Königinnenkauf - Vertrauenssache?

  • Hallo allerseits,


    derzeit verspüre ich ganz aktuell wieder eine verstärkte Nachfrage nach "guten" Königinnen. Dies ist völlig normal, beginnt doch jetzt bei vielen die Zeit des Umweiselns (obwohl dies ab September eigentlich günstiger wäre). Sicher aber hängt dies auch mit dem aktuell steigenden Angebot zusammen. Auch dies ist völlig normal zu dieser Jahreszeit.


    Viele Imker, gerade Anfänger, erliegen jedoch leicht manch Verlockung von Großanzeigen oder Internetangeboten. Welche Königin soll ich nehmen? Welche "Rasse"? Welchen Züchter? welche Linie? Und welche Herkunft? Reinzucht, F1, Basiszucht? Das Angebot ist überwältigend.


    Bei allen Angeboten gibt es gutes und schlechtes MAterial. Egal bei welcher Biene, ob Carnica, Buckfast, Ligustica oder Dunkler Biene. Königinnenkauf ist immer die berühmte KAtze im Sack. Und Königinnenverkauf ist ein undankbares Geschäft (darum verkaufe ich seit ein paar JAhren auch keine mehr!).


    Nur zur Dunklen Biene vermag ich mich zu äußern, und ich weiß, dass viele Imker einmal die Mellifera ausprobieren möchten. Auch hier gibt es sicher gute und "schlechte" Angebote. Ein Maßstab, ob eine Herkunft gut oder schlecht, gewünscht oder nicht gewünscht ist, mag vielleicht dieser Hinweis zur Frage nach der wirklichen Dunklen Biene geben.


    In diesem Sinne wünsche ich allen Freunden einen guten Königinnenkauf, gutes Gelingen und möglichst wenig Enttäuschung.


    Gruß
    KME

  • Guten Morgen,


    wie sieht es bei den anderen aus?


    War jede Carnica wirklich so sanft wie versprochen?
    War jede Buckfast tatsächlich so leistungsstark wie angepriesen?
    Wie zufrieden ward Ihr mit welchen Königinnen? Welche Negativerfahrungen oder positiven Überraschungen habt Ihr erlebt?


    Ein schönen Tag an alle!
    Gruß
    KME

  • Guten Morgen,


    also ich wohne in der Nähe einer Belegstelle, die Auswahl ist damit schon mal eingeschränkt. Aus zeitlichen Gründen hohle ich mir meine Königinnen vom Belegstellen-Wart, den ich kenne und sehr schätze (Züchter deines Vertrauens). Was die Sanftmut und den Schwarmtrieb anbelangt, hatte ich aber auch schon zickige Damen, die dann bei der ersten sinnvollen Gelegenheit getauscht werden. Ein Problem ist das für mich aber nicht.
    Denn, blickt der Imker in den Spiegel, dann erkennt er ja auch, dass die Kriterien zur Perfektion immer eine Frage der Erwartungen und des Standpunktes sind und dass andererseits für die Evolution gerade diese gewaltige Vielfalt eine wichtige Voraussetzung ist.


    viele Grüße
    Gerhard

    Das ist der ganze Jammer: Die Dummen sind sich so sicher und die Klugen zweifeln so sehr.


  • Negative Erfahrungen: an dieser Stelle keine Namen wegen Gefahr der Rufschädigung.
    Die schwarzen Schafe erfreuen sich sowieso inzwischen allgemeiner "Beliebtheit".
     
    Zum Beispiel seien als Varroa-Killer angepriesene Bienen erwähnt, die sich dann als "beste" Milbenvermehrer des gesamten Bestandes erweisen.


    Die positive Überraschung: eine auf Immenreiner's Belegstelle angepaarte BF, dessen Züchter ich nicht
    nennen will.
    Für Insider: Der Mann hat mit einer seiner beiden Zuchtrichtungen auf bayrischen Prüfhöfen schon mal Aufsehen erregt.
    Sensationnel was diese Biene unter schwierigsten, widrigen Wetterbedingungen heuer fertig gebracht hat und noch bringt !


    Gruß
    Norbert

    "Unmöglich", sagte der Stolz. "Riskant", sagte die Erfahrung. "Sinnlos", sagte die Vernunft. "Probier's doch aus", flüsterte das Herz.

  • HAllo Norbert und Gerhard,


    vielen Dank für Eure interessanten Rückmeldungen.


    Mit Buckfast und Carnica habe ich selber leider nicht allzu viele Erfahrungen sammeln können, aber einige wenige doch. Insbesondere als mein Vater noch lebte, durften wir einige gute Carnica- und Buckfast-Herkünfte kennenlernen. Carnica hauptsächlich der Herkunft "Balkan" vom damaligen Züchter Striewski / Warnholz und Christian S. Jansen, hier ganz aus der Nähe. Diese Bienen waren stets zufriedenstellend, sehr sanft, volksstark und leistungskräftig. Diese Züchter hatten einen guten Ruf, und man konnte sich vor Ort selbst ein Bild von den Züchtern machen.


    Buckfst haben wir von Fehrenbach kennengelernt, ebenfalls Bienen, die hielten was ihr Name versprach. Dasselbe gilt für die Ligustica-Königinnen, die ich vielfach in den 1980-er Jahren noch aus Dänemark bezog.


    Nicht so gute Erfahrungen konnten wir dagegen mit Königinnen der typischen Versandhändler machen. Die Königinnen kamen nie so richtig in Fahrt. Und: die vor etlichen Jahren einmal von der Imkerschule S-H angebotene "Slowenische Carnica" war crecht verteidigungsbereit und auch recht schwarmlustig.


    Auch über weitere Erfahrungsberichte würde ich mich sehr freuen. Wie sind die Sklenar-Bienen? HAt jemand Erfahrungen mit der Elgon? Der Primorski? Woher bezieht Ihr Eure Königinnen? Vom Züchter im Ort? Oder per Versand? Zu welcher Quelle würdet Ihr Neuimkern raten? Gibt es auch Vorbehalte?


    Einen schönen Bienen-Sonntag wünscht Kai, der sich jetzt aufmacht, um ein Korbvolk auf seine Weiselrichtigkeit zu prüfen und sich über sein hoffenentlich gutes Begattungsergebnis der diesjährigen Königinnenaufzucht zu freuen.


    Gruß
    KME

  • Carnicas:


    Ich hab alles durch Belgstellen, Standbegattung von F1 bis...


    Belegstellen im Vergelich zu Standbegattung:
    Viele Belegstellen werden sofort wieder still umgeweiselt, ein Kollege hat sich mit einem Züchter darüber unterhalten und der meinte, das das fast schon normal sei. Was das heißt, kann sich jeder selber zusammen reinmen.


    Honigleistung:
    Belegstelle ist um nichts besser als meine eigenen, sehr häufig ist sogar das Gegenteil der Fall.


    Sanftmut:
    Stecher hatte ich noch nie.


    Schwarmtrieb:
    Standbegattet ist eine Katasrophe, Belegstelle aber auch nicht viel besser.
    Einzige Ausnahme war ein kleiner Hobbyimker, von dem ich vor 2 Jahren nach einem fast Totalausfall über den Winter nach der Ruhr 5 Völker gekauft hatte. Alles Belegstellen aus der Linie Peschez und noch irgend eine österreichische Linie.
    Die sind mit Abstand das fleißigste was ich bisher hatte und Schwarmträge ebenso. Die setzen nur Spielnäpfchen an, sonst passiert da nicht viel.


    Ich weis, nicht wirklich natürlich aber irgend wann hat man eine Betriebsgröße erreicht, da kann man nicht mehr Schwärmen nachjagen und Schwamverhindernde Maßnahmen setzen.
    So macht Imkerei Spaß.


    Wie gesagt, der Schwarmtrieb ist bei der Carnica für mich das Hauptproblem und kaum in den Griff zu kriegen. :roll:

  • Ich kann über gekaufte Königinnen nichts Schlechtes sagen. Ich hatte Königinnen von Nachzuchten und Standbegattungen, die waren in vielerlei Hinsicht unbefriedigend. Propolis, Stiche und das Klumpen - also das Zusammenlaufe oder -fließen auf gezogenen Waben - haben mich immer genervt. Michael Plein hat mir dann Königinnen gesendet. Jeweil Stücker 5. Da war dann erst mal eine Linie drin. Alleine die Sanftmut führt schon zu ganz erheblicher Steigerung der Freude an diesen Bienen.


    Stecher, Klumper und Propolisierer kann sich keine Züchtende Belegstelle leisten. Schon aus Gründen der eigenen Arbeitseffektivität nicht. Es kann immer mal sein, daß einzelne Königinnen nicht das leisten, was erwartet oder versprochen war. Deshalb kauft man Königinnen auch nicht einzeln.


    Züchter werden ihre Linien in Beebreed eintragen und über die Verbände gelistet sein. Eine Züchternummer alleine steht noch nicht für Qualität und Kontinuität. Fehlt sie jedoch, fehlt auch eine Informationmöglichkeit zu Abstammung und Leistung.

    Mit vielen freundlichen Grüßen
    Henry Seifert (Honig-Bienen-Kurse-Gutachten)
    Faulbrutsanierer, Königinnenverschicker, Schwarmfänger, Bienenretter, Streitschlichter, Kunstschwarmkehrer, Belegstellenwirt, Imkerpate, Probennehmer, Schadenschätzer, Ablegerbilder

  • Carnicas:


    ...


    Wie gesagt, der Schwarmtrieb ist bei der Carnica für mich das Hauptproblem und kaum in den Griff zu kriegen. :roll:


    HAllo Günther,


    danke auch für diesen Bericht. Was mich wundert, ist der von Dir beschriebene Schwarmtrieb der Carnica. Und dies trotz jahrzehntelanger Zuchtarbeit? Du in Österreich lebst in einem Carnica-Umfeld? Oder gibt es bei Dir auch Buckfast?


    Gruß
    KME