Jetzt noch schwache Völker zum Brüten bringen, übereinanderstellen?

  • Hallo,


    kann man jetzt im Herbst (Ende August) noch sinnvoll die Brut anregen, indem man Völker über Absperrgitter übereinander stellt, so wie es manchmal im Frühjahr empfohlen wird?
    Meine Völker sind z.T. doch schwächer als es gut wäre. Sonst bliebe mir nur das Vereinigen im Oktober, aber bis dahin würde ich gerne versuchen, sie noch viele Bienen erbrüten zu lassen. Pollenversorgung sollte hier kein Problem sein.


    Grüße,
    Robert

  • Warum sind deine Völker schwach?
    Wenn es einen "entschuldbaren" Grund gibt, kannst du es so machen.
    Wenn du schlechtes, überzüchtetes oder sonstwie mangelhaftes Material hast, bringt es sehr wenig. Auf Dauer schmierst du dich selbst an.

  • Diese Frage habe ich befürchtet. Und sie ist ja auch berechtigt. Leider kann ich sie nicht wirklich beantworten. Ich denke, ich mache wohl viele kleine Fehler in der Völkerführung, und ich arbeite verstärkt daran, seit mir diesen Sommer klar geworden ist, dass meine Völker insgesamt weniger Bienen enthalten als sie sollten (weshalb ich auch deutlich weniger Honig hatte, als hier zu erwarten wäre, und weshalb ich im Winter oft Probleme mit Schimmel habe).
    Um es etwas zu relativieren: ich hatte letzten Winter kaum Verluste (an einem Standort zwei Schwächlinge, bei denen mir das schon im Herbst hätte klar sein sollen, am anderen Standort haben sechs von sechs Völkern den Winter überlebt). Amtstierärztin hatte auch keine Beanstandungen.
    Aber einige Völker entwickelten sich einfach nicht so stark, andere gerieten in Schwarmstimmung, auf die ich durch Flugling und Ablegerbildung reagierte. Und diese Ableger sind jetzt auch nicht stark genug, evtl. weil ich nicht regelmäßig genug gefüttert habe.
    Insgesamt scheint die Entwicklung in meinen 10er Dadantbeuten schlechter zu sein als in den alten geerbten Erlanger Beuten. Ich bin dabei, mir Rat bei anderen hiesigen Imkern zu suchen. Doch die meisten Altimker hier imkern in Styroporbeuten und sehen darin den Hauptgrund für Entwicklungsunterschiede. Der Imker, von dem ich mein erstes Volk hatte, hat letzten Winter selber fast alle Völker verloren, ein anderer am nächsten zu meinem Hauptstand hatte auch ordentliche Verluste. In der Überwinterung bin ich also sehr gut weggekommen, doch in der Sommerentwicklung, insbesondere im Spätsommer, sieht es bei mir schlechter aus.


    Wie gesagt, ich arbeite daran, aber hier sollte es erstmal darum gehen, was ich jetzt noch machen kann, um schwache Völker bis zum Winter möglichst stark zu machen.
    Langsam füttert ist klar, aber das wird wohl nicht reichen.


    Grüße,
    Robert

  • Die Völker übereinanderzustellen wird wohl nur bei niedrigen Temperaturen etwas bringen. Das ist jetzt ja noch nicht der Fall. Vereinigen wird man aber besser erst später, weil zwei Königinnen mehr Brut liefern als eine.
    Einen Unterschied zwischen Holz- und Styroporbeuten gibt es zumindest nach den Untersuchungen von Liebig nicht. Ich habe alle Völker in Holzmagazinen und die sind teilweise sehr stark.
    Meine eigene Erfahrung ist eher die: Hat man nur wenige Völker, scheut man sich, schwache Völker zu vereinigen oder aufzulösen. Da gehen Imker mit einer größeren Völkerzahl viel rigider vor.
    Sind die schwachen Völker Jungvölker oder welche aus dem Vorjahr? Ableger für Wirtschaftsvölker mache ich grundsätzlich als Sammelbrutableger mit 6 bis 8 Brutwaben. Die sind dann schon zur Lindenblüte auf zwei Zargen (DNM) und liefern schon gut Honig. Kleinere Ableger nutze ich nur zur Nachzucht von Königinnen. Umgeweiselt wird nach Möglichkeit per Vereinigung.


    Gruß Wolfgang

    Unfähigkeit nimmt, aus der Ferne betrachtet, gern die Gestalt des Verhängnisses an (G. Haefs)


  • Amtstierärztin hatte auch keine Beanstandungen.
    Aber einige Völker entwickelten sich einfach nicht so stark, andere gerieten in Schwarmstimmung, auf die ich durch Flugling und Ablegerbildung reagierte. Und diese Ableger sind jetzt auch nicht stark genug, evtl. weil ich nicht regelmäßig genug gefüttert habe.
    Insgesamt scheint die Entwicklung in meinen 10er Dadantbeuten schlechter zu sein als in den alten geerbten Erlanger Beuten. Ich bin dabei, mir Rat bei anderen hiesigen Imkern zu suchen. Doch die meisten Altimker hier imkern in Styroporbeuten und sehen darin den Hauptgrund für Entwicklungsunterschiede. Der Imker, von dem ich mein erstes Volk hatte, hat letzten Winter selber fast alle Völker verloren, ein anderer am nächsten zu meinem Hauptstand hatte auch ordentliche Verluste. In der Überwinterung bin ich also sehr gut weggekommen, doch in der Sommerentwicklung, insbesondere im Spätsommer, sieht es bei mir schlechter aus.


    Grüße,
    Robert


    Hallo Robert. Erst mal Amtstierärztin. Diese haben praktisch null Ahnung weil alles was die über Bienen lernen gerade mal so am Rande mitläuft.
    Bei dir befürchte ich das Du keine Bienen haßt, die große Völker aufbauen. Für super Entwicklung der Völker sind Dadantbeuten gerade richtig. Deshalb solltest Du dir mal richtige KÖ kaufen aus schwarmträgen Linien und einweiseln, aber nicht aus deinen direkten Umfeld.
    Ansonsten ist bei Ablegerbildung grundsätzlich für regelmäßige Fütterung in kleinen Portionen1:1 zu sorgen. Denn Ableger die zeitweilig Hungern können sich nicht so Entwickeln wie Bienen die aus dem vollen schöpfen können.
    Alle sonstigen Antworten hast Du dir selbst schon gegeben und auf den Rat deiner hiesigen Imker kann verzichtet werden weil sie in Styroporbeuten imkern.


    Gruß Josef

    Buckfast . 10 Völker . DNM Holzbeuten 13 ner Zargen . Dadant US Frankenbeute. Königinnenzüchter.

  • Hallo Robert,


    dieses Jahr hatten viele Probleme, rechtzeitig starke Völker parat zu haben. Jedoch finde ich auch, wenn Du generell hier einen "rotenFaden" vermutest, dass Du es einmal mit einer Umweiselung versuchst.


    Insgesamt würde ich nun die Völker bis Herbst einzeln laufen lassen, in kleinen Portionen weiter füttern. Dann gnadenlos die Schwächsten vereinigen und nur fette Beuten einwintern.


    Dann vergleichst Du im Frühjahr einmal die neue Königin mit der Entwicklung des Volkes mit einer von Deinen belassenen.


    Zum Thema brüten:
    Ableger laufen da etwas länger in diesem Modus als Altvölker. Jedoch will man aktuell gute, gesunde Winterbienen bekommen.
    WEnn jetzt schon wenig Bienen da sind: Das sind die Pflegebienen für die Winterpopulation. Aus dem August geschlüpfte sind schon in beachtlichen Teilen Winterbienen, die machen keine Brutpflege.
    Du kannst also jetzt nicht erwarten, diese Zusammensetzung nochmal ganz auf links zu kehren, das geht so spät im Jahr einfach nicht mehr.


    Völker, die mit einer Besetzung an der unteren Grenze die Überwinterung schaffen, überleben zwar. Aber meist sind das eben nicht die, die im Frühjahr eine Volle Kiste präsentieren, sondern sie sind dann im Sommer erst richtig da.


    Es kommt drauf an, was Du möchtest und benötigst und wie die Trachtlage bei Dir ist.


    Grüße



    Marion

    "Wer die Leidenschaft als Jugendsünde abtut, degradiert die Vernunft zur Alterserscheinung".
    Hans Kasper

    Dieser Beitrag wurde bereits 2 Mal editiert, zuletzt von beetic () aus folgendem Grund: Anrede ging an den Falschen. Danke, Josef!


  • Hallo Marion. Der Imker mit den Problemen ist Robert , nicht Wolfgang.


    Gruß Josef

    Buckfast . 10 Völker . DNM Holzbeuten 13 ner Zargen . Dadant US Frankenbeute. Königinnenzüchter.

  • Hallo,
    kann man jetzt im Herbst (Ende August) noch sinnvoll die Brut anregen, indem man Völker über Absperrgitter übereinander stellt, so wie es manchmal im Frühjahr empfohlen wird?
    Meine Völker sind z.T. doch schwächer als es gut wäre. Sonst bliebe mir nur das Vereinigen im Oktober, aber bis dahin würde ich gerne versuchen, sie noch viele Bienen erbrüten zu lassen. Pollenversorgung sollte hier kein Problem sein.


    Um zu deiner Frage überhaupt etwas sinnvolles sagen zu können, bräuchte man mehr Angaben.


    Wie stark oder schwach sind deine Völker? Bitte als Bienenmenge angeben. Auch recht kleine Völker (>5000) können überwintern, wenn sie gesund sind.
    Wie groß sind die Brutflächen? Bitte in dm² schätzen.
    Herrscht Trachtflug? Bei mir, am Berliner Rand, fliegen die Bienen in die Goldrute.
    Hast du schon eingefüttert? Möglicherweise ist gar kein Platz zum Brüten.
    Ist das Brutnest an den Rändern durch Futter eingeschränkt? Die Königin geht dann oft nicht auf die Leerwaben jenseits der Futterwaben.
    Hast du gerade mit AS behandelt? Das kann zu einem Brutstopp führen.
    Sind die Völker krank? ABPV, CBPV, DWV, Varroose sind ein absolutes NoGo für ein Übereinanderstellen von Bienenvölkern.


    Wirklich schwache Völker dürften jetzt in der Nacht Schwierigkeiten haben, die Brutnesttemperatur zu halten und müssen daher ihr Brutnest verkleinern. Sie bilden am kühlen Morgen dann schon jetzt eine Art Wintertraube, von oben gut zu erkennen. Bei solchen Völkern würde ich das Brutnest an den Rand versetzen und das andere Ende des Brutnests mit einem wärmeisolierenden Schied abschließen. Dahinter kämen die Leer- und Futterwaben. Dabei sollte mit den Oberträgern in Kontakt eine Folie gelegt werden, die den Wärmeabstrom nach oben minimiert. Erst wenn dieser Bereich gut besetzt wird, würde ich erweitern.


    Wenn aber die Besetzung über das Brutnest hinausgeht, kann man Leerwaben ins Brutnest geben. Dabei würde ich nur dunkle Waben verwenden, da die leichter angenommen werden. Vielleicht findest du auch in der Beute bereits blankgeputzte Leerwaben, die nur an die richtige Stelle müssen.
    Sanfte Flüssigfütterung könnte die Bienen auch zum Brüten anregen.


    Falls eine der genannten Krankheiten die Ursache sein sollte, könnte man aus je 2 Völkern einen Kunstschwarm bilden, den auf Leerwaben setzen und nach wenigen Tagen mit OS-Dampf behandeln. Die entnommene Brut wäre zu vernichten.


    Gruß Ralph

  • Hallo,


    an bessere Königinnen habe ich auch schon gedacht, und auch bereits vor ein paar Wochen versuchsweise zwei gekaufte Königinnen in einen Fegling eingeweiselt. Eine vermutlich erfolgreich, die andere lebt zwar noch, aber das Volk will umweiseln (geschlüpfte Zelle gesehen) und das Brutnest ist sehr lückenhaft. Doch mir ist klar, dass ich meine Probleme nicht auf die Königinnen schieben kann.


    Brutfläche kann ich versuchen beim nächsten Besuch zu schätzen. So ganz grob würde ich sagen, bei der letzten Durchsicht vor ein paar Tagen habe ich im Durchschnitt vielleicht auf drei Waben Brut gefunden, und das auch bestenfalls auf der halben Waben Fläche. Ich hatte schon öfter versucht, dem Brutnest durch umhängen von Leerwaben oder einhängen von Mittelwänden mehr Platz zu verschaffen, vermutlich einer meiner Fehler. Wenn ich gefüttert habe, haben die Bienen trotzdem gleich dort Futter eingelagert. Mittlerweile wird mir klar: alle meine sichtbaren Probleme lassen sich auf zu wenig Bienen im Volk zurückführen. Die Gründe dafür, jedenfalls im Spätsommer, sehe ich im Augenblick in einer Kombination aus zu wenig/zu spätem/zu unregelmäßigem Füttern und bei einigen Völkern zu später Varroabehandlung. (Der natürliche Varroafall war nicht so hoch, und weil die Bienen bis April wegen Frost brutlos waren, dachte ich, die Varroa wäre dieses Jahr langsamer. Ganz großer Fehler!)
    Vermutlich waren es auch im Frühsommer schon zu wenig Bienen.


    Ja, es gibt aktuell eine Brutlücke wegen Ameisensäurebehandlung.


    Mittlerweile habe ich den Eindruck, dass es eigentlich richtig wäre, Völker jetzt zu vereinigen (wegen niedriger Nachttemperaturen habe ich Zweifel, dass zwei Könginnen in schwachen Völkern tatsächlich mehr Brut produzieren als eine Königin in stärkerem Volk.)
    Aber wie das halt so ist, ich kann mich nicht von den Königinnen trennen, deshalb die Frage, ob Übereinandersetzen etwas bringen könnte.


    Grüße,
    Robert

  • Nur weil es gekaufte, oder vom Züchter kommende Königinnen sind, müssen sie nicht zwangsläufig ok sein.
    Es gibt eine Menge schlechter Königinnen


    Hallo Luxnigra,
    woran erkennt man (außer Brutbrett) eigentlich eine gute Königin. Gestern war meine Patin bei mir und wir haben nun auch im zweiten Volk die Königin gefunden. Sie meinte, dass beide Königinnen recht kleine Hinterteile hätten und ich daher im kommenden Jahr mit einer Umweiselung rechnen müsste. Kann man das grundsätzlich vom Körperbau abhängig machen? Die Völker als solches finde ich eigentlich toll. Super sanftmütig, fliegen nicht auf, wenn ich rein schaue, kann alles um die Kästen machen (Rasen mähen, Hecke schneiden usw.).


    Wenn ich dann doch die Königinnen tauschen müsste, müsste ich dann welche kaufen bzw. direkt Zuchtmaterial aus dem Verein besorgen oder kann ich mir ggf. selber welche aus der eigenen Masse nach züchten? Ich meine, ob die Größe der Königin etwas mit Vererbung oder mit zu wenig Drohnen beim Hochzeitsflug zu tun hat?!?


    Gruß
    Frank

    12er Dadant, Buckfast

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  • Wenn ich dann doch die Königinnen tauschen müsste, müsste ich dann welche kaufen bzw. direkt Zuchtmaterial aus dem Verein besorgen oder kann ich mir ggf. selber welche aus der eigenen Masse nach züchten? Ich meine, ob die Größe der Königin etwas mit Vererbung oder mit zu wenig Drohnen beim Hochzeitsflug zu tun hat?!?


    Gruß
    Frank


    Hallo Frank. Die größe der Hinterleibs der KÖ hat mit der Pflege bei der Aufzucht der KÖ zu tun. Je besser die Bedingungen ( Fütterung der Made ) je größer die daraus entstehende KÖ mit Ausbildung der Eischleuche. Je mehr Eischleuche je größer die Legeleistung und damit die größe des Hinterleibs. Das ganze hat nichts mit Vererbung oder zu wenig Drohnen zu tun.


    Gruß Josef

    Buckfast . 10 Völker . DNM Holzbeuten 13 ner Zargen . Dadant US Frankenbeute. Königinnenzüchter.

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  • Hallo Luxnigra,
    woran erkennt man (außer Brutbrett) eigentlich eine gute Königin. Gestern war meine Patin bei mir und wir haben nun auch im zweiten Volk die Königin gefunden. Sie meinte, dass beide Königinnen recht kleine Hinterteile hätten und ich daher im kommenden Jahr mit einer Umweiselung rechnen müsste. Kann man das grundsätzlich vom Körperbau abhängig machen? Die Völker als solches finde ich eigentlich toll. Super sanftmütig, fliegen nicht auf, wenn ich rein schaue, kann alles um die Kästen machen (Rasen mähen, Hecke schneiden usw.).


    Wenn Du mit dem Volk eh zufrieden bist, brauchst dann auch keine Angst vorm stillen umweisels haben, die machen das schon selber und mit ihren besten Material und guter Pflege


    Schlimm wäre es wenn sie es noch spät im Herbst machen würden, weil dann die Begattung nicht garantiert ist, aber solange eh die alte drinnen ist 0 Problem

    Nur wir Imker können funktionierende Varroa Abwehr schaffen, sicher nicht die Chemie