Varroaschublade / Windel - Aussagekraft erhöhen - wie?

  • Hallo,
    sicher wurde es schon etliche Male besprochen, ich habe auch schon hier im Forum dazu gelesen, aber irgendwie scheine ich noch nicht den richtigen Weg gefunden zu haben.
    Daher vorab danke für Eure Geduld!


    Beim Zählen der Varroamilben auf der Varroaschublade kommt es zu (meines Erachtens) nicht unerheblichen Abweichungen zwischen der Anzahl der auf die Windel gefallenen Milben und der Anzahl der auf den Windeln befindlichen Milben.
    Ameisen und Ohrenkneifer scheinen immer sehr erfeut über das "gedeckte Buffet" zu sein.


    Ich habe Segeberger-Styroporbeuten mit den dazugehörigen Varroaschubladen.
    Auf Anraten unseres Imkerpatens hatte ich diese zunächst mit Öl bestrichen.
    Ergebnis: die Ameisen fanden auch das Öl lecker und ein Exemplar der Spezies habe ich auf frischer Tat beim "dieben" einer toten Milbe erwischt! (btw: Können die Ameisen nicht die lebenden Milben von den Bienen klauen? :wink:)


    Also habe ich hier im Forum gesucht und beim nächsten Versuch Melkfett genommen.
    Ergebnis: zwei, drei nicht wirklich hungrig wirkende Ohrenkneifer tummelten sich mit Vergnügen.


    Den Tipp mit dem doppelseitigen Klebeband habe ich noch nicht probiert, da mir bisher schleierhaft ist, wie man das mehrfach verwenden kann.


    Muß ich die Schubladen noch irgendwie zusätzlich festkeilen, damit da kein Spalt mehr ist?


    Danke für jeden Tipp und summende Grüße,
    Astrid

  • ...das "gedeckte Buffet"...


    Wenn es dir zu bunt wird, konstruiere für die Füße/Beine der Beutenböcke ein Wasserbehältnis in dem sie stehen können.
    Den Spalt kannst du dann auch vernachlässigen.


    ...Können die Ameisen...die lebenden Milben von den Bienen klauen?...


    Hm - Bienen - Milben - Ameisensäure..
    Einen Kunstschwarm bilden mit 24h Ameisenhaufen-Haft - Varroasanierung 2.0 ? :)
    Die Überlegung gab es bestimmt schon..


    Mit der Varroa bleibt es wie in einem Krimi. Als Neuimker, so wie ich auch, bleibt einem nichts anderes übrig, als auf die Erfahrung anderer zu vertrauen.
    Ich versuche in Abständen von wenigen Tagen meine beiden Stände (ausschließlich Jungvölker) zu bewerten. Man weiß nicht genau wann der Zeitpunkt sein wird, an dem die Milbenpopulation explodieren wird. Die Varroaeinschübe an meinen Balkonvölkern lassen genauere Analysen zu als am Aussenstand, genau der Insekten wegen.
    Im Übrigen glaube ich nicht, das der Bien mit Ja/Nein und Entweder/Oder-Funktion arbeitet, sondern mit Tendenzen. Es sind soooo viele Faktoren, die im Leben des Biens eine Rolle spielen. Genau aus dem Grund werden die Varroaschwelle und damit die idealsten Behandlungstermine auch nie jemand genau datieren können. Es sei denn, er kennt jede Biene mit Namen. Meine Erfahrung mit anderen Imkern ist, das sie gar keine Lust mehr auf das Thema Varroa haben, weil da schon einfach alles abgeklärt ist für sie.
    Für mich ist das Imkern ein ständiges Feilen meiner Blickwinkel, ohne fremde Hilfe/Erfahrung wäre man als Neuimker schön aufgeschmissen.
    Ich versuche das Gesamtbild des einzelnen Volkes im Auge zu behalten und möglichst viele Betrachtungsweisen zu reflektieren.
    Die Behandlung, bzw. Betriebsweise eines Spättrachtimkers unterscheidet sich komplett von der, eines Frühtrachtimkers usw..
    Zu dem Thema kann man vom 100sten ins 1000ste kommen.. Wenn man gar nicht oder viel zu spät behandelt würden sie sterben, zu falschen Zeitpunkten durchgeführt, leidet ihre Entwicklung.


    Liebe Grüße, Peter :Biene:

    Vor Gericht, auf hoher See und als Imker bist du in Gottes Hand.

  • Hallo zusammen,

    wukie schrieb:

    Varroaschublade / Windel - Aussagekraft erhöhen - wie?

    Gute Frage! :daumen:


    wukie schrieb:

    Beim Zählen der Varroamilben auf der Varroaschublade...

    Das genaue Auszählen der Bodeneinlage ist zwar lehrreich, man muss es aber nicht übertreiben.
    Ob da 43 oder 47 Milben liegen, ist völlig belanglos. Und ob das eher 50, 80, 100, 200 300 oder eher 500 Milben sind, das kann man nach einiger Übung ausreichend genau schätzen.
    Ausnahme: Wenn z.B. im September der natürliche Milbenfall zur Gefahreneinschätzung ermittelt werden soll. Aber wenn da nach 7 Tagen mehr als 70 Milben liegen, erübrigt sich die genaue Zählung ebenfalls. Dann muss man handeln...


    Mit den Segeberger-Bodeneinlagen habe ich keine Erfahrung. (Was man bei Kollegen so sehen kann - auch mit ölgetränktem Papier - ist nicht vertrauenerweckend.)
    Mit außenliegenden Varroaschiebern schon. Die haben ein ganz dickes Problem, nämlich den fehlenden Rand.
    Grund: Viele Varroen fallen nicht tot, sondern sterbend auf die Bodeneinlage und liegen nicht gerne im Freien rum. Sie suchen Schutz an engen Stellen. Dabei verschwinden viele in der Nut, in der der Schieber läuft.
    Es kann schon überraschen, diese Nut mal mit dem Stockmeisel auszukratzen.


    Ich verwende nur noch diese Bodeneinlagen:


    Varroa-Untersuchungsgitter


    Damit komme ich zu verlässlichen und praktisch verwertbaren Zahlen. (...bin ja kein Wissenschaftler, glücklicherweise... :) )
    Der Nachteil: Die Einlage muss in den Boden, möglichst mittig unter den Bienensitz geschoben werden. Geht gut mit einer hinteren Bodenklappe, geht aber auch über das Flugloch. Einen geeigneten Haken zum Ziehen der Einlage braucht man halt. Bei mir tuts der Lega-Stockmeissel.


    wukie schrieb:

    Muß ich die Schubladen noch irgendwie zusätzlich festkeilen, damit da kein Spalt mehr ist?

    Bei der Behandlung mit Ameisensäure darf zusätzlich zum Flugloch keine weitere Öffnung im Boden sein, sonst kann die notwendige AS-Konzentration in der Stockluft nicht sicher entstehen.
    Ameisen und Ohrenkneifer wirst Du damit allerdings nicht aussperren können.


    Viele Grüße aus dem Taunus,
    Rudi

  • Hallo,
    Beim Zählen der Varroamilben auf der Varroaschublade kommt es zu (meines Erachtens) nicht unerheblichen Abweichungen zwischen der Anzahl der auf die Windel gefallenen Milben und der Anzahl der auf den Windeln befindlichen Milben.
    Ameisen und Ohrenkneifer scheinen immer sehr erfeut über das "gedeckte Buffet" zu sein.


    Hallo zusammen!


    Ich habe hierzu auch mal eine Frage. Ich habe bisher noch nie eine Milbe bei meinen beiden Jungvölkern gesehen. Trotzdem hab ich gestern morgen die erste AS-Schwammtuchbehandlung durchgeführt und gestern Abend waren schon bei einem Volk um die 40 Milben, beim anderen um die 30 Milben gefallen. Ameisen hab ich nur ganz selten auf der Windel gesehen. Aber Ohrenkneifer immer drei vier fünf Stück. Bisher dachte ich, die finden die Ecke so schön gemütlich (warm und trocken) aber an die Milben hab ich bisher nicht gedacht. Klauen Ohrenkneifer auch Milben?


    Gruß Frank

  • Hallo Frank,

    Hobbit schrieb:

    Und von dieser Bodeneinlage klauen die Ameisen / Ohrenkneifer keien Milben oder ging es nur um den Rand?

    Ob sie Milben klauen, das weiss ich nicht. (...ich hab schon viel Zeit darauf verwendet, das mal zu sehen, aber bisher Fehlanzeige. Interesse an süßen Sachen, ja. Doch eine Varroa wurde während meiner Beobachtungen noch nicht mal testweise aufgenommen. Vielleicht haben sie sich ja geniert...)
    Doch es gibt genügend Berichte von Leuten, die das schon gesehen haben, und wenn sie - die Ameisen/Ohrenkneifer - es woanders tun, dann werden sie bei dem von mir genutzten Untersuchungsgitter keine Ausnahme machen.


    Allerdings beobachte ich auf dem in der Beute plazierten Untersuchungsgitter deutlich weniger Besucher, als auf unter dem Gitterboden geführten Untersuchungsschiebern. Das könnte einen Unterschied machen...


    Mit dem Hinweis auf den fehlenden Rand wollte ich auf eine andere/zusätzliche Quelle für den Milbenschwund hinweisen, den ich aus eigener Anschauung kenne: Das Flüchten der noch nicht ganz toten Milben über den Rand des Schiebers.
    Dass das erhebliche Mengen sein können, das habe ich mehrfach gesehen. Und dieses Problem können wir mit einfachen Mitteln technisch lösen - ganz im Sinne der Eingangsfrage dieses Themas. :)


    Mir ist es egal, ob Ameisen/Ohrenkneifer sich ihren Teil vom Kuchen holen.
    Warum sollte ich das beklagen? Dann müsste ich ja auch die Meisen und die Hornissen beklagen, die sich bei meinen Bienen bedienen. Wir nutzen als Imker die Natur, und auf dem Bienenstand nahrungssuchende Wesen gehören eindeutig dazu.
    Fest steht, dass die von mir beobachtete Varroabelastung - egal ob mit dem Puderzuckertest, dem Varroa-Untersuchungsgitter oder nach Behandlung - immer zusammen passen. Nur darauf kommt es an. :daumen:


    Also: Ich vertraue meinem Verfahren, und unterm Strich geben meine Verluste mir recht... :)
    Viele Grüße aus dem Taunus,
    Rudi

  • Hallo,
    erst mal Dank an alle für die netten Antworten!



    Gute Frage! :daumen:


    Danke! Für einen absoluten Neuimker wie mich ist selbst das schon eine Auszeichnung! :)
    Gerade zu Beginn ist man sich echt nicht sicher, welche Fragen "berechtigt" und welche "strohdoof" sind!



    Das genaue Auszählen der Bodeneinlage ist zwar lehrreich, man muss es aber nicht übertreiben.
    Ob da 43 oder 47 Milben liegen, ist völlig belanglos. Und ob das eher 50, 80, 100, 200 300 oder eher 500 Milben sind, das kann man nach einiger Übung ausreichend genau schätzen.
    Ausnahme: Wenn z.B. im September der natürliche Milbenfall zur Gefahreneinschätzung ermittelt werden soll. Aber wenn da nach 7 Tagen mehr als 70 Milben liegen, erübrigt sich die genaue Zählung ebenfalls. Dann muss man handeln...


    Genau darauf zielten meine Bedenken ab.
    Wenn ich jetzt im September die Schublade ziehe, kaum eine Milbe finde und dann denke "alles super", kann das ein echtes Problem sein. Wenn 100 Milben draufgefallen sind, aber nur noch fünf darauf liegen, werde ich wohl zwangsläufig falsch schlußfolgern. Und einfach auf den "blauen Dunst" hin behandeln, ist ja auch nicht so das Wahre.


    Dann werde ich wohl doch mal Informationen über "ameisensichere" Beutenböcke sammeln müssen. (Funktioniert das wirklich? Ist man da auch alle anderen "Mitesser" los?)


    Doof, dass unsere vier Völkchen momentan alle einzeln stehen.
    Das wird wohl wieder etwas "Bastelei" geben.
    (Unser Hund und das Gewächshaus sind eh schon sauer, dass wir uns Bienen angeschafft habe. Das "Unkraut" findet's gut. :wink:)


    So zeitintensiv hatte ich mir das Imkern zugegebenermaßen nicht vorgestellt.


    Summende Grüße,
    Astrid


    P.S.: die verlinkten Varroa-Untersuchungsgitter bekomme ich in meine Segeberger-Beuten mit Varioboden glaube ich leider nicht rein.

  • Hallo,


    bevor ihr alle irgendwie "Ameisensichere" Beuten, oder -beine baut:
    Ich verwende Rinzinusöl auf der Windel (gibt es meist in der Apotheke), da kleben die Milben fest und die Ameisen können nicht darauflaufen oder kleben selbst fest.
    Einfach mit einem Küchentuch auftragen, das Küchentuch dann entsorgen. Kontakt des Öls mit den Fingern vermeiden, ansonsten benötigt man viel Seife.
    Rinzinusöl ist auch Bestandteil bei den Insektenleimringen für Obstbäume.
    Ich habe auch schon Distelöl probiert, das war allerdings zu dünnflüssig.


    Gruss, Christian