Honig belassen?

  • eine kurze Frage:


    die starken Völker (Weserbegland, Hann. Münden) haben seit der letzten Schleuderung (20. Juli, mit hohem Waldhoniganteil) noch sehr viel Honig eingetragen, so dass die (nach der Schleuderung wieder aufgesetzten) Honigräume tlw richtig voll sind.


    Kann ich ihnen diesen für den Winter belassen? Oder gibt es ggf. Probleme bei der Aufnahme und Verdauung?


    (ich weiß nicht genau um welcher Art Honig es sich handelt, tlw. auf jeden Fall Springkraut, das entlang der Weser in großen Mengen wächst)


    viele Grüße, Tregi

  • Moin , Moin aus Hamburg,
    ich denke, wenn man erntet, muß man konsequent ernten, sonst schadet es vermutlich dem Bien. Von meinem Verständnis ist der eingelagerte Nektar als komplexes ganzes zu sehen. Wenn man einzelne Bausteine zu einem sehr hohen Anteil entfernt, macht es alles keinen Sinnn mehr. Geringfügige entnahmen durch den Imker im Jahresverlauf ....bei starker Tracht, werden in meiner Annahme durch das System ausgeglichen. Das Entnehmen kompletter Nährstoffzusammensetztungen nebst deren Informationsgehalt und das belassen anderer Bausteine macht keinen Sinn, ist eventuell sagar schädlicher als das eingebrachte Neutralfutter.


    Wenn Dir einer von Deinem Essen das Fleisch, das Gemüse, die Gewürze wegnimmt und Du nur noch die Soße bekommst, wird Dir das auf Dauer wenig bekommen und auch nicht schmecken. Mit ausgewogener Ernährung hat das jedenfalls nicht viel zu tun. Der Honig sollte als Bestandteil des Bien angesehen werden, weil die Inaltsstoffe wiederum ein Teil des Bienenkörpers bilden.
    Du bist,was Du ißt. Darüber denke ich gerade verstärkt nach.
    Beste Grüße
    Daniel

    Die Quelle des ewigen Lebens liegt nicht im Finden eines Heilmittels zum ewigen Leben, sondern im Akzeptieren des Sterbens, im Eingehen in die Kreisläufe der Natur. Alles muß vergänglich sein, um seine Bestandteile immer wieder in den Gral des ewigen Lebens einzubringen, sich neu zu fügen,zu entstehen und zu vergehen. (Meine Ansicht)

  • Aeh, entschuldigung. Es gibt Honig und Pollen als Naehrstoffe fuer die Bienen. Beim Honig verschiedene Sorten plus Futter, was durch die Einfuetterung von Zuckerfutter entsteht. Sonst ist nichts bekannt. Auch kein Fleisch, Leberknoedel oder Sauerkraut. Ich glaube nicht wirklich, dass Honig fuer Bienen schlecht sein koennte. Auch nicht als Futter waehrend der Ueberwinterung. Waldhonig und Meliziosehonig soll ja weniger geeignet sein. Ich denke, es ist eine Frage des Anteils.


    Ich wuerde ein Volk nie ganz trocken schleudern, sondern eben nur vom "Speck", also vom Ueberschuss. Nehme ich weniger Honig weg, ist das tendenziell besser fuer den Bien und ich muss weniger einfuettern. Ich wuerde mal bei ein paar Voelkern versuchen, den Springkrauthonig (vielleicht mit Waldhoniganteil?) drinzulassen und andere mal abzuschleudern und wieder aufzufuettern. Aufschreiben und gucken, wie die Voelker ueber den Winter kommen und auswintern. Auf diese Weise weisst Du naechstes Jahr bei aehnlicher Situation mehr.


    Gruss
    Joe

  • Moin,
    ich bin der festen Überzeugung, daß die Bienen ziemlich genau wissen, was sie an Vorrat haben.
    Mein damaliger Pate hat auch mal Ende September nochmal gründlich geschleudert, weil späte Phacelia honigte, und die Bienen wurden ziemlich apathisch.
    5 Tage später gab's die erste Kältewelle, und er fluchte, weil er das Futter nicht in die Völker brachte...das gelang ihm erst, als es noch eine warme Woche im Oktober gab.
    Bienen wissen durch Tageslichtlänge und Temperatur WANN genug Futter drin sein muß - ich hatte den Eindruck, daß seine "trockenen Völker" schon fast aufgegeben hatten.
    Rein subjektiv, nur mein Eindruck.
    (und es gibt genug Imker, die auch noch die allerletzten Honigtropfen mitnehmen - finde ich nicht gut. )

    "Meet me in a land of hope and dreams"
    Bruce Springsteen

  • Hallo,


    Daniel habe ich so verstanden, dass der übliche Wintervorrat eines Volkes sich gewissermaßen langsam aufbaut, reift und sozusagen um das Brutnest herum Zonen bildet. Diese bilden auf dem Boden der verschiedenen Trachtangebote auch verschiedene Honigarten.
    Für mich ist das ganz klar.
    Was ich den Kunden mühsam und geduldig als feinen Unterschied und Qualität im Gegensatz zur Einheitsbeiverpampung" sogar noch mit Importware darstelle und erkläre,
    das kann und will ich doch den Bienen nicht ganz absprechen oder?


    Ist Honig nur ein invertiertes, eingedicktes Zuckergemisch? Für die Bienen überflüssigerweise mit diesen tollen Aromastoffen versetzt? Oder vielleicht doch mehr?


    Offensichtlich überwintern sie auf den gottseidank gefütterten Zuckern gut. Betont ist es ja Heizstoff. Ohne sähe es sowieso übel aus für die Immen in weiten Teilen des Landes.


    Aber die Gedanken von Daniel finde ich nicht von der Hand zu weisen.
    Ich hab ihn so verstanden, dass man entweder generell nur sehr bedacht entnimmt von Anfang an, um diese spezielle Jahresmischung und -reifung zu erhalten, oder man erntet - dann aber richtig.


    Wenn das Eingetragene in Sachen Varroabehandlung noch erntefähig ist:


    Warum nicht ernten?


    Keine Honigkunden oder keine Lust mehr?


    Springkrauthonig schmeckt (nicht nur mir) gut.
    Allerdings ist die Überwinterung damit ebenfalls prima (hier plantagenartige Zustände z T)


    Grüße


    Marion

    "Wer die Leidenschaft als Jugendsünde abtut, degradiert die Vernunft zur Alterserscheinung".
    Hans Kasper

  • Honig so raus, wie möglich. Futter danach und kontinuierlich retour.


    Einen mit Honig selbst eingerichteten Wintersitz zuzufüttern nur um Honig zu belassen, ist schädlich. Gerade, wenn es erst spät geschieht.

    Mit vielen freundlichen Grüßen
    Henry Seifert (Honig-Bienen-Kurse-Gutachten)
    Faulbrutsanierer, Königinnenverschicker, Schwarmfänger, Bienenretter, Streitschlichter, Kunstschwarmkehrer, Belegstellenwirt, Imkerpate, Probennehmer, Schadenschätzer, Ablegerbilder

  • ...Einen mit Honig selbst eingerichteten Wintersitz zuzufüttern nur um Honig zu belassen, ist schädlich. Gerade, wenn es erst spät geschieht.


    Das verstehe ich nicht.


    Ich hatte Tregis Beitrag so gedeutet, daß sowohl der Brutraum, als auch die HR (wahrscheinlich über ASG) voll Spingkrauthonig sind. Mein Tipp HR abschleudern, BR belassen und auffüttern.


    Gruß Jörg

  • Mein Tipp HR abschleudern, BR belassen und auffüttern


    Aber nur, wenn bis jetzt noch KEINE Varroabehandlung mit Ameisensäure, Thymol oder ähnlichchem an den entsprechenden Bienenvölkern erfolgt ist. Denn sonst ist der Honig nicht verkehrsfähig (soll eben nicht vom Menschen gefuttert werden).


    Stefan

  • Moin,


    Das würde aber


    doppelt Arbeit machen für die Bienen und
    an Futter-/Honigmenge, wie sie jetzt ist, Verlust machen.


    Wenn er schon im Volk bleiben soll, warum dann noch abschleudern? Nur, damit mann leere Honigwaben sichert?
    Dazu hätte ich jetzt persönlich keine Lust, würde den ohne ASG drauflassen und im Frühjahr eben neu bauen lassen.
    Die Menge würde wohl ohne zusätzliches Auffüttern passen, also ASG raus und gut ist.


    Grüße


    Marion


    (der sich solche Fragen bei Dadant nicht stellen. Was im Brutraum nach Entnahme noch reinkommt ist den Bienen. "Aus versehen" ernten kann ich kaum. Höchstens angetragene HW umtragen lassen)

    "Wer die Leidenschaft als Jugendsünde abtut, degradiert die Vernunft zur Alterserscheinung".
    Hans Kasper

  • Moin,




    (der sich solche Fragen bei Dadant nicht stellen. Was im Brutraum nach Entnahme noch reinkommt ist den Bienen. "Aus versehen" ernten kann ich kaum. Höchstens angetragene HW umtragen lassen)


    Hallo Marion,
    stellt sich die Frage beim geteilten Brutraum zwangsläufig? Also mir nicht, denn alles was unterm ASG ist, ist den Bienen ihres und da wird nix mehr geschleudert...


    LG
    Andreas

  • Aeh, entschuldigung. Es gibt Honig und Pollen als Naehrstoffe fuer die Bienen. Beim Honig verschiedene Sorten plus Futter, was durch die Einfuetterung von Zuckerfutter entsteht. Sonst ist nichts bekannt. Auch kein Fleisch, Leberknoedel oder Sauerkraut. Ich glaube nicht wirklich, dass Honig fuer Bienen schlecht sein koennte. Auch nicht als Futter waehrend der Ueberwinterung. Waldhonig und Meliziosehonig soll ja weniger geeignet sein. Ich denke, es ist eine Frage des Anteils.
    Ich wuerde ein Volk nie ganz trocken schleudern, sondern eben nur vom "Speck", also vom Ueberschuss. Nehme ich weniger Honig weg, ist das tendenziell besser fuer den Bien und ich muss weniger einfuettern. Ich wuerde mal bei ein paar Voelkern versuchen, den Springkrauthonig (vielleicht mit Waldhoniganteil?) drinzulassen und andere mal abzuschleudern und wieder aufzufuettern. Aufschreiben und gucken, wie die Voelker ueber den Winter kommen und auswintern. Auf diese Weise weisst Du naechstes Jahr bei aehnlicher Situation mehr.
    Gruss Joe


    Moin , Moin Joe,
    soweit sind wir Beiden gar nicht auseinander. Ich denke, das Honig ein Informationsträger ist und in seiner Zusammensetzung wesentlicher Bestandteil des Bien ist. Wenn wir Honig entnehmen und durch Zuckerwasser ersetzen greifen wir in den Organismus ein. Wenn es ein gleichwertiger Ersatz wäre, warum machen wir uns dann die Arbeit und entnehmen den Bienen den Honig ? Dann kann ich mir doch auch die Zuckerplörre selbst auf das Brot schmieren. Im Honig finden sich alle Informationen der Umwelt des Bien. Ein biologische, jahreszeitliche Landkarte der Außenwelt in der Innenwelt des Bien. Er lebt in totaler Dunkelheit aber könnte durch den Honig alle Informationen einer Welt bekommen, die einzelne Bienen nie erfahren haben. Wenn der Honig so verbraucht wird wier er eingelagert wurde, könnten die Bienen daran erkennen, wann der Winter vorbei sein müßte. Sie schmecken den Frühling, ohne den Frühling je gesehen zu haben. Alle Informationen über die Pflanzen zu dieser Jahrszeit sind in diesem Honig enthalten. Wenn die Jungbienen den Stock verlassen, dürften sie in eine nicht ganz unbekannte Welt ausfliegen.Die Welt der Bienen ist vermutlich durch Geruchs/Geschmacksstoffe mehrdimensionaler als unsere Welt.
    Wir Menschen wissen neigen dazu, unsere Umwelt auszubeuten. Es muß immer mehr sein.......letztendlich mehr als die Umwelt verträgt.
    Der wilde Bien behielt seinen Honig oder er hat alles verloren. Wenn ein Bär ein Volk gefunden hatte , dann wurde es zerstört. Wir entnehmen alles und halten den Organismuß mit minderwertigen Austauschstoffen notdürftig am Leben. Das machen wir mit jeder Lebensform.
    Die alten Korbimker haben Ihre Völker geschlachtet und Sie hatten Völker, die Ihren Honig behalten haben. Wir wandern mit den Bienen, auch das ist eigentlich wieder der Natur.
    Vielleicht ist die Milbe das Zünglein ander Waage, die uns darauf hinweisen soll, das es letztendlich auch wir Imker sind, die mit rosaroter Brille immer auf die anderen zeigend dazu beitragen, das der Bien seine Orientierung in dieser Umwelt verliert.


    So, ich muß noch schaffen ......aber ich denke weiter darauf herum.
    Gandalf

    Die Quelle des ewigen Lebens liegt nicht im Finden eines Heilmittels zum ewigen Leben, sondern im Akzeptieren des Sterbens, im Eingehen in die Kreisläufe der Natur. Alles muß vergänglich sein, um seine Bestandteile immer wieder in den Gral des ewigen Lebens einzubringen, sich neu zu fügen,zu entstehen und zu vergehen. (Meine Ansicht)