Sicheres Umweiseln von Stechern

  • Hallo,


    ein Anfänger hat sich von sonstwo Schwärme geholt und das sind üble Stecher. Ich betreue den und er hat sich auf meinenRat hin unbegattete Königinnen besorgt, die ich bei mir am Stand zur Begattung aufgestellt habe. Die sind gestern geflogen und werden jetzt wohl begattet sein. Im Ergebnis habe ich also begattete Königinnen in Begattungs völkchen im Kieler Begattungskasten.
    Zur Umweiselung ziehe ich bei solchen Völkchen den Schieber, verschließe den Boden mit Zeitungspapier und mache ein paar Ritze hinein. Aus dem Zielvolk wird die Königin herausgefangen und das Begattungskästchen kommt auf die Oberträger. Die Bienen nagen sich dann durch und die Vereinigung geht ganz in Ruhe und in Abwesenheit des Imkers vonstatten. Nach 1 Woche wird das Begattungskästchen entnommen. Dieses Verfahren ist im Allgemeinen sehr sicher.
    Funktioniert es aber (Königin raus, Begattungskästchen rein) auch bei Stechervölkern sicher oder müssen hier irgendwelche Zusatzmaßnahmen ergriffen werden? Ich möchte hier mit größter Sicherheit umweiseln, weil Königinnen und Völker nicht meine sind.
    Ich bin mir bewusst, dass es andere Verfahren gibt, die sicher sind, aber auch mit viel Geigelei verbunden sind.


    Gruß Ralph

  • Ich habe das dieses Jahr bereits zwei Mal so gemacht:


    KÖ raus, nach 8 Tagen Zellen gebrochen, Scheibe des Begattungskästchens durch ein Fliegengitter ersetzt, 3 Tage in den Kasten gestellt, danach das Fliegengitter oben etwas geöffnet, nach weiteren 2-3 Tagen das EWK raus genommen. Möglich, dass zwischen dem EWK und der nächsten Wabe eine Wabe gebaut und bestiftet wird, die muss halt auch raus.


    Grüße.

  • Was ist von der Idee zu halten, die Stecherkönigin zu käfigen und nach 9 Tagen heraus zu nehmen, um Nachschaffungszellen zu vermeiden?
    Wie kritisch ist die Behandlung eines Stechers mit AS nach der Umweiselung? Gefährdet das nicht die neue Königin?
    smurfy : Waren die beiden Völker Stecher?
    Meine Geigel-Alternative wäre:

    • Waben aus dem Begattungskästchen in eine Beute umsetzen, Wabe mit schlüpfender Brut ohne Bienen aus dem Stecher dazugeben
    • 1 Woche später 2 Waben mit nach Möglichkeit schlüpfender Brut aus dem Stecher zugeben
    • 1 Woche danach alle verdeckelte Brut aus dem Stecher der Jungkönigin geben
    • 1 Woche danach Platztausch mit dem Stecher
    • 1 Woche danach Auflösung des Stechers
    • 1 Woche danach Beginn der Varroabehandlung


    Bei normalen Völkern funktioniert so etwas einwandfrei. Und man braucht nicht die Stecherkönigin zu suchen.


    Gruß Ralph

  • Wenn das Problem die Stecherei ist, dann sind die Bienen das Problem. Arbeiten oder gar Königin Suchen ist anstrengend. Die Stecherbienen hält man sich vom Halse, indem man die abfliegen läßt. Also Beute verstellen. ...
    Mein Plan könnte folglich sein:
    Neue Beute mit einer Zarge Drecks-/Leer-/Schleuderwaben oder eben MW und neuem Boden an den alten Platz oder etwas weiter nach hinten oder etwas seitlich verdreht stellen. Praktisch irgendwie hinter die Stecher in Einflugrichtung. Lage Zeitung über komplette Zarge legen. Gleich Begattungskästchen drauf, am Rand über Zeitungsloch (ich laß das Flugloch einfach auf). Futterteigklößchen zur Beruhigung neben das Kästchen auf die Zeitung. Zumachen. (Die Zeitung ist für später. Sie ist der Vorhang beim Erweitern, der die Bösen unten hält.)


    Dann Brut und Bienen so 4 - 5m vor die Neuen stellen. Warten. Die Bösen Stecher und die heimkehrenden Trachtbienen finden eine neue Bude (nicht den alten Boden) am alten Platz oder in der Nähe vor und besiedeln ganz vorsichtig die noch leere fremde Kiste. Sie sind nicht die Hausherren und finden glücklicherweise irgendwann eine Königin. Mit den Bienen hast Du nichts mehr zu tun. Brut und damit Nachschaffungschance haben die auch nicht. Sollst mal sehen wie zahm die werden.


    Paar (3-5 oder 8 :wink: Niemals 2 :roll:) Tage Flugwetter später, zur Sicherheit Gitter vor den neuen Boden. Brut und Bienen zum Neuen Boden tragen. Dort alle Bienen vor die Neue Beute schmeißen und Brutwaben bienenfrei in die Neue Kiste neben das Begattungskästchen geben. Dabei böse Königin auf der Wabe oder am Gitter finden. Scharf anbraten. Es ist egal, ob die Neue schon draußen ißt oder noch drinnen legt. Kästchen-rühr-mich-nicht-an! Überzählige Waben weglassen und für die Entnahme des Kästchens aufheben. Fertig.


    Das Aufstellen des Neuen Boden erfolgt ohne Stecherkontakt. Bienen, die bei der Suche auffliegen such in 4 m Entfernung aus der falschen Richtung kommend die Beute. Das Abfegen erfolgt an einem zweimal von Altbienen ausgedünnten Volke. Die Altbienen im Neuen Volk sitzen unter dem, was von der Zeitung noch da ist.


    Das sollte zu schaffen sein.

    Mit vielen freundlichen Grüßen
    Henry Seifert (Honig-Bienen-Kurse-Gutachten)
    Faulbrutsanierer, Königinnenverschicker, Schwarmfänger, Bienenretter, Streitschlichter, Kunstschwarmkehrer, Belegstellenwirt, Imkerpate, Probennehmer, Schadenschätzer, Ablegerbilder


  • Paar (3-5 oder 8 :wink: Niemals 2 :roll:) Tage Flugwetter später, zur Sicherheit Gitter vor den neuen Boden. Brut und Bienen zum Neuen Boden tragen. Dort alle Bienen vor die Neue Beute schmeißen und Brutwaben bienenfrei in die Neue Kiste neben das Begattungskästchen geben.


    Aha! Jetzt wandern die Jungbienen ein und die inzwischen herangereiften Flugbienen suchen in 4m Entfernung die alte Beute an der neuen Position. Es werden aber nicht viele sein. Die Reihenfolge: Volk abfegen in den Hobbock, Beute aufmachen, Brutwaben bienenfrei neben das Begattungskästchen, Beute zumachen, Bienen aus dem Hobbock vor das Flugloch. Flugloch eng oder weit?

    Zitat

    Dabei böse Königin auf der Wabe oder am Gitter finden. Scharf anbraten. Es ist egal, ob die Neue schon draußen ißt oder noch drinnen legt.


    Weil, wenn die Neue draußen ist, von den Altbienen bereits akzeptiert ist und geschützt wird, und wenn sie drinnen ist, vor den Stecher-Jungbienen geschützt ist?

    Zitat

    Kästchen-rühr-mich-nicht-an! Überzählige Waben weglassen und für die Entnahme des Kästchens aufheben. Fertig.


    Verstanden.

    Zitat

    Das Aufstellen des Neuen Boden erfolgt ohne Stecherkontakt. Bienen, die bei der Suche auffliegen such in 4 m Entfernung aus der falschen Richtung kommend die Beute. Das Abfegen erfolgt an einem zweimal von Altbienen ausgedünnten Volke. Die Altbienen im Neuen Volk sitzen unter dem, was von der Zeitung noch da ist.


    Im Ergebnis sitzen die Altbienen in der unteren Etage auf Dreckswaben/Leerwaben/Mittelwänden, z.T. werden sie auch nach oben kommen. Die zugelaufenen Jungbienen pflegen oben neben dem Begattungskästchen, dessen Flugloch offen ist, die eigene Brut.
    Wie geht es aber weiter? Wann kommt das Begattungskästchen raus? Ziehen die Bienen auf der Brut neben dem Begattungskästchen Nachschaffungszellen, wenn die Königin im Begattungskästchen bleibt? Was passiert, wenn man mit AS bei der Varroabehandlung ein solches Volk reizt, knäueln sie dann die neue noch nicht so bekannte Königin ein?


    Gruß Ralph

  • Du brauchst kein Hobbock. Das Altvolk holst Du neben die neue Beute, nimmst von beiden Kisten die Deckel ab und fängst an. Was aus der alten Kiste abfliegt, fliegt weg von Dir zum zweischendurch Standort und nervt nicht oder nur kurz. In der neuen Beute siehst Du noch die Zeitung und die Bienen darunter behalten ihr Dunkel. Zudem baust Du den Raum zügig mir den Brutwaben zu, die Du abstößt. Diese Brut und der Bienenüberschuß unten locken bzw. drücken die Bienen durch die Zeitung.


    Wenn Du die Bodenlüftung am Kästchen öffnen kannst, dann mach einfach ein Löchlein in die Zeitungslage darunter und sprühe die Zeitung naß oder löchere sie, wenn sie noch nicht durchgenagt ist, vorm zugeben der Brutwaben. Die müssen nicht völlig bienenfrei sein. Nur sicher ohne Königin. Paar Restbienen sind eher nützlich.


    Die AS-Behandlung würde ich am Interimsplatz machen. Dort erwischst Du den Schwerpunkt Brutnest und riskierst eine Königin, für die der Stockmeißel schon schwingt.

    Mit vielen freundlichen Grüßen
    Henry Seifert (Honig-Bienen-Kurse-Gutachten)
    Faulbrutsanierer, Königinnenverschicker, Schwarmfänger, Bienenretter, Streitschlichter, Kunstschwarmkehrer, Belegstellenwirt, Imkerpate, Probennehmer, Schadenschätzer, Ablegerbilder

  • Hallo Henry,


    vielen Dank für die Tipps und fürs Mitdenken. Es lohnt sich doch, besondere Situationen im Forum zu diskutieren. Mir gefällt das:

    Zitat

    Dann Brut und Bienen so 4 - 5m vor die Neuen stellen. Warten. Die Bösen Stecher und die heimkehrenden Trachtbienen finden eine neue Bude (nicht den alten Boden) am alten Platz oder in der Nähe vor und besiedeln ganz vorsichtig die noch leere fremde Kiste. Sie sind nicht die Hausherren und finden glücklicherweise irgendwann eine Königin. Mit den Bienen hast Du nichts mehr zu tun. Brut und damit Nachschaffungschance haben die auch nicht. Sollst mal sehen wie zahm die werden.


    Und das

    Zitat

    Die AS-Behandlung würde ich am Interimsplatz machen.

    also vor der Vereinigung. Ich würde die Varroabehandlung aber am Originalplatz durchführen, um alle Bienen einzubeziehen, auch die Flugbienen.


    Mein Plan wäre jetzt folgender:


    Tag 0, Aktion 1: Stecher aus der Beute nehmen, Absperrgitter vors Flugloch, Waben bienenleer zurück in die Beute geben, Bienen vor das Flugloch geben, Königin am Absperrgitter abfangen und mit Zusetzkäfig käfigen, gekäfigte Königin in eine Wabengasse einhängen.


    Tag 14, Aktion 2: Königin freilassen. Sie wird nach kurzer Zeit beginnen zu stiften.


    Tag 21: Die letzten Arbeiterinnen sind mit ihren Varroen geschlüpft. Die Jungvarroen machen ungefähr die Hälfte der Varroapopulation aus. Die jüngsten Jungvarroen brauchen noch ca. 10 Tage Reifung, bevor sie Brut besiedeln können. Die jüngste Bienenbrut ist höchstens 7 Tage alt und kann in 2 Tagen von den Varroen besiedelt werden. Der Schlupf neuer Varroen ist derzeit nicht möglich und wird nachfolgend verhindert.


    Tag 32, Aktion 3: Begattungskästchen unten öffnen und mit 2 Lagen (trockenem) Zeitungspapier verschließen. Ich verwende für einen solchen Zweck eine selbstgebaute Zusetzvorrichtung. Kleines Loch für Durchlass von 1 Biene hineinmachen. Reguläres Flugloch wird geschlossen. Neuen Boden, neue Zarge mit Leerwaben vorbereiten (ersatzweise Mittelwände), Begattungskästchen auf die Seite gelegt neben die Leerwaben. Die Bienen aus dem Begattungskästchen können über das kleine Loch in der Zeitung zwischen Beute und Begattungskästchen wechseln. Jetzt folgt:

    Zitat

    Dann Brut und Bienen so 4 - 5m vor die Neuen stellen. Warten. Die Bösen Stecher und die heimkehrenden Trachtbienen finden eine neue Bude (nicht den alten Boden) am alten Platz oder in der Nähe vor und besiedeln ganz vorsichtig die noch leere fremde Kiste. Sie sind nicht die Hausherren und finden glücklicherweise irgendwann eine Königin. Mit den Bienen hast Du nichts mehr zu tun. Brut und damit Nachschaffungschance haben die auch nicht. Sollst mal sehen wie zahm die werden.

    Zusätzlich: Sämtliche verdeckelte Brut wird am Interimsplatz entnommen und vernichtet. Sie enthält praktisch alle Varroen, auch die Jungvarroen. Die auffliegenden Bienen fliegen teilweise an den alten Platz zurück und finden dort die fremde Beute.


    Dann Aktion 4:

    Zitat

    Paar (3-5 oder 8 :wink: Niemals 2 :roll:) Tage Flugwetter später, zur Sicherheit Gitter vor den neuen Boden. Brut und Bienen zum Neuen Boden tragen. Dort alle Bienen vor die Neue Beute schmeißen und Brutwaben bienenfrei in die neue Kiste neben das Begattungskästchen geben. Dabei böse Königin auf der Wabe oder am Gitter finden. Scharf anbraten.


    Schließlich 1 Woche später Aktion 5: Begattungskästchen entfernen und Leerraum mit Waben/Mittelwänden auffüllen. Fertig


    So lässt sich sicheres Einweiseln in einen Stecher mit einer hocheffektiven chemiefreien Varroabekämpfung kombinieren und der Anfänger kann sogar noch unbelasteten Anfängerhonig ernten.
    Falls irgendetwas am Plan falsch sein sollte, bitte melden.


    Gruß Ralph

  • Dein Jahr hat irgendwie mehr Monate als Mainz. Jetzt eine Brutlücke von 21 Tagen zu provozieren und zudem eine Königin in einem Kästchen am großflächigen Stiften zu hindern finde ich ... doof. Auch wühlst Du ja doch mehrfach in den Stechern rum, wohingegen der kurze Weg bloß wenige Stecherbienenkontakte hat.


    1. Wegstellen, behandeln, Flugling abdecken und beweiseln.


    2. Sieben und Waben zuhängen.


    3. Wegen mir gern erst bei der Wintersitzung: Kästchen raus, Waben rein, Futter drauf.


    Das ist doch auch schon viel Geigelei. Wenn Du in den Stechern doch arbeiten willst, kannste auch bloß behandeln und mit Ende der Behandlung 7 und Zusetzen. Da wartet dann aber die Neu noch im Mini-Knast und Du ärgerst Stecher oder die Deiner.

    Mit vielen freundlichen Grüßen
    Henry Seifert (Honig-Bienen-Kurse-Gutachten)
    Faulbrutsanierer, Königinnenverschicker, Schwarmfänger, Bienenretter, Streitschlichter, Kunstschwarmkehrer, Belegstellenwirt, Imkerpate, Probennehmer, Schadenschätzer, Ablegerbilder

  • Hallo Henry,


    die Bienen haben meinen Plan über den Haufen geworfen, du braucht mich also nicht mehr zu überzeugen. Das eine Volk ist beim Umweiseln, sodass eine biologische Varroabehandlung nicht möglich ist. Die Jungkönigin habe ich gefunden, die ist unbegattet und hat ein gelähmtes Mittelbein. Ich habe sie gekäfigt eingehängt, um die Bienen bei Laune zu halten, bis die Begattungskästchen verdeckelte Brut haben. Das andere Volk scheint hoffnungslos weisellos zu sein, hat noch Restbrut.
    Beide Völker fallen beim Öffnen der Beuten sofort über einen her. Besonders das weisellose sticht massiv, die Stacheln kommen auch durch die Handschuhe. Eine Bearbeitung war erst möglich nach Verstellen der Beuten und anschließendem Aufscheuchen der Flugbienen, damit die abfliegen.
    Bei dem Status der Völker bleibt nur der Weg den du vorgeschlagen hast, eine integrierte Varroabehandlung ist nicht möglich. Wegstellen und behandeln, wie du vorgeschlagen hast, scheint mir nicht effektiv, da viele Bienen zur alten Stelle fliegen und ihre Milben mitnehmen. Als schonende Varroabehandlung, die die Bienen wenig reizt, kommt wohl nur eine mehrfache OS-Bedampfung Mitte August ca. 5 Wochen nach dem Umweiseln infrage.


    Gruß Ralph