Frage zu Honigraum und mögl. Konsequenzen

  • Liebe Imkerfreunde


    Der Hintergrund ist kompliziert und leider sehr emotional, die Frage letztenendes recht einfach:


    Wird einem Bienenvolk im wahrsten Sinne des Wortes „geschadet“ bzw. vernachlässigt man in irgendeiner Form seine Sorgfaltspflicht, wenn man gezielt keinen Honigraum aufsetzt und somit das Volk (ggf.) zum „Abschwärmen“ bringt?


    Für Eure Antworten möchte ich mich im Voraus recht herzlich bedanken!


    Grüssle
    Bienjamin


    :Biene:

  • Hallo Benjamin,
    es wäre aber hilfreich, wenn du zumindest andeuten würdest, was dich zu der Frage bewegt hat.
    Ich versuche einfach einmal trotzdem zu antworten:
    Wird ein Bienenvolk in einer Baumhöhle aufgesetzt, oder erweitert? Es ist eigentlich ganz natürlich, dass einem Volk früher oder später der Platz ausgeht. Dies regt die Bienen zum Schwärmen an.
    Schadet man dadurch dem Volk? Ansichtssache.
    Der Profiimker sagt: Klar, die Königin hat keinen Platz mehr zum legen. Die Bienen haben keinen Platz mehr zum Honig einlagern. Das Volk könnte sich viel besser entwickeln, wenn es aufgesetzt wird.
    Der "Naturnah"-Imker sagt: Ich bin nicht auf den Honigertrag aus. Ein paar Gläser werden für mich schon rausspringen... Das Volk soll selbst machen und Schwärme sind ja ganz natürlich und gehört zur Biene einfach dazu.


    Es gibt aber keine Aufsetz-Pflicht. Man darf seine Völker aber auch nicht vor sich hin vegitieren lassen...


    Schreib doch noch um was genau es denn jetzt geht. Bist du selber auch Imker?


    Liebe Grüße


    Simon

    "In der Natur ist die Bedeutung des unendlich Kleinen unendlich groß." (Louis Pasteur)

  • Salü Simon


    Recht herzlichen Dank für Deine Rückmeldung. Gerne versuche ich meine Frage bzw. den Hintergrund ein wenig zu präzisieren.


    Seit zwei Jahren dürfen wir (d.h. meine Wenigkeit & Zweite Hälfte) die Imkerei zu unseren Leidenschaften zählen. Wir haben einerseits Magazine am Haus und am Wald, die sich ganz wunderbar entwickeln – auf der anderen Seite haben wir zwei Völker in einem Bienenhaus (Schweizer Kasten) von unserem Nachbar übernommen.


    Der Nachbarn (Senior) kann auf mehr als 60 Jahre Imkerdasein zurückblicken, geht jetzt auf die 90 Jahre zu und möchte sich nun von den Bienen lösen (so mehr oder weniger zumindest;). Eigentlich sollte sein Sohnemann die Bienen übernehmen, allerdings ist sein Interesse durchaus ausbaufähig.


    Nach Jahren „passiver“ Imkerei trotzen die Zustände in besagtem Bienenhaus jeder Beschreibung: Eine Unmenge an Wachsmotten besiedeln die Kästen. Schimmelteppiche. Die Kästen wiederum bieten ein Zuhause für unzählige Holzwürmer und fallen beinahe auseinander. Häufchenweise tote Bienen am Boden. Das Wabenmaterial ist uralt und fällt noch bei einer 1000W- Halogendampflampe durch den „Lichttest“, etc. Bezahlt haben wir die Bienen, aber jeder möchte ein Wörtchen mitreden… Wie gesagt, schwierige Zustände…


    Um unsere Ruhe zu haben und den Bienen ein adäquates Plätzchen anbieten zu können, wollten wir die Bienen dieses Jahr eigentlich aus dem Bienenhaus holen und in Magazine einquartieren. Der strenge Winter und der späte Schneefall im Juni! (wir wohnen über 1000 (m.ü.M.) machte uns leider einen Strich durch die Rechnung.


    Mitte Juni waren wir dann überglücklich, dass ein guter 2kg- Schwarm aus Volk Nr. 1 raus ist und wir diesen in ein jungfräuliches Magazin einlogieren konnten. Genau aus diesem Grunde haben wir das Volk Nr. 2 nicht mehr gross erweitert und in aktueller Zeit auch keinen Honigraum aufgesetzt – eben, um gezielten Platzmangel zu provozieren und die Bienchen somit zum Abschwärmen anzuregen. Die Restvölker, d.h. die zwei abgeschwärmten Völker, hätten wir dann im nächsten Jahr in Magazine einquartiert (durch Kunstschwarmbildung oder Umwohnen…). Soweit mal unsere Gedanken..


    Jetzt kam der Nachbar (Junior), der sich offensichtlich in einer ganz undankbaren Sandwick- Presse befindet, wutentbrannt auf uns zu und teilte uns mit, dass wir die Bienen nicht so vernachlässigen dürfen und dass das mit der Imkerei ja so nicht geht. Wenn es „hunged“ (Schweizermundart für „honigt“), muss ganz zwingend ein Honigraum aufgesetzt werden, sonst tut man den Bienen nichts Gutes. Jetzt fühlen wir uns ein bissle „gespalten“ und gleichermassen auch verärgert – auf der einen Seite wollen wir natürlich alles richtig machen und den Bienlies ein schönes Zuhause bieten (und machen uns entsprechend viele Gedanken), auf der anderen Seite steht der Vorwurf der verletzten Sorgfaltspflicht im Raum..


    Jetzt konnte ich den Hintergrund hoffentlich ein bissle konkreter darstellen. Eure Meinung interessiert uns sehr…


    Merci viamou...

  • Oh je, ganz schwierige Situation (auf der menschlichen Seite). Was die Bienen angeht habt Ihr das doch elegant gelöst :thumbup:. Schwärmen ist ein natürlicher Trieb der Bienen. Dabei leiden sie ganz sicher nicht. Und hohle Bäume werden auch nicht plötzlich größer. Also alles wie in der Natur vor vielen, vielen Jahren. Einziges Problem ist, wenn man es dann nicht schafft, den Schwarm einzufangen und er in unserer gar nicht mehr so natürlichen Umwelt ohne Unterstützung zu Grunde geht. Aber da Ihr den Schwarm einfangen konntet, ist doch alles in bester Ordnung (was die Bienenseite angeht). Viele Grüße, Brigitta

  • Hallo bienjamin,


    Zitat

    Bezahlt haben wir die Bienen, aber jeder möchte ein Wörtchen mitreden… Wie gesagt, schwierige Zustände…

    .
    Wer zahlt schafft an! Sag ich immer!


    Völker gekauft - also ich würd die gleich abholen und in meinem Garten / Platz aufstellen.


    Diese "Rücksichtnahme" ist jetzt schon in die "Hose gegangen". Solche Probleme hab ich auch schon mal von Bekannten mitbekommen. Erst soll man die Bienen pflegen und das "Bienenhaus" in Betrieb halten, aufräumen, renovieren usw. und dann kommt "Junior" und will die Ernte einfahren.


    Nee, Nee, Du!


    Wehret den Anfängen.


    Übrigens - der Senior kann ja trotzdem zum Kucken kommen - er muß dann halt zu Euch kommen.


    Viele Grüße
    Ruth

  • Hoi,


    euer Verfahren klingt ganz okay - wenn die Beuten und das Wabenmaterial für die Tonne (die mit dem Feuer drin) sind, dann könnt ihr das mit dem Schwarm provozieren oder sie einfach direkt in moderne, saubere Beuten umsetzen und TBE durchführen dabei. Das ist nur zum Wohle der Bienen, da gibts gar nichts zu sagen, und wenn er es doch tut: entweder er tuts freundlich und respektvoll, dann kann man sich unterhalten, oder er motzt nur "wutentbrannt" rum, dann ist seine Meinung irrelevant - hätte er eben nicht verkaufen sollen, wenn er selber imkern will.
     
    Könnt ja auch noch mal mit dem älteren Imker sprechen und eure Pläne erklären (saubere neue Beuten und Waben müssen her, Hygiene, Krankheitenherd usw) - evtl wird er dann auch Ruhe geben und froh sein, dass ihr offensichtlich einen Plan habt und nicht aus Stümperei anders handelt als er es tun würde, sondern deswegen, weil ihr einen anderen Plan habt als er ihn hatte (offensichtlich hatte er die letzten Jahre über ja keine solchen Pläne gehabt *g* sonst würde es jetzt nicht so aussehen).
    Wenn ich mir die Zustände da vorstelle, so wie du sie schilderst, dann ist die ganze Bienenhaltung, wie sie bisher betrieben wurde, "nichts Gutes für die Bienen."


    Aber alles in allem: nicht aufregen, wahrscheinlich macht er sich nur Sorgen und hat Probleme los zu lassen. Kann man ja verstehen, evtl. kann mans ihm erleichtern (Pläne darlegen, zu euch mal einladen auf den Bienenstand etc), dann wird er sich evtl freuen und alles wird gut. Ich weiß natürlich jetzt nicht ob er so drauf ist, aber man kanns ja mal im Guten versuchen. Aber eure Pläne müssen sich deswegen ja nicht ändern, die Grenze, wer hier jetzt der Bienenhalter ist, muss klar sein. Reden kann man, erklären, evtl. auch auf guten Rat seinerseits mal hören, aber letztlich entscheiden wo es lang geht, das tut jetzt ihr.
    Sollte er trotzdem weiterhin einfach nur motzen und pampig sein --> sich nichts draus machen, dann kann man ihm ja auch einfach direkt sagen, dass seine Meinung nur noch gehört wird wenn sie freundlich, respektvoll und konstruktiv ist - alles andere ist irrelevant, er hat verkauft und ihr schuldet ihm nichts mehr, c'est la vie.

    "Neunzig Jahre in einer Landschaft und in gesegneten frohstimmigen Stunden wird sie der Greis immer noch sehenswert finden, neugierig durchsuchen und Manches entdecken, als sähe er sie zum ersten Male mit reifem Auge."
    - Alexander v. Warsberg, Odysseeische Landschaften.

  • Ich finde eure Vorgehensweise in diesem Fall gut und genau richtig. Wie kann der Imkerssohn euch Vernachlässigung vorwerfen, wenn die Zustände so sind, wie Du sie beschreibst? Das sind ja eine ganze Handvoll Fakten, die so einen Vorwurf ad absurdum führen! Ihr habt die Bienen in diesem Zustand trotzdem gekauft- also habt ihr ja wohl auch das Recht zu entscheiden, wie ihr weiter damit verfahrt. Mit etwas diplomatischem Geschick gelingt es euch bestimmt, den Junior zu besänftigen, good luck!

    'If you don't have a plan, you become part of somebody else's plan.'
    Terence McKenna