Bienenvolk bergen, wie macht man es richtig?

  • In der Zwischendecke einer Kinderbetreuungeinrichtung ist Bienen eingezogen. Ich hatte nun die Aufgabe, das Volk zu bergen und bin mit meiner Arbeit nicht wirklich zufrieden.


    Ich würde nun gerne wissen, wie man es besser machen kann und welche Werkzeuge oder Hilfsmittel sinnvoll und nützlich sind.


    Vorab, es gab die Möglichkeit einen Kammerjäger einzuschalten oder eben, das ich mich dem Volk annehme. Was jetzt für die Bienen besser gewesen wäre kann ich nicht genau beurteilen. Entscheidend ist, das die Bienen dort nicht verbleiben konnten.


    Kurze Umschreibung der Situation:


    Im 2 Stock hinter einer Sonnenblende ist ein kleines Loch, wo die Bienen über einen ca. 50-80cm langen Weg in der Zwischendecke einen Hohraum für ihre Behausung gefunden haben. Ein Zugriff von aussen ist nicht möglich gewesen, ein Zugriff von Innen nur, indem die Gipsplatte mit einer Stichsäge geöffnet wurde.


    Der Zugriff erfolgte also per Leiter in der sogenannten Überkopfposition. Es war nicht möglich seitlich an die Waben zu kommen, sondern nur direkt von unten. Das bedeutet, ich musst erst einmal zwei Wabe entfernen um seitlich an die anderen Waben zukommen. Ein Kollateralschaden war aus meiner Sicht bzw. Möglichkeiten vorprogrammiert. Meine Hilfsmittel waren, meine Imkerkleidung incl. Handschuhe, 2 Kisten, Stockmeisel, Besen und Reinigungsgerät.


    Nachdem die Decke geöffnet waren, hatte reichlich Bienen (ausserordentlich brave Bienen) im Raum. Die Waben habe ich versucht in möglichst grossen Stücken mit dem Stockmaisel zu bergen, und habe diese dann in einer Kiste gestellt.
    Hier war dann auch schon Problem Nr. 1. / Beide Seiten sind natürlich mit Bienen besetzt. Würde ich sie abkehren hätte ich noch mehr Bienen im Raum. Durch die Waben hatten sie wenigsten einen Bereich , damit sie wissen wo sie sich zurück ziehen konnten, nur wenn man die 2. Wabe dazu stellt ist klar, das die Bienen gequetscht würden. Insgesamt hatte ich ca. 8 grosse Waben zu bergen.


    Wie macht man es nun, das "A" die Bienen nicht gequetscht werden, also die Waben richtig fixiert werden, "B" die Bienen sich nicht weiter im Raum verteilen, wo am Montag wieder Kinder untergebracht sind.


    Nachdem ich die Königin nicht gefunden habe und die Bienen sich auch nicht an einer bestimmten Stellen versammelt hatten, konnte ich auch nicht alle Bienen davon überzeugen, das sie in meinen Kisten Platz für den Abtransport nehmen sollten.


    Was mich zum Problem Nr. 2 bringt. Wie bekommt ich die Bienen wieder aus dem Raum bzw. in die Kiste?!?
    (Das Loch in der Decke wurde wurde wieder verschlossen + Alle Fenster geöffnet)


    Und nun Problem Nr. 3
    Was mache ich jetzt mit den Waben, wo Brut und Honig eingelagert ist + Bienen ohne Königin? Da sie ja nun kein Rähmchen drum herum haben stellt sich das für mich auch als Problem dar. Sonst könnte man ja je nach Nötigkeit eine neue Königin nachziehe lassen.


    Vielen dank für eure Info´s.


    Mein Zeitaufwand für diese Aktion war ca. 4-5 Stunden, bis alles wieder halbwegs normal aussah. Wenn ich keine passenden Info´s für die Umsiedlelung bekomme, damit die Bienen leichter und ohne Megastress (für die Bienen) ein neues Zuhause bekommen. Werde ich mich da wohl nicht nochmal drauf einlassen.
    Nur für die Chemische Keule sind sie mir viel zu schade!


    P.S.: Von dem Honig, der aus der Zwischendecke tropfte möchte ich lieber nicht berichten, aber es waren sicher einige Gläser..., und ich weis auch nicht so genau, ob der Hausmeister nach der Aktion nochmal auf mich zukommen würde. Das Zimmer, der Hausmeister und ich hatten mehr Honig aun uns als die Waben. Würde ich meinen...! :oops:


    Gerne nehme ich auch PN´s entgegen, falls jemand zu seiner Ausführung keine Kritik von anderen lesen mag. :wink:

  • Hallo Bienenmicha,


    Dein Beitrag ließt sich spannender als ein Krimi!


    Hut ab, daß Du nicht zur chemischen Keule gegriffen hast, sondern versuchst, die Bienen zu retten! Das finde ich toll!

  • Wer Waben - egel wie viele bergen will - braucht immer eine ganze Zarge Leerrähmchen und freien Wabendraht oder Weckringe. Waben lassen sich gut in die leeren Rähmchen einpassen und festwickeln. Nimmt man Wollfaden beseitigen den die Bienen später selbst. Die Zarge muß voll sein, damit nichst schlackert. Birgt man weniger Waben tausch man die erst später gegen MW als.


    Honig sollte tunlichst nicht mit geborgen werden. Ich schneide bestenfalls im Futterkranz. Honig ist zu schwer. Er läßt die Waben zusammenbrechen und zwingt zu festerem Zufassen was wieder zum Zerdrücken von Zellen führt.


    Die Öffnung zur Bergung muß neben dem Nest eingebracht werden! Möglichst so, daß die Warmbauseite vor einem liegt. Dann können die Waben gut geschnitten und bienenbesetzt auch festgehalten werden.


    Der Wabenbau muß am Ende vollständig beseitigt werden. Honig könnte man pressen. Der muß und soll auch nicht mit ins geborgene Volk. Nur in der Wand darf er keinesfalls bleiben.


    Wenn die Aktion tagsüber erfolgte - was ungünstig ist - bleibt die mit eingedrahteten Wabenstücken ausgestattete Beute über Nacht direkt vor dem Einflug oder am alten Platz und wird mit einem Drainagerohr oder HT oder was auch immer an den alten Anflug angeschlossen. Die Rohrlänge darf dabei nur unwesentlich länger sein, als der den Bienen bekannte Weg. Lüftungen an der Beute werden so verschlossen, daß der Volksduft nur durch das Rohr locken kann.


    Will man die Aktion beenden und kann oder will nicht auf den "freiwilligen Einzug" warten hilft nur das Absaugen mit einem Absaugeimer a la Melanie oder einem Aschesauger oder einem modifizierten Naß-Trockensauger, bei dem keinerlei Hindernis im Saugweg eingebaut ist. Melanies Eimer ist wohl die einfachste und effizienteste Lösung. Diese Bienen werden dann entweder an Ort und Stelle zu den Waben gelassen, was durch den an die Kiste passenden Saugschlauch geht, wenn dieser sehr kurz ist oder unter Bettttuch verkehrtrum auf die Oberträger gesetzt und dann unten entdeckelt. Das Bettttuch wird dann straff über den Eimer gezogen, daß der nicht springen kann und mit Spanngurt um die Beute befestigt.

    Mit vielen freundlichen Grüßen
    Henry Seifert (Honig-Bienen-Kurse-Gutachten)
    Faulbrutsanierer, Königinnenverschicker, Schwarmfänger, Bienenretter, Streitschlichter, Kunstschwarmkehrer, Belegstellenwirt, Imkerpate, Probennehmer, Schadenschätzer, Ablegerbilder

  • Wer Waben - egel wie viele bergen will - braucht immer eine ganze Zarge Leerrähmchen und freien Wabendraht oder Weckringe. Waben lassen sich gut in die leeren Rähmchen einpassen und festwickeln. Nimmt man Wollfaden beseitigen den die Bienen später selbst. Die Zarge muß voll sein, damit nichst schlackert. Birgt man weniger Waben tausch man die erst später gegen MW als.


    Meine Güte, der Henry hat doch immer eine passende Antwort! Dankeschön dafür! :p_flower01:


    Noch 3 Fragen hinterher.


    1. Die Waben sind ja warm und somit weich und Bienen sitzen auch noch drauf (vorher abkehren geht ja nicht, wenn die noch im Hohlraum hängt, weil ich nicht rangekommen bin). Kehrst du die Bienen erst in die Kiste und quetscht dann die Wabe in das Rähmchen? Kein Ahnung, wie mir das gelingen soll, dass die Waben sich nicht biegen (die Wabe fällt ja auch erstmal in die Kiste, wenn man sie abtrennt, ich hab ja nur 2 Hände). Und wie kann ich die Bienen von der Wabe runterkehren, die Wabe hat ja keine Griff und wenn ich so ne Monsterwabe zum abkehren halten muss, keine Ahnung wie das gehen soll. Oder müssen die Bienen dann einfach schnell genug weg sein, bevor ich die Wabe irgendwo hinstelle oder lege?
    Kann ich die Wabe auf eine Platte legen und mit einem grosse Messer passend abtrennen? Von scheiden kann man ja nicht reden, es bleib ja alles an der Klinge kleben. Dann irgendwie schnell mit einem Faden X-mal umwickeln, ab in die Beute und die Bienen können die Wabe wieder hoch krappeln?!?


    2. wenn man nur von unten an die Waben ran kommt, was meiner Meinung nach die höhere Schule ist, welches Werkzeug ist da am besten?!? Mein Stockmeister hatte nur ca. 1/3 der höher einer solchen Wabe(die ich geborgen habe), was den Anfang extrem schwierig gestaltet hat. Problem ist auch, das das gewinkelte Stück vom Stockmaisel breiter ist als die Wabengasse, somit konnte ich am Anfang nur stückeln.


    3. Wenn ich die Königin nicht finde, krappeln die Bienen, dann trotzdem in die Kiste, weil sie die Stockluft (von den Waben) riechen, oder muss ich dann noch was tun?!? (Bitte nicht schreibe, das ich die Königin unbedingt finden muss. ;)

  • Ein Stockmeißel ist für Beuten. Ich bevorzuge ein pubiges stumpfes Abendbrotmesser und ein Brotmesser mit Wellenschlif. Ich habe dann noch ein sehr scharfes Messer mit flexibler Stahlklinge dabei.
    Die Wabenstücke werden nur so groß herausgeschnitten wie man sie auch festhalten kann. Was hast Du gekonnt, wenn Du eine große Tafel in den Händen hältst, sie aber nicht los und abgestellt bekommst. Wabenstücke werden gleich in die Rähmchen gewickelt. Manchmal gelingt das sogar während sie noch hängen. Die Vorderseite macht man im Bereich des Schnittes mit Rauch bienenfrei. Der Schnitt reicht dann nur bis durch die Mittelwand, so daß gegenüber keine Bienen zerschnitten werden. Es ist sinnvoll die Rähmchen längs und quer zu umwickeln.


    Bei großen Waben kann man die unten glatt schneiden. Das Rähmchen anlegen. Über die Seitenteile festwickeln und dann im Rähmchen die Wabe abtrennen. Die fällt nicht runter, sonder steht locker im Rähmchen. Der Fader kreizweise bingt dann den Halt. Die Zellen der Gegenseiten zerreißen und die Wabe ist frei. Bienenfreie Reststücken kann man ganz am Ende der Aktion unter dem Motto: "Rettet die Brut" auch noch einrahmen und mit die die Beute packen. Wichtig sind die Waben, damit die Bienen eine Heimat in der Kiste finden.


    Ganz ohne Tote geht das nicht. Man braucht halt Nerven und muß ungefähr wissen was man tut.


    Muß man direkt von unten ran und weiß das vorher, muß man ein Korbmesser mitnehmen oder sich vorher was ähnliches kloppen. Ich würde immer seitlich ran gehen. Nur da kann ich sicher verhindern in viel Honig zu schneiden.

    Mit vielen freundlichen Grüßen
    Henry Seifert (Honig-Bienen-Kurse-Gutachten)
    Faulbrutsanierer, Königinnenverschicker, Schwarmfänger, Bienenretter, Streitschlichter, Kunstschwarmkehrer, Belegstellenwirt, Imkerpate, Probennehmer, Schadenschätzer, Ablegerbilder

  • Super, dank! Ich hoffe das nächte mal liegt noch in weiter Ferne. Da ich aber in der neuen Heimat schneller bekannt gewurden bin als mir lieb ist, rechne ich mit dem schlimmsten und werde mal so einen Ascheabsauger ect. einlagern. Man weis ja nie.
    Ich war echt froh, das die Bienen friedlicher als Marienkäfer waren (sind)!

  • Ich hatte so eine Aktion ja auch dieses Jahr und habe sie mit reichlich Rauch aus den Gassen getrieben. Allerdings konnte ich in diesem Fall seitlich auf lange aber sehr schmale Waben zugreifen. Die habe ich dann abgeschnitten und bienenfrei entsorgt. Koenigin habe ich da auch nicht gefunden und es brauchte nebst neuer Koenigin viele Stunden an zwei Tagen um die größte Masse zu bergen. Aschesauger war wirklich hilfreich. Aber auch das Verschließen des Fluglochs damit einfach auch der Zustrom endet.
    Das Einfliegen im Raum ist immer ein Riesenproblem...wenn moeglich hilft nur Abdunkeln und ueber Fenster oder Lichtquelle sammeln. Die üble Variante ist das Aufstellen so eine Elektroinsektenfalle...wenn der Raum schnell wieder nutzbar sein muss...habe ich aber bisher anders lösen können.


    Melanie