Milchsäure regelmäßig anwenden? - Milchsäurebehandlung in Bayern

  • Hallo,
    bei meiner telefonischen Bestellung eines Sonnenwachsschmelzers im "tiefsten" :wink: Bayern kam es zu einem netten Plausch mit dem Hersteller, der auch aktiver Imker ist. Über Trachtsituation, Neuimkerförderung, Melizitose und natürlich die Varroa wurde geplauscht.
    Beim letzten Thema habe ich (ich bereue es jetzt) nicht genug nachgehakt.


    Der wirklich sehr nette Mann berichtete, dass es in seiner Region inzwischen üblich sei, gesprühte Milchsäure anzuwenden "jedesmal wenn man zu den Bienen geht".


    Auch der bayrische Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau scheint diese Vorgehensweise bekannt zu sein.
    http://www.lwg.bayern.de/biene…ankheiten/25553/index.php


    Zitat: "Die Arbeitsbelastung ist nicht so hoch, wie allgemein angenommen wird, wenn eine gewisse Routine bei der Behandlung eintritt."

    Nun meine Frage: hat jemand hier Erfahrung mit der regelmäßigen Anwendung von Milchsäure?


    Für einen Erwerbsimker mit vielen Völkern ist dieses Thema wohl kaum interessant, da jedesmal jede einzelne bienenbesetzte Wabe gezogen werden müsste.
    Aber für einen absoluten Newbie wie mich mit den 4 Völkchen wäre das durchaus eine Option.


    Vor der Oxalsäurebehandlung im Winter sträube ich mich noch ein wenig.
    Meines Wissens ist das Zeug echt gesundheitsschädlich. (Quelle z.B. hier: http://www.dlr.rlp.de/Internet/global/themen.nsf/ALL/D604240393A25A1CC125710F0051EECF/$FILE/Infobrief%202006%2001%20R.PDF)
    Wie manche Imker Oxalsäure freiwillig verdampfen können, ist mir ein wenig schleierhaft. Tragen die alle eine Gasmaske?


    Dass die Oxalsäurebahndlung im Winter durch Milchsäure ersetzt werden kann, ist mir (hoffe ich :wink:) klar.


    Dennoch die Frage: Wie genau sieht das Behandlungskonzept bei der regelmäßigen Anwendung von Milchsäure aus?


    Da der Sonnenwachsschmelzer bis heute leider nicht angekommen ist, werde ich mit dem netten Mann hoffentlich noch mal telefonieren und dann genauer nachhaken.


    Auch Eure Meinung zu dem Thema würde mich wirklich interessieren.


    Vielen Dank vorab und summende Grüße,
    Astrid

  • Auf der Seite der Bayern stehen aber auch 2 wichtige Sachen:
    Milchsäure wirkt NICHT in die Brut!
    Milchsäure zur Anwendung im Spätherbst/Frühwinter!
    D.h., derzeit ist die Milchsäure nicht das Mittel der Wahl, außer bei KS oder brutfreien Ablegern!
    Mit MS wird 2x behandelt, man muss also 2x alle besetzten Waben des Volkes ziehen und das können dann schon 8-10 sein. Bei Temperaturen um z.B. 10° im Herbst ist das schon eine ziemliche Belastung für´s Volk, deshalb ziehe ich die Oxalsäure vor. Mit Oxalsäure nur 1x geträufelt.
    Wenn ich Jungvölker bilde und die Brut dort ausgelaufen ist oder Schwärme, behandle ich 2x mit MS. Dann sind aber auch nur 2-3 Waben pro Volk besetzt und es gibt keine Brut. Da geht das recht einfach und ist wirksam.

    Die Welt ist groß genug für die Bedürfnisse aller, aber zu klein für die Gier Einzelner (Mahatma Ghandi)
    Gruß
    holmi

  • MS-Sprühbehandlung kennt genauso Karenz wie andere Varroazide. Eine Daueranwendung das ganze Jahr über ist also nicht möglich, wenn Honig geerntet werden soll.


    Zudem ist die Sprühbehandlung wirklich mühsam, weil gewöhnlich z.B. bei Schwarmkontrollen, die Bienen von den Waben abgeschlagen werden. Genau das jedoch läßt sich mit dem Besprühen nicht kombinieren, weil die Bienen danach feucht sind und ständig die Werkzeuge für die rechte Hand gewechselt werden müssen. Ich habe große Stände und Hinterbehandler mit MS besprüht als Winterbehandlung ohne Wiederholung. In winterlich verbauten Völkern bei hartem Propolis und Wachsbrücken ist das kein Spaß. Bei der Bildung von KS jedoch, läßt sich die MS-Behandlung perfekt integrieren und ersetzt dann das Befeuchtungswasser. Die Wirkung ist hervorragend auf die Milben schwächt aber leider die Schwarmentwicklung etwas.

    Mit vielen freundlichen Grüßen
    Henry Seifert (Honig-Bienen-Kurse-Gutachten)
    Faulbrutsanierer, Königinnenverschicker, Schwarmfänger, Bienenretter, Streitschlichter, Kunstschwarmkehrer, Belegstellenwirt, Imkerpate, Probennehmer, Schadenschätzer, Ablegerbilder

  • Warum die Träufelbehandlung mit OS gesundheitschädlich sein soll, ist nicht nachzuvollziehen. Solange man Hautkontakt vermeidet, kann da nichts passieren. Wenn OS schon in geringsten Mengen problematisch wäre, müsste z.B. Kaffee verboten werden.
    Etwas anderes gilt für das Verdampfen und das Versprühen. Beides ist aber aus genau diesem Grund nicht zugelassen.


    Gruß Wolfgang

    Unfähigkeit nimmt, aus der Ferne betrachtet, gern die Gestalt des Verhängnisses an (G. Haefs)

  • ... Beides ist aber aus genau diesem Grund nicht zugelassen.


    ...aber nur im Land der Hasenfüße & Bedenkenträger. In allen anderen Ländern darf man bedampfen und sprühen. Und von Vergiftungen dadurch habe ich noch nie gelesen oder gehört.
    Und es gibt auch Arbeiten über das Vergiftungsrisiko. Mal im Internet "Oxalsäure Verdampfung und Arbeitssicherheit" suchen (ich mache das mit https://ixquick.com), da kann man nachlesen.

    "Moral ohne Sachverstand ist naiv und manchmal sogar gefährlich"