristallisation

  • Hat eigentlich jemand von Euch mal ein wenig systematisch beobachtet, wie lange die Kristallisation dauert abhängig vom Wassergehalt des Honigs?
    Meine letzte Ernte (Linde mit Kornblume) kann ich sonst spätestens nach drei Wochen abfüllen. Diesmal ist sie schon 5 Wochen in den Hobbocks, ohne dass sich etwa tut. Der Presshonig ist zwar etwas zäher, verändert sich aber auch nicht weiter, während der Schleuderhonig noch aussieht wie direkt nach der Ernte.
    Das kann am diesmal recht hohen Honigtauanteil liegen, aber auch am niedrigen Wassergehalt (unter 16%).


    Gruß Wolfgang

    Unfähigkeit nimmt, aus der Ferne betrachtet, gern die Gestalt des Verhängnisses an (G. Haefs)

  • Hallo,


    gab es ja schon öfter das Thema. Dieses Jahr scheint es weitverbreitet der Honigtauanteil zu sein.
    Eine Hauptbegründung liegt in den enthaltenen Zuckern. Mit viel Glucoseanteil kristallinisiert auch 16%iger Honig schnell.
    Höhere Wassergehalte tendentiell langsamer, denn es geht ja um eine übersättigte Lösung.
    Die Temperatur spielt auch noch mit hinein.


    Meinen hab ich geimpft (wg Urlaubsplanung). Ein Probeglas ist immer noch flüssig (4 Wo oder schon 5?)


    Grüße
    Marion

    "Wer die Leidenschaft als Jugendsünde abtut, degradiert die Vernunft zur Alterserscheinung".
    Hans Kasper

  • Ja, dass sind die bekannten Variablen, die das beeinflussen. Mich interessierte speziell der Wassergehalt - ceteris paribus.
    Gibt es eigentlich eine Empfehlung, ab wann man das Rühren lassen kann? D.h. kristallsiert der Honig noch in absehbarer Zeit, wenn er es nach 5 bis 6 Wochen nicht getan hat? Ich hatte noch keinen Honig, der sich so lange Zeit lässt (die typischen flüssigen Sorten wie Robinie oder Waldhonig ernte ich hier nicht).


    Wolfgang

    Unfähigkeit nimmt, aus der Ferne betrachtet, gern die Gestalt des Verhängnisses an (G. Haefs)

  • Hallo Wolfgang,


    ich persönlich bin so informiert, dass es erst dann sinnvoll ist, mit dem Rühren anzufangen, wenn überhaupt erste Anzeichen des Kristallisationsstarts zu sehen sind.
    Erst dann ergibt sich überhaupt die Wirkung, werden Kristallnetze klein gehalten.


    Habe zB nur mein Probeglas angeschaut und die Hobboks zu gelassen, solange da nichts zu sehen war.
    Wie gesagt jedoch dann geimpft, 1 x kräftig gerührt, abgefüllt, fertig.


    Grüße


    Marion

    "Wer die Leidenschaft als Jugendsünde abtut, degradiert die Vernunft zur Alterserscheinung".
    Hans Kasper

  • Hallo Marion,


    danke für den Hinweis.
    Einen Honig, bei dem ich auf den Beginn der Kristallisation lange warten musste, hatte ich bisher noch nicht.


    Gruß Wolfgang

    Unfähigkeit nimmt, aus der Ferne betrachtet, gern die Gestalt des Verhängnisses an (G. Haefs)

  • Hallo Wolfgang,


    was macht Dein Honig? Ob ich überhaupt rühren muß, habe ich mich auch schon gefragt :confused:...
    Ich habe dieses Jahr (zum ersten Mal) das gleiche Bild. Geschleudert habe ich vor etwa 6 Wochen und es tut sich NICHTS.
    Vom Geschmack her muß eine ordentliche Portion Linde mit drin sein, die ja definitiv irgendwann kristallisiert- nur wann?

    'If you don't have a plan, you become part of somebody else's plan.'
    Terence McKenna

  • Hallo Wolfgang


    Ähnliche Situation bei mir: Sommer / Linde mit einem großen Schuss Kornblume.
    Geerntet am 20. Juli.
    Das erste mal gerührt: 13. August.
    Dann tat sich nix mehr bei der Kristallisation. Habe auch 2 Wochen nicht mehr gerührt.
    Am 07.09 habe ich den Honig nun in die Gläser abgefüllt und dort ist er immer noch zäh-fliessfähig.
    Ich denke gerade über eine Analyse nach, um mal genau zu wissen was drin ist. (macht bei meinen Mengen aber keinen wirklichen Sinn, wäre nur reine Neugierde)


    Bei Frühjahrshonigen (gerade Raps) kristallisieren die Honige mit dem höheren Wassergehalt vor den Honigen mit niedrigerem Wassergehalt.
    Aber so ist nun mal die Imkerei, immer wieder Überraschungen ;-)


    Gruß
    Patrick
    PS:
    Ich fahre nachher noch los und hole die letzten 2 Ernten ein ;-)

    "Der geborene Imker muß Adel besitzen, nicht Adel im Geblüt, sondern Adel im Herzen, also weit höheren Adel.
    Häßliche Charaktereigenschaften machen ihn zum Imker untauglich."
    Guido Sklenar, 1935

  • Der Presshonig aus der Ernte wird langsam zäher, aber noch lange nicht fest. Der Schleuderhonig tut gar nix.
    Ist ja kein Problem. Ich lasse ihn erst mal im Hobbock.


    Gruß Wolfgang

    Unfähigkeit nimmt, aus der Ferne betrachtet, gern die Gestalt des Verhängnisses an (G. Haefs)

  • Hallo Wolfgang,
    kurze Nachfrage: Wurde der Presshonig in gleicher Weise gesiebt wie Dein Schleuderhonig?
    Gruß Eisvogel

    Man tut was man kann, hieß es früher. Heute glauben alle sie müssen tun was sie nicht können. P. Sloterdijk

  • Ich habe ihn ganz normal gesiebt, also durch das Doppelsieb. Presshonig kristallisiert m.E. schneller, das liegt wohl an der größeren Zahl von Feststoffpartikel, die als Kristallisationskeime wirken. Es sieht aber so aus, als wollte er er zähflüssig bleiben und nicht fest werden.


    Wolfgang

    Unfähigkeit nimmt, aus der Ferne betrachtet, gern die Gestalt des Verhängnisses an (G. Haefs)

  • Für ne korrekte Messung musst du den cremigen Honig doch verflüssigen. Aber je mehr Wasser da im Ausgangshonig vor dem cremig rühren drin ist, desto cremiger ist der Cremehonig. Das wird bei 17,6 % der cremigste überhaupt mit noch DIB Qualität. Mehr Wasser ist gefährlich, weil er dann auch gleich abgeht, wenn er wenig verzehrt wird.

    Grüße Luffi


    Nicht weil es schwer ist, wagen wir es nicht, sondern weil wir es nicht wagen, ist es schwer. :u_idea_bulb02:

    (Lucius Annaeus Seneca - römischer Politiker, Dichter und Philosoph - * 4 v.Chr, † 65)