Naturnah - oder dumm?

  • Hallo miteinander.


    Vorweg: Ich bin Anfänger in der Imkerei, habe 3 JungVölker, die relativ lang brauchten, um in die Pötte zu kommen, aber nun sind davon 2 relativ stark (wurden letzte Woche um 1 BZ erweitert, da sie ein Brutnest über 8 Waben haben).
    Da das Wetter einfach so wechselhaft ist, weiß ich nun nicht, was ich machen soll.
    Imkerkollege meint, ich soll zufüttern, aber eigentlich will ich das nicht, weil ich die Bienen so weit als möglich machen lassen will. Die sollen selber regeln, wieviel sie bauen, brüten, eintragen müssen /können/ sollen. Ich will von Ihnen lernen, wie sie sich verhalten und was sie brauchen, anstatt ihnen vorzugeben, was sie brauchen sollen.
    Ab nächster Woche soll das Wetter ja wieder besser werden und bei uns hats später im Sommer Unmengen an Springkraut, so daß die spätere Versorgung wahrscheinlich gewährleitet ist. Linde blüht hier, aber ob sie honigt???


    Ich möchte aber nun die Völker ja nicht gleich im ersten Jahr verlieren indem ich sie aus übertriebener Natürlichkeit heraus verhungern lasse und Experimente mache, von denen ich nix verstehe.
    Angeblich lassen sie Zuckerwasser eh links liegen, wenn sie was anderes finden?!


    Was soll ich tun?


    Der Alois

  • Wenn Deine Umwelt noch so intakt ist wie vor 150 Jahren, laß sie machen.
    Wenn nicht > füttern!

    Mit freundlichen Grüßen - Hardy


    Wende Dich zur Sonne, dann bleiben die Schatten hinter Dir.

  • Füttern. Gerade in diesem Jahr mit diesem Wetter. Und zwar mit Sirup. Das mit dem Zuckerwasser ist keine gute Idee. Das schimmelt schnell bei wärmeren Temperaturen, wenn es nicht schnell in Waben umgelagert wird. Die Waben müssen ja erst noch gebaut werden - und da nützt Dir und deinen Bienen eine späte Springkrauttracht nix, wenn Du keine ausgebauten, viele! ausgebaute! Waben hast. Zuckerwasser löst schneller Räuberei aus als Sirup. Oder Du fütterst in Kleinstmengen und fortlaufend = viel Störung = viele Gelegenheiten für Räuberei. Also lieber gleich richtig machen.


    Ich bin auch für Natur und so, aber die Völker müssen erst mal auf die Füße kommen, um selbst laufen zu können. In diesem Jahr ist das nicht so einfach. (War letztes Jahr auch schon schwierig.)


    Gruß
    Bernhard

  • Hallo Alois,


    ich habe letztes Jahr mit einem späten Schwarm (18.06.) angefangen. Ich habe ihn nicht gefüttert und sehr gut über den Winter bekommen. Ich denke, das meine Trachtbedingungen schon sehr gut sind, denn ich habe wenig Landwirtschaft und auch viel Springkraut sowie weitere gute Quellen im Flugkreis. Für mich war es im Anfangsjahr wichtig zu sehen, ob sie es alleine schaffen. Ich habe im August das letzte Mal reingeschaut (nachher nur noch durchs Fenster). Und als dann das richtige Frühjahr so lange auf sich warten lassen hat, wurde mir schon etwas mulmig. Aber sie haben es geschafft und haben sich toll und ohne Probleme entwickelt. Man kann sagen, dass ich riskiert habe, dass sie im Frühjahr nicht genügend Reserven haben, um gut in das Jahr zu starten. Aber sie merken ja selber, wenn die Vorräte zu Neige gehen und stellen sich dann darauf ein (Brutpause). Und für mich war die Erfahrung, inwieweit sie meine Unterstützung benötigen, wichtig für meine weitere Bienenhaltung. Für mich steht die eigenständige Volksentwicklung im Vordergrund, so dass ich riskieren konnte, dass das Volk im Frühjahr nicht in Trachtstärke ist. Dafür kann ich aber mit hoher Wahrscheinlichkeit davon ausgehen, dass die Völker ohne Fütterung und ohne Honigentnahme den Winter überstehen. Und das ist eine sehr wesentliche Erkenntnis für mich.


    Viel Erfolg weiterhin
    Holger

  • Hallo Holger,


    mach' das mal ein paar Jahre und mit ein paar mehr Völkern und Du wirst sehen, daß das nur in ca. 30 % der Fälle so funktioniert. Alle anderen Völker verrecken. Das ist keine tolle Erfahrung für einen Anfänger und für die Bienen sowieso nicht. Für eine natürliche Auslese fehlt hier in unserer Landschaft einfach die Natur.


    Ich habe jedes Jahr auch ungefütterte Ableger, Schwärme usw. Schau mal: Diese Ableger habe ich mit jeweils zwei Waben am 12. Mai 2013 mit Königinnen aus 2012 und 2011 gebildet. Die haben alle bis zum 16. Juni schon 11 Waben DNM komplett ausgebaut und auch schon mit Honig dicke Kränze eingelagert. Ohne Fütterung!


    Aber: ich konnte das aufgrund ERFAHRUNG abschätzen, daß es ohne funktioniert. Erstens hatten sie genug Futter in Form einer Futterwabe mitbekommen und zweitens habe ich den Eintrag beobachtet und zur Not gefüttert.)


    Hier sieht man die zwei alten Waben, die für die Ablegerbildung genommen wurden.


    Hier ein Ableger mit frischen Waben, auch komplett ausgebaut.


    Verdeckelte Honigkränze.


    Und natürlich Ihre Majestät und Schönheit! *verneig*


    Mittlerweile haben sie ausgebaute Waben aufgesetzt bekommen und tragen fleißig Lindenhonig ein. Alle Waben sind angetragen. Das war auch notwendig, da sonst das Brutnest verhonigt wäre und eventuell ein spätes Schwärmen provoziert hätte.


    Diese Einschätzung aber, kann der Anfänger nur zu spät treffen. Und ohne genügend ausgebaute Waben und ohne konstanten Futterstrom geht so ein Experiment JETZT zu dieser Jahreszeit garantiert in die Hose.


    Der Rat, jetzt die Hände in die Tasche zu stecken, kann nur nach hinten losgehen.


    Viele Grüße


    Bernhard

  • Hallo Bernhard,


    richtig ist, dass ich etwas riskiert habe und es auch hätte schiefgehen können. Letztes Jahr hatten wir zur richtigen Zeit das richtige Wetter und bei mir eben auch die richtigen Trachtbedingungen. Soweit ich das überblicken kann, sind diese bei mir überdurchschnittlich gut und vor allem gibt es vielfältige Trachtquellen und eine strukturreiche "Natur". Ich glaube daran, dass bei meinen Bedingungen die Völker ohne Zufütterung und Honigentnahme überlebensfähig sind.
    Meinen (Nach-)Schwarm hätte ich letztes Jahr bei schlechterem Wetter alledings auch gefüttert. Ich hätte in meinen Ausführungen vielleicht die damals guten Bedingungen stärker hervorheben müssen. Die Standort- und Wetterbedingungen sind in den den ersten Wochen wesentlich. Ohne große Kenntnisse über die Flora im Flugkreis und bei längeren Schlechtwetterperioden ist man mit Füttern im ersten Jahr der Bienenvölker bestimmt auf der sicheren Seite.


    Viele Grüße
    Holger

  • Die sollen selber regeln, wieviel sie bauen, brüten, eintragen müssen /können/ sollen. Ich will von Ihnen lernen, wie sie sich verhalten und was sie brauchen, anstatt ihnen vorzugeben, was sie brauchen sollen.

    Super, dann gehen sie halt ganz natürlich ein und Du hast das dann gelernt. Toll für Dich - widerlich gegen die Bienen. Und das trotz Ratschlag.


    Lern doch zukünftig mehr an Dir. Zum Beispiel alles über Strom oder Verkehrsregeln. Da kann man tolle Erfahrungen machen.

    Mit vielen freundlichen Grüßen
    Henry Seifert (Honig-Bienen-Kurse-Gutachten)
    Faulbrutsanierer, Königinnenverschicker, Schwarmfänger, Bienenretter, Streitschlichter, Kunstschwarmkehrer, Belegstellenwirt, Imkerpate, Probennehmer, Schadenschätzer, Ablegerbilder

  • richtig ist, dass ich etwas riskiert habe

    Du bist auf fremdem Arsche durchs Feuer geritten. Das ist immer leicht. Du hast überhaupt reineweg gar nichts riskiert.

    Mit vielen freundlichen Grüßen
    Henry Seifert (Honig-Bienen-Kurse-Gutachten)
    Faulbrutsanierer, Königinnenverschicker, Schwarmfänger, Bienenretter, Streitschlichter, Kunstschwarmkehrer, Belegstellenwirt, Imkerpate, Probennehmer, Schadenschätzer, Ablegerbilder

  • Vielen Dank schon mal für eure Antworten.



    @Holle Das ist ermutigend zu lesen. Natürlich sind die Bedingungen immer etwas unterschiedlich, in meiner Umgebung ist es - soweit ich das beurteilen kann, ziemlich vielseitig. Keine Monokulturen, sondern Wiesen, vor Kurzem gemäht, aber der WeißKlee kommt schon wieder, Buschstreifen, Bäume, auch einige Gärten in der Umgebung, in 200m Entfernung der Wald (da muß ich eh auch aufpassen, daß nicht zu viel Waldhonig drinbleibt, falls es doch noch ne Waldtracht geben sollte...), also von dem her vielleicht ähnlich wie bei dir oder wie sieht es bei dir aus?


    @ Bernhard, ich lese deine posts mit großem Interesse (ich sag nur Lusby) und die Immenfreunde-Seite gefällt mir sehr gut. Ich denke, wir haben da eine ähnliche Linie, deswegen vertrau ich da schon deinem Rat.
    Bedeutet Sirup Zucker und Wasser im Verhältniss 2:1 und Zuckerwasser 1:1?



    Weitere Überlegungen von mir:


    Einerseits: Wenn der Mensch den Bienen so zusetzt, verdienen sie dann nicht auch ein wenig Unterstützung?


    Die Bedingungen sind ungünstig, ich habe keinerlei Erfahrungen mit "normalen" Jahren.


    Und hier kommt Andererseits: Gibt es die überhaupt noch. Was ist normal? Wird das, was jetzt ist, in Zukunft normal? Die Bienen mußten sich jahrmillionenlang an wechselnde Bedingungen anpassen. Wie soll Evolution stattfinden, wenn wir ihnen nicht die Möglichkeit geben, sich mit ihrer Umwelt zu verändern, wenn wir dauernd "helfend" eingreifen? Züchtet man sich damit "schoßbienen", die sich irgendwann drauf einstellen, daß es Freßchen gibt - und dann wirklich nicht mehr ohne den Menschen klarkommen...


    Bevor sie verhungern, füttere ich natürlich - als Notfütterung. Aber ist das im Moment wirklich ne Notsituation? Ich könnte doch auch einzargig in den Winter gehen?


    Eine wirkliche Entscheidung hab ich noch nicht getroffen.
    Ich werde dann mal rausfahren


    Danke euch schon mal
    Der Alois

    Dieser Beitrag wurde bereits 2 Mal editiert, zuletzt von aloisius () aus folgendem Grund: Ergänzung

  • Du sollst nicht weitschweifig rumlabern, sondern rausfahren und Deine Bienen füttern und zwar mit Sirup, einem fertigen flüssigen Bienenfutter das nicht gärt. :evil:


    Du kannst überhaupt nicht erkennen, ob Deine Bienen hungern oder ihre Entwicklung stockt und die gesamte Bienenzucht mußt Du auch nicht verantworten. Du sollst bloß den Ratschlägen aus Deiner Gegend folgen und Deine Völkchen durchbringen! Glaubst Du allen Ernstes, dieses Forum braucht schon wieder einen, der nicht weiß, daß die Massentracht aus dem Drüsigen Springkraut kommt und nicht aus Großen Springkraut, aber über die Bienen und ihre Möglichkeit, sich mit ihrer Umwelt zu verändern, seiern will. Du kennst den Unterschied zwischen Zuckerwasser und Sirup nicht, aber willst Dich schon als eingreifender Imker unter "wir" subsummieren. Lächerlich!


    Nein, traurig.

    Mit vielen freundlichen Grüßen
    Henry Seifert (Honig-Bienen-Kurse-Gutachten)
    Faulbrutsanierer, Königinnenverschicker, Schwarmfänger, Bienenretter, Streitschlichter, Kunstschwarmkehrer, Belegstellenwirt, Imkerpate, Probennehmer, Schadenschätzer, Ablegerbilder

  • Hallo,
    meine Völker stehen in einer sehr gut versorgten Ecke mit Wald, Kleingärten, Friedhof etc.
    Letztes Jahr musste ich meine Ableger nicht füttern, aber dieses Jahr schon. Sie haben fast nichts eingetragen. Die mitgegebenen Futterwaben sind bereits leergefuttert.
    Die Wirtschaftsvölker aber sind stark und versorgen sich selbst.
    Dieses Jahr ist extrem schlechtes Wetter für die Bienen. Bis das Springkraut blüht, ist es zu spät.
    Also, füttern!
    Grüße
    apirita

  • Moin Alois,


    Du hattest den Faden selber mit der Frage: Naturnah - oder dumm? eröffnet. Wenn Dir nun mehrere erfahrene Imker, teilweise inzwischen unter Auschluß der Höflichkeit, aber deswegen nicht weniger herzlich raten: Füttere die mit Sirup! So bald, wie möglich!


    Warum fragst Du, wenn Du die Antwort dann nicht umsetzen möchtest und hälst Dich statt dessen daran fest, dass jemandem im vorigen Jahr und ganz woanders das russische Roulettespiel mit vier Patronen geglückt ist? Nicht gegen den eigenen Kopf, freilich... Und womöglich unter auch sonst anderen Voraussetzungen?


    Tu es einfach! Einerseits und andererseits. Und drittenteils wie freilich nirgendwo.


    Aber heute noch.


    Gruß Clas

    "Ach, das Risiko...!" sagte der Bundesbeamte für Risikoabschätzung abschätzig...

  • Naturnah - oder dumm?


    Dazu fällt mir noch eine Geschichte ein, die "mein alter Herr" immer wieder mal erzählt (Zur Abschreckung):


    Es gab mal einen Imker, der auf dem Standpunkt stand: "Was Gott erschaffen hat, soll er auch erhalten" und entsprechend fütterte er seine Völker nie vor dem Winter ein (obwohl er ihnen den Honig entnommen hatte!).
    Und es kam jedesmal wie es kommen mußte: Im Frühjahr bettelte er wieder um Völker .....
    Keine Mär, sondern so zugetragen in den 50er Jahren des letzten Jahrhunderts.

    "Moral ohne Sachverstand ist naiv und manchmal sogar gefährlich"

  • Henry danke, daß ich auch deine Meinung so unmißverständlich klar hören durfte. In einem anderen Tonfall hätte ich dich auch verstanden, blaff mich ruhig an, wenn dir das gerade gut tut, kein Problem.
    Ich will deiner Meinung auch gar nicht widersprechen, aber ich möchte vor dem Rest des Forums klarstellen, daß ich nicht der Volltrottel bin, als der du mich hier vorführst.
    Hätte Bernhard Api-Food-Sirup o.ä. geschrieben, hätte ich gleich gewußt, was er meint. Daß es Fertigfuttersirup gibt, ist mir klar, aber daß er den hier gemeint hat, war mir nicht ganz klar. Auch normaler Zuckersirup gärt langsamer, je höher der Zuckeranteil ist.


    Ich kann in Zukunft die lateinischen Pflanzennamen verwenden, wenn dir die deutschen Bezeichnungen zu ungenau sind. Bei Springkraut denke ich in erster Linie an Impatiens glandulifera, das drüsige Springkraut, welches hier in Massen wächst, sogar schon ganz vereinzelt die ersten Büten hat und nach meiner unmaßgeblichen Information eine gute Trachtquelle für Bienen darstellt.
    Vom Großen Springkraut Impatiens noli-tangere habe ich nie gesprochen. Aber es wächst hier auch, wenns dich irgendwie beruhigt.