Alle Honigwaben in der TBH mit Brut - keine reine Honigwaben mehr

  • Habe am 14.06. einen Schwarm geschenkt bekommen, da ich einem Imker gegenüber vorher mehrere Male geäußert hatte, mit dem Imkern beginnen zu wollen.
    Da ich keine Beute zur Hand hatte, besorgte ich mir entsprechende Anleitungen aus dem Internet und baute eine TBH nach den Maßen von Phil Chandler (How To Build A Top Bar Hive). Am Freitagnachmittag hatte ich den Schwarm erhalten und am Sonntag um 16:00 Uhr konnte ich ihn einschlagen. Familie und vor allem meine drei Enkel waren sehr angetan, zumal man in Fluglochnähe sitzen und beobachten kann. Der Schwarm wurde erstmal gefüttert und nach kurzer Zeit waren einige Oberträger ausgebaut, Pollen wurde eingetragen und das Völkchen entwickelte sich.


    Bei einer Kontrolle des Brutnestes brach eine Wabe ab, die ich dann, nach Abkehren der Bienen mit Draht am Oberträger befestigte und wieder ins Brutnest hängte. Nach Auslaufen der Brut wurde diese Wabe nicht mehr bestiftet sondern mit Honig gefüllt. So hängte ich diese Wabe ganz nach hinten, hinter die bereits begonnenen Honigwaben, ganz weit weg vom Brutnest, hoffend, dass der Honig darin bald gedeckelt würde.


    Die Waldtracht war in vollem Gange und ich bildete mir ein, ich könnte vielleicht die eine oder andere Honigwabe ernten, nur mal so zum Probieren. Also schaute ich nach, wie es denn jetzt aussieht. Der Imker, der mir den Schwarm geschenkt hatte, hatte vorgestern geschleudert.


    Zum Problem:
    Alle Waben, sofern sie hinreichend ausgebaut wurden, enthalten einen schönen Honigkranz und in der unteren Hälfte Brut verschiedener Ausprägung. Auch die letzte Wabe hinten. Das heißt, die Königin ist nach hinten gegangen und hat fleißig bestiftet. Da hat sie denn auch gleich mal die anderen Waben davor auch mit Eiern versehen.
    - Habe gelesen, die Königin geht nicht hinter Honigwaben. Habe ich da was falsch verstanden?
    - Wie schafft man es, dass man aus TBHs Honigwaben ohne Brut ernten kann? (Ich muss heuer keinen Honig ernten, jedoch sagte ein anderer Imker zu mir, der Waldtrachthonig ist nicht gut für die Überwinterung wegen Ruhrgefahr.)
    - Wie füttere ich jetzt ein, wenn auf den Waben Honigkränze sind? Soll ich noch warten? (Der Ausbau der drei Oberträger in Fluglochnähe wurde erst begonnen)
    - Eine Behandlung mit Ameisensäure würde ich sicherheitshalber parallel zum Einfüttern auch gerne durchführen.
    Beste Grüße,
    Egon

  • Hallo Egon:


    Wenn du dem Schwarm schon Futter gegeben hast, damit er zügig Waben ausbauen kann und Vorräte einlagert, dann entnimmst du keinen Honig, sondern allenfalls ein Gemisch aus eingelagertem Futter mit eingetragenem Nektar.


    Füttern und gleichzeitige Varroabehandlung ist auch nicht wirklich möglich, jedenfalls nicht, wenn du mit Ameisensäure behandeln willst.


    Stefan

  • Phil Chandler wird das Problem lösen! Sicher. Er ist der Barefoot Beekeeper. Hier sind mehr so Imker. ...


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    Mit vielen freundlichen Grüßen
    Henry Seifert (Honig-Bienen-Kurse-Gutachten)
    Faulbrutsanierer, Königinnenverschicker, Schwarmfänger, Bienenretter, Streitschlichter, Kunstschwarmkehrer, Belegstellenwirt, Imkerpate, Probennehmer, Schadenschätzer, Ablegerbilder


  • Zum Problem:
    Alle Waben, sofern sie hinreichend ausgebaut wurden, enthalten einen schönen Honigkranz und in der unteren Hälfte Brut verschiedener Ausprägung.


    Es scheint eine leistungsfähige Königin zu sein. Und Honigkranz über der Brut ist der natürliche Aufbau eines Bienenvolkes. Ich würde mich freuen. Und das nicht als Problem ansehen.



    - Habe gelesen, die Königin geht nicht hinter Honigwaben. Habe ich da was falsch verstanden?


    Nö. Manchmal machen das Königinnen so und manchmal anders. Bienen sind keine fest verdrahteten Roboter. Sie haben sehr viele Freiheitsgrade und sind zu Willkürhandlungen fähig. Oder anders ausgedrückt: Keine Regel ohne Ausnahmen.



    - Wie schafft man es, dass man aus TBHs Honigwaben ohne Brut ernten kann? (Ich muss heuer keinen Honig ernten, jedoch sagte ein anderer Imker zu mir, der Waldtrachthonig ist nicht gut für die Überwinterung wegen Ruhrgefahr.)


    Das mit der Ruhrgefahr stimmt.
    Wenn man Honig ernten will, dann muß man entweder mit Absperrgitter arbeiten oder warten, bis der Brutraum total verhonigt ist o.ä.



    - Wie füttere ich jetzt ein, wenn auf den Waben Honigkränze sind? Soll ich noch warten? (Der Ausbau der drei Oberträger in Fluglochnähe wurde erst begonnen)


    Nein, man braucht nicht warten. Im Gegenteil, solange noch nicht alle waben gebaut sind, sollte man kontinuierlich füttern. (oder honigt es noch? Dann bräuchte man noch nicht füttern).



    - Eine Behandlung mit Ameisensäure würde ich sicherheitshalber parallel zum Einfüttern auch gerne durchführen.


    Nein. Bitte nacheinander und nicht parallel.


    PS: sogenannte "Einfache Beuten" sind nicht einfach und auch nicht bienen-gemäßer, als Magazine .......

    "Moral ohne Sachverstand ist naiv und manchmal sogar gefährlich"

  • Herzlichen Dank für die hilfreichen Anmerkungen, wald&wiese!


    Ich hatte keine Beute zur Hand, als ich den Schwarm erhielt, der edle Spender hatte auch nichts. Es war Freitag, Hochwasser in der Kreisstadt und keine Möglichkeit, auf die Schnelle an eine Beute zu kommen. Nicht mal ein Schleier war vorhanden. Das Einfachste war der Bau dieser TBH, weil sehr gute Anleitung und Plan im Internet vorhanden. Ich fand ansonsten keine brauchbaren Pläne im Internet. Dr. Liebig, Dr. Prüger, Reiner Schwarz sagte mir zu diesem Zeitpunkt noch gar nichts. Stablibau in einer Warre-Beute erschien für mich als Anfänger zu riskant, gute Bau-Anleitungen gibt es dazu im Netz. Rähmchen, Mittelwände etc., sinnvolle Literatur ... Beschaffung hätte zu lang gedauert, die Mädels hatten ja nur für drei Tage Futter dabei. Jetzt steh' ich vor der Entscheidung, zu welchem Verein ich gehe, welche Beute und Betriebsweise (wohl Dadant) ich wähle usw. TBHs sind nett, meine Bienen darin sehr sehr friedlich (noch keinen Stich abbekommen), aber ich befürchte, nicht die Techniken ausführen zu können, die wir im Einführungskurs und im Kurs "Völkervermehrung" gezeigt bekommen haben. Kenn' mich da noch zu wenig aus... Die Herangehensweise an die Imkerei war wohl nicht die beste, aber es lief halt mal so, zurückgeben wollte ich den Schwarm auf keinen Fall, ich sah es als Start in die eigene kleine "Hobby"-Imkerei an. Allerdings mag ich den Begriff "Hobby" im Zusammenhang mit der Verantwortung für Lebewesen nicht.


    Nun habe mich genug gerechtfertigt, finde ich!


    @Kai-Michael Engfer: Ich habe eigentlich keinen Paten, und bevor ich versuchte, hier einen Imker zu erreichen, habe ich im Forum gefragt. Dachte, das kann man so machen.
    Drops : Habe am Anfang 3 Liter gefüttert, war ja der 3. Tag des Schwarms. Meinte, dass dieses Futter wohl schon längst verbraucht wäre, wenn ich Honig entnehme. Danke für die Anmerkung.
    Henry : Danke für deine Antwort. Muss man schon aufpassen, dass man sich nicht "verquatscht" hier im Forum. Wusste es da halt noch nicht besser.


    Beste Grüße,
    Egon

  • Moin Egon,


    da Du bist Du ja direkt auf die tolerantesten Imker des Imkerforums gestoßen. :wink:


    Zum Problem:
    Alle Waben, sofern sie hinreichend ausgebaut wurden, enthalten einen schönen Honigkranz und in der unteren Hälfte Brut verschiedener Ausprägung.


    Dein Problem ist keines, sondern der Normalfall, wenn die Beute gerade erst gestartet wurde.


    - Habe gelesen, die Königin geht nicht hinter Honigwaben. Habe ich da was falsch verstanden?


    Die Bienen haben es nicht gelesen. :wink: Und Honigwaben sind kein wirkliches Hindernis für eine Königin. Ist aber auch nicht schlimm.



    - Wie schafft man es, dass man aus TBHs Honigwaben ohne Brut ernten kann?


    Entweder Du verwendest ein vertikales Absperrgitter (so macht es Wyatt Mangum) oder Du geduldest Dich bis ins nächste Jahr. Meistens nach dem Schwärmen oder nach der Ablegerbildung kannst Du einzelne Waben mit Honig entnehmen. Das Absperrgitter erlaubt natürlich größere Ernten.



    (Ich muss heuer keinen Honig ernten, jedoch sagte ein anderer Imker zu mir, der Waldtrachthonig ist nicht gut für die Überwinterung wegen Ruhrgefahr.)


    Wenn der Honig mit Zuckerfutter vermischt wurde und wird, wird die Gefahr verringert werden.


    - Wie füttere ich jetzt ein, wenn auf den Waben Honigkränze sind? Soll ich noch warten?


    Ich würde in kleinsten Mengen weiterfüttern, damit weitere Waben ausgebaut werden und noch etwas Bienenmasse zustande kommt. Und dann Ende August mit einer größeren Menge auf einmal auffüttern.


    - Eine Behandlung mit Ameisensäure würde ich sicherheitshalber parallel zum Einfüttern auch gerne durchführen.


    Dazu würde ich Guido Frölich kontaktieren. Siehe: http://www.top-bar-hive.de - Guido kennt sich mit der Behandlung der Völker in TBHs besser aus.


    Viele Grüße


    Bernhard

  • Henry : Danke für deine Antwort.

    Du warst dann wohl ein Kollateralschaden. Dass jetzt ma keine Entschuldigung, denn ich stehe zu "Harte Schale, weicher Kern" :wink:

    Mit vielen freundlichen Grüßen
    Henry Seifert (Honig-Bienen-Kurse-Gutachten)
    Faulbrutsanierer, Königinnenverschicker, Schwarmfänger, Bienenretter, Streitschlichter, Kunstschwarmkehrer, Belegstellenwirt, Imkerpate, Probennehmer, Schadenschätzer, Ablegerbilder